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Ich leide unter Schlafapnoe
Kann ich problemlos fliegen?
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Ausgewählte Artikel
Heft 3/2009
Schlafapnoe und Urlaub
Schlafapnoe – kann ich problemlos fliegen?
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Prof. Dr. med. Rainer Dierkesmann,
ehemaliger Ärztlicher Direktor der Lungenfachklinik
Schillerhöhe in Gerlingen, gehört zu den Pionieren
der Schlafmedizin.
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Prof. Dr. Rainer Dierkesmann
In den Warnungen vor Risiken beim Fliegen
wird die Schlafapnoe von den Fluggesellschaften meistens nicht
erwähnt. Allerdings ist die Frage, in welcher Weise
Schlafapnoe ein besonderes Risiko beim Fliegen darstellt, auch
nicht ganz einfach zu beantworten. Vieles ist nicht untersucht
worden, sodass man darauf angewiesen ist, das jeweilige Risiko
nach Plausibilität abzuschätzen.
Zunächst ein paar Grundbegriffe, die
erklären, warum Fliegen ein erhöhtes Risiko für
Menschen mit bestimmten Vorerkrankungen darstellen kann. Ein
grundsätzliches Problem ist, dass die Luft während
eines Linienfluges etwas dünner ist als in Bodennähe
auf Meereshöhe; der Luftdruck während des Fluges
entspricht etwa demjenigen, den man auf einem Berg in etwa 2500
Metern vorfindet. In dieser dünneren Höhenluft ist
weniger Sauerstoff vorhanden. Auch gesunde Menschen haben in
der Höhe dadurch einen gewissen Sauerstoffmangel. Gesunde
verfügen aber über genügend Reserven, sodass der
Höhenaufenthalt mit dem geringeren Sauerstoffgehalt
für sie keine Gefährdung darstellt. Dagegen kann es
für Kranke, die über weniger Reserven verfügen
und z. B. bereits am Boden zu wenig Sauerstoff haben, in dieser
Höhenluft zu einer erheblichen Bedrohung kommen.
In mehreren Untersuchungen konnte gezeigt
werden, dass ein Sauerstoffmangel in einer Höhe bis zu
3000 Metern selbst bei Gesunden eine unregelmäßige
periodische Atmung mit Apnoe-Phasen hervorrufen kann. Dieser
Effekt ist allerdings für den Gesunden nicht
gefährlich; bei Menschen mit Schlafapnoe jedoch, die im
Schlaf auch ohne Höhenluft bereits eine
unregelmäßige Atmung haben, könnte dieser
Höheneffekt erschwerend hinzukommen. Interessant ist eine
Studie aus dem Jahr 2004, die zeigte, dass die Gabe von lang
wirksamem Theophyllin die höhenbedingte schlafbezogene
Atemstörung bei Gesunden teilweise verhindern kann. Das
Theophyllin reicht aber nicht aus, um die schlafbezogene
Atemstörung bei Apnoikern zu beseitigen.
An einem Beispiel sei gezeigt, dass ein
Linienflug durchaus auch bei Gesunden einen beträchtlichen
vorübergehenden Sauerstoffmangel verursachen kann. Bei der
Abbildung handelt es sich um die Messung des Sauerstoffgehalts
im Blut eines 59-jährigen Mannes während eines Flugs
von Kopenhagen nach Frankfurt. Man sieht deutlich, dass der
Sauerstoffgehalt während des Fluges auf Werte um etwa 90 %
abfällt. Dieser Abfall ist beträchtlich; immerhin
werden diese 90 % in internationalen Empfehlungen für
Menschen, die ständig nur etwa 90 %
Sauerstoffsättigung haben, als Grenzwert für eine
Sauerstofflangzeittherapie angegeben. Einem gesunden Menschen
schadet dieser Sauerstoffmangel in Anbetracht der nur relativ
kurzen Flugzeit jedoch nicht.
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CPAP im Flugzeug – ja oder nein?
