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Unser Leser K. Knöpfli, Winterthur, schickte uns diesen Leserbrief von Denis P., Freiburg (CH):
„Früher hatte ich nie ruhelose Beine. Dann musste ich jedoch wegen einer anderen Sache Schmerzmedikamente einnehmen. Plötzlich machten sich Restless-Legs-Symptome bemerkbar: Meine Beine zuckten und zappelten nachts so sehr, dass ich keinen Schlaf mehr fand. Irgendwann setzte ich die Schmerzmittel ab, nach wenigen Tagen war ich von den Restless-Legs-Symptomen befreit. Daher vermute ich, dass diese Medikamente eine der Ursachen sind, besonders im Verdacht habe ich den Stoff Titandioxid, der in über 5000 Medikamenten enthalten ist. Ich machte einen Test und nahm ein paar Tage Titandioxid ein – meine Beine zeigten wieder die alten Symptome. Als ich das Mittel absetzte, hörte das gleich auf.“

Prof. Jörn Sieb: „Titandioxid ist chemisch stabil. Seine hervorragende Eignung als weißes Pigment wurde bereits Anfang des 20. Jahrhunderts entdeckt. Es wird als ungiftig angesehen und unter der Kennzeichnung E 171 als Lebensmittelzusatzstoff beispielsweise in Zahnpasta und Hustenbonbons benutzt. Auch findet es sich in vielen Kosmetika. Ein Zusammenhang zwischen Titandioxid und dem Auftreten von Restless Legs wurde meines Wissens in der wissenschaftlichen Literatur bislang nicht erwogen, aber es gibt einige Hinweise auf einen eventuellen Zusammenhang mit allergischen Erkrankungen.
Insgesamt ist nach meiner Einschätzung ein ursächlicher Zusammenhang zwischen Titandioxid und dem Auftreten eines RLS nur wenig wahrscheinlich. Trotzdem zeigt Ihre Beobachtung, dass RLS-Patienten in ihrer täglichen Lebensführung nach belastenden Faktoren suchen sollten. Häufig verschlechtert beispielsweise Koffein ein RLS, andere RLS-Kranke erleben Koffein dagegen sogar als förderlich.“
Literatur:
R. Yanagisawa, H. Takano, K. Inoue, E. Koike, T. Kamachi, K. Sadakane, and T. Ichinose. Titanium dioxide nanoparticles aggravate atopic dermatitis-like skin lesions in NC/Nga mice. Exp.Biol.Med.(Maywood.) 234 (3): 314-322, 2009.



Martina D.:
„Sehr geehrte Damen und Herren,
als Leser Ihres Magazins und Angestellte in einem pneumologischen Schlaflabor möchte ich Sie fragen, ob Sie über Leitlinien bei nCPAP- oder BiPAP-Therapie berichten könnten.“

Auf der Homepage der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM) kann man unter www.charite.de/dgsm/dgsm/akkreditierung_leitlinie.php?language= german die Leitlinie „S2“ („Nicht erholsamer Schlaf“) als PDF-Datei herunterladen. Diese Leitlinie wurde von der DGSM in Zusammenarbeit mit Selbsthilfegruppen und verschiedenen Experten erarbeitet und gibt einen Überblick über sämtliche Schlafstörungen sowie deren Diagnostik und Therapie – von Störungen des Schlaf-wach-Rhythmus bis hin zum Restless-Legs-Syndrom. Angesichts dieses breiten Themenspektrums ist klar, dass auf die obstruktive Schlafapnoe und deren Therapie in der Leitlinie nur ganz kurz eingegangen werden kann. Nach Auskunft von Professor Geert Mayer, dem Präsidenten der DGSM, wird im Herbst dieses Jahres die Leitlinie „S3“ erscheinen, die genauere Informationen bietet. Allerdings wendet sich die Leitlinie nicht an Laien, sondern an Mediziner (insbesondere Schlafmediziner).



