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Unser Leser K. Knöpfli, Winterthur,
schickte uns diesen Leserbrief von Denis P., Freiburg (CH):
„Früher hatte ich nie ruhelose
Beine. Dann musste ich jedoch wegen einer anderen Sache
Schmerzmedikamente einnehmen. Plötzlich machten sich
Restless-Legs-Symptome bemerkbar: Meine Beine zuckten und
zappelten nachts so sehr, dass ich keinen Schlaf mehr fand.
Irgendwann setzte ich die Schmerzmittel ab, nach wenigen Tagen
war ich von den Restless-Legs-Symptomen befreit. Daher vermute
ich, dass diese Medikamente eine der Ursachen sind, besonders
im Verdacht habe ich den Stoff Titandioxid, der in über
5000 Medikamenten enthalten ist. Ich machte einen Test und nahm
ein paar Tage Titandioxid ein – meine Beine zeigten
wieder die alten Symptome. Als ich das Mittel absetzte,
hörte das gleich auf.“
Prof. Jörn Sieb: „Titandioxid
ist chemisch stabil. Seine hervorragende Eignung als
weißes Pigment wurde bereits Anfang des 20. Jahrhunderts
entdeckt. Es wird als ungiftig angesehen und unter der
Kennzeichnung E 171 als Lebensmittelzusatzstoff beispielsweise
in Zahnpasta und Hustenbonbons benutzt. Auch findet es sich in
vielen Kosmetika. Ein Zusammenhang zwischen Titandioxid und dem
Auftreten von Restless Legs wurde meines Wissens in der
wissenschaftlichen Literatur bislang nicht erwogen, aber es
gibt einige Hinweise auf einen eventuellen Zusammenhang mit
allergischen Erkrankungen.
Insgesamt ist nach meiner Einschätzung
ein ursächlicher Zusammenhang zwischen Titandioxid und dem
Auftreten eines RLS nur wenig wahrscheinlich. Trotzdem zeigt
Ihre Beobachtung, dass RLS-Patienten in ihrer täglichen
Lebensführung nach belastenden Faktoren suchen sollten.
Häufig verschlechtert beispielsweise Koffein ein RLS,
andere RLS-Kranke erleben Koffein dagegen sogar als
förderlich.“
Literatur:
R. Yanagisawa, H. Takano, K. Inoue, E.
Koike, T. Kamachi, K. Sadakane, and T. Ichinose. Titanium
dioxide nanoparticles aggravate atopic dermatitis-like skin
lesions in NC/Nga mice. Exp.Biol.Med.(Maywood.) 234 (3):
314-322, 2009.
Martina D.:
„Sehr geehrte Damen und Herren,
als Leser Ihres Magazins und Angestellte
in einem pneumologischen Schlaflabor möchte ich Sie
fragen, ob Sie über Leitlinien bei nCPAP- oder
BiPAP-Therapie berichten könnten.“
Auf der Homepage der Deutschen Gesellschaft
für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM) kann man
unter www.charite.de/dgsm/dgsm/akkreditierung_leitlinie.php?language=
german die Leitlinie
„S2“ („Nicht erholsamer Schlaf“) als
PDF-Datei herunterladen. Diese Leitlinie wurde von der DGSM in
Zusammenarbeit mit Selbsthilfegruppen und verschiedenen
Experten erarbeitet und gibt einen Überblick über
sämtliche Schlafstörungen sowie deren Diagnostik und
Therapie – von Störungen des Schlaf-wach-Rhythmus
bis hin zum Restless-Legs-Syndrom. Angesichts dieses breiten
Themenspektrums ist klar, dass auf die obstruktive Schlafapnoe
und deren Therapie in der Leitlinie nur ganz kurz eingegangen
werden kann. Nach Auskunft von Professor Geert Mayer, dem
Präsidenten der DGSM, wird im Herbst dieses Jahres die
Leitlinie „S3“ erscheinen, die genauere
Informationen bietet. Allerdings wendet sich die Leitlinie
nicht an Laien, sondern an Mediziner (insbesondere
Schlafmediziner).
