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Schlaf und Krankheit
17. Jahrestagung der DGSM in Leipzig
von Anne Greveling

Immer deutlicher zeigt sich, wie eng der Schlaf mit unseren übrigen Körperfunktionen vernetzt ist. Die noch relativ junge Wissenschaft der Schlafmedizin hat in den letzten Jahren viele Zusammenhänge zwischen gestörtem Schlaf und verschiedenen körperlichen und psychischen Erkrankungen aufgedeckt. Das war auch das Thema der diesjährigen Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM) in Leipzig: Unter dem Motto „Schlaf und Krankheit“ diskutierten international bekannte Schlafmediziner darüber, was denn der Schlaf mit unserer Gesundheit zu tun hat.

Vom 12. bis 14. November drehte sich in der altehrwürdigen sächsischen Messestadt alles um jenen geheimnisvollen Zustand, in dem wir rund ein Drittel unseres Lebens verbringen: In diesem Jahr tagte die DGSM in dem imposanten, hochmodernen Messezentrum in Leipzig. Das Kongressthema „Schlaf und Krankheit“ wurde gewählt, weil die Menschen dank der Fortschritte der modernen Medizin immer älter werden und es daher in Zukunft immer mehr Leute geben wird, bei denen mehrere Krankheiten gleichzeitig vorliegen. Diese Patienten stellen die Ärzte vor besondere Herausforderungen. Die Medizin wird sich in Zukunft immer interdisziplinärer ausrichten müssen, d. h., die Ärzte der einzelnen Fachgebiete dürfen sich nicht stur auf ihr eigenes Terrain beschränken, sondern müssen eng mit Kollegen anderer Fachrichtungen zusammenarbeiten. Ganz besonders gilt das für die Schlafmedizin: Denn gerade Schlafprobleme und schlafbezogene Atemstörungen nehmen im Alter zu; und es gibt zahlreiche, sehr komplexe Wechselwirkungen zwischen Schlaf und Krankheit. Unser Schlaf beeinflusst fast alle Funktionen unseres Körpers, und ein gestörter Schlaf kann im empfindlichen Zusammenspiel des menschlichen Organismus nachhaltigen Schaden anrichten. „Schlaf beschränkt sich nicht einfach nur aufs Gehirn, sondern ist von entscheidender Bedeutung für die gesamte Funktion unseres Organismus“, fasste Professor Thomas Pollmächer, Direktor des Zentrums für psychische Gesundheit am Klinikum Ingolstadt, die Problematik zusammen.

Europa – ein Kontinent der Schlaflosen?
Leider sind Schlafstörungen immer mehr auf dem Vormarsch. Vor allem die häufigste Schlafstörung, die Insomnie, nimmt mittlerweile geradezu beängstigende Ausmaße an. Der bekannte Schlafforscher Maurice Ohayon von der Stanford University (Kalifornien) hat eine groß angelegte Studie über die Häufigkeit nächtlichen Erwachens in Europa durchgeführt: Insgesamt 22 740 Menschen in europäischen Ländern wurden nach ihren Schlafproblemen befragt. Das Ergebnis war erschreckend: Rund 20 % der Befragten gaben an, dass ihr Schlaf jede Nacht durch häufigeres Aufwachen fragmentiert ist. Viele leiden schon seit über fünf Jahren unter Durchschlafstörungen und haben nach dem nächtlichen Erwachen Schwierigkeiten, wieder einzuschlafen. Das ist das eigentliche Problem, denn nächtliches Wachliegen beeinträchtigt die körperliche und geistige Gesundheit, vermindert Aufmerksamkeit, Gedächtnisleistung und Konzentration und erhöht die Unfallhäufigkeit. (Kurzzeitiges nächtliches Erwachen, an das wir uns am nächsten Tag meist gar nicht mehr erinnern, weil wir danach sofort wieder einschlafen, ist völlig normal und kein Grund zur Beunruhigung.)

