Schlafapnoe und Herz-Kreislauf-Risiko
Aus wissenschaftlichen Untersuchungen weiß man, dass bereits eine leichtgradige unbehandelte Schlafapnoe das Risiko erhöht, an Bluthochdruck zu erkranken: Schon bei bis zu fünf Atemaussetzern pro Stunde steigt das Risiko auf das 1,4-Fache an; bei über 15 Atempausen ist es fast um das Dreifache erhöht. Relativ neu ist jedoch die Erkenntnis, dass das Bluthochdruck-Risiko in Abhängigkeit von der Anzahl der Atemaussetzer nur bei denjenigen Patienten in die Höhe schießt, die mehr als fünfmal im Monat tagesschläfrig sind. Ein unbehandelter Schlafapnoiker ohne Tagesschläfrigkeit hat kein erhöhtes Risiko! Warum das so ist, weiß man noch nicht. Und leider kann man einem Patienten mit Bluthochdruck und Schlafapnoe auch nicht versprechen, dass er seine Blutdruck-Medikamente irgendwann absetzen kann, wenn er sein CPAP-Gerät regelmäßig benutzt. Es ist jedoch eine Senkung des Blutdrucks in Abhängigkeit von der Compliance (d.h. der Dauer der nächtlichen CPAP-Nutzung) zu beobachten.
Auch das Schlaganfallrisiko ist einer neueren Studie zufolge bereits ab einem Apnoe-Hypopnoe-Index (AHI) von über 5 deutlich erhöht. Und auch das Herzinfarktrisiko steigt mit der Anzahl der Atemaussetzer pro Stunde. Bei Schlafapnoikern treten Herzinfarkte überzufällig häufig nachts und in den frühen Morgenstunden auf. Dafür gibt es eine ganz einfache Erklärung: ãNachts fährt der Körper seine Kreislaufaktivität sowieso herunter. Wenn jemand bereits unter einer koronaren Herzkrankheit (d.h. einer arteriosklerotischen Verengung der Herzkranzgefäße) leidet und dann infolge nächtlicher Apnoen auch noch die Sauerstoffkonzentration des Blutes sinkt, werden die ohnehin erkrankten Koronargefäße noch schlechter mit Sauerstoff versorgt als sonst.Ò
Bei Alzheimer CPAP-Therapie erwägen
Ältere Patienten leiden sehr häufig unter Schlafapnoe. Oft wird diese aber nicht erkannt und daher auch nicht behandelt. Das liegt daran, dass die Symptome der Senioren nicht so sehr den klassischen Beschwerden eines Apnoikers (Schnarchen, Atemstillstände, Einschlafneigung bei Tage) entsprechen; sie fühlen sich tagsüber aber müde und unausgeruht und klagen über häufiges nächtliches Wasserlassen.
ãEs wäre wichtig, diese Patienten schlafmedizinisch zu diagnostizierenÒ, betont Frau Professor Orth, ãweil eine obstruktive Schlafapnoe sich auch bei älteren Menschen stark auf die Tagesbefindlichkeit und geistige Leistungsfähigkeit auswirkt.Ò Oft wird dann fälschlicherweise eine Demenz vermutet. Eine Studie an Heimbewohnern mit Alzheimer-Krankheit ergab, dass sehr viele dieser Patienten einen AHI von über 20 pro Stunde hatten; und es konnte auch nachgewiesen werden, dass diejenigen Alzheimer-Patienten, die an Schlafapnoe litten, tagsüber ein hohes Aggressionspotenzial aufwiesen und auch in der Nacht viel unruhiger waren als Alzheimerkranke ohne Schlafapnoe. Das gibt zu denken; denn gerade die Unruhe ist bei diesen Patienten eine besondere Herausforderung für Pflegepersonal und pflegende Angehörige. ãMan sollte zumindest drüber nachdenken, ob man diese Patientengruppe nicht behandeln könnteÒ, meint Frau Professor Orth - zumal die Compliance (Therapietreue) bei älteren Menschen, die auf ein CPAP-Gerät eingestellt werden, erstaunlich gut ist. Man muss sie nur langsam und schrittweise an die Maske gewöhnen.
Eine andere Studie an Patienten mit Alzheimer und Schlafapnoe, in der die eine Gruppe einen angemessenen Therapiedruck, die andere dagegen einen subtherapeutischen (also zu niedrigen) Druck erhielt, hat bewiesen, dass CPAP sich tatsächlich positiv auf eine Alzheimer-Demenz auswirkt! Die geistige Leistungsfähigkeit nahm in der Gruppe, die den ãrichtigenÒ Druck bekam, schon nach drei Wochen deutlich zu. Ärzte sollten eine CPAP-Therapie bei Alzheimer-Patienten mit Schlafapnoe daher zumindest erwägen.
ãFrauen schnarchen nicht!Ò
Auch bei Frauen ist die obstruktive Schlafapnoe häufig unterdiagnostiziert und untertherapiert; denn auch sie haben oft untypische Symptome. Zum Beispiel fallen sie seltener als ihre männlichen Leidensgenossen durch Schnarchen und Atemaussetzer auf; dafür überwiegen bei ihnen Beschwerden wie Schlafstörungen, Depressionen, Unausgeruhtsein und morgendliche Kopfschmerzen. Oft bekommen sie dann vom Arzt ein Antidepressivum oder Schlafmittel verschrieben - das natürlich nicht hilft. ãEs gibt Risikofaktoren, bei denen Frauen den Männern in nichts nachstehenÒ, erklärt Frau Professor Orth, ãnämlich Alter und Übergewicht.Ò Kommen dann auch noch die Wechseljahre dazu, so holen sie die Männer in puncto Schnarchen und Schlafapnoe blitzschnell ein. Aber bei einer Frau ist das eben auch heute immer noch ein Tabuthema - oder, wie Ex-DGSM-Chef Jürgen Fischer es einst in treffenden Worten auf den Punkt brachte: ãFrauen schnarchen nicht.Ò
Ärzte sollten - so Frau Professor Orths Botschaft - stärker auf diese unterdiagnostizierten Randgruppen achten. Und das gilt eben nicht nur für die Schlafmediziner, sondern auch für Ärzte anderer Disziplinen: ãWas für einen Sinn hat es, in ein verengtes Herzkranzgefäß einen Stent einzusetzen, wenn die Durchblutung des Herzmuskels durch die unbehandelte Schlafapnoe trotzdem weiterhin schlecht ist?Ò
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