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Schichtarbeit – Tipps für einen erholsameren Schlaf
Ausgewählte Artikel
Heft 1/2009


Schichtarbeit
Tipps für einen erholsameren Schlaf

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§ 128 SGB V Hilfsmittelversorgung
von Marion Zerbst

Der Schicht- oder Nachtarbeiter, der häufig gezwungen ist, nachts zu arbeiten und tagsüber zu schlafen, vergewaltigt damit nicht nur ständig seine innere Uhr, sondern muss zusätzlich auch noch gegen andere Widerstände ankämpfen: Tagsüber ist es heller und lauter (und im Sommer auch wesentlich heißer), worunter der Schlaf zwangsläufig leidet.

Schichtarbeiter schlafen nicht nur kürzer (im Durchschnitt bekommt ein Schichtarbeiter, der ständig Nachtschicht hat, zehn Stunden weniger Schlaf pro Woche als jemand, der tagsüber arbeitet und nachts schläft); nein, der Schlaf ist auch unruhiger und durch unvermeidliche Störungen fragmentiert. Der für die körperliche Erholung so wichtige Tiefschlafanteil und der für die geistige und psychische Regeneration notwendige Traumschlaf verkürzen sich. Man braucht länger zum Einschlafen und wird häufiger wach. So baut sich mit der Zeit ein chronisches Schlafdefizit auf – die Folge sind bleierne Müdigkeit und wachsende Konzentrations- und Leistungsprobleme zu den Arbeitszeiten.
Schlafexperten bezeichnen dieses Problem als Schichtarbeitersyndrom: Typische Symptome sind Schlafstörungen während der Hauptruhezeiten und/oder exzessive Schläfrigkeit zu den durch die Schichtarbeit vorgegebenen Wach- und Arbeitszeiten. Untersuchungen zufolge schlafen 85% aller Schichtarbeiter gelegentlich und 20% regelmäßig bei der Arbeit ein. Das ist nicht nur unangenehm für die Betroffenen, sondern kann auch gefährlich sein – denn natürlich steigt dadurch die Fehler- und Unfallhäufigkeit, vor allem bei Menschen, die schon jahrelang Schicht- oder Nachtarbeit leisten. Am höchsten ist die Fehleranfälligkeit zwischen zwei und fünf Uhr morgens.

So schützen Sie sich vor Tageslärm
Umso wichtiger ist es für Schicht- oder Nachtarbeiter, ihren Schlaf bei Tage möglichst ungestört und erholsam zu gestalten. Dabei kommt dem Schutz vor Tageslärm eine entscheidende Rolle zu: Ihr Schlafzimmer sollte in einem möglichst ruhigen Teil der Wohnung oder des Hauses liegen – am besten in Richtung Garten oder zumindest zu einer ruhigeren Nebenstraße hin. Außerdem sollten Sie das Schlafzimmer in denjenigen Teil der Wohnung verlegen, der möglichst weit vom täglichen Familienlärm entfernt liegt – also nicht gerade neben der Küche, dem Bad, der Toilette oder dem Kinderzimmer. Es sollte auch nicht an der Wand zum Treppenhaus liegen. Um tagsüber nicht durch unerwünschte Anrufe gestört zu werden, können Sie die Telefonklingel auf „leise“ stellen (das geht übrigens auch bei vielen Türklingeln) oder einen Anrufbeantworter installieren.
Trotzdem wird ein gewisser Lärmpegel – vor allem in einer Familie mit kleinen Kindern – unvermeidlich sein. Auch Verkehrslärm lässt sich tagsüber nicht immer völlig vermeiden, selbst dann nicht, wenn man sich ein möglichst ruhiges Plätzchen für sein Schlafzimmer sucht. In so einem Fall können Ohrstöpsel oft wahre Wunder bewirken; und mittlerweile gibt es neben den klassischen Wachs-Ohrstöpseln zum Glück sehr viel weichere, bequemere Varianten, z. B. aus Schaumstoff. Fündig werden Sie in Apotheken und Drogerien oder im Internet, beispielsweise unter www.sonicshop.de oder www.ohropax.de. Als sehr hilfreich hat sich auch der Einsatz von so genanntem „weißem Rauschen“ erwiesen: Das sind leise, gleichförmige Hintergrundgeräusche, die den störenden Außenlärm überdecken, z. B. durch einen Ventilator oder einen beruhigend plätschernden Zimmerbrunnen.
Falls Sie in einer lauten Umgebung (beispielsweise direkt an einer Hauptverkehrsstraße oder in Flughafennähe) wohnen, wäre der Einsatz von Lärmschutzfenstern eine Überlegung wert. Zumindest sollten Sie dann dicke Außenrollos vor Ihr Schlafzimmerfenster montieren lassen, die nicht nur den gröbsten Lärm abhalten, sondern auch für angenehme Dunkelheit sorgen.
Womit wir beim zweiten Störfaktor des Tagschlafs wären: dem Licht. Sie sollten auf jeden Fall versuchen, Ihr Fenster irgendwie zu verdunkeln – wenn Sie keine Rollläden oder Außenjalousien haben, installieren Sie zumindest Innenrollos oder dicke, dunkle Vorhänge. Falls auch das nicht möglich sein sollte, kaufen Sie sich eine Schlafmaske (ebenfalls in Apotheken, Drogerien oder Sanitätshäusern erhältlich); sie hält störendes Licht zuverlässig ab und schafft selbst in einem sonnenlichtdurchfluteten Schlafzimmer nachtähnliche Verhältnisse.
Wichtig ist im Sommer auch ein ausreichender Schutz vor Wärme. Ihr Schlafzimmer sollte daher möglichst nach Norden oder Nordwesten gehen, damit im Sommer nicht die Sonne auf das Schlafzimmerfenster scheint, während Sie zu schlafen versuchen. Auch hier können außerdem Markisen oder Rollläden helfen.