Schlaf und Immunsystem
„Insomnien (Ein- und Durchschlafstörungen) scheinen eher die Regel als die Ausnahme zu sein“, meint auch Professor Pollmächer, der in zwei spannenden Vorträgen die Auswirkungen gestörten Schlafs auf unsere psychische und körperliche Gesundheit beleuchtete. „Kurzfristige Schlafstörungen haben sehr einfache Folgen“, erklärt er. „Der Mensch holt den versäumten Schlaf nach. Aber bei chronischer Insomnie versagen die Regulationsmechanismen – das System gerät aus den Fugen. Dann sind die Funktionen des Schlafes gestört.“
Mit verhängnisvollen Folgen für Gehirn, Psyche und Organismus: Chronisch schlafgestörte Menschen haben ein doppelt bis fünfmal so hohes Risiko für andere körperliche Erkrankungen. Außerdem besteht bei ihnen auch eine erheblich höhere Wahrscheinlichkeit, eine psychische Störung zu entwickeln. An der Spitze dieser traurigen Hitliste stehen Angst- und Suchterkrankungen und vor allem Depressionen. Sogar das Volumen eines ganzen Gehirnareals ist bei Insomnie-Patienten verringert: nämlich des Hippocampus, der für die Gedächtniskonsolidierung (also die Überführung von Gedächtnisinhalten aus dem Kurzzeit- ins Langzeitgedächtnis) sehr wichtig ist. Daher beeinträchtigt dauerhaft schlechter Schlaf die Gedächtnisbildung. Aber auch das Immunsystem und unser ganzer Stoffwechsel leiden, wenn wir nicht genügend Schlaf bekommen.
Bereits seit den Neunzigerjahren des letzten Jahrhunderts weiß man um die engen Zusammenhänge zwischen Schlaf und Immunabwehr. Warum sind wir beispielsweise bei Infektionen so müde? Weil der Körper bei einem Infekt bestimmte Botenstoffe (Zytokine) freisetzt, die zu einem vermehrten Schlafbedürfnis führen. Im Schlaf regeneriert sich der Organismus bei angeschlagener Gesundheit auch am besten, denn dann wird das Wachstumshormon ausgeschüttet, das für unsere körperliche Erholung eine wichtige Rolle spielt. Die Müdigkeit hat also durchaus ihren Sinn.
Umgekehrt schadet zu wenig Schlaf dem Abwehrsystem; der Körper wird dann schlechter mit Krankheiten fertig. Sogar Impfungen wirken besser, wenn man genügend schläft: Schon nach einer Nacht Schlafentzug sinkt die Immunantwort bei einer Hepatitis-A-Impfung deutlich ab – der Körper bildet dann um 50 % weniger Antikörper. Gleichzeitig werden wir durch Schlafmangel infektanfälliger. Diese Erfahrung hat sicherlich jeder schon einmal gemacht: In Zeiten, in denen man schlecht schläft, fängt man sich leichter eine Erkältung ein. Inzwischen ist das sogar wissenschaftlich erwiesen: Schlafforscher setzten Probanden einer experimentellen Infektion mit Schnupfenviren aus und befragten sie hinterher nach ihrer Schlafqua?lität und -quantität. Das überraschende Ergebnis: Auch diejenigen Versuchspersonen, die in der letzten Zeit gut und ausreichend geschlafen hatten, bekamen Schnupfen – aber sie litten unter weniger Symptomen ihrer Infektion, während die Probanden, die schlecht geschlafen hatten, heftiger auf den Infekt reagierten und sich in ihrer Tagesfunktion stärker beeinträchtigt fühlten. „Natürlich wissen wir nicht, ob ein Bärenschlaf Ihnen eine Erkältung erspart; aber es würde sich vielleicht doch mal lohnen, auf Ihre Schafqualität zu achten“, rät Professor Pollmächer.
Auch bei Menschen, die an einer Insomnie, Narkolepsie oder obstruktiven Schlafapnoe (OSA) leiden, haben Wissenschaftler Auffälligkeiten im Immunsystem festgestellt, die jedoch noch nicht ausreichen, um daraus eindeutige Schlussfolgerungen zu ziehen.

