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Wissen ist schon der halbe Erfolg
3. Patientenkongress des Schlafmagazins in
Gerlingen
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von Widmar Puhl
Am 11. November 2006 war die Gerlinger
Stadthalle wieder ganztägig dem Thema „Schlaf„
gewidmet. Der dritte Patientenkongress des Schlafmagazins und
der Klinik Schillerhöhe machte klar: Der Beratungsbedarf
steigt, nicht nur wegen der Gesundheitsreform. Sogar aus
Thüringen und der Schweiz waren Selbsthilfegruppen
angereist. Betroffene und Fachleute diskutierten auf hohem
Niveau über die Frage: „Ich bin müde –
bin ich krank?„
„Auch häufiges nächtliches
Erwachen ist völlig normal„. Mit dieser Botschaft
wandt sich der Regensburger Schlafforscher Prof. Jürgen
Zulley gegen das Vorurteil, Schlafstörungen seien
grundsätzlich schon eine Krankheit. Worunter die Menschen
leiden, ist nämlich oft mehr die Angst vor Müdigkeit
am Tag als die Schlafstörung selbst. Wer erst einmal
weiß, dass auch völlig gesunde junge Menschen 28 Mal
pro Nacht kurz erwachen und dass die Erholung durch den
nächtlichen Schlaf weit weniger von dessen Dauer
abhängt als gemeinhin angenommen, geht das Problem schon
viel gelassener an. Und das schafft innere Ruhe – die
zentrale Voraussetzung für einen besseren Schlaf. Wenn man
dann auch noch weiß, dass im Gehirn während des
Schlafes mehr Aktivität stattfindet als im Wachen, kann
man sich vollends von der Vorstellung verabschieden, für
die Gesundheit sei „Ruhe„ entscheidend.
Darüber referierte sehr eindrucksvoll Prof. Jan Born von
der Universitätsklinik Lübek in seinem Vortrag
über die Gedächtnisfunktion des Schlafs.
Praktische Entspannungsübungen
Ein Kongress ist keine Schlafschule wie die
von Jürgen Zulley. Trotzdem ging es diesmal von Anfang an
noch praxisorientierter zu als voriges Jahr. Werner Waldmanns
Eröffnungsfilm „Todesgefahr am Steuer„
über den Sekundenschlaf zeigte eindrucksvoll die
pädagogische Wirkung unterhaltsamer Elemente, wenn es
darum geht, die Betroffenen zum Handeln zu motivieren. Der Film
beschreibt in bester Reportage-Tradition das Pilotprojekt der
Klinik Schillerhöhe mit der Polizei und dem
Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg zu einem
Apnoe-Screening für LKW-Fahrer. Wer davon profitiert, wenn
schätzungsweise 30 Prozent der Autobahn-Unfälle nicht
mehr stattfinden, muss man nicht eigens erklären.
Prof. Rainer Dierkesmann von der Klinik
Schillerhöhe konnte denn auch nicht nur Prominente
begrüßen wie VdK-Präsident Walter Hirrlinger,
sondern auch ganz praktische Beiträge zur Entspannung. Die
vier jungen Sänger der A-Capella-Gruppe „The
Pipes„ begeisterten des Publikum nicht nur mit
Schlafliedern. Die junge Harfinistin Veronika Sinnig
beeindruckte mit ihrem gekonnten Spiel. Alex Suarez aus der
Schweiz führte nicht nur theoretisch vor, wie er seine
Schlafapnoe mit einem gezielten Training der Halsmuskeln durch
das Spielen des Didgeridoo überwand.
Lernen über den Schlaf
Diplompsychologin Sabine Eller und ihre
ärztliche Kollegin Dr. Vera Wienhausen-Wielke vom
Schlaflabor der Klinik Schillerhöhe zeigten eindrucksvoll,
wie gesunder Schlaf aussieht und wo die Risiken für
Schlafstörungen bzw. einen nicht erholsamen Schlaf liegen.
Sekundenschlaf überfällt uns nicht einfach, er hat
klar benennbare Ursachen wie Schlafapnoe oder
Übermüdung. Es war aber auch sehr interessant, die
Interpretation neuerer Forschungen zu erleben. So steigt z.B.
Müdigkeit im Lauf des Tages nicht linear an, je
später es wird, sondern folgt einem Rhythmus mit
Höhepunkten, die im Schnitt alle 90 Minuten auftreten.
Deshalb sind wir oft zu Beginn eines Spielfilms am Abend
müde und kurz darauf „über den Punkt
hinaus„.
Bei solchen Vorgängen spielen der
Hormonhaushalt und die biologische Uhr der Tag-Nacht-Rhythmen
eine große Rolle. Nicht zufällig geschehen daher die
meisten schweren Unfälle nachts zwischen 2 und 4 Uhr,
sondern ist auch die Schmerzempfindlichkeit am höchsten.
Es gibt deutliche „Warnzeichen„: Wir frösteln
und gähnen, die Augen brennen; Körpertemperatur,
Atemfrequenz und Sauerstoffsättigung des Blutes sinken,
die Sehschärfe nimmt ab. Solche Zeichen zu deuten, richtig
zu reagieren und sich keinen Zwang anzutun, hilft enorm beim
richtigen Schlafverhalten.
