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Restless Legs
Wie können Betroffene sich selbst
helfen?
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Ausgewählte Artikel
Heft 3/2009
Restless Legs
Wie können Betroffene sich selbst helfen ![]()
Schlafapnoe und Urlaub
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Prof. Dr. Jörn Peter Sieb
Um gegen ihre quälenden Beschwerden
anzukämpfen, greifen RLS-Patienten oft zu rezeptfreien
Medikamenten und Naturheilmethoden. Bei den wenigsten ist die
Wirksamkeit erwiesen; manche können bedenkliche
Nebenwirkungen haben. Besser ist es, sich die Erkrankung mit
einfachen Änderungen des Tagesablaufs und der
Lebensgewohnheiten zu erleichtern. Hierzu gibt es viele Erfolg
versprechende Ansätze.
Die Zahl der für die Behandlung des
Restless-Legs-Syndroms (RLS) zugelassenen Medikamente steigt.
Aktuell wurde das Neupro®-Hautpflaster für die
RLS-Therapie zugelassen. Pregabalin (Lyrica®) ist eine
mögliche weitere Therapieoption, zumindest legen aktuelle
Studien dies nahe. Ob und wann Pregabalin für die
RLS-Therapie zugelassen wird, lässt sich jedoch noch nicht
abschätzen. Die gute Wirksamkeit der zugelassenen
RLS-Medikamente wurde anhand aufwendiger, nach strengen
wissenschaftlichen Vorgaben durchgeführter Studien belegt.
Viele RLS-Patienten versuchen, durch Änderung ihrer
Lebensgewohnheiten eine Besserung ihrer Krankheitssymptome zu
erreichen. Auch nehmen sie nicht selten frei verkäufliche
Medikamente ein oder setzen Methoden aus der Natur- oder
Alternativmedizin ein.
Rezeptfreie Medikamente
Zu den frei verkäuflichen
Medikamenten, die etliche RLS-Patienten ohne ärztlichen
Rat gegen ihre Beschwerden einsetzen, gehören insbesondere
Magnesium-Präparate (wie beispielsweise Magnesium
Verla®, Magnesium-Diasporal®) und Chinin (z. B.
Limptar®), die auch von vielen Hausärzten gegen
Muskelkrämpfe verordnet werden. Tatsächlich gibt es
Untersuchungsdaten, die eine gewisse Wirksamkeit von Magnesium
beim leichtgradigen RLS zeigen, jedoch steht ein
wissenschaftlich eindeutiger Beleg aus. Ein Versuch mit
Magnesium kann durchaus sinnvoll sein.
Wissenschaftliche Untersuchungen fehlen
jedoch für Chinin, das in letzter Zeit sehr propagiert
wird. Die Einnahme von Chinin ist keineswegs ohne Risiko
– vielmehr sind erhebliche Nebenwirkungen möglich.
Manche Patienten setzen gegen
RLS-Beschwerden Schmerzmedikamente wie beispielsweise
Ibuprofen ein. Auch diese Selbstmedikation ist nicht
risikofrei, insbesondere wenn sie über einen längeren
Zeitraum betrieben wird. Ebenso ist die Einnahme von
eigentlichen Schlafmitteln nicht sinnvoll, da sie beim RLS
nicht zielgerichtet wirken. Bei regelmäßiger
Einnahme von Schlafmitteln kann es zu einer Gewöhnung
kommen. Man merkt bald kaum noch die schlafanstoßende
Wirkung des Schlafmittels; jedoch ist der Schlaf besonders
schlecht, wenn die gewohnte Schlaftablette an einem Abend
einmal nicht eingenommen wurde.
Natur- und Alternativmedizin
Nicht wenige RLS-Patienten versuchen es
mit Methoden aus der Natur- und Alternativmedizin.
Beispielsweise haben viele RLS-Patienten positive Erfahrungen
mit der klassischen Homöopathie oder den Dr.
Schüßler-Salzen gemacht. Wilhelm Heinrich
Schüßler hat als homöopathischer Arzt in der
zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Oldenburg die nach
ihm benannte „biochemische Heilweise“ entwickelt.