Schlaf und Stoffwechsel
Inzwischen weiß man, dass es sogar Zusammenhänge zwischen Schlaf und Körpergewicht gibt: „Eine sehr kurze Schlafdauer (unter sechs Stunden) und eine sehr lange Schlafdauer (über neun Stunden) gehen mit einem erhöhten Bodymass-Index einher, wobei der Effekt der kurzen Schlafdauer in allen Studien, die diesen Zusammenhang untersuchten, höher ist“, erklärte Pollmächer. Zu kurzer Schlaf scheint eine verhängnisvolle Langzeitwirkung zu haben: Wer im Kindes- und Jugendalter zu kurz schläft, hat später ein höheres Risiko, Übergewicht zu entwickeln. Warum das so ist, weiß man noch nicht.
Dass unbehandelte Schlafapnoiker eher an einem Typ-2-Diabetes erkranken als gesunde Menschen, ist schon seit langem bekannt. Auch dieser Zusammenhang wurde bereits mehrfach untersucht. Menschen mit obstruktiver Schlafapnoe sind meistens übergewichtig, und Übergewicht ist einer der bedeutendsten Risikofaktoren für Typ-2-Diabetes; also könnte es ja sein, dass bei den Schlafapnoikern einfach nur die überzähligen Pfunde die Diabetes-Häufigkeit erhöhen und nicht die Apnoen. In einer neuen Studie ist man dieser spannenden Frage nachgegangen: Man hat bei übergewichtigen Schlafapnoe-Patienten, normalgewichtigen Menschen mit Restless Legs (unruhigen Beinen), Insomnie-Patienten und gesunden Probanden die Glukosetoleranz (also die Fähigkeit, Glukose so zu verwerten, wie es für einen gesunden Organismus notwendig ist) untersucht. Sowohl bei den übergewichtigen OSA-Patienten als auch bei den normalgewichtigen Restless-Legs-Patienten kam eine gestörte Glukosetoleranz deutlich häufiger vor: In beiden Gruppen war die Glukosetoleranz bei jeweils 40 % der Patienten krankhaft beeinträchtigt. „Auch der Blutzucker-Langzeitwert (HbA1c) war in den beiden Gruppen erhöht, was zeigt, dass es sich durchaus um ein langfristiges Stoffwechselproblem handelt“, erklärte Pollmächer. Je höher der Arousal-Index (also die Häufigkeit des nächtlichen Erwachens aufgrund der Schlafapnoe bzw. der unruhigen Beine) war, umso schlechter fiel der Glukosetoleranztest bei diesen Patienten aus. In den anderen beiden Gruppen – bei den gesunden Probanden und den Insomnikern – waren Glukosetoleranz und HbA1c-Wert dagegen völlig normal.
Aus dieser Studie kann man zwei Schlussfolgerungen ziehen: 1) Eine reine Ein- oder Durchschlafstörung erhöht das Diabetesrisiko offenbar nicht. 2) Dass Menschen mit unbehandelter obstruktiver Schlafapnoe häufiger an Typ-2-Diabetes erkranken, liegt wahrscheinlich doch nicht nur an ihrem Übergewicht und auch nicht an den nächtlichen Sauerstoff?entsättigungen, sondern eher an der Schlaffragmentierung durch die Weckreaktionen. Das hat der Vergleich mit der Gruppe der RLS-Patienten ziemlich klar ergeben.

Schlaflos und müde durch Medikamente
Viele Arzneimittel wirken sich auf den Nachtschlaf und die Wachheit bei Tage aus. Das ist nicht nur unangenehm, sondern manchmal sogar richtig gefährlich: Schätzungen zufolge gehen bis zu 7 % der jährlich rund 2,2 Millionen Verkehrsunfälle in Deutschland auf das Konto einer medikamentenbedingten Fahruntüchtigkeit.
Die Liste der Arzneimittel, die Schlafstörungen oder Tagesmüdigkeit verursachen können, ist lang: Antibiotika, Antidepressiva, Mittel gegen Bluthochdruck und Allergien, manche verschreibungspflichtige Schlafmittel, aber auch Opioide können die Patienten nachts wach halten oder tagsüber müde machen.
Das Problem ist, dass Medikamente nicht bei jedem Menschen die gleichen Nebenwirkungen haben. Auch Wechselwirkungen mit Alkohol und bestimmten Nahrungsmitteln spielen dabei eine Rolle. Außerdem müssen ältere Menschen oft mehrere verschiedene Arzneimittel nehmen: „Im Durchschnitt nehmen 70-Jährige fünf Medikamente gegen unterschiedliche Leiden ein“, berichtete Julia Kirchheiner, Professorin für Klinische Pharmakologie am Institut für Naturheilkunde und Klinische Pharmakologie der Universität Ulm. „Manche ältere Menschen müssen so viele Medikamente einnehmen, dass sie davon schon fast satt werden.“ Das macht es natürlich schwer, herauszufinden, von welchem dieser vielen Mittel die Schlafstörung oder Tagesmüdigkeit denn nun herrührt.
Grundsätzlich sollte der Arzt Patienten, die über gestörten Schlaf oder Müdigkeit bei Tage klagen, auch nach den Medikamenten befragen, die sie einnehmen. Ganz besonders wichtig ist das natürlich bei Berufskraftfahrern. Stellt sich dabei heraus, dass ein Arzneimittel schuld an dem Problem ist, so lässt sich oft leicht Abhilfe schaffen: Manchmal genügt es schon, das Mittel zu einer anderen Tageszeit einzunehmen. Der Arzt kann das Medikament aber auch durch ein anderes ersetzen oder die Dosis reduzieren.