Ich bin 65 Jahre alt und leide seit 30 Jahren an schweren Schlafstörungen. Ich habe zwar periodische Depressionen, habe aber die Schlafstörungen auch außerhalb dieser Phasen. Ich leide unter Ein- und Durchschlafstörungen und einem zu kurzen Schlaf. Ein Test im Schlaflabor brachte keine Ergebnisse, weil ich während des Tests keine Minute geschlafen habe. Ich leide unter keiner Schlafapnoe und keinen Restless Legs, aber diese Schlafstörungen mit extremer Geräuschempfindlichkeit behinderten mein ganzes Leben, bin deshalb auch seit 20 Jahren erwerbsunfähig. Ich nehme seit 20 Jahren Doxipin 25 mg, möchte es auch nicht steigern, weil man mich vor 30 Jahren medikamentenabhängig gemacht hat und der Entzug so schwer war, dass ich heute um jede Tablette kämpfe, die ich nicht nehme. Weiß jemand Rat, welche Medikamente nicht abhängig machen, oder was mir sonst noch helfen kann? Eine Hypnosekur vor 30 Jahren hatte mich seinerzeit wieder arbeitsfähig gemacht. Gibt es diesbezügliche Therapeuten in Hamburg, die helfen können?

Schlafstörungen sind ein häufiges Symptom bei Depressionen. Sie können dem Beginn der Depression lange Zeit vorausgehen und auch nach dem Ende einer Depression noch fortbestehen. Wenn auch noch Monate nach dem vollständigen Abklingen einer Depression starke Schlafstörungen vorliegen, ist anzunehmen, dass sich dieses Problem im Sinne einer psychophysiologischen Insomnie von der auslösenden Erkrankung abgekoppelt hat und einer eigenständigen Behandlung bedarf. Diese Situation scheint auch bei der Patientin vorzuliegen.
Nachdem bei der Patientin organische Ursachen der Schlafstörung offensichtlich ausgeschlossen wurden, vor allem eine Schlafapnoe und ein Restless-Legs-Syndrom, und die Patientin einer medikamentösen Behandlung sehr reserviert gegenübersteht, kommt in erster Linie eine Behandlung mit einer kognitiven Verhaltenstherapie in Frage. Am besten evaluiert ist auf diesem Gebiet ein strukturiertes Gruppentherapieprogramm, das verschiedene Ansätze, wie Bettzeitenrestriktion, Schlafhygiene, Stimuluskontrolle und Information über den Schlaf kombiniert. Solche Therapieprogramme werden an einigen Schlafmedizinischen Zentren ambulant angeboten. In besonders schweren Fällen und bei Kombination mit psychischen Erkrankungen, wie Depressionen, kann auch eine stationäre Durchführung, wie sie z. B. an der Psychiatrischen Universitätsklinik in Regensburg angeboten wird, sinnvoll sein. In Bezug auf die medikamentöse Behandlung stehen heute mehrere Alternativen mit sehr geringem bis fehlendem Abhängigkeitspotenzial zur Verfügung. Eine konkrete Empfehlung kann und darf aber nur individuell durch einen Arzt erfolgen, der die Patientin persönlich befragt und untersucht hat. Informationen über Schlafmedizinische Zentren, die sich mit der Behandlung von Insomnien befassen, können über die Deutsche Akademie für Gesundheit und Schlaf (DAGS), Tel. 09 41/9 42 82 71,
E-Mail:
info@dags.de, erfragt werden.

Dr. Peter Geisler,
Ärztlicher Leiter des Schlaflabors,
Psychiatrische Universitätsklinik
am Bezirksklinikum Regensburg



Ich habe Ihren interessanten Beitrag „Schlafapnoe erhöht das Diabetes-Risiko“ in der letzten Ausgabe des „Schlafmagazins“ mit Interesse gelesen. Wo kann man über dieses Thema mehr erfahren? Wenn ich mir die einzelnen Menschen ansehe, die Schlafapnoe haben, und mir ausrechne, was diese Personen für einen BMI haben, müssen viele dieser Patienten Diabetes-Typ-2-gefährdet sein. Warum wird über dieses Thema so wenig geschrieben oder geforscht? Wo kann man über Schlafapnoe und Diabetes Typ 2 mehr nachlesen? Gibt es Diabetologen, die sich auch mit Schlafapnoe beschäftigen?

