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Alpträume:
Wenn die Nacht zum Horrorfilm wird
Ausgewählte Artikel
Heft 1/2010

Alpträume: Wenn die Nacht
zum Horrorfilm wird

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Eine PDF-Datei mit Ratschlägen zum Umgang mit Alpträumen kann auf der Homepage www.dreamresearch.de unter der Rubrik „Hilfe bei Alpträumen“ heruntergeladen werden.



Prof. Dr. Michael Schredl

5 % aller Menschen leiden unter Alpträumen. Solche Träume sind nicht nur belastend, sondern stören auch den Schlaf, denn man wird davon wach und kann oft nicht gleich wieder einschlafen, weil der Schreck noch nachwirkt und das Herz klopft. Vor allem bei Kindern können Alpträume dazu führen, dass sie Angst vor dem Einschlafen haben oder gar nicht erst ins Bett gehen wollen. Zum Glück gibt es aber eine bewährte Methode, mit solch schlimmen Träumen umzugehen – und sie hilft bei Kindern ebenso wie bei Erwachsenen.

Jeder, der ab und zu unter Alpträumen leidet, fragt sich wahrscheinlich, woher diese erschreckenden Träume eigentlich kommen. Bin ich psychisch krank? Wollen die Träume mich vor etwas Schrecklichem warnen, was vielleicht demnächst auf mich zukommt? Oder verrät mein Unterbewusstsein mir damit etwas über mich selbst und meine Art, mit Problemen umzugehen?
Auf viele dieser Fragen hat die Traumforschung zum Glück inzwischen Antworten gefunden. So weiß man heute zum Beispiel, dass Alpträume zumindest teilweise genetisch bedingt sind: Eine große Zwillingsstudie aus Finnland ergab, dass eineiige Zwillinge häufiger übereinstimmende Alpträume haben als zweieiige. Ein amerikanischer Forscher hat eine Persönlichkeitseigenschaft beschrieben, die höchstwahrscheinlich mit diesen genetischen Faktoren verbunden ist und die er als „dünne Grenzen“ bezeichnete. (In der deutschen Umgangssprache gibt es einen ganz ähnlichen Begriff dafür: Man sagt, jemand sei „dünnhäutig“.) Solche Menschen sind meist kreativ, sensibel und sehr einfühlsam, sie können sich aber nur sehr schlecht gegenüber Stress abgrenzen.

Was sind eigentlich Alpträume?
Alpträume treten im REM-Schlaf (

Traumatische Erlebnisse und Stress lösen Alpträume aus
Womit wir schon beim zweiten wichtigen Punkt wären: Einer aktuellen  Studie zufolge scheint auch das Stressniveau einen relativ großen Einfluss auf die Häufigkeit von Alpträumen zu haben. In einer Untersuchung, die am Zentralinstitut für  seelische Gesundheit durchgeführt wurde, haben wir junge Studentinnen und Studenten befragt und konnten ganz deutlich zeigen, dass aktuell vorhandener Stress die Alptraumhäufigkeit erhöht.
Ein weiterer Faktor, der das Auftreten von Alpträumen fördert, sind traumatische Ereignisse – also z. B. sexueller Missbrauch, ein Autounfall oder irgendeine andere lebensbedrohliche Situation. Haben solche Erlebnisse in der Kindheit stattgefunden, so können sie bis ins Erwachsenenalter hinein nachwirken: Frauen, die im Kindesalter missbraucht worden sind, leiden noch als Erwachsene vermehrt unter Alp- träumen. Das Gleiche gilt für Kriegsveteranen und Überlebende des Holocaust: Solcherart traumatisierte Menschen haben zum Teil nach 50 Jahren immer noch mehr Alpträume als Personen, die kein schweres belastendes Ereignis hinter sich haben.
Es gibt aber nicht nur auslösende, sondern auch aufrechterhaltende Faktoren für Alpträume. Hier ist vor allem das Vermeidungsverhalten zu nennen. Wir alle neigen dazu, unangenehmen oder angstbesetzten Situationen aus dem Weg zu gehen. Gerade bei Ängsten ist dieses Verhalten jedoch kontraproduktiv: Denn wenn man dem Gegenstand seiner Angst ausweicht und die Konfrontation damit scheut, wird die Angst normalerweise noch schlimmer.
Nehmen wir zum Beispiel jemanden mit einer Spinnenphobie, also einer krankhaften Angst vor Spinnen. So ein Mensch wird in der Regel versuchen, alle Orte zu meiden, an denen Spinnen sein könnten. Durch dieses Vermeidungsverhalten wird seine Angst aber eher größer als schwächer. Daher arbeiten psychotherapeutische Angstbehandlungen normalerweise mit Konfrontation: Bei einer Spinnenphobie wird der Patient beispielsweise immer näher an den Gegenstand seiner Angst (in diesem Fall also die Spinne) herangeführt, bis er sie schließlich sogar berühren kann.