Was bedeutet dies für einen
Schlafapnoiker? Die meisten Schlafapnoiker haben heute dank der
guten vorbeugenden Behandlung keine relevanten
Folgeschäden an Organen, sodass sie also zunächst
keine Gefahren befürchten müssen, wenn sie ein
Flugzeug besteigen. Voraussetzung ist jedoch, dass sie wach
bleiben. Auf kurzen Strecken tagsüber kann man davon
ausgehen, dass dies bei gut behandelten Schlafapnoikern der
Fall sein wird. Allerdings wurden im Jahr 2008 auf dem Kongress
der American Thoracic Society (ATS) die Ergebnisse einer
Untersuchung vorgetragen, die zeigte, dass der Kreislauf von
Apnoikern in der dünneren Höhenluft auch im wachen
Zustand etwas mehr belastet ist als bei Gesunden. Ob dies
allerdings eine relevante Bedeutung hat, ist ungewiss. Die
Studie kommt zu der Schlussfolgerung, dass Apnoiker eventuell
während des Fluges zusätzlichen Sauerstoff bekommen
sollten; die Daten reichen aber nicht aus, um dies zu einer
allgemeinen Empfehlung zu machen. Es sei aber hier sehr
deutlich darauf aufmerksam gemacht, dass eine Sauerstoffgabe
keinesfalls geeignet ist, eine eventuell notwendige
CPAP-Behandlung zu ersetzen!
Wie sieht es bei Langstreckenflügen
aus? Hier muss man damit rechnen, dass der Fluggast zumindest
teilweise schläft. Das monotone Geräusch in einer
halbdunklen Umgebung, die keine körperlichen
Tätigkeiten zulässt, erzeugt einen erhöhten
Schlafdruck. Wenn ein Apnoiker im Schlaf selbst am Boden schon
schwere Sauerstoffmangelzustände bekommt, dann wären
diese während eines Fluges mit dem geringeren
Sauerstoffgehalt in der Luft noch bedrohlicher. Solche
Sauerstoffmangelzustände müssen auf jeden Fall
verhindert werden. Hier kommt dem Apnoiker aber zugute, dass er
– zumindest wenn er „Economy“ fliegt –
nicht flach liegt und im Sitzen vermutlich weniger
Obstruktionen der Atemwege hat; wer viel fliegt, stellt auch
fest, dass er relativ selten einen schnarchenden Nachbarn hat.
Allerdings darf man nicht vergessen, dass die meisten Apnoiker
übergewichtig sind und die enge Sitzhaltung für die
Atmung eher ungünstig ist, da das Zwerchfell durch den
zusammengedrückten Bauchinhalt in seiner Funktion
behindert wird. Insofern könnte das Übergewicht
– neben der erhöhten Thrombosegefahr – ein
Risiko darstellen.
Man muss leider feststellen, dass es nur
wenige Daten darüber gibt, ob eine sitzende Position die
Schlafapnoe wirklich so weit beseitigt, dass auf eine
CPAP-Behandlung verzichtet werden kann. Man kann zwar vermuten,
dass sich die sitzende Position bei den meisten Apnoikern
günstig auswirkt. In der Regel ist dies jedoch nicht
gemessen worden, denn die Untersuchung im Schlaflabor erfolgt
ja im Liegen. Besonders bei schwerer Schlafapnoe würde man
vor einem Langstreckenflug gerne mehr Informationen
darüber haben, was dann voraussichtlich während des
Fluges geschieht. Man könnte zu diesem Zweck z. B. vor dem
Flug zu Hause mit einem Oxymeter oder einem
Screening-Gerät eine Messung im Schlaf im Sitzen (am
besten angeschnallt!) durchführen. Wenn sich dann zeigt,
dass die Apnoe nicht mehr in relevantem Maße auftritt,
kann man riskieren, den Flug auch ohne Benutzung des
CPAP-Geräts anzutreten. In diesem Fall braucht man auch
keine Angst vor einem eventuellen „Rebound-Effekt“
zu haben, wenn man das Gerät während des Fluges nicht
benutzt. Sollte sich bei der Voruntersuchung zeigen, dass auch
im Sitzen relevante Atempausen auftreten, dann müsste der
Druck des CPAP-Geräts auf die sitzende Position
eingestellt werden. Zu berücksichtigen ist dabei, dass der
Fluggast am Zielort wahrscheinlich im Liegen schlafen wird und
dann seine alte Einstellung wieder benötigt.
Economy oder First Class?
