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Bewertung und Vergleich von CPAP und
APAP-Geräten
Der TÜV für
Schlafapnoepatienten
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Ausgewählte Artikel
Heft 1/2010
Bewertung und Vergleich von CPAP und
APAP-Geräten
Der TÜV für
Schlafapnoepatienten
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Dr.-Ing. Thomas Netzel
Wie ein Beatmungsgerät für
Schlafapnoiker funktioniert, wissen die meisten Betroffenen.
Dass es gut funktioniert, das kann der Patient nur hoffen. In
der Regel weiß aber auch der Arzt nicht, welches
Gerät technisch besonders zuverlässig ist. Der
Ingenieur Dr. Thomas Netzel hat ein Verfahren entwickelt, mit
dem er CPAP- und APAP-Geräte vergleichen und bewerten
kann, sozusagen den TÜV für die CPAP-Technologie.
Die Therapie der Wahl zur Behandlung der
obstruktiven Schlafapnoe (OSA) ist die nächtliche
Überdruckbeatmung. Diese kann sowohl mit einem fest
eingestellten als auch mit einem variablen Beatmungsdruck
erfolgen.
Bei Geräten mit fest eingestelltem
Beatmungsdruck (CPAP) wird der Druck so vorgegeben, dass
obstruktive Apnoen und Hypopnoen in allen Schlafpositionen und
Schlafstadien therapiert werden. Damit ist der eingestellte
Beatmungsdruck zeitweise höher als tatsächlich
notwendig. Dadurch können vermehrt Nebenwirkungen
auftreten, und die Atemarbeit ist beim Ausatmen erhöht. Um
das zu vermeiden, wurden APAP-Geräte entwickelt, die den
Beatmungsdruck automatisch auf den jeweils geringsten
notwendigen Druckwert einstellen sollen.
Heute ist eine Vielzahl dieser
Atemtherapiegeräte auf dem Markt. Sie unterscheiden sich
in der eingesetzten Sensorik, in der Wahl der Parameter zur
Erkennung der OSA und gegebenenfalls anderer schlafbezogener
Atmungsstörungen, in den verwendeten Algorithmen zur
Druckanpassung und nicht zuletzt auch im Preis.
Qualitätsmerkmale für
Atemtherapiegeräte
Bei der Verordnung einer Atemtherapie
durch den behandelnden Arzt übernimmt die Krankenkasse die
Kosten für ein Atemtherapiegerät nur, wenn es im so
genannten Hilfsmittelverzeichnis gelistet ist. Dieses wird
unter Berücksichtigung der relevanten gesetzlichen
Vorschriften vom GKV-Spitzenverband erstellt und fortlaufend
aktualisiert.
Die Aufnahme eines Atemtherapiegeräts
in das Hilfsmittelverzeichnis erfolgt in der Regel auf Antrag
des Geräteherstellers. Dazu muss das Gerät allerdings
bestimmte Eigenschaften und Qualitätsmerkmale nachweisen.
Dabei ist die Druckstabilität, d. h.
die Druckdifferenz zwischen Inspirations- und
Exspirationsphase, eine der
Schlüsselkenngrößen, die die Wirksamkeit der
Schlafapnoe-Therapie beeinflusst. Die Druckdifferenz entsteht
in der Atemmaske durch einen Druckabfall während der
Inspiration und eine Druckerhöhung während der
Exspiration.
Die Druckstabilität muss
gemäß der Prüfmethode 14-4 03/2007 MDS-Hi
(diese basiert auf der DIN EN ISO 17510-1) oder anderen –
mindestens gleichwertigen – Prüfungen von einem
unabhängigen Prüfinstitut ermittelt werden.
Kenngrößen für
CPAP-Geräte
Bei der Druckstabilität unterscheidet
man die Stabilität des dynamischen Drucks
(Kurzzeitgenauigkeit) und die Stabilität des
statischen Drucks (Langzeitgenauigkeit). Die
Kurzzeitgenauigkeit beschreibt, wie stark der Beatmungsdruck
direkt nach Anschluss des Atemtherapiegeräts an einen
simulierten Patienten schwankt.
Mit der Langzeitgenauigkeit wird bestimmt,
wie stabil der Beatmungsdruck nach einem Zeitraum von
mindestens 2 Stunden am simulierten Patienten ist.
Kurz- und Langzeitgenauigkeit werden
für fest eingestellte Beatmungsdrücke bestimmt und
beschreiben somit umfassend das Druckverhalten von
CPAP-Geräten. Sie müssen vor Auslieferung des
Atemtherapiegeräts gemessen und in der Gebrauchsanweisung
hinterlegt werden. Die Mindestanforderungen an die
Druckstabilität sind im Hilfsmittelverzeichnis angegeben.
Sie „muss bei einem eingestellten Druck von < 10 hPa
den Wert ≤ 0,5 hPa erfüllen und muss bei einem
eingestellten Druck von ≥ 10 hPa den Wert ≤ 1 hPa
erfüllen“.
