|
|
|||||||||||||||
![]() |
|
||||||||||||||
![]() |
|
||||||||||||||
|
|
|||||||||||||||
|
|
|||||||||||||||
|
|
|||||||||||||||
|
|
|
||||||||||||||
|
|
|||||||||||||||
|
|
|||||||||||||||
|
|
|||||||||||||||
|
Ein Problem – viele Gesichter
Schlafstörungen
|
Ausgewählte Artikel
Heft 1/2010
Ein Problem –
viele Gesichter
Schlafstörungen
![]() |
|
|||||||||||||
|
|
|
||||||||||||||
|
|
|||||||||||||||
|
Marion Zerbst
Die Insomnie (Ein- und
Durchschlafstörung) ist die häufigste
Schlafstörung, die es gibt: In Deutschland leiden rund
fünf Millionen der Bundesbürger darunter. Solche
Schlafprobleme können sehr verschiedene Ursachen haben,
die eine eingehende Diagnostik und individuelle Therapie
erfordern.
Die Schlafstörung, über die der
65-jährige Rentner klagte, war ganz plötzlich
aufgetreten; und sie war so intensiv, dass er sich
außerstande sah, seinen Alltag überhaupt noch zu
bewältigen. Er brauchte mindestens anderthalb Stunden bis
zum Einschlafen, erwachte dann nach einer Stunde Schlaf schon
wieder und lag dann oft drei bis vier Stunden wach. Erst in den
Morgenstunden sank er endlich in einen etwas dauerhafteren,
erholsameren Schlaf. Kein Wunder, dass ihn tagsüber
bleierne Müdigkeit quälte.
Zwar hatte er auch früher schon unter
Schlafproblemen gelitten – nämlich ein paar Wochen
vor seiner Hochzeit und später noch einmal, als eines
seiner Enkelkinder an Leukämie erkrankte; so schlimm wie
dieses Mal sei es aber vorher noch nie gewesen, sagte er.
Quälende Erinnerungen
Vor ein paar Wochen, so erzählte der
Mann auf Nachfragen hin, war seine Ehefrau verstorben, die er
in den Jahren davor rund um die Uhr versorgt hatte, da sie nach
einem schweren Schlaganfall behindert gewesen war. Zwar war der
Tod der Frau eigentlich eine Erlösung für ihn
gewesen; andererseits kreisten seine Gedanken aber trotzdem
ständig um Erinnerungen an glücklichere Zeiten, die
er mit ihr erlebt hatte – nicht nur tagsüber,
sondern auch in der Nacht grübelte er darüber nach.
Außerdem habe er ja jetzt keine Aufgabe mehr, da er nicht
mehr regelmäßig für seine Frau kochen
müsse, erklärte er.
Entgegen der Überzeugung des Mannes,
dass seine Schlafstörung eine organische Ursache haben
müsse, zeigte die körperliche Untersuchung nichts
Auffälliges. Bei der Polysomnografie im Schlaflabor
bestätigte sich aber, dass er tatsächlich sehr
schlecht schlief: Er wachte immer wieder auf und hatte zu wenig
Tief- und Traumschlaf.
Warum waren bei diesem Mann plötzlich
so schwere Schlafprobleme aufgetreten? Ganz einfach: Der Tod
seiner Frau und die quälenden Erinnerungen belasteten ihn.
Hinzu kam, dass er jetzt keinen so geregelten Tagesablauf mehr
hatte – denn wichtige „Zeitgeber“, die
normalerweise den Tag strukturieren, fehlten ihm, und so etwas
wirkt sich oft ebenfalls sehr ungünstig auf den
Nachtschlaf aus. „Akute Insomnie“ nennen die
Schlafmediziner eine solche neu aufgetretene
Schlafstörung, die durch einen Stressfaktor (in diesem
Fall durch den Tod der Ehefrau) ausgelöst wird. Dass der
Mann dazu neigte, auf Stress mit Schlaf-störungen zu
reagieren, hatten bereits seine früheren Schlafprobleme
vor der eigenen Hochzeit und während der Erkrankung
seines Enkelkinds gezeigt.
Da das Problem noch nicht lange bestand,
waren die Chancen gut, es auch rasch wieder in den Griff zu
bekommen. Zunächst wurde der Mann darüber
aufgeklärt, dass bei ihm keine organische Erkrankung
vorlag, was ihn sehr erleichterte. Zudem wurde ihm ein
Schlafmittel (Benzodiazepinrezeptoragonist) verschrieben, das
er vier Wochen lang einnehmen sollte.