Die Forschung zum Thema Schlafapnoe und Diabetes kommt jetzt gerade erst in Gang. Es gibt erste wissenschaftliche Studien dazu, die teilweise in dieser Ausgabe des „schlafmagazins“ beschrieben werden. In Deutschland befasst sich speziell Prof. Helmut Teschler von der Ruhrlandklinik in Essen mit dem Thema Schlafapnoe und Diabetes. Auf die interdisziplinäre Behandlung herzkranker Diabetiker hat sich das Herz- und Diabetes-Zentrum Nordrhein-Westfalen in Bad Oeynhausen spezialisiert; dort werden Risikopatienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen und/oder Diabetes routinemäßig auf das Vorliegen einer Schlafapnoe gescreent.

Adresse: Herz- und Diabetes-Zentrum
Nordrhein-Westfalen
Georgstr. 11;
32545 Bad Oeynhausen
Tel.: 0 57 31/97-0

Die Redaktion



Ich habe obstruktive Schlafapnoe und schlafe seit Oktober 2000 mit einem CPAP-Gerät. Zuerst mit einem normalen CPAP und seit 4 Jahren mit dem Auto-Set Spirit von Resmed. Im Oktober 2002 hatte mein Hausarzt erhöhte Blutzuckerwerte festgestellt, die ich aber nicht für ernst bzw. tragisch genommen hatte. Seit März dieses Jahres beschäftige ich mich intensiv mit meinem Diabetes. Aber ich bekomme meinen nüchternen Blutzuckerwert nicht in den Griff. Dieser Wert ist in der Regel über 110 mg/dl, aber unter 120 mg/dl.
Mein Bodymass-Index ist 31, d.h., ich bin 188 cm groß und 111 kg schwer. An Medikamenten nehme ich morgens, mittags und abends Glucophage (1000 mg) ein; außerdem nehme ich niedrig dosiertes Glimepirid-Isis sowie Juvental, Delmuno, Aspirin protect und Sortis. Eine Tabelle meiner gemessenen Blutzuckerwerte füge ich bei.

Eines der Diagnosekriterien bei der Frage, ob ein Diabetes mellitus vorliegt, ist der Blutzucker morgens nüchtern. Eine Erhöhung des morgendlichen Blutzuckers kann durch die Schlafapnoe hervorgerufen werden. Aber der Typ-2-Diabetes ist auch mit Stoffwechselvorgängen vergesellschaftet, die ihrerseits das Entstehen eines Schlafapnoe-Syndroms begünstigen.
In Ihrer Situation gelten etwas andere Maßstäbe: Ein Diabetes mellitus ist bekannt und bereits mit Metformin und niedrig dosiertem Glimepirid behandelt. Damit interessieren nicht mehr die Grenzwerte, sondern die therapeutischen Zielwerte. Das wichtigste Ziel ist ein Erreichen des HbA1c-Wertes unter 6,5%. Der Blutzuckerwert nüchtern sollte zwischen 85 und 110 mg/dl liegen, die Werte nach der Mahlzeit sollten nicht über 140 mg/dl, in Ausnahme bis 160 mg/dl ansteigen. Bei einem HbA1c von 6% und den von Ihnen angegebenen morgendlichen Blutzuckerwerten besteht keine dringende Notwendigkeit, die medikamentöse Therapie zu ändern.
Eine sehr wichtige Therapie ist eine konsequente Umsetzung der Lebensstilempfehlungen. Gesunde und ausgewogene Ernährung sowie 3–5-mal pro Woche 30 Minuten einer mittleren körperlichen Aktivität werden aktuell empfohlen (rasches Gehen oder Walking, auch Nordic Walking, Ergometer oder Fahrradfahren).
Werden diese Empfehlungen umgesetzt, sinkt meist automatisch das Körpergewicht, ebenfalls eine wichtige Maßnahme, um die Blutzuckwerte zu senken.

Dr. med. Stefan Gölz,
niedergelassener Diabetologe,
Esslingen a.N.