Ich bin 65 Jahre alt und leide seit 30
Jahren an schweren Schlafstörungen. Ich habe zwar
periodische Depressionen, habe aber die Schlafstörungen
auch außerhalb dieser Phasen. Ich leide unter Ein- und
Durchschlafstörungen und einem zu kurzen Schlaf. Ein Test
im Schlaflabor brachte keine Ergebnisse, weil ich während
des Tests keine Minute geschlafen habe. Ich leide unter keiner
Schlafapnoe und keinen Restless Legs, aber diese
Schlafstörungen mit extremer Geräuschempfindlichkeit
behinderten mein ganzes Leben, bin deshalb auch seit 20 Jahren
erwerbsunfähig. Ich nehme seit 20 Jahren Doxipin 25 mg,
möchte es auch nicht steigern, weil man mich vor 30 Jahren
medikamentenabhängig gemacht hat und der Entzug so schwer
war, dass ich heute um jede Tablette kämpfe, die ich nicht
nehme. Weiß jemand Rat, welche Medikamente nicht
abhängig machen, oder was mir sonst noch helfen kann? Eine
Hypnosekur vor 30 Jahren hatte mich seinerzeit wieder
arbeitsfähig gemacht. Gibt es diesbezügliche
Therapeuten in Hamburg, die helfen können?
Schlafstörungen sind ein häufiges
Symptom bei Depressionen. Sie können dem Beginn der
Depression lange Zeit vorausgehen und auch nach dem Ende einer
Depression noch fortbestehen. Wenn auch noch Monate nach dem
vollständigen Abklingen einer Depression starke
Schlafstörungen vorliegen, ist anzunehmen, dass sich
dieses Problem im Sinne einer psychophysiologischen Insomnie
von der auslösenden Erkrankung abgekoppelt hat und einer
eigenständigen Behandlung bedarf. Diese Situation scheint
auch bei der Patientin vorzuliegen.
Nachdem bei der Patientin organische
Ursachen der Schlafstörung offensichtlich ausgeschlossen
wurden, vor allem eine Schlafapnoe und ein
Restless-Legs-Syndrom, und die Patientin einer
medikamentösen Behandlung sehr reserviert
gegenübersteht, kommt in erster Linie eine Behandlung mit
einer kognitiven Verhaltenstherapie in Frage. Am besten
evaluiert ist auf diesem Gebiet ein strukturiertes
Gruppentherapieprogramm, das verschiedene Ansätze, wie
Bettzeitenrestriktion, Schlafhygiene, Stimuluskontrolle und
Information über den Schlaf kombiniert. Solche
Therapieprogramme werden an einigen Schlafmedizinischen Zentren
ambulant angeboten. In besonders schweren Fällen und bei
Kombination mit psychischen Erkrankungen, wie Depressionen,
kann auch eine stationäre Durchführung, wie sie z. B.
an der Psychiatrischen Universitätsklinik in Regensburg
angeboten wird, sinnvoll sein. In Bezug auf die
medikamentöse Behandlung stehen heute mehrere Alternativen
mit sehr geringem bis fehlendem Abhängigkeitspotenzial zur
Verfügung. Eine konkrete Empfehlung kann und darf aber nur
individuell durch einen Arzt erfolgen, der die Patientin
persönlich befragt und untersucht hat. Informationen
über Schlafmedizinische Zentren, die sich mit der
Behandlung von Insomnien befassen, können über die
Deutsche Akademie für Gesundheit und Schlaf (DAGS), Tel.
09 41/9 42 82 71,
E-Mail: info@dags.de, erfragt werden.
Dr. Peter Geisler,
Ärztlicher Leiter des Schlaflabors, Psychiatrische Universitätsklinik am Bezirksklinikum Regensburg
Ich habe Ihren interessanten Beitrag
„Schlafapnoe erhöht das Diabetes-Risiko“ in
der letzten Ausgabe des „Schlafmagazins“ mit
Interesse gelesen. Wo kann man über dieses Thema mehr
erfahren? Wenn ich mir die einzelnen Menschen ansehe, die
Schlafapnoe haben, und mir ausrechne, was diese Personen
für einen BMI haben, müssen viele dieser Patienten
Diabetes-Typ-2-gefährdet sein. Warum wird über dieses
Thema so wenig geschrieben oder geforscht? Wo kann man
über Schlafapnoe und Diabetes Typ 2 mehr nachlesen? Gibt
es Diabetologen, die sich auch mit Schlafapnoe
beschäftigen?