Schlaf und Psyche
Psychische Erkrankungen zählen zu den häufigsten Ursachen chronischer Schlafstörungen. Langzeitstudien haben inzwischen jedoch gezeigt, dass offenbar auch ein umgekehrter Zusammenhang besteht: Der gestörte Schlaf ist ein Risikofaktor – oder vielleicht auch einfach nur ein erstes Warnsignal – für das spätere Auftreten einer psychischen Störung. Ganz besonders gilt das für Depressionen. Da erhebt sich natürlich die Frage, ob man durch eine frühzeitige Behandlung von Schlafstörungen nicht vielleicht das künftige Auftreten einer Depression verhindern kann. Ganz genau weiß man das noch nicht, aber vieles spricht dafür.
Auf jeden Fall scheint mittlerweile festzustehen, dass man bei psychischen Erkrankungen, die mit Ein- oder Durchschlafstörungen einhergehen, nicht nur die psychische Problematik, sondern auch die Schlafstörung behandeln sollte. Denn es gibt erste Hinweise darauf, dass ein depressiver Patient, bei dem auch die begleitende Insomnie behandelt wird, seine Depression schneller und leichter überwindet: Im Rahmen einer wissenschaftlichen Untersuchung wurden schlafgestörte depressive Patienten mit dem Antidepressivum Fluoxetin behandelt. Die eine Patientengruppe erhielt zusätzlich auch noch ein Schlafmittel (Eszopiclon), die andere lediglich Placebo (ein Scheinmedikament ohne Wirkstoff). Die Untersuchung zeigte eindeutig, dass das Schlafmittel den antidepressiven Effekt des Fluoxetins verbesserte. Man soll also nicht meinen, dass die Behandlung der Grunderkrankung – also der Depression – ausreicht, um die Schlafstörung zu beheben, so Pollmächer. Mit der zusätzlichen Therapie der Schlafstörung (entweder durch ein Medikament oder eine entsprechende Verhaltenstherapie) schlägt man gleich zwei Fliegen mit einer Klappe, denn auch die Depression bessert sich dadurch. „Psychiater müssen sich um die Schlafstörungen ihrer Patienten kümmern, genau wie ein Arzt bei schlafgestörten Patienten auch nach Depressionen oder anderen psychischen Erkrankungen fahnden sollte“, fordert Pollmächer – was in der täglichen ärztlichen Praxis leider noch viel zu selten geschieht.
Nicht nur bei Insomnikern, sondern auch bei Menschen mit Narkolepsie, obstruktiver Schlafapnoe und Restless Legs treten depressive Symptome gehäuft auf. Ob diese durch die Schlafstörung verursacht werden oder andere Ursachen haben, weiß man noch nicht. Eine Arbeitsgruppe vom Schlafmedizinischen Zentrum Nürnberg hat untersucht, ob sich bei depressiven unbehandelten Schlafapnoe-Patienten durch eine CPAP-Therapie gleichzeitig auch die depressive Symptomatik bessern lässt – mit positivem Ergebnis: Tatsächlich besserte die nächtliche Beatmung nicht nur die OSA-Symptomatik (was ja zu erwarten war), sondern auch der Schweregrad der Depression nahm dadurch ab – und das sogar schon nach sechswöchiger Behandlung.  