Wenn der Langstreckenflug jedoch in der
„First Class“ erfolgt und man dort im Liegen
schlafen kann, muss man davon ausgehen, dass ohne das
CPAP-Gerät relevante Apnoe-Phasen auftreten, die dann
zusammen mit dem geringeren Sauerstoffgehalt der Luft im
Flieger durchaus bedrohlich werden können. In diesen
Fällen ist es also absolut anzuraten, sein CPAP-Gerät
während des Fluges zu benutzen. Man muss sich dann vorher
mit der Fluggesellschaft in Verbindung setzen und ermitteln, ob
das CPAP-Gerät während des Fluges betrieben werden
kann. Auch wenn bereits 1995 gezeigt worden ist, dass nicht
alle CPAP-Geräte unter dem niedrigeren Luftdruck den
Beatmungsdruck korrekt aufrechterhalten können, ist es
sicherlich besser, ein Gerät mit einem eventuell etwas zu
niedrigen Druck zu benutzen als gar keines. Diese Frage der
Druckkonstanz sollte vor der Reise mit dem Hersteller
geklärt werden; gegebenenfalls könnte man sich ein
Gerät besorgen, das auch im Flugzeug gut funktioniert.
Besonders für den lageabhängigen
Apnoiker, der nur in Rückenlage relevante Atempausen
aufweist, wird ein Schlaf im Sitzen aller Wahrscheinlichkeit
nach kein Problem sein. Eine Vorrichtung zur Vermeidung der
Rückenlage (z. B. Rucksack) macht im Sitzen keinen Sinn.
Sicherheitshalber sei an dieser Stelle betont, dass für
diejenigen, die ein Atemgerät zur Vermeidung der Apnoe an
Bord benötigen, die Gabe von Sauerstoff während des
Fluges keine Alternative ist.
Was man sonst noch tun kann
Auf jedem Fall soll der Apnoiker
während des Fluges alles vermeiden, was seine Neigung zu
Atempausen im Schlaf verstärken könnte. Das bedeutet,
dass auf Alkohol verzichtet werden sollte. Ferner sollten keine
Beruhigungsmedikamente eingenommen werden. Auch Schmerzmittel
haben häufig eine beruhigende Wirkung. Die Nacht vorher
sollte nicht durchgezecht werden. Da das Rauchen auf
Flügen inzwischen in der Regel verboten ist, erübrigt
sich der Hinweis, dass Zigarettenkonsum durch Verringerung des
Sauerstofftransports in Anbetracht der dünneren
Umgebungsluft ein zusätzliches Risiko darstellt.
Genaue Daten über medizinische
Notfälle im Flugverkehr gibt es nicht; nur wenige
Fluggesellschaften haben solche Daten stichprobenartig
veröffentlicht. Einige Studien lassen jedoch gewisse
Rückschlüsse über die Häufigkeit von
schweren Notfällen zu. Dabei zeigt sich, dass die
Lungenembolie anscheinend bei weitem das häufigste schwere
Ereignis ist. Es gibt plausible Berechnungen, dass
Herzkrankheiten etwa 19 % ausmachen. In keiner der Statistiken
wird über Probleme durch Schlafapnoe berichtet. Dies kann
aber daran liegen, dass darauf nicht besonders geachtet wurde:
Herzprobleme können nämlich als schwerwiegende Folgen
der Schafapnoe auftreten, die dann aber in den Statistiken
nicht nach ihrer eigentlichen Ursache, der Schlafapnoe,
aufgelistet werden, sondern eben als Herzkrankheit. Insgesamt
sind tödliche Unfälle selten; unter 36 Millionen
Flugpassagieren (etwas weniger als die Hälfte der
Einwohner Deutschlands!) gab es innerhalb eines Jahres
insgesamt zehn Todesfälle; es kam zu etwa 2000
Zwischenfällen, wobei in den meisten Fällen keine
bedrohlichen funktionellen Kreislaufstörungen vorlagen.
(Die Angaben stammen von einer Untersuchung bei der British
Airways; Zwischenfälle sind definiert als Ereignisse, bei
denen man ärztliche Hilfe angefragt oder z. B. den
Notkoffer geöffnet hatte.) Indirekt kann man daraus
schließen, dass die Gefahr eines Reisefluges für
einen Apnoiker nicht groß ist.
Fazit:
Kurze
Flüge tagsüber bei sonst erfolgreich behandelten
Apnoikern sollten kein Problem sein, wenn keine relevanten
Herz- oder Lungenkrankheiten vorliegen.
Vor
und während des Fluges sollte alles vermieden werden, was
die Schläfrigkeit fördert oder die Schlafapnoe
verstärken kann.
Bei
lageabhängigen Apnoikern stellt das Schlafen im Sitz eines
Flugzeuges wahrscheinlich keine besondere Gefährdung dar.
Bei
Langstreckenflügen, die mit Schlafen im Liegen verbunden
sind, sollte das CPAP-Gerät benutzt werden.
Insgesamt
scheint das Risiko einer Flugreise für den Apnoiker gering
zu sein.
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