Zur Bewertung der Druckstabilität
marktgängiger CPAP-Geräte wurden 15 CPAP-Geräte
von sechs führenden Herstellern, die derzeit eingesetzt
werden, hinsichtlich ihrer dynamischen Druckstabilität
untersucht. Hierzu wurden die Geräte auf 4 hPa
Beatmungsdruck eingestellt, und softwarebedingte Ausatemhilfen
wurden deaktiviert.
Mit Hilfe des im Folgenden beschriebenen
Aktiven Lungen- und Obstruktionssimulators ALOSI, wur-de ein
Patient mit 20 Atemzügen pro Minute simuliert. Alle
weiteren Einstellungen entsprechen der Prüfmethode 14-4
03/2007 MDS-Hi.
Die untersuchten CPAP-Geräte weisen
eine Druckstabilität von p = 0,43 hPa bis p = 0,9 hPa auf.
Zwölf der 15 geprüften CPAP-Geräte besitzen eine
Druckstabilität p > 0,5 hPa (Abb. 1). Obwohl der
Beatmungsdruck für alle Atemtherapiegeräte auf 4,0
hPa eingestellt ist, nimmt der mittlere Beatmungsdruck
geräteabhängig Werte zwischen 3,65 hPa und 4,70 hPa
ein. Er weicht damit bis zu 17 Prozent vom Sollwert ab.
Betrachtet man die Darstellung der
Druckstabilität in Abhängigkeit von der
Betriebsstundenzahl baugleicher Geräte (Abb. 2), so zeigen
sich Schwankungen in der Druckstabilität. Allerdings
werden erst weitere Messungen zeigen, ob eine Abhängigkeit
zwischen Betriebsstundenzahl und Druckstabilität besteht.
Sobald Ergebnisse dazu vorliegen, werden
diese im Internet auf der Seite www.respiratorcheck.de
veröffentlicht.
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Abb. 1: Druckstabilität und mittlerer
Beatmungsdruck von Patienten-CPAP-Geräten
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Abb. 2: Druckstabilität und
Betriebszeit baugleicher Patienten-CPAP_Geräte
Kenngrößen für
APAP-Geräte
Im Rahmen vieler nächtlicher
Messungen im Schlaflabor und durch Gespräche mit
führenden Ärzten und Herstellern zeigte sich, dass
bei der Entwicklung neuer Regelalgorithmen für
APAP-Geräte bislang weder standardisierte Testhardware
noch -software existierten, um neue und bestehende
Beatmungsregler zu validieren. Auch gibt es keine
Kenngrößen, um diese Atemtherapiegeräte
reproduzierbar zu bewerten und untereinander zu vergleichen.
Insbesondere zeigte sich, dass die in DIN EN ISO 17510-1
festgelegten Standards nur für CPAP-Geräte geeignet
sind, da sie keine Vorgaben für das dynamische
Druckverhalten von APAP-Geräten definieren.
Das macht es den verschreibenden
Ärzten, aber auch den Krankenkassen und
Leistungserbringern nahezu unmöglich, aus der Vielzahl der
auf dem Markt befindlichen Atemtherapiegeräte das für
den Patienten auszuwählen, welches den besten
Therapieerfolg bei einem angemessenen Preis ermöglicht.
Der aktive Lungen- und
Obstruktionssimulator ALOSI
Abgeleitet aus diesen Anforderungen wurde
im Rahmen eines interdisziplinären Projekts der Aktive
Lungen- und Obstruktionssimulator ALOSI entwickelt.
Ausgangspunkt ist die Simulation der menschlichen Lunge
(Atemanregung, Compliance, Resistance jedes Lungenflügels)
mit Hilfe eines Rechners, wobei der zeitliche Verlauf der
Obstruktion frei eingestellt werden kann. Die Kopplung des
Lungensimulators mit einem obstruktiven Element (OE), das den
Verschluss der oberen Atemwege simuliert, erfolgt über
USB-Anschluss. An dieses Lungenmodell wird das zu untersuchende
Atemtherapiegerät angeschlossen (Abb. 3).
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Abb. 3: Funktionsdarstellung des ALOSI
Der ALOSI gestattet es durch Vorgabe der
Eigenschaften der menschlichen Lunge und des zeitlich
veränderlichen Obstruktionsgrads der oberen Atemwege,
jeden physiologisch möglichen Spontan-Atemzustand mit
beliebigem Obstruktionsgrad zu simulieren. Damit ist es
möglich, neben der gesunden Atmung obstruktive, gemischte
und zentrale Schlafapnoen, Hypopnoen, Cheyne-Stokes-Atmung,
aber auch Schnarchen und Leckagen reproduzierbar zu simulieren
und die Regeleigenschaften des angeschlossenen
Atemtherapiegeräts zu untersuchen.
