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Wenn Kinder wenig schlafen
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Ausgewählte Artikel
Heft 2/2008
Wenn Kinder wenig schlafen
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Finns Eltern hatten sich sehr auf die
Geburt ihres ersten Sohnes gefreut. Sie gingen davon aus, dass
sich ihr Leben erst einmal nicht sehr stark ändern
würde – schließlich hatten sie überall
gelesen, dass Neugeborene bis zu 18 Stunden, manchmal auch
länger schlafen. Doch Finn machte ihnen einen dicken
Strich durch die Rechnung, denn er war bereits als Baby der
Ansicht, dass ihm zehn Stunden Schlaf am Tag reichen.
Finn war ein Kind, das in seinen ersten
drei Lebensmonaten sehr unruhig war, viel schrie und wenig
schlief. Legte seine Mutter ihn hin, begann er heftig zu
schreien. Nur wenn seine Mutter sich zu ihm legte, beruhigte er
sich. Doch selbst wenn er einschlief, dauerte sein Nickerchen
tagsüber selten länger als 30 Minuten. Oft wachte er
vor seiner Mutter auf, die erschöpft von all der
Anstrengung ebenfalls eingeschlafen war.
Glücklicherweise schlief er nachts
dafür recht gut. Er wachte zwar mehrfach aus Hunger auf,
doch schlief er nach dem Trinken sofort wieder ein. Allerdings
kam er nur selten auf mehr als neun Stunden Schlaf –
morgens um fünf oder sechs Uhr war für ihn und damit
auch für seine Eltern die Nacht schon wieder vorbei.
Tagsüber schlief er maximal eine Stunde lang.
Auch im Kleinkind- und Grundschulalter
setzte sich dieses Schlafverhalten fort. Bereits mit anderthalb
Jahren verzichtete Finn darauf, tagsüber zu schlafen,
nachts waren es jetzt maximal zehn Stunden, die er in seinem
Bett verbrachte. Als Drittklässler musste er zwar um 20.00
Uhr in seinem Zimmer verschwinden, doch er durfte noch eine
Stunde lang lesen, weil seine Eltern wussten, dass er vor 21.00
Uhr kein Auge zutun würde. Morgens um 6.00 Uhr war
für ihn die Nacht bereits wieder vorbei. Trotz dieser
frühen Uhrzeit hatte er fast nie Probleme mit dem
Aufstehen. Auch in der Schule hatte er trotz seiner geringen
Schlafdauer keine Schwierigkeiten, ganz im Gegenteil: Er
gehörte zu den besten Schülern. Dennoch waren seine
Eltern ständig unsicher, ob ihr Sohn genug Schlaf
bekäme.
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Jedes Kind ist anders
Nicht wenigen Müttern und Vätern
geht es so wie Finns Eltern. Sie fragen sich, ob ihr Kind
wirklich genug Schlaf bekommt, wenn es später als die
meisten anderen einschläft und insgesamt auch weniger
schläft. Doch sind die von den Schlafforschern genannten
Durchschnittsstundenzahlen für den Schlaf keine in Stein
gemeißelten, allgemeingültigen Werte, sondern
allenfalls Richtlinien. Abweichungen davon treten immer wieder
auf, ohne dass dies krankhaft wäre oder den Betroffenen
Probleme bereiten würde. Manche Kinder brauchen besonders
viel, andere im Vergleich zu ihrer Altersgruppe wenig Schlaf.
Der wichtigste Anhaltspunkt dafür, ob
es sich bei einem Kind um einen „Kurzschläfer“
handelt: Ist das Kind trotz der geringen Schlafdauer munter,
aktiv und leistungsfähig?
Dann bekommt es auch eine ausreichende
Menge Schlaf. Wirkt es hingegen müde, kommt es nur schwer
aus dem Bett, könnte es sein, dass es sich bei dem Kind um
eine „Eule“ handelt, einen Menschen, der morgens
noch nicht richtig „auf Touren“ kommt, sondern erst
nachmittags und abends seine „Betriebstemperatur“
erreicht und deswegen auch erst später ins Bett gehen
möchte bzw. später einschläft. Bei einer kleinen
Eule sollten Eltern darauf achten, dass sie trotz
möglicher Einschlafprobleme zu einer bestimmten Zeit im
Bett liegt, so dass sie genug Schlaf bekommt. Bei einem
Kurzschläfer brauchen sie sich keine Sorgen darüber
zu machen.
Sim
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