Als Syndrom Z bezeichnet man die Kombination aus Diabetes mellitus, Adipositas, Bluthochdruck und Schlafapnoe. Diese Kombination ist mit einem hohen kardiovaskulären Risiko (d.h. einem hohen Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen) behaftet.
Ich gehe davon aus, dass Ihre Schlafapnoe gut eingestellt ist. Das finden Sie schnell heraus, wenn Sie die von Spirit gespeicherten Daten auslesen lassen und einem Fachmann vorlegen oder uns als E-Mail-Anhang zukommen lassen.
Ihr größtes Problem ist die Adipositas (Fettleibigkeit) mit einem BMI von über 30. Daran müssen Sie etwas tun, wenn Sie den Diabetes in den Griff bekommen wollen. Wie wäre es denn mit den Weight Watchers? Oder was würde Ihnen dazu einfallen? Sie bessern damit den Diabetes, den Bluthochdruck und die OSA-Behandlung! Das lohnt sich allemal. Ich drücke Ihnen die Daumen und wünsche Ihnen viel Erfolg!

Prof. Dr. Helmut Teschler
Ruhrlandklinik (Essen-Heidhausen)



Ich leide an einem Restless-Legs-Syndrom und gleichzeitig auch an einer neu diagnostizierten und behandelten Schlafapnoe. Nun haben sich meine RLS-Beschwerden seit Beginn der CPAP-Therapie deutlich verschlimmert. Kommt so etwas häufiger vor? Welche Ursachen könnte es haben, und was kann man dagegen tun?

Das gemeinsame Auftreten von Restless Legs und einem Schlafapnoe-Syndrom ist keineswegs selten. Beide Erkrankungen treten überzufällig gemeinsam auf, wie man aus epidemiologischen Untersuchungen her weiß.
Das Schlafapnoe-Syndrom kann sehr wirksam mit der nCPAP-Therapie behandelt werden. Für die registrierte Verstärkung von RLS-Beschwerden unter der nCPAP-Therapie habe ich zwei Erklärungen:
• Mit der effizienten Behandlung der nächtlichen Apnoe-Phasen unter der nCPAP-Therapie geht die bei einem Schlafapnoe-Syndrom krankhaft gesteigerte Einschlafneigung zurück. Entsprechend werden die RLS-Beschwerden in der Einschlafphase unter der nCPAP-Therapie deutlicher empfunden als ohne Behandlung des Schlafapnoe-Syndroms. Die verstärkte Wahrnehmung der RLS-Beschwerden ist also lediglich Ausdruck der sich normalisierenden Einschlafneigung.
• Die nCPAP-Therapie ist mit einer Immobilisation verbunden, was dem Bewegungsdrang im Rahmen eines RLS entgegenläuft.
Dopaminerge Medikamente, die beim RLS eingesetzt werden, also Adartrel®, Restex® und Sifrol®, beeinflussen das Schlafapnoe-Syndrom nicht. Gegebenenfalls empfiehlt sich also eine Aufdosierung dieser Medikamente, um einen Rückgang der RLS-Beschwerden zu erreichen. Dagegen sollten Opiate, die auch beim RLS gut wirksam sind, nicht von Patienten eingenommen werden, die an einem Schlafapnoe-Syndrom leiden, da Opiate den Atmungsantrieb vermindern und somit eine Schlafapnoe verstärken können.

Prof. Dr. J. P. Sieb
Klinik für Neurologie, Geriatrie
und Palliativmedizin
HANSE-Klinikum Stralsund



Schlafmitteleinnahme bei therapierter Schlafapnoe?

Ich bin Schlafapnoiker und benutze regelmäßig mein CPAP-Gerät. Hin und wieder leide ich allerdings unter Schlafstörungen und nehme dann ein Schlafmittel ein – einen so genannten Benzodiazepinrezeptoragonisten, der mir von meinem Hausarzt verschrieben wurde.
Nun habe ich aber gehört, dass solche rezeptpflichtigen Schlafmittel eine muskelentspannende Wirkung haben. Darf ich solche Mittel als mit CPAP behandelter Schlafapnoiker überhaupt nehmen? Oder erhöht sich dadurch eventuell der Therapiedruck, den ich benötige?