Die Forschung zum Thema Schlafapnoe und
Diabetes kommt jetzt gerade erst in Gang. Es gibt erste
wissenschaftliche Studien dazu, die teilweise in dieser Ausgabe
des „schlafmagazins“ beschrieben werden. In
Deutschland befasst sich speziell Prof. Helmut Teschler von der
Ruhrlandklinik in Essen mit dem Thema Schlafapnoe und Diabetes.
Auf die interdisziplinäre Behandlung herzkranker
Diabetiker hat sich das Herz- und Diabetes-Zentrum
Nordrhein-Westfalen in Bad Oeynhausen spezialisiert; dort
werden Risikopatienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen und/oder
Diabetes routinemäßig auf das Vorliegen einer
Schlafapnoe gescreent.
Adresse: Herz- und Diabetes-Zentrum
Nordrhein-Westfalen
Georgstr. 11;
32545 Bad Oeynhausen
Tel.: 0 57 31/97-0
Die Redaktion
Ich habe obstruktive Schlafapnoe und
schlafe seit Oktober 2000 mit einem CPAP-Gerät. Zuerst mit
einem normalen CPAP und seit 4 Jahren mit dem Auto-Set Spirit
von Resmed. Im Oktober 2002 hatte mein Hausarzt erhöhte
Blutzuckerwerte festgestellt, die ich aber nicht für ernst
bzw. tragisch genommen hatte. Seit März dieses Jahres
beschäftige ich mich intensiv mit meinem Diabetes. Aber
ich bekomme meinen nüchternen Blutzuckerwert nicht in den
Griff. Dieser Wert ist in der Regel über 110 mg/dl, aber
unter 120 mg/dl.
Mein Bodymass-Index ist 31, d.h., ich bin
188 cm groß und 111 kg schwer. An Medikamenten nehme ich
morgens, mittags und abends Glucophage (1000 mg) ein;
außerdem nehme ich niedrig dosiertes Glimepirid-Isis
sowie Juvental, Delmuno, Aspirin protect und Sortis. Eine
Tabelle meiner gemessenen Blutzuckerwerte füge ich bei.
Eines der Diagnosekriterien bei der Frage,
ob ein Diabetes mellitus vorliegt, ist der Blutzucker morgens
nüchtern. Eine Erhöhung des morgendlichen Blutzuckers
kann durch die Schlafapnoe hervorgerufen werden. Aber der
Typ-2-Diabetes ist auch mit Stoffwechselvorgängen
vergesellschaftet, die ihrerseits das Entstehen eines
Schlafapnoe-Syndroms begünstigen.
In Ihrer Situation gelten etwas andere
Maßstäbe: Ein Diabetes mellitus ist bekannt und
bereits mit Metformin und niedrig dosiertem Glimepirid
behandelt. Damit interessieren nicht mehr die Grenzwerte,
sondern die therapeutischen Zielwerte. Das wichtigste Ziel ist
ein Erreichen des HbA1c-Wertes unter 6,5%. Der Blutzuckerwert
nüchtern sollte zwischen 85 und 110 mg/dl liegen, die
Werte nach der Mahlzeit sollten nicht über 140 mg/dl, in
Ausnahme bis 160 mg/dl ansteigen. Bei einem HbA1c von 6% und
den von Ihnen angegebenen morgendlichen Blutzuckerwerten
besteht keine dringende Notwendigkeit, die medikamentöse
Therapie zu ändern.
Eine sehr wichtige Therapie ist eine
konsequente Umsetzung der Lebensstilempfehlungen. Gesunde und
ausgewogene Ernährung sowie 3–5-mal pro Woche 30
Minuten einer mittleren körperlichen Aktivität werden
aktuell empfohlen (rasches Gehen oder Walking, auch Nordic
Walking, Ergometer oder Fahrradfahren).
Werden diese Empfehlungen umgesetzt, sinkt
meist automatisch das Körpergewicht, ebenfalls eine
wichtige Maßnahme, um die Blutzuckwerte zu senken.
Dr. med. Stefan Gölz,
niedergelassener Diabetologe,
Esslingen a.N.
Als Syndrom Z bezeichnet man die
Kombination aus Diabetes mellitus, Adipositas, Bluthochdruck
und Schlafapnoe. Diese Kombination ist mit einem hohen
kardiovaskulären Risiko (d.h. einem hohen Risiko für
Herz-Kreislauf-Erkrankungen) behaftet.
Ich gehe davon aus, dass Ihre Schlafapnoe
gut eingestellt ist. Das finden Sie schnell heraus, wenn Sie
die von Spirit gespeicherten Daten auslesen lassen und einem
Fachmann vorlegen oder uns als E-Mail-Anhang zukommen lassen.