Schlafhygiene: für Schichtarbeiter besonders wichtig
Und last but not least sollte gerade ein Schichtarbeiter, der zu ungewohnten, seiner inneren Uhr zuwiderlaufenden Zeiten schlafen muss, die Regeln der Schlafhygiene (also schlaffördernder Verhaltensweisen) beachten:
 Sie sollten – je nach Schicht – immer zu einer festen Zeit zu Bett gehen und aufstehen.
 Lassen Sie sich vor dem Schlafengehen noch eine halbe bis eine Stunde Zeit, um abzuschalten. Also nicht direkt nach der Arbeit ins Bett gehen! Gönnen Sie sich vorher lieber noch ein entspannendes „Einschlafritual“ – z. B. ein heißes Bad, eine angenehme Bettlektüre oder eine CD mit Entspannungsmusik. Auch das Erlernen einer Entspannungstechnik (z. B. autogenes Training oder progressive Muskelentspannung) kann helfen, leichter in den Schlaf zu finden.
 Regelmäßige körperliche Aktivität sorgt für einen tieferen, erholsameren Schlaf. Allerdings sollten Sie unmittelbar vor dem Schlafengehen keinen Sport mehr treiben; denn das regt den Kreislauf an und hält Sie wach.
 Alkohol eignet sich nicht als Schlummertrunk! Er macht zwar vorübergehend müde, hilft also beim Einschlafen; aber ein Alkohol-induzierter Schlaf ist weniger erholsam, denn Alkohol unterdrückt den Tiefschlaf und kann in der zweiten Nachthälfte über die dann bereits einsetzenden Entzugserscheinungen (selbst wenn man keine großen Mengen getrunken hat) eine Störung des Schlafs hervorrufen: vermehrte Weckreaktionen, nächtliches Schwitzen und Alpträume.
 Auch Nikotin hat negative Auswirkungen auf den erholsamen Schlaf. Raucher schlafen schlechter ein und werden nachts öfter wach. Falls Sie das Rauchen nicht ganz lassen können, sollten Sie zumindest ein paar Stunden vor dem Schlafengehen damit aufhören oder Ihren Nikotinkonsum in dieser Zeit wenigstens deutlich einschränken!
 Ferner sollten Sie drei bis vier Stunden vor der Schlafenszeit auch keine stimulierenden Getränke (Kaffee, Schwarz- oder Grüntee, Coca-Cola, Red Bull etc.) mehr zu sich nehmen.
 Die Temperatur in Ihrem Schlafzimmer sollte 16 bis 18 °C betragen. Wichtig sind natürlich auch eine geeignete Matratze und ein bequemes Kopfkissen sowie eine ausreichend warme Decke.
 Nehmen Sie vor dem Einschlafen keine schweren Mahlzeiten ein, die Ihr Verdauungssystem belasten. Hungrig sollten Sie allerdings auch nicht zu Bett gehen, denn auch ein knurrender Magen kann einem den Schlaf rauben.

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