Zunächst einmal etwas Grundsätzliches zum Einsatz von Schlafmitteln. Ein regelmäßiger Gebrauch von Schlafmitteln über eine Dauer von mehr als vier Wochen ist nicht zu empfehlen. Benzodiazepinrezeptoragonisten sind zwar moderne Schlafmittel, aber auch diese bergen die Gefahr einer Abhängigkeitsentwicklung in sich. Über längere Sicht schaden sie dann einem guten Schlaf mehr, als dass sie nützen.
Gegen einen gelegentlichen Einsatz, z. B. in Belastungssituationen, ist in der Regel nichts einzuwenden. Bei einer chronischen Insomnie (d. h. einer chronischen Ein- oder Durchschlafstörung) sollte jedoch ein schlafmedizinisch versierter Arzt aufgesucht werden.
Jetzt zu Ihrer Frage: In der Tat weisen einige Substanzen muskelrelaxierende (muskelentspannende) Wirkungen auf. Hierzu gehören beispielsweise die klassischen Bezodiazepine (z. B. Valium®), aber auch Alkohol. Für die Substanzgruppe der Benzodiazepinrezeptoragonisten ist ebenfalls eine Wirkung auf die Muskulatur beschrieben, wenngleich diese nicht so ausgeprägt zu sein scheint.
Sollte eine Dauerbehandlung mit Substanzen, die muskelentspannende Wirkungen haben – aus welchem Grund auch immer – nötig sein, empfiehlt sich eine Kontrolle der nCPAP-Therapie unter dieser Medikation. Unter Umständen ist eine Anpassung des Maskendruckes notwendig.

Dr. Jörg Heitmann,
Schlaflabor,
Philipps-Universität Marburg



Ein Leser aus Dortmund schrieb uns:

Hallo! Als Leser Ihres Magazins möchte ich Ihnen etwas mitteilen, was offenbar sehr selten ist, aber eventuell auch anderen Betroffenen Mut macht. Seit 1998 hatte ich ein CPAP-Gerät (später auch mit Befeuchter) und kam damit eigentlich auch ganz gut zurecht. Seit Herbst 2004 bis heute habe ich nun durch Änderungen in meinen Lebensumständen und Ernährungsgewohnheiten ca. 25 kg abgenommen (von ca. 100 auf 75 kg). Durch ärztliche Untersuchungen wurde jetzt festgestellt, dass ich dadurch nicht mehr an Schlafapnoe leide und daher Maske und Gerät nicht mehr brauche. Selbst meine RLS-Beschwerden beschränken sich auf einige Beinbewegungen ab ca. 4.30 Uhr, die aber nicht medikamentös behandelt werden müssen. Ich fühle mich sehr wohl dabei, und es geht mir entsprechend gut!
Das muss nicht heißen, dass so etwas für jeden gilt, der massiv abnimmt. Ich möchte einfach nur zeigen, dass es durchaus möglich ist!
Ihrem Magazin bleibe ich trotzdem verbunden, da ich es nach wie vor sehr interessant finde!



Sehr geehrte Damen und Herren!

Mein „Liveevent“ war vor 15 Jahren, eine Nacht nicht geschlafen und fortan immer vor demselben Ereignis (Bereitschaftsdienst). Ich hatte dann immer große Angst davor, und diese Angst verbunden mit Herzrasen und zugeschnürter Kehle ließ mich einmal pro Woche nicht schlafen. Ich hatte Angst, mein Studium nicht zu schaffen. Seit Beendigung desselben vor zehn Jahren, haben sich diese schlaflosen Nächte immer dann eingestellt, wenn ich am nächsten Tag nach der Arbeit etwas vorhatte, also länger wach bleiben mußte, oder wenn ich spät nach Hause kam und die Nacht kürzer war und wie ein Countdown anlief. Die nächsten Jahre besserte es sich etwas, ich konnte immerhin in den betreffenden Nächten etwas dösen und war dann nicht ganz so fertig, was zu einer weiteren Besserung führte.
Ich habe eine zweijährige Therapie gemacht, was aber nichts gebracht hat, weil ich in den letzten fünf Jahren relativ gut schlafen konnte und weil der Psychologe nicht auf Schlaf spezialisiert war (ich vermute lediglich, dass dies der Grund ist). Vor einem Monat überfiel mich eines Abends ein fataler Gedanke: Was ist, wenn ich plötzlich jeden Tag diese Schlafängste bekomme? Den für mich furchtbaren Rest können Sie sich vorstellen. Ich habe den ganzen Tag Angst vor dem Moment, wenn ich das Licht ausschalte, dann nehmen die Dinge ihren Lauf. Mit Herzrasen, Übelkeit und einer endlosen Nacht, der ein furchtbarer Tag folgt. Jetzt bin ich krank geworden (Grippe, weil ich ziemlich geschwächt war) und habe heute meinen ersten Arbeitstag hinter mich gebracht.
Nachts und mittlerweile auch tagsüber lasten auf mir die möglichen Folgen: Jobverlust, ewige Fragereien (was hast du denn heute Nacht gemacht?), keine Freunde, kein Sport, meine Beziehung? Ich weiß nicht, wie ich meine Gedanken ausschalten soll, ich kann mich nicht ablenken, ich habe schreckliche Angst und würde so gern mal wieder ausschlafen. Selbst wenn ich manchmal eindöse, wache ich gleich wieder auf.