Er ordnete zwölf Mineralsalzen bestimmte Organfunktionen
zu. Unter den Dr. Schüßler-Salzen sollen die Nr. 7
(Magnesium phosphoricum D6) und die Nr. 14 (Kalium bromatum D6)
beruhigen und den Schlaf fördern. Nr. 21 (Zincum chloratum
D6) soll die unruhigen Beine beeinflussen.
Zu den homöopathischen Mitteln, die
beim RLS eingesetzt werden, gehören weiterhin Rhus
toxicodendron (Giftefeu), Sulfur (Schwefel), Zincum (Zink),
Valeriana officinalis (Baldrian), Sepia (Tintenfisch) und
Arsenicum album (Arsen). Manche Patienten haben auch durch
Löwenzahntee Linderung gefunden.
Auch die traditionelle chinesische Medizin
bietet RLS-Kranken Therapieoptionen an. Die RLS-Beschwerden
sollen auf eine so genannte Yang-Fülle bzw.
Feuer-Störung der Leber und des Herzens hinweisen. Diese
Füllestörung beruht nach den Vorstellungen der
traditionellen chinesischen Medizin auf einer meist eher
verborgenen Yin-Schwäche-Störung. Solche kombinierten
Störungsmuster mit Yin-Schwäche und Yang-Fülle
seien allein mit Akupunktur häufig nicht ausreichend zu
behandeln. Die Umstellung der Ernährung auf ausgewogene
Kost nach den fünf Elementen mit viel Ruhe beim Essen,
Heilkräutern (z. B. Reishi) sowie Qi Gong- bzw.
Tai-Ji-Juan-Übungen seien deshalb wichtige
Ergänzungen der RLS-Therapie.
Weiterhin wird für die
Magnetfeldtherapie in mehreren Abwandlungen, z. B. als so
genannte SEQEX-Therapie, als Behandlung bei RLS geworben.
Spezielle Magnetmatratzen zur RLS-Therapie werden teuer
angeboten.
Wissenschaftliche Untersuchungen zur
Wirksamkeit der Therapieverfahren aus der Natur- und
Alternativmedizin fehlen. Es gilt: „Der Glaube kann Berge
versetzen!“ und „Wer heilt, hat Recht“. Der
finanzielle Aufwand mancher dieser Verfahren ist jedoch
beträchtlich. Darüber hinaus sind manche
Behandlungsmethoden der Alternativmedizin nicht ohne
gesundheitliches Risiko.
Beispielsweise können chinesische
Medikamente aus obskuren Quellen nicht deklarierte und
risikoreiche Inhaltsstoffe enthalten. Wegen unberechtigter
Hoffnungen, die die Patienten in alternative Therapieversuche
setzen, unterbleibt nicht selten die Behandlung mit
Medikamenten, deren Wirksamkeit wissenschaftlich belegt ist.
Auch auf diese Weise kann RLS-Kranken Schaden zugefügt
werden.
Ernährung und RLS
Eisenmangel kann ein RLS hervorrufen!
Dieser Zusammenhang ist seit langem bekannt. Eisenmangel ist
keineswegs selten. Mögliche Ursachen dafür sind z. B.
eine nicht ausreichende Eisenzufuhr mit der Nahrung oder ein
chronischer Blutverlust. In Europa weisen zirka 10 % aller
Frauen im gebärfähigen Alter einen Eisenmangel auf,
in Entwicklungsländern sind es sogar bis zu 50 %.
RLS-Kranke sollten auf eine ausreichende Eisenzufuhr mit der
Nahrung achten. Pflanzliches Eisen wird vom Darm deutlich
schlechter aufgenommen als tierisches. Auch kann Vitamin C die
Eisenaufnahme fördern. Eisenpräparate bergen die
Gefahr einer übermäßigen Eisenzufuhr und
sollten deshalb nur unter ärztlicher Kontrolle eingenommen
werden.
Hunger verscheucht den Schlaf – aber
auch ein voller Magen kann zum Schlafhindernis werden und zu
einem unruhigen, traumschweren Schlaf führen. Bestimmte
Nahrungsbestandteile, wie beispielsweise die Aminosäure
L-Tryptophan, sollen dagegen den Schlaf fördern. Aus
Aminosäuren bildet der Körper Eiweiß, wobei der
Körper selbst L-Tryptophan nicht herstellen kann und
deshalb auf die Zufuhr dieser Aminosäure mit der Nahrung
angewiesen ist.