Ihr größtes Problem ist die
Adipositas (Fettleibigkeit) mit einem BMI von über 30.
Daran müssen Sie etwas tun, wenn Sie den Diabetes in den
Griff bekommen wollen. Wie wäre es denn mit den Weight
Watchers? Oder was würde Ihnen dazu einfallen? Sie bessern
damit den Diabetes, den Bluthochdruck und die OSA-Behandlung!
Das lohnt sich allemal. Ich drücke Ihnen die Daumen und
wünsche Ihnen viel Erfolg!
Prof. Dr. Helmut Teschler
Ruhrlandklinik (Essen-Heidhausen)
Ich leide an einem Restless-Legs-Syndrom
und gleichzeitig auch an einer neu diagnostizierten und
behandelten Schlafapnoe. Nun haben sich meine RLS-Beschwerden
seit Beginn der CPAP-Therapie deutlich verschlimmert. Kommt so
etwas häufiger vor? Welche Ursachen könnte es haben,
und was kann man dagegen tun?
Das gemeinsame Auftreten von Restless Legs
und einem Schlafapnoe-Syndrom ist keineswegs selten. Beide
Erkrankungen treten überzufällig gemeinsam auf, wie
man aus epidemiologischen Untersuchungen her weiß.
Das Schlafapnoe-Syndrom kann sehr wirksam
mit der nCPAP-Therapie behandelt werden. Für die
registrierte Verstärkung von RLS-Beschwerden unter der
nCPAP-Therapie habe ich zwei Erklärungen:
Mit der effizienten Behandlung der
nächtlichen Apnoe-Phasen unter der nCPAP-Therapie geht die
bei einem Schlafapnoe-Syndrom krankhaft gesteigerte
Einschlafneigung zurück. Entsprechend werden die
RLS-Beschwerden in der Einschlafphase unter der nCPAP-Therapie
deutlicher empfunden als ohne Behandlung des
Schlafapnoe-Syndroms. Die verstärkte Wahrnehmung der
RLS-Beschwerden ist also lediglich Ausdruck der sich
normalisierenden Einschlafneigung.
Die nCPAP-Therapie ist mit einer
Immobilisation verbunden, was dem Bewegungsdrang im Rahmen
eines RLS entgegenläuft.
Dopaminerge Medikamente, die beim RLS
eingesetzt werden, also Adartrel®, Restex® und
Sifrol®, beeinflussen das Schlafapnoe-Syndrom nicht.
Gegebenenfalls empfiehlt sich also eine Aufdosierung dieser
Medikamente, um einen Rückgang der RLS-Beschwerden zu
erreichen. Dagegen sollten Opiate, die auch beim RLS gut
wirksam sind, nicht von Patienten eingenommen werden, die an
einem Schlafapnoe-Syndrom leiden, da Opiate den Atmungsantrieb
vermindern und somit eine Schlafapnoe verstärken
können.
Prof. Dr. J. P. Sieb
Klinik für Neurologie, Geriatrie
und Palliativmedizin
HANSE-Klinikum Stralsund
Schlafmitteleinnahme bei therapierter
Schlafapnoe?
Ich bin Schlafapnoiker und benutze
regelmäßig mein CPAP-Gerät. Hin und wieder
leide ich allerdings unter Schlafstörungen und nehme dann
ein Schlafmittel ein – einen so genannten
Benzodiazepinrezeptoragonisten, der mir von meinem Hausarzt
verschrieben wurde.
Nun habe ich aber gehört, dass solche
rezeptpflichtigen Schlafmittel eine muskelentspannende Wirkung
haben. Darf ich solche Mittel als mit CPAP behandelter
Schlafapnoiker überhaupt nehmen? Oder erhöht sich
dadurch eventuell der Therapiedruck, den ich benötige?
Zunächst einmal etwas
Grundsätzliches zum Einsatz von Schlafmitteln. Ein
regelmäßiger Gebrauch von Schlafmitteln über
eine Dauer von mehr als vier Wochen ist nicht zu empfehlen.
Benzodiazepinrezeptoragonisten sind zwar moderne Schlafmittel,
aber auch diese bergen die Gefahr einer
Abhängigkeitsentwicklung in sich. Über längere
Sicht schaden sie dann einem guten Schlaf mehr, als dass sie
nützen.