Um die Bewertung und den Vergleich von
APAP-Geräten zu ermöglichen, wurden in enger
Zusammenarbeit mit erfahrenen Schlafmedizinern Vorschläge
für Kennzahlen entwickelt (Somnologie 2009, 13: S.
97-105).
Als Bewertungsparameter wurden fünf
dimensionslose Kennzahlen definiert, die die Funktionsbereiche
„stationäre Genauigkeit“ und „Dynamik
beim Eintreten respiratorischer Ereignisse“ betreffen.
Die Kennzahlen werden aus dem Quotienten des jeweiligen
Istwertes der betrachteten physikalischen Größe
bezogen auf den jeweiligen Sollwert gebildet. Im Idealfall
(Istwert = Sollwert) sind die Parameter identisch gleich 1. Je
mehr sie abweichen, umso schlechter ist das Gerät zu
bewerten.
Die Wahl der stationären Kennzahlen
basiert auf der DIN EN ISO 17510-1 und wird nachfolgend nicht
näher beschrieben.
Zur Beschreibung des dynamischen
Verhaltens von APAP-Geräten wurden Kennzahlen
gewählt, die eine Aussage darüber liefern, wie
schnell der Druck bei eintretenden Obstruktionen angepasst und
wie gut der Patient mit Atemluft versorgt wird.
Unter Beratung erfahrener Schlafmediziner
wurden die 3 Kennzahlen Totzeit, Reglerdynamik und
Atemgasversorgung sowie deren Sollwerte vorgeschlagen. Dabei
beschreibt die Totzeit die Zeit, die ein Atemtherapiegerät
nach Auftreten/Ende eines Ereignisses (Obstruktion)
benötigt, bis es beginnt, den Beatmungsdruck zu
verändern, wobei die Reglerdynamik die Geschwindigkeit der
Druckänderung charakterisiert. Die Atemgasversorgung zeigt
jederzeit auf, wie gut ein Patient mit Atemluft versorgt wird.
Gleichzeitig wurden standardisierte
Testabläufe entwickelt, mit denen ein Patient, der an OSA
erkrankt ist, mit Hilfe des ALOSI simuliert wird.
Anhand eines standardisierten Testablaufs
wurden APAP-Geräte führender Hersteller untersucht
und verglichen. Dabei stellte sich heraus, dass sich die
Geräteperformance deutlich unterscheidet. Betrachtet man
die Dynamik der untersuchten APAP-Geräte, so zeigen sich
bemerkenswerte Ergebnisse: Einige Geräte erhöhen den
Beatmungsdruck bei auftretenden Obstruktionen nur unzureichend,
so dass der Patient eine ungenügende Atemluftversorgung
erhält. Druck- veränderungen erfolgen teilweise
unabhängig vom Obstruktionsgrad oder erst nach dem Ende
von Obstruktionen und dauern teilweise so lange, dass
Obstruktionen behandelt werden, wenn sie bereits beendet sind.
Insgesamt erfüllen nur wenige Geräte die medizinisch
vorgeschlagenen Sollwerte; die meisten sind aus
regelungstechnischer Sicht zur OSA-Therapie ungeeignet.
Schlussfolgerungen
Die im Hilfsmittelverzeichnis angegebenen
Mindestanforderungen an die Druckstabilität müssen
für jedes CPAP-Gerät sichergestellt werden, bevor und
während es beim Patienten eingesetzt wird. Dazu ist eine
technische Weiterentwicklung vieler CPAP-Geräte dringend
erforderlich. Wobei aber auf eine gleich bleibende
Gerätequalität zu achten ist. Sollte sich bei
weiteren Messungen bestätigen, dass sich die
Druckstabilität von Atemtherapiegeräten bedingt durch
Alterungserscheinungen von Sensorik und Gebläse
verschlechtert, so müssen regelmäßige
technische Überprüfungen stattfinden. Geräte,
die die Sollwerte der Druckstabilität nicht erreichen,
müssen aus technischer Sicht gewartet bzw. ausgetauscht
werden.
Für APAP-Geräte müssen
Standards geschaffen werden, da es derzeit keine verbindlichen
Vorgaben zu den dynamischen Regeleigenschaften der Geräte
gibt. Dazu sollte die DIN EN ISO 17510-1 um zusätzliche
APAP-relevante Kennzahlen erweitert werden. Eine Grundlage
dafür sind die bereits von medizinischer Seite
vorgeschlagenen und hier dargestellten Kennzahlen.
Auf dieser Basis können dann
Ärzte, Krankenkassen und Leistungserbringer das
Atemtherapiegerät auswählen, welches den besten
Therapieerfolg bei einem angemessenen Preis ermöglicht.
Außerdem wird die Umversorgung auf ein anderes
Atemtherapiegerät deutlich erleichtert.
In diesem Zusammenhang sehen wir unsere
Rolle als unabhängige Wissenschaftler, die die technischen
Überprüfungen mit Hilfe des ALOSI gemäß
DIN EN ISO 17510-1:2009-07 unterstützen.
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