Zu meiner Person: 43 Jahre, Beruf MTA, keine körperlichen Krankheiten, allein wohnend.

Antwort unserer Psychologin Sabine Eller:
Sie schreiben Ihr Anliegen an das Schlafmagazin, verständlicherweise, weil Sie sich direkt mit einem Schlafproblem konfrontiert sehen. Sie fürchten sich vor der Nacht, können kein Auge zumachen, die Gedanken kreisen, und morgens sind Sie fix und fertig. Natürlich liegt es nahe, dass Sie dem Schlaf dafür die Schuld geben. Ob etwas direkt am Schlaf nicht stimmen könnte? Aber: Sie haben meiner Meinung nach kein eigentliches Schlafproblem, sondern eine Angststörung, die als Nebenkriegsschauplatz sich die Nacht ausgesucht hat.
Das ist die Frage nach Henne und Ei: Was war zuerst da? So, wie Sie es schildern, vermute ich, dass die Angst die Grunderkrankung ist. Denn ich kenne aus der Schlafmedizin, die mein tägliches Brot ist, viele Fälle von Menschen, die „nur“ nicht schlafen können. Diese Panik ist nicht dabei. Anspannung ja. Aber nicht in diesem bedrängenden Maß. Deshalb sehe ich bei Ihnen die Angst vor der Angst im Vordergrund.
Leicht Schlafgestörten rät man, so ruhig wie möglich zu bleiben. Man wird nicht ernstlich krank vom Wachliegen. Viele Schlaflose leisten Erstaunliches am Tage. Die Sorge wegen schlechtem Schlaf ist viel schlimmer als der Schaden, den das anrichten kann.
Gerade innere Anspannung ist der Gegner von Schlaf. Das kennen Sie ja leider massiv. Ob in Ihrem Fall Entspannungsübungen oder Ruhebilder noch helfen? Wenn die Angst ein gewisses Maß erreicht hat, dann entsteht so etwas wie ein Angstgedächtnis. Davon schreiben Sie: Ihnen fällt plötzlich ein, was wäre wenn … und Sie treten damit einen Stein los, der die Erinnerung so anschiebt, dass die Lawine losgeht.
Es mag Ihnen wie ein Vorwurf vorkommen, aber meiner Meinung nach „nimmt man sich die Angst“. Man greift selbst immer wieder rein in die dunkle Kiste. Der Gedanke ist kein Vorwurf, sondern eine Chance. Das Angstgedächtnis kann man wieder löschen. Dadurch, dass Sie zum Beispiel fünf Jahre keine Angst hatten. Das ist der Beweis. Vielleicht hatte die Psychotherapie doch Positives bewirkt. Wenn sich der Therapeut mit Angst auskannte, sicher. Oder weil Sie damit, ohne dass man das genau erklären konnte, auf festeren Grund kamen.
Ein Arzt oder Therapeut, der sich mit Angststörungen auskennt, ist meiner Meinung nach der richtige Ansprechpartner. Eventuell helfen neben der Beziehung zu einem Therapeuten am Anfang auch angstlösende Medikamente.
Das Gute ist, dass Ängste kommen und gehen. Auch wenn Sie sich jetzt bedrängt fühlen und sich das nicht vorstellen können, so haben Sie diese Erfahrung ja selbst im Brief geschrieben. Ich wünsche Ihnen, dass das bald gelingt.


Die Redaktion:
Wenn Sie, lieber Leser, dazu Stellung nehmen wollen, können Sie mit der Betroffenen über uns Kontakt aufnehmen.