Gegen einen gelegentlichen Einsatz, z. B.
in Belastungssituationen, ist in der Regel nichts einzuwenden.
Bei einer chronischen Insomnie (d. h. einer chronischen Ein-
oder Durchschlafstörung) sollte jedoch ein
schlafmedizinisch versierter Arzt aufgesucht werden.
Jetzt zu Ihrer Frage: In der Tat weisen
einige Substanzen muskelrelaxierende (muskelentspannende)
Wirkungen auf. Hierzu gehören beispielsweise die
klassischen Bezodiazepine (z. B. Valium®), aber auch
Alkohol. Für die Substanzgruppe der
Benzodiazepinrezeptoragonisten ist ebenfalls eine Wirkung auf
die Muskulatur beschrieben, wenngleich diese nicht so
ausgeprägt zu sein scheint.
Sollte eine Dauerbehandlung mit Substanzen,
die muskelentspannende Wirkungen haben – aus welchem
Grund auch immer – nötig sein, empfiehlt sich eine
Kontrolle der nCPAP-Therapie unter dieser Medikation. Unter
Umständen ist eine Anpassung des Maskendruckes notwendig.
Dr. Jörg Heitmann,
Schlaflabor,
Philipps-Universität Marburg
Ein Leser aus Dortmund schrieb uns:
Hallo! Als Leser Ihres Magazins
möchte ich Ihnen etwas mitteilen, was offenbar sehr selten
ist, aber eventuell auch anderen Betroffenen Mut macht. Seit
1998 hatte ich ein CPAP-Gerät (später auch mit
Befeuchter) und kam damit eigentlich auch ganz gut zurecht.
Seit Herbst 2004 bis heute habe ich nun durch Änderungen
in meinen Lebensumständen und Ernährungsgewohnheiten
ca. 25 kg abgenommen (von ca. 100 auf 75 kg). Durch
ärztliche Untersuchungen wurde jetzt festgestellt, dass
ich dadurch nicht mehr an Schlafapnoe leide und daher Maske und
Gerät nicht mehr brauche. Selbst meine RLS-Beschwerden
beschränken sich auf einige Beinbewegungen ab ca. 4.30
Uhr, die aber nicht medikamentös behandelt werden
müssen. Ich fühle mich sehr wohl dabei, und es geht
mir entsprechend gut!
Das muss nicht heißen, dass so etwas
für jeden gilt, der massiv abnimmt. Ich möchte
einfach nur zeigen, dass es durchaus möglich ist!
Ihrem Magazin bleibe ich trotzdem
verbunden, da ich es nach wie vor sehr interessant finde!
Sehr geehrte Damen und Herren!
Mein „Liveevent“ war vor 15
Jahren, eine Nacht nicht geschlafen und fortan immer vor
demselben Ereignis (Bereitschaftsdienst). Ich hatte dann immer
große Angst davor, und diese Angst verbunden mit
Herzrasen und zugeschnürter Kehle ließ mich einmal
pro Woche nicht schlafen. Ich hatte Angst, mein Studium nicht
zu schaffen. Seit Beendigung desselben vor zehn Jahren, haben
sich diese schlaflosen Nächte immer dann eingestellt, wenn
ich am nächsten Tag nach der Arbeit etwas vorhatte, also
länger wach bleiben mußte, oder wenn ich spät
nach Hause kam und die Nacht kürzer war und wie ein
Countdown anlief. Die nächsten Jahre besserte es sich
etwas, ich konnte immerhin in den betreffenden Nächten
etwas dösen und war dann nicht ganz so fertig, was zu
einer weiteren Besserung führte.
Ich habe eine zweijährige Therapie
gemacht, was aber nichts gebracht hat, weil ich in den letzten
fünf Jahren relativ gut schlafen konnte und weil der
Psychologe nicht auf Schlaf spezialisiert war (ich vermute
lediglich, dass dies der Grund ist). Vor einem Monat
überfiel mich eines Abends ein fataler Gedanke: Was ist,
wenn ich plötzlich jeden Tag diese Schlafängste
bekomme? Den für mich furchtbaren Rest können Sie
sich vorstellen. Ich habe den ganzen Tag Angst vor dem Moment,
wenn ich das Licht ausschalte, dann nehmen die Dinge ihren
Lauf. Mit Herzrasen, Übelkeit und einer endlosen Nacht,
der ein furchtbarer Tag folgt. Jetzt bin ich krank geworden
(Grippe, weil ich ziemlich geschwächt war) und habe heute
meinen ersten Arbeitstag hinter mich gebracht.