L-Tryptophan wird auch als Medikament
eingesetzt, und zwar als mildes Schlafmittel und
Antidepressivum. Zu den schlaffördernden Nahrungsmitteln
zählt man Milch und Milchprodukte, Teigwaren,
Süßigkeiten, Erdnüsse, Fleisch und beim Obst
Ananas, Bananen, Datteln sowie Feigen. Somit wäre die
Wirkung des Hausmittels „heiße Milch mit
Honig“ als Einschlafhilfe erklärt. Zu den eher
schlafhemmenden Nahrungsmitteln gehören u. a. Eier, Fisch,
Magermilch, Joghurt, Erbsen, grüne Bohnen und
möglicherweise auch bestimmte Konservierungsmittel.
Bei vielen RLS-Kranken führt Koffein
zu einer deutlichen Zunahme der RLS-Beschwerden. Sie sollten
deshalb für einige Wochen konsequent auf koffeinhaltige
Getränke wie Kaffee, schwarzen Tee, Mate-Tee und Cola
verzichten und die Wirkung dieses Verzichts bei sich austesten.
Der Koffeingehalt von Mate-Tee nähert sich dem von
schwarzem Tee. Übrigens findet sich auch in Kakao und
damit auch in Schokolade Koffein in geringer Menge. Ebenso
sollten versuchsweise zumindest abends Alkohol und Tabak
gemieden werden. Es ist ohnehin falsch, Alkohol als
Einschlafhilfe („Schlummertrunk“) zu benutzen. Auch
bei Gesunden beeinträchtigt Alkohol die Schlafstruktur
durch den Weckeffekt des fallenden Blutalkoholspiegels.
Weiterhin soll der Süßstoff Saccharin sich bei RLS
ungünstig auswirken.
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Selbsthilfeoptionen
Einfache Änderungen des Tagesablaufs
und der Lebensgewohnheiten können die RLS-Beschwerden
bereits maßgeblich lindern. Leider gibt es jedoch kein
Allheilmittel. Letztlich hat jeder Betroffene sein
individuelles RLS. Häufig sind günstige Effekte nicht
von anhaltender Dauer, da sich das RLS typischerweise mit
zunehmendem Lebensalter verschlimmert. Viele Erkrankte
registrieren einen Wechsel zwischen Phasen mit relativ gering
ausgeprägten Beschwerden und solchen, in denen sie
besonders heftig von der Erkrankung betroffen sind.
Bäder und Massagen: Die meisten
RLS-Patienten empfinden kalte oder warme Abgüsse als sehr
günstig. Auch Massagen, beispielsweise eine Muskelmassage
mit Franzbranntwein, lindern die RLS-Beschwerden häufig.
Entspannungsübungen: Bei
Schlafstörungen wird häufig das Erlernen von
Entspannungstechniken (z. B. autogenes Training oder
Muskelrelaxation nach Jacobson) empfohlen. Für RLS-Kranke
sind solche Übungen jedoch meistens nicht geeignet, weil
sie nicht die erforderliche Ruhe dazu aufbringen. Trotzdem ist
es auch für RLS-Kranke hilfreich, sich bewusst zu
entspannen. Es muss im Tagesablauf immer Zeit bleiben, um den
Tag vor dem Einschlafen langsam ausklingen zu lassen. Bei
Anspannung, beispielsweise durch berufliche oder familiäre
Probleme, wird sich die RLS-Symptomatik verstärken.
Diese Befürchtung, nicht schlafen zu
können, kann als „sich selbst erfüllende
Prophezeiung“ das Einschlafen zusätzlich zu den
RLS-Symptomen behindern. Die Folge ist, dass sich die
Schlafstörungen noch verstärken. Bei der so genannten
paradoxen Intention wird der Schlafgestörte dazu an-
gehalten, gerade das befürchtete Verhalten, d. h. die
nächtliche Schlafstörung, anzustreben. Die
psychologische Grundannahme dabei ist, dass bei vielen
Schlafgestörten eine Versagensangst besteht, die das
Einschlafen verhindert. Wird jedoch der Schlaf nicht
angestrebt, verringert sich diese Versagensangst, und der
Schlaf wird leichter erreicht.