Wie man mit Träumen arbeitet
Bei Alpträumen ist es ganz ähnlich: In einer Studie der Zeitschrift „Apothekenumschau“ mit 2000 Erwachsenen gab die Hälfte der Befragten an, negative Träume zu erleben, zirka 5 % sogar alle zwei Wochen oder öfter. 75 % dieser 1000 Alptraum-Geplagten versuchten ihre schlimmen Träume so schnell wie möglich wieder zu vergessen. Gerade Alpträume verleiten zu so einem Vermeidungsverhalten – man schiebt sie einfach von sich weg und sagt: „Es war ja nur ein Traum.“ Aber genau diese Strategie führt eben leider dazu, dass sich die Angst im Bewusstsein festsetzen kann und dann vielleicht schon bald der nächste Alptraum kommt.

Häufigste Themen von Alpträumen 
• Fallen
• Verfolgung
• Gelähm

Es gibt zwei verschiedene Möglichkeiten, an Träume heranzugehen. Die eine Methode bezeichne ich als „Verstehen des Traums“. Normalerweise spiegeln sich in unseren Träumen die Dinge wider, die in unserem Wachleben eine wichtige Rolle spielen. Das gilt weniger für Traumbilder (die können sehr ungewöhnlich sein und mit der Wachrealität wenig zu tun haben) als für die Art, wie erlebt und gehandelt wird – darin treten häufig typische Denk-, Gefühls- und Verhaltensmuster des Träumenden zutage. Es geht also nun darum, sich zu fragen: Wie denke, handle und fühle ich im Traum? Was haben diese Traummuster mit meinem aktuellen Wachleben zu tun?
Nehmen wir an, in einem Ihrer Träume tritt ein Problem, eine Bedrohung auf, und Sie laufen davor weg. Dann sollten Sie sich zum besseren Verständnis dieses Traums als Erstes die Frage stellen: Gibt es in meinem Wachleben auch Dinge, die ich als   bedrohlich wahrnehme und vor denen ich lieber fortlaufe, als mich der Bedrohung zu stellen? Bei diesem Traumarbeitsansatz geht es also vorwiegend darum, die Gefühle, Gedanken- und Handlungsmuster des Traums zu Ihrem derzeitigen Wachleben in Beziehung zu setzen.
Eine weitere interessante Art der Traumarbeit ist das Lösen des Traums. Bei dieser Methode fragen Sie sich nicht, warum Sie den Traum gehabt haben (denn es ist immer so, dass der Traum etwas mit Ihren Problemen, Stärken und Schwächen zu tun hat), sondern Sie nutzen ihn als Ausgangspunkt, um neue Ideen zu entwickeln. Dieser Ansatz kommt aus der kognitiven Verhaltenstherapie, bei der es darum geht, eingefahrene Denkmuster aufzulösen und sich neue Bewältigungsstrategien zu überlegen. Gerade bei Wiederholungsträumen, Alpträumen oder anderen negativ getönten Traumsituationen kann es sinnvoll sein, sich zu fragen: Wie kann ich mit der unangenehmen Traumsituation besser umgehen?

Alpträume und Leistungsdruck
Unsere stark an Erfolg und Leistun

Letztendlich ist das kein traumspezifischer Ansatz, sondern eine Bewältigungsstrategie, die auch sehr gut im Wachzustand funktioniert: Wenn Sie irgendetwas Negatives erleben, machen Sie sich natürlich erst einmal Gedanken darüber, warum das passiert ist. Aber Sie überlegen sich dann auch: Wenn ich das nächste Mal wieder in eine solche Situation komme, was kann ich dann tun, um besser und einfacher damit zurechtzukommen?
Diese Art der Alptraumtherapie ist im amerikanischen Sprachraum entwickelt worden; man bezeichnet sie als „Bild- oder Vorstellungs-Wiederholungstherapie“. Im Prinzip besteht diese Alptraum-Bewältigungsstrategie aus drei sehr einfachen Schritten:
1. Konfrontation: Schreiben Sie den Traum auf. (Kinder sollen das Traumbild malen.) Am besten führen Sie zu diesem Zweck ein Traumtagebuch und halten den Traum gleich nach dem Aufwachen schriftlich fest.
2. Überlegen einer neuen Strategie für den Umgang mit der Traumsituation im Wachzustand: Was könnten Sie tun, um die im Traum entstandene Situation besser zu bewältigen? (Bei Kindern: Was könntest du in dein Bild einzeichnen, damit du weniger Angst hast?) Fluchtreaktionen wie Fortlaufen, Verstecken oder Wegfliegen sind keine gute Bewältigungsstrategie. Besser ist es, die bedrohliche Figur anzusprechen, sich Helfer zu suchen etc. Wichtig ist es, keine Vorschläge zu machen, sondern die Person selbst über mögliche Lösungen nachdenken zu lassen.
3. Einüben der neuen Strategie: Gehen Sie Ihre Bewältigungsstrategie über einen Zeitraum von zwei Wochen in Ihrer Fantasie einmal täglich durch; denn alles, was im Wachzustand getan wird, wirkt sich auf die nachfolgenden Träume aus.
In meinen Traumarbeitsseminaren arbeite ich häufig mit einer Kombination aus beiden Ansätzen: Wir versuchen zuerst, den Traum zu verstehen, um ihn anschließend zu lösen.

Fallbeispiel: Konflikt mit den Eltern
Eine Patientin stellte si