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Flugreisen – erhöhte Thrombosegefahr
bei unbehandelter Schlafapnoe
Ausgewählte Artikel
Heft 3/2009



Schlafapnoe und Urlaub


  • Flugreisen – Thrombosegefahr bei unbehandelter Schlafapnoe

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Marion Zerbst

Eine untherapierte Schlafapnoe erhöht die Gerinnungsbereitschaft des Blutes. Auf längeren Flügen kann das besonders gefährlich werden: Es drohen Thrombosen, unter Umständen sogar eine tödliche Lungenembolie. Deshalb sollte das CPAP-Gerät Ihr ständiger Begleiter sein – auch im Urlaub.

Flugreisen erhöhen das Thromboserisiko gleich auf mehrfache Weise. Zum einen wegen des geringeren Luftdrucks in Flugzeugen, der den Blutfluss verlangsamt und aufgrund dessen dem Körper pro Atemzug weniger Sauerstoff zugeführt wird – beides sind Risikofaktoren für eine Blutgerinnselbildung. Schlafapnoiker sind ganz besonders von diesem Risiko betroffen: „Es ist davon auszugehen, dass bei Patienten mit unbehandeltem Schlafapnoe-Syndrom, vor allem denjenigen mit in der Nacht vor dem Flug ausgeprägten Sauerstoffentsättigungen, eine erhöhte Gerinnungsbereitschaft besteht“, erklärt Schlafapnoe-Experte Professor Karl-Heinz Rühle. „Nicht therapierte Schlafapnoe-Patienten dürften deshalb bei Langstreckenflügen besonders gefährdet sein.“ Dies ist mittlerweile durch wissenschaftliche Untersuchungen eindeutig erwiesen.1

Faktoren, die das Thromboserisiko auf Flugreisen erhöhen:
• Unb

Trockene Luft – ein zusätzlicher Risikofaktor
Auch die Luftfeuchtigkeit (also der Wassergehalt der Luft) spielt eine Rolle für das Thromboserisiko. Die Luft in Flugzeugen ist meistens besonders trocken, weil sie aus der kalten Außenluft gewonnen wird, die relativ wenig Feuchtigkeit enthält. Diese Luft wird von den Turbinen komprimiert, erhitzt und durch Filter gereinigt, bevor sie ins Flugzeuginnere geblasen wird. In Flugzeugen herrscht normalerweise eine durchschnittliche relative Luftfeuchtigkeit von 3 bis 10 % (am Erdboden beträgt die Luftfeuchtigkeit in Europa ca. 70 %). Das heißt, dass die Passagiere extrem trockene Luft einatmen. Dadurch trocknen nicht nur Haut und Schleimhäute von Mund, Nase und Augen aus; es kommt auch zu einem vermehrten Flüssigkeitsverlust über die Atmung (90 ml pro Stunde; unter Normalbedingungen am Erdboden verliert man nur 40 ml Flüssigkeit pro Stunde). Dadurch verdickt sich das Blut.
Menschen ohne Risikofaktoren können das problemlos verkraften. Wer jedoch ohnehin schon ein erhöhtes Thromboserisiko hat, dem macht dieser Flüssigkeitsverlust zu schaffen – denn weniger flüssiges Blut „verklumpt“ natürlich leichter.

Geschwollene Beine und Thrombosen im Flugzeug: 
So können Sie v

Das „Economy-Class-Syndrom“
Das dritte Problem, das die Thrombosegefahr beim Fliegen erhöht, ist das lange, beengte Sitzen mit eingeknicktem Knie- und Leistenbereich. Dadurch kann das Blut in den Venen nicht mehr so gut zum Herzen zurücktransportiert werden und „versackt“ in den Beinen. Normalerweise wird der venöse Blutkreislauf durch die so genannte Muskelpumpe in Gang gehalten: Durch die Muskelbewegungen beim Gehen werden die Venen immer wieder zusammengedrückt, und das venöse Blut wird in Richtung Herz gepresst. Wenn man längere Zeit sitzt, ohne zwischendurch immer wieder aufzustehen und sich Bewegung zu verschaffen, funktioniert dieser Rücktransport nicht mehr so gut – das Blut staut sich in Füßen und Unterschenkeln. Schwellungen und ein unangenehmes Schweregefühl in den Beinen sind die Folge.
Und wenn der Blutfluss ins Stocken gerät, können auch leichter Gerinnsel entstehen. Solche Venenthrombosen sind meist sehr klein, verursachen keinerlei Symptome, und der Organismus kann sie selbst wieder auflösen. Größere Gerinnsel können jedoch zu ziehenden Schmerzen und starker Schwellung im betroffenen Bein führen; die Haut verfärbt sich bläulich rot. So eine tiefe Venenthrombose tritt nicht immer sofort auf; oft entwickelt sie sich auch erst Stunden, Tage oder gar Wochen nach dem Flug. In so einem Fall ist eine sofortige ärztliche Behandlung erforderlich.
Manchmal lösen Blutgerinnsel in den Venen sich auch ab und werden mit dem Blutstrom in die Lungen geschwemmt, wo sie eine Arterie verstopfen. Diese Erkrankung be- zeichnet man als Lungenembolie. Sie äußert sich in plötzlichem Auftreten von Husten, Atemnot, Brustschmerzen, Angst und Unruhe und kann bei größeren Gerinnseln innerhalb von Minuten zum Tod führen.
Normalerweise ist das Thromboserisiko bei Flugreisen unter vier Stunden praktisch nicht vorhanden und auch auf längeren Flügen immer noch relativ gering. Es erhöht sich jedoch bei bestimmten Risikofaktoren – und dazu gehört neben einer unbehandelten obstruktiven Schlafapnoe auch starkes Übergewicht. Bei fettleibigen Patienten ist der Rückstrom des venösen Blutes zum Herzen gestört. Daher sollten Schlafapnoiker, die aus irgendwelchen Gründen nicht oder nicht adäquat therapiert sind, auf längeren Flugreisen unbedingt Maßnahmen zur Thromboseprophylaxe ergreifen – vor allem, wenn sie zusätzlich auch noch zu viele Pfunde auf die Waage bringen.
Professor Rühle rät unbehandelten Schlafapnoikern, zum Zweck der Thromboseprophylaxe während des Fluges häufig die Beine zu bewegen und auf eine ausreichende Trinkmenge zu achten. „Wenn der Flug länger als sechs Stunden dauert, empfiehlt es sich für Patienten mit einem oder mehreren Risikofaktoren, d. h. also auch für Schlafapnoe-Patienten, Kompressionsstrümpfe zu tragen.“ Das sind eng anliegende, elastische Spezialstrümpfe, die Druck auf die Beinvenen ausüben und auf diese Weise der Thromboseentstehung vorbeugen. Allerdings müssen diese Strümpfe individuell angepasst werden; denn eine zu schwache Kompression ist unwirksam, während ein zu starker Druck die Durchblutung verschlechtern kann. Also bitte nicht einfach in der Apotheke kaufen, sondern vom Arzt verschreiben lassen!
Für Apnoiker, die bereits regelmäßig ihr CPAP-Gerät benutzen, sind die möglichen Risiken einer Flugreise ein Grund mehr, ihr Beatmungsgerät auch in den Urlaub mitzunehmen.