Körperliche Betätigung: Eine
regelmäßige körperliche Betätigung
fördert bekanntlich die Gesundheit allgemein und kann auch
die unruhigen Beine günstig beeinflussen. Schwere
körperliche Betätigung, wie ein anstrengendes
Tennis-Match oder der abendliche Workout kurz vor dem
gewünschten Einschlafzeitpunkt, hat jedoch einen
gegenteiligen Effekt. Nach schweißtreibenden
Tätigkeiten am Abend können auch Gesunde ohne
Schlafstörung nur erschwert einschlafen.
Gestaltung des Schlafzimmers: Kein Bereich
der Wohnung wird zeitlich so intensiv genutzt wie das
Schlafzimmer und keinem Raum kommt eine ähnlich wichtige
Aufgabe zu: die körperliche und seelische Erholung durch
den Schlaf! Wer es sich aussuchen kann, sollte daher sein
Schlafzimmer in den ruhigsten Bereich der Wohnung oder des
Hauses legen. Eine ausreichende Verdunkelung und ein bequemes
Bett sind unabdingbar. Das Schlafzimmer und dessen Einrichtung
sollen auf den Schlaf einstimmen. Es ist deshalb besonders
ungünstig für den Schlaf, wenn das Schlafzimmer
weiteren Wohnfunktionen dient, also beispielsweise als
Arbeitszimmer genutzt wird. Einzimmerwohnungen sind daher
besonders schlafhemmend.
Frischluft fördert bekanntlich den
Schlaf. Das Schlafzimmer sollte also ausreichend gelüftet
werden, um eine optimale Raumtemperatur zu erreichen. Diese
liegt etwa bei 15 bis 16 Grad Celsius, bei Kindern eher etwas
höher. Wichtig ist auch die Luftfeuchtigkeit. Zu trockene
Luft trocknet die Schleimhäute der Atemwege rasch aus und
erschwert dadurch die Atmung.
Umgang mit der Erkrankung
Das Restless-Legs-Syndrom ist eine
Erkrankung, die den Betroffenen zumeist lebenslang begleitet.
Wichtig ist der Umgang mit dieser Erkrankung. Keineswegs
sollten die Krankheitsbeschwerden nur ertragen werden. Mit
individuellen Techniken kann die Beeinträchtigung durch
das RLS deutlich gemindert werden. Hier einige Hinweise
für Betroffene:
Sprechen
Sie über Ihre RLS-Erkrankung. Informieren Sie Ihre
Familie, Ihren Freundes- und Bekanntenkreis, vielleicht auch
die Arbeitskollegen über das RLS. Nur so wird man
verstehen, warum abendliche Schulungen, Theaterbesuche oder
auch der Fernsehabend für Sie so beschwerlich sind und
warum Sie „unruhig“ werden. Das RLS ist eine
häufige Erkrankung. Viele andere sind ebenfalls betroffen.
Rechnen Sie aber auch damit, dass manche Menschen weder
verstehen wollen noch können, was es mit dem RLS auf sich
hat.
Kämpfen
Sie nicht mit dem RLS. Versuchen Sie nicht, willentlich den
Bewegungsdrang zu unterdrücken. Es wird Ihnen nicht
gelingen, sondern die Symptome nur noch weiter verstärken.
Es ist leider nicht möglich, den Schlaf mit Willenskraft
herbeizuführen. Verlassen Sie das Bett und gehen Sie einer
entspannenden Tätigkeit nach. Akzeptieren Sie die
Erkrankung. Stemmen Sie sich nicht dagegen.
Führen
Sie ein Schlaftagebuch. Dadurch werden Sie Faktoren, die den
Schlaf günstig beeinflussen oder stören, sicher
erkennen. Auch sollte in einem solchen Schlafprotokoll die
Wirkung der Medikamente festgehalten werden. Für Ihren
Arzt sind diese Informationen sehr hilfreich.
Werden
Sie ein mündiger Patient. Den Entscheidungen anderer
folgen zu müssen, ist für viele von einer chronischen
Erkrankung betroffene Menschen das Schlimmste. Wirken Sie
diesem Kontrollverlust entgegen und treffen Sie
Therapieentscheidungen gemeinsam mit Ihrem Arzt. Voraussetzung
ist ein möglichst gutes Wissen um die Erkrankung. Auch
deshalb ist eine Mitgliedschaft in einer RLS-Selbsthilfegruppe
eine sinnvolle Entscheidung.
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