Man gab ihm aber auch
verhaltenstherapeutische Empfehlungen und Regeln zur
Schlafhygiene (schlaffördernde Maßnahmen) mit
auf den Weg.
Tatsächlich rief er fünf Wochen
später an und erklärte, jetzt wieder gut ein- und
durchschlafen zu können. Die rasche Behandlung hatte der
Chronifizierung seiner Schlafstörung vorgebeugt; denn je
länger solche Schlafprobleme bestehen, umso schwieriger
und langwieriger ist oft die Therapie.
Paradoxe Insomnie – eine
Schlafstörung, die eigentlich keine ist
Die 35-jährige Mutter zweier Kinder
war verzweifelt. Schon seit sechs Monaten litt sie unter
starken Ein- und Durchschlafstörungen; in manchen
Nächten konnte sie gar nicht schlafen. Hinzu kam eine
starke Geräuschempfindlichkeit, die ihr das Schlafen
zusätzlich erschwerte. Tagsüber fühlte sie sich
ständig müde und unkonzentriert. Außerdem
machte sie sich Sorgen, dass der Schlafmangel auf die Dauer
ihrer Gesundheit schaden könnte. Manchmal nahm sie abends
ein Schlafmittel ein, hatte aber nicht das Gefühl, dass es
ihr half, sondern fühlte sich dann am nächsten Morgen
im Gegenteil sogar noch unerholter als sonst.
Diese Frau hatte wirklich einen ziemlich
stressigen Alltag. Neben ihrem Halbtagsjob als Verkäuferin
in einer Bäckerei musste sie zwei Kinder im Alter von
sieben und neun Jahren versorgen, die sie nach der Arbeit von
der Schule abholte, um ihnen dann Mittagessen zu kochen und
ihnen bei den Hausaufgaben zu helfen. Nur abends hatte sie zwei
Stunden Zeit für sich, weil ihre Mutter dann auf die
Kinder aufpasste. Diese Freizeit nutzte sie, um einkaufen oder
joggen zu gehen. Gegen sieben Uhr kam ihr Mann nach Hause. Oft
kochte sie auch für ihn noch etwas und brachte
gleichzeitig die Kinder ins Bett. Gegen 21 Uhr kam sie dann
endlich zur Ruhe; und um 22 Uhr ging sie normalerweise zu Bett.
Aber wegen ihres schlechten Schlafs fühlte sie sich jedes
Mal wie gerädert, wenn am nächsten Morgen um halb
sieben wieder der Wecker klingelte.
Ihr Schlaftagebuch schien ihre Probleme zu
bestätigen: Sie konnte erst nach 45 Minuten bis anderthalb
Stunden einschlafen, wurde nachts sechs- bis neunmal wach und
brauchte dann oft über eine halbe Stunde, um wieder
einzuschlafen. Deshalb schlief sie pro Nacht selten mehr als
drei oder vier Stunden.
Auch diese Frau war organisch gesund. Aber
im Gegensatz zu dem 65-jährigen Rentner (und in
völligem Widerspruch zu den Aussagen ihres
Schlaftagebuchs) ergab die Untersuchung im Schlaflabor bei ihr
keinerlei auffällige Ein- oder Durchschlafprobleme.
Lediglich in der ersten Schlaflabornacht schlief sie etwas
schlechter, was jedoch in Anbetracht der ungewohnten Umgebung
und der „Verkabelung“ nichts
Außergewöhnliches ist.
Genau das erklärte der Arzt im
Schlaflabor der Frau dann auch, und sie hatte Gelegenheit, sich
schwarz auf weiß davon zu überzeugen, wie weit die
Ergebnisse der Schlafableitung und die Eintragungen in ihrem
Schlaftagebuch auseinanderklafften. Oft trägt das schon
sehr zur Beruhigung des Patienten und zu einer Verbesserung
seines Schlafs bei. Tatsächlich war die Patientin sehr
froh, als sie erfuhr, dass sie in Wirklichkeit gar nicht so
schlecht schlief, wie sie gedacht hatte.