Schwerpunkt Übergewicht und Stress
Aus klinischer Sicht stand der Teufelskreis
aus Übergewicht, Stress und Schlafstörungen im
Mittelpunkt des Kongresses. Prof. Matthias Leschke,
Chefkardiologe des Klinikums Esslingen, betonte den
Zusammenhang von Atem-und Herzerkrankungen, die in seinem Haus
schon längst gemeinsam untersucht werden, um
verhängnisvolle Kreisläufe wechselseitiger
Beeinflussung zu durchbrechen. Der Ingenieur und Kardiologe
Prof. Helmut Teschler von der Essener Ruhrlandklinik gab einen
Überblick über neue Behandlungsmöglichkeiten der
zentralen Schlafapnoe, die mit einer Herzmuskelschwäche
verbunden ist. Teschler kündigte auch deutliche
Verbesserungen bei der Software für Diagnostik und
Somnographie an. Nachdem die technische Entwicklung bei
CPAP-Geräten ein hohes Niveau erreicht habe, gebe es dort
noch Verbesserungsbedarf.
Ganz besonders deutlich wurde der oft
tödliche Kreislauf von Übergewicht, Stress und
Schlafstörungen in dem Vortrag von Prof. Monika Kellerer
vom Stuttgarter Marienhospital über „Schlafapnoe und
Diabetes„. Sie zeigte anhand verschiedener
wissenschaftlicher Studien, wie sehr beide Krankheitsbilder von
Bluthochdruck und Fettleibigkeit geprägt sind –
Ursachen, die man so gut kennt, dass man sich oft über
ihre zunehmende Verbreitung wundert. Bauchfett, Schlafapnoe und
eine immer schlechtere Verwertung des körpereigenen
Insulins sind meist die Folge ungesunder Lebens- und
Ernährungsgewohnheiten, die viele Menschen ohne Hilfe
nicht in der Hand haben.
„Viele Patienten haben schon besser
verstanden als die Gesundheitsministerin, wie entscheidend
Prävention ist„, kritisiert die Chefärztin.
Für Prävention fehle das Geld, weil niemand bereit
sei, für eine notwendige Übergangszeit die
zusätzlichen Kosten zu tragen, die nun einmal anfallen,
wenn man zugleich den „klassischen
Reparaturbetrieb„ aufrechterhalten müsse, bis die
Vorbeugung greifbare Entlastungen bringt. Das Problem: Akuten
Behandlungsbedarf kann man sehen, Präventionserfolge aber
nicht. Die zeigen sich erst langsam, dann aber gewaltig –
durch sinkende „Fallzahlen„ und Therapiekosten bei
den zahlreichen Folgeerkrankungen des Übergewichts.
Industrieausstellung, Beratung und
Selbsthilfegruppen
Großer Andrang herrschte auf der
Industrieausstellung, die parallel zu den Vorträgen lief.
Sehr viele Besucher nutzten das Angebot und ließen sich
untersuchen: Angeboten wurden u.a.
Herz-Kreislauf-Untersuchungen, Lungenfunktions-Prüfungen,
Blutdruckmessungen – ganz ohne Praxisgebühr. Die
Stände der Selbsthilfegruppen waren ebenfalls immer
umlagert: Was zahlt die Krankenkasse noch? Wo finde ich eine
Selbsthilfegruppe in meiner Umgebung? Welche Ärzte
arbeiten interdisziplinär zusammen, um mein Problem zu
lösen? Wo finde ich ein Schlaflabor? So lange Patienten
mit solchen Fragen noch vom Hausarzt heimkommen, sind
Selbsthilfegruppen unentbehrlich. Nicht zuletzt ihnen gibt
dieser Kongress ein Forum, Selbstbewusstsein und engagierte
Fortbildung.
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Auch dieses Jahr wurde der
„Somnus“ vom Schlafmagazin verliehen.
Ausgezeichnet mit dem Preis wurden zwei
Schlafmediziner.
Der erste Preisträger ist der Leiter
des Schlaflabors des Klinikums Kempten-Oberallgäu, Dr. med. Manfred Held,
der mit seiner Diagnostik und Therapie insbesondere des
krankhaften Schnarchens, der Schlafapnoe, neue Wege beschritten
hat, um sowohl die Therapietreue der Patienten zu steigern, als
auch die Behandlungskosten erheblich zu senken.
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Der zweite Preisträger ist der
Ärztliche Direktor der Ruhrlandklinik in Essen und
künftige Präsident der Deutschen Gesellschaft
für Pneumologie (DGP), Prof.
Dr. med. Helmut Teschler, der nicht
nur die Diagnostik und Therapie der obstruktiven Schlafapnoe,
sondern auch die Behandlung von Patienten mit zentralen Apnoen
bei Herzinsuffizienz und nach Schlaganfall durch geniale
Neuentwicklungen entscheidend verbessert hat.
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Aus dem Bereich der Industrie erhielt die Firma Hoffrichter aus
Schwerin den Preis für ihre qualitativ hochwertigen
Geräte.
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Ausgezeichnet wurden auch drei
Selbsthilfegruppen-Leiter:
Erika Jungbauer
für Ihr Engagement, Betroffenen
selbstlos zu helfen und sie zu beraten.
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Wolfgang Tischer
für seine Verdienste, mit stiller
Leidenschaft im Hintergrund und großem technischen
Verständnis eine Selbsthilfevereinigung erfolgreich
mitzugestalten.
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und Karl-Heinz
Klevers
für seine Beharrlichkeit, sein
politisches Gespür und seine organisatorische Umsicht,
einen einflussreichen Verband aufzubauen.
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