Nachts und mittlerweile auch tagsüber
lasten auf mir die möglichen Folgen: Jobverlust, ewige
Fragereien (was hast du denn heute Nacht gemacht?), keine
Freunde, kein Sport, meine Beziehung? Ich weiß nicht, wie
ich meine Gedanken ausschalten soll, ich kann mich nicht
ablenken, ich habe schreckliche Angst und würde so gern
mal wieder ausschlafen. Selbst wenn ich manchmal eindöse,
wache ich gleich wieder auf.
Zu meiner Person: 43 Jahre, Beruf MTA,
keine körperlichen Krankheiten, allein wohnend.
Antwort unserer Psychologin Sabine Eller:
Sie schreiben Ihr Anliegen an das
Schlafmagazin, verständlicherweise, weil Sie sich direkt
mit einem Schlafproblem konfrontiert sehen. Sie fürchten
sich vor der Nacht, können kein Auge zumachen, die
Gedanken kreisen, und morgens sind Sie fix und fertig.
Natürlich liegt es nahe, dass Sie dem Schlaf dafür
die Schuld geben. Ob etwas direkt am Schlaf nicht stimmen
könnte? Aber: Sie haben meiner Meinung nach kein
eigentliches Schlafproblem, sondern eine Angststörung, die
als Nebenkriegsschauplatz sich die Nacht ausgesucht hat.
Das ist die Frage nach Henne und Ei: Was
war zuerst da? So, wie Sie es schildern, vermute ich, dass die
Angst die Grunderkrankung ist. Denn ich kenne aus der
Schlafmedizin, die mein tägliches Brot ist, viele
Fälle von Menschen, die „nur“ nicht schlafen
können. Diese Panik ist nicht dabei. Anspannung ja. Aber
nicht in diesem bedrängenden Maß. Deshalb sehe ich
bei Ihnen die Angst vor der Angst im Vordergrund.
Leicht Schlafgestörten rät man,
so ruhig wie möglich zu bleiben. Man wird nicht ernstlich
krank vom Wachliegen. Viele Schlaflose leisten Erstaunliches am
Tage. Die Sorge wegen schlechtem Schlaf ist viel schlimmer als
der Schaden, den das anrichten kann.
Gerade innere Anspannung ist der Gegner von
Schlaf. Das kennen Sie ja leider massiv. Ob in Ihrem Fall
Entspannungsübungen oder Ruhebilder noch helfen? Wenn die
Angst ein gewisses Maß erreicht hat, dann entsteht so
etwas wie ein Angstgedächtnis. Davon schreiben Sie: Ihnen
fällt plötzlich ein, was wäre wenn … und
Sie treten damit einen Stein los, der die Erinnerung so
anschiebt, dass die Lawine losgeht.
Es mag Ihnen wie ein Vorwurf vorkommen,
aber meiner Meinung nach „nimmt man sich die
Angst“. Man greift selbst immer wieder rein in die dunkle
Kiste. Der Gedanke ist kein Vorwurf, sondern eine Chance. Das
Angstgedächtnis kann man wieder löschen. Dadurch,
dass Sie zum Beispiel fünf Jahre keine Angst hatten. Das
ist der Beweis. Vielleicht hatte die Psychotherapie doch
Positives bewirkt. Wenn sich der Therapeut mit Angst auskannte,
sicher. Oder weil Sie damit, ohne dass man das genau
erklären konnte, auf festeren Grund kamen.
Ein Arzt oder Therapeut, der sich mit
Angststörungen auskennt, ist meiner Meinung nach der
richtige Ansprechpartner. Eventuell helfen neben der Beziehung
zu einem Therapeuten am Anfang auch angstlösende
Medikamente.
Das Gute ist, dass Ängste kommen und
gehen. Auch wenn Sie sich jetzt bedrängt fühlen und
sich das nicht vorstellen können, so haben Sie diese
Erfahrung ja selbst im Brief geschrieben. Ich wünsche
Ihnen, dass das bald gelingt.
Die Redaktion:
Wenn Sie, lieber Leser, dazu Stellung
nehmen wollen, können Sie mit der Betroffenen über
uns Kontakt aufnehmen.
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