Als Nächstes wurden ihr die Regeln
der Schlafhygiene erklärt. Außerdem sollte sie sich
tagsüber Ruhepausen gönnen und eine
Entspannungstechnik erlernen, die sie während dieser
Pausen praktizieren konnte. Ihr wurden auch noch weitere
Strategien vermittelt, mit denen sie ihre negativen,
ständig um den „schlechten“ Schlaf kreisenden
Gedanken in den Griff bekomme konnte: zum Beispiel die
Techniken des Gedankenstopps und des Ruhebildes, die oft wahre
Wunder wirken, wenn der Stress uns zu sehr im Griff hat. Das
abendliche Joggen, erklärte man ihr, sei eher
kontraproduktiv, weil es Herz und Kreislauf zu sehr aktiviere
und beim Einschlafen hinderlich sein könne. Die
Patientin entschloss sich daraufhin, autogenes Training zu
erlernen, was ihr sehr half, und berichtete nach einiger Zeit
über eine deutliche Besserung ihrer Beschwerden.
Die paradoxe Insomnie (früher auch
als Schlaffehlwahrnehmung bezeichnet) beginnt meist zwischen
dem 20. und 40. Lebensjahr. Woher sie kommt und wie häufig
sie ist, weiß man nicht genau; unbehandelt kann sie
jedoch jahrelang anhalten. Typisch ist, dass die Betroffenen
das feste Gefühl haben, nachts kaum oder gar nicht zu
schlafen (obwohl Letzteres physiologisch gar nicht möglich
ist), und tagsüber müde und erschöpft sind.
Typisch sind auch eine ausgeprägte
Geräuschempfindlichkeit und nächtliches Grübeln.
Dabei unterscheidet sich der Nachtschlaf dieser Menschen in
Wirklichkeit gar nicht oder kaum von dem eines gesunden
Schläfers. Schon die Aufklärung über diesen
Sachverhalt nach einer Diagnostiknacht im Schlaflabor kann
ihnen sehr helfen, weil sie dadurch die Angst vor ihrer
vermeintlichen „Schlafstörung“ verlieren.
Grundlos schlaflos
Schon als Kind hatte der 26-jährige
Jurastudent schlecht geschlafen. Er könne sich nicht daran
erinnern, jemals keine Schlafprobleme gehabt zu haben, sagte
er. Zurzeit sei es aufgrund seines Prüfungsstresses aber
ganz besonders schlimm, und wegen des schlechten Nachtschlafs
könne er sich tagsüber auch kaum noch auf seine
Prüfungsvorbereitungen konzentrieren. Manchmal bleibe er
nach einer besonders schlechten Nacht morgens länger im
Bett oder gönne sich ein Mittagsschläfchen. Abends
vor dem Schlafengehen lerne er dann manchmal noch ein bisschen,
da seine Konzentration um diese Zeit am besten sei.
Die Schlaflaboruntersuchung gab dem
Patienten Recht: Er schlief tatsächlich insgesamt zu wenig
und wachte nachts zu häufig auf, wobei er dann jedes Mal
30 bis 60 Minuten wach lag. Außerdem war sein Schlaf zu
leicht; er hatte nicht genügend Tiefschlaf.
Dieser Patient litt an einer
idiopathischen Insomnie. Typisch für diese
Schlafstörung ist, dass sie bereits seit der Kindheit
besteht und dass der Patient sich überhaupt nicht an
längere Phasen guten, ungestörten Nachtschlafs
erinnern kann. Offenkundige Auslöser für das
Schlafproblem gibt es nicht – daher die Bezeichnung
„idiopathisch“, die so viel wie
„primär“ oder „unabhängig von
anderen Ursachen oder Erkrankungen“ bedeutet. Helfen kann
man solchen Patienten mit verschiedenen Maßnahmen: Auch
hier ist das Erlernen eines körperlichen
Entspannungsverfahrens (autogenes Training oder progressive
Muskelentspannung), gekoppelt mit gedanklichen
Entspannungstechniken wie Ruhebild oder Fantasiereise,
sinnvoll. Tagsüber sollte nicht geschlafen werden, weil
dadurch der „Schlafdruck“ in der Nacht abnimmt.
Unser Jurastudent wurde also gebeten, auf seine
Mittagsschläfchen zu verzichten und morgens möglichst
immer zur gleichen Zeit aufzustehen; denn ein
regelmäßiger Schlaf-wach-Rhythmus ist gerade
für schlafgestörte Menschen sehr wichtig.