Nachtmenschen sind offener für Erfahrungen
Nicht nur auf unsere physische und psychische Gesundheit, sondern auch auf unsere Persönlichkeit scheint der Schlaf sich auszuwirken. Schon seit längerem unterscheidet man in der Schlafmedizin zwischen zwei verschiedenen Chronotypen: dem Morgenmenschen („Lerche“) und dem Abend- bzw. Nachtmenschen („Eule“). Lerchen sind morgens fit wie ein Turnschuh, aber dafür fallen ihnen abends um neun oder zehn Uhr oft schon die Augen zu. Eulen werden abends erst so richtig munter und leistungsfähig und sind daher in unserer Gesellschaft, die den meisten Menschen bereits morgens Arbeit und Leistung abverlangt, vielfach benachteiligt.
Eine neue Untersuchung von der Psychiatrischen Universitätsklinik Halle ging der Frage nach, ob nicht vielleicht ein Zusammenhang zwischen Chronotyp und Persönlichkeit besteht. Auf diese Idee war zuvor noch niemand gekommen. 131 Patienten eines Schlaflabors wurden gebeten, über einen Zeitraum von einer Woche ein Tag-Nacht-Pro-tokoll auszufüllen. Anhand dieses Protokolls wurde ihr Chronotyp bestimmt. Gleichzeitig ermittelten die Wissenschaftler mithilfe eines Fragebogens die Persönlichkeitsstruktur der Probanden. Das Ergebnis: Abendtypen gaben häufiger an, „offen für Erfahrungen“ zu sein. Sie machten zum Beispiel Aussagen wie: „Ich möchte mich bei meiner Arbeit kreativ entfalten können“, „Ich bin kulturell sehr vielseitig interessiert“, „Ich interessiere mich für exotische Kulturen“ oder „Ich suche nach neuen Wegen der Lebensgestaltung“.
Natürlich muss das nicht unbedingt bedeuten, dass Abend- oder Nachtmenschen bestimmte genetisch bedingte Charaktereigenschaften haben. Auch andere Erklärungen sind möglich: Abendtypen haben z. B. mehr Gelegenheit, neue Erfahrungen zu machen, da viele kulturelle und gesellschaftliche Aktivitäten abends stattfinden. Diese Zusammenhänge müssen also noch genauer untersucht werden – aber verblüffend sind sie dennoch.

Wenn Kinder schlecht schlafen ...
Auch zum Thema „Schlaf bei Kindern“ gab es auf dem DGSM-Kongress interessante Neuigkeiten. In einem eigenen Symposium wurden die ersten Ergebnisse des Projekts „Schlafen – Wachen – Lernen“ präsentiert, das Risikofaktoren und Konsequenzen von Tagesschläfrigkeit bei Schulkindern untersucht.
Schlafstörungen bei Kindern und Jugendlichen sind gar nicht so selten. Und man sollte sie nicht unterschätzen, denn oft führen sie zu Tagesschläfrigkeit und Verhaltensauffälligkeiten und beeinträchtigen die schulischen Leistungen. Außerdem sind Schlafstörungen im Jugendalter ein Risikofaktor für die spätere Entstehung psychischer Störungen.
Wie man den gestörten Schlaf am besten  behandelt oder ihm vielleicht sogar vorbeugt, kann man aber nur herausfinden, indem man zuerst einmal Ursachen und Risikofaktoren untersucht, die zu Schlafstörungen bei Kindern und Jugendlichen führen können. Wissenschaftler von der Berliner Charité und der Hochschule Ravensburg-Weingarten haben in Kooperation mit dem Stuttgarter Gesundheitsamt 546 Jugendliche im Durchschnittsalter von 14 bis 15 Jahren an Stuttgarter Schulen in Form von Fragebögen, körperlichen Untersuchungen und Elternbefragungen auf das Vorliegen von Schlafstörungen untersucht.
Dabei klagten immerhin 23,3 % der Schüler über Ein- und 11,2 % über Durchschlafstörungen. Auch Tagesmüdigkeit war bei ihnen nicht selten. Die Mädchen lagen eindeutig in Führung: Sie schliefen nachts nicht nur schlechter, sondern fühlten sich tagsüber auch häufiger müde und unausgeruht.

Handy, Zigaretten und Fernsehen stören den Schlaf
Bei Kindern aus Familien mit niedrigem sozialem Status kamen Durchschlafschwierigkeiten besonders häufig vor. Rauchen und tägliches Fernsehen tragen ebenfalls zu einem gestörten Schlaf bei Jugendlichen bei, und zwar dosisabhängig – das heißt, je länger die Kids tagsüber und abends vor der Glotze sitzen, umso schlechter schlafen sie nachts. Auch Jugendliche, die mindestens eine Stunde pro Tag auf ihrem Handy telefonierten, hatten ein höheres Risiko für die Entstehung einer Schlafstörung. Bei Jugendlichen, die in ihrem Leben schon einmal Gewalt erfahren hatten, unter emotionalen Problemen oder Hyperaktivität litten, war der Schlaf ebenfalls beeinträchtigt.
Diese Erkenntnisse könnten möglicherweise bei künftigen Präventions- und Behandlungsprogrammen von Nutzen sein. Es gibt – und das ist die gute Nachricht dieser Studie – aber auch Faktoren, die vor Schlafstörungen schützen: Schüler, die mindestens dreimal pro Woche Sport trieben, litten seltener unter Ein- und Durchschlafstörungen. Auch ein guter Zusammenhalt in der Familie wirkt sich offenbar positiv auf den Schlaf aus.