Zusätzlich kann ein beruhigend wirkendes (sedierendes)
Antidepressivum in niedriger Dosierung helfen. Zeitlich
begrenzt können auch benzodiazepinähnliche Substanzen
(Zolpidem, Zopiclon oder Zaleplon) verschrieben werden. Unser
Student entschied sich für ein Antidepressivum, das er gut
vertrug und das ihm auch half; außerdem wurden ihm im
Rahmen einer Verhaltenstherapie schlaffördernde,
entspannende Maßnahmen beigebracht. Auch diese haben, wie
er später berichtete, ganz entscheidend zur Verbesserung
seines Schlafs beigetragen.
Schlafstörung durch Depressionen
Da Patienten mit idiopathischer Insomnie
ein erhöhtes Risiko haben, an einer Depression zu
erkranken, sind bei ihnen medizinische bzw. psychiatrische und
psychologische Verlaufskontrollen empfehlenswert.
Oft ist es aber auch genau umgekehrt: Die
Depression ist der Auslöser für eine
Schlafstörung. So war es beispielsweise bei dem
48-jährigen Mann, der sich im Schlaflabor vorstellte, weil
er seit etwa einem halben Jahr unter Ein- und
Durchschlafstörungen litt, zu nächtlichem
Grübeln neigte und dann tagsüber müde und
unkonzentriert war – und das, obwohl er früher nie
Schlafprobleme gehabt hatte. Sein Hausarzt hatte schon
Therapieversuche mit mehreren verschiedenen Schlafmitteln
unternommen, die jedoch nicht erfolgreich gewesen waren. In den
letzten Wochen, so erzählte der Mann, habe er seinen
Aufgaben als selbständiger Steuerberater wegen seiner
ständigen Müdigkeit gar nicht mehr nachkommen
können. Er fühle sich in letzter Zeit auch sehr
antriebsarm, deprimiert und hoffnungslos und könne sich
oft selbst zu den einfachsten Dingen nicht mehr aufraffen.
Seine Hobbys und Interessen hatte er fast völlig
aufgegeben und sich auch von seinem Freundeskreis immer mehr
zurückgezogen. Immer wieder litt er auch unter
Angstzuständen. Appetit hatte er ebenfalls nicht mehr; in
den letzten drei Monaten hatte er sieben Kilo abgenommen.
Die psychopathologische Untersuchung ergab
eine deutliche depressive Grundstimmung: Der Patient machte
sich Sorgen, nie mehr gesund zu werden. Außerdem litt er
an einer Denkhemmung mit Konzentrations- und
Aufmerksamkeitsstörungen.
Um das Problem zu beheben, erhielt er
Antidepressiva (Venlafaxin, Mirtazapin) in Kombination mit
einem angstlösend wirkenden Schlafmittel (Lorazepam) und
dazu eine psychotherapeutische Behandlung. Beides zusammen
führte schon nach sechs Wochen zu einer deutlichen
Besserung seiner Schlafprobleme und auch seiner depressiven
Stimmung.
Psychische Erkrankungen (beispielsweise
eine Depression oder Angststörung) gehören zu den
häufigsten Ursachen von Schlafstörungen, wobei die
Schwere der Schlafstörung im Normalfall dem Schweregrad
der Depression entspricht. Deshalb ist es wichtig, bei der
Therapie beides zugleich anzugehen – die Schlafprobleme
ebenso wie die Depression.
Oft liegt bei solchen Patienten
übrigens eine erbliche Veranlagung vor. Das war auch bei
unserem 48-jährigen Steuerberater der Fall: Seine
Schwester litt an einer bipolaren Störung (manischen
Depression); sein Großvater hatte sich das Leben
genommen.
Schlafen kann man lernen!
Die 25-jährige Studentin wusste nicht
mehr weiter. Schon seit einem Jahr litt sie unter einer Ein-
und Durchschlafstörung, die sie stark belastete. Und dabei
lebte sie ausgesprochen gesund: Sie nahm weder Medikamente noch
Drogen und trank nur selten und nur in geringen Mengen Alkohol.
Abends ging sie zu
unregelmäßigen Zeiten (zwischen zehn und ein Uhr) zu
Bett und lag bis zum Einschlafen mindestens zwei Stunden wach.
Um zwei Uhr nachts
|
|
||||||||||||||
|
|
|||||||||||||||
|
erwachte sie meist schon wieder und lag
erneut eine Dreiviertelstunde wach. Morgens stand sie zwischen
halb neun und elf Uhr auf – je nachdem, wann ihre
Vorlesung begann. Da sie nicht mehr als fünf oder sechs
Stunden Schlaf bekam, legte sie sich mittags hin und schlief
zwei Stunden, was ihr aber auch nicht half, sich wacher und
ausgeschlafener zu fühlen – im Gegenteil: Nach dem
Mittagsschlaf war sie erst recht müde und zerschlagen.
Gegen Abend begann sie zu lernen, was oft bis spät in die
Nacht dauerte; Cola half ihr, wach zu bleiben. Manchmal schaute
sie im Bett abends noch fern in der Hoffnung, abschalten und
hinterher besser schlafen zu können – was aber nicht
gelang. Auch tagsüber verbrachte sie viel Zeit im Bett mit
Lesen, Fernsehen oder auch Essen. Zweimal pro Woche trainierte
sie bis abends um halb zehn im Fitnessstudio. Doch auch das
verbesserte ihren Schlaf nicht.
Die Untersuchung im Schlaflabor ergab,
dass die Patientin abends zu lange zum Einschlafen brauchte
– zwar nicht zwei Stunden, aber immerhin 40–50
Minuten. Auch der Nachtschlaf war durch zahlreiche kurze
Wachperioden fragmentiert.
Bei der Beschreibung der Lebensweise der
Studentin fällt auf, dass sie so ziemlich gegen alle
Regeln der Schlafhygiene verstieß, die es gibt. So stand
sie z. B. zu sehr unregelmäßigen Zeiten auf; auch
ihre Zubettgehzeit variierte stark. So etwas ist Gift für
Menschen, die unter Schlafstörungen leiden. Man empfahl
ihr daher, jeden Tag – auch am Wochenende – um die
gleiche Zeit aufzustehen und zu Bett zu gehen. Ferner wurde ihr
geraten, auf den Mittagsschlaf zu verzichten, der mit zwei
Stunden ohnehin viel zu lang war: Auch Menschen, die keine
Schlafprobleme haben, sollten sich mittags nicht mehr als einen
kurzen „Powernap“ von 10–30 Minuten
gönnen. Denn wer länger schläft, gerät in
die Tiefschlafphase und fühlt sich dann beim Aufwachen
keineswegs erholt, sondern eher benommen.
Außerdem sollte die Studentin abends
weder Cola trinken noch trainieren, da beides eine wach
machende Wirkung hat. Das Training sollte sie lieber auf
nachmittags verschieben. Sinnvoll wäre es zudem, nach dem
Lernen nicht gleich ins Bett zu gehen, sondern den Tag mit
einem entspannenden Ritual (z. B. einem heißen Bad oder
einem gemütlichen Spaziergang) abzuschließen und
sich so auf die Nacht einzustimmen. Ferner sollte sie das Bett
nur zum Schlafen nutzen und dort weder fernsehen noch lesen
oder essen. Für Schlafgestörte ist es wichtig, dass
sie Schlafzimmer und Bett nur mit Schlaf assoziieren. Andere
Aktivitäten sind nicht erlaubt (außer Sex).
Mit der Studentin wurde abgesprochen, die
schlaffördernden Maßnahmen einen Monat lang zu
praktizieren und sich dann wieder zu melden. Denn solche neuen
Verhaltensweisen brauchen eine gewisse Gewöhnungszeit, bis
sie sich positiv auf den Schlaf auswirken. Sie solle daher
keine Wunder erwarten – ihr Schlaf werde sich
allmählich normalisieren.
Die Patientin war hochmotiviert und ging
mit Feuereifer daran, ihr Schlaf-wach-Verhalten zu
verändern: Der Fernseher wurde aus dem Schlafzimmer
verbannt und sie schlief tagsüber nicht mehr, wodurch sie
anfangs am Tag zwar sehr müde war; doch dadurch abends
schneller einschlafen konnte. Auch an die
regelmäßigen Bettzeiten am Wochenende, deren
Einhaltung ihr anfangs schwerfiel, hatte sie sich gewöhnt
und empfand den regelmäßigen Tagesablauf sogar als
positiv. Das Lernen hatte sie auf nachmittags verlegt; abends
gönnte sie sich einen erholsamen Spaziergang. Seitdem war
ihr aufgefallen, dass sie vor dem Einschlafen nicht mehr so oft
ins Grübeln geriet. Guten, erholsamen Schlaf kann man
nämlich tatsächlich „erlernen“ –
oft genügt es schon, ein paar Gewohnheiten umzustellen!
|
|
||||||||||||||
|
|
|||||||||||||||
|
|
|||||||||||||||
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|