|
|
||||||||||||||||||||
|
|
||||||||||||||||||||
![]() |
|
|||||||||||||||||||
|
|
||||||||||||||||||||
![]() |
|
|||||||||||||||||||
|
|
||||||||||||||||||||
|
|
||||||||||||||||||||
|
|
||||||||||||||||||||
|
|
||||||||||||||||||||
|
|
|
|||||||||||||||||||
|
|
||||||||||||||||||||
|
|
||||||||||||||||||||
|
|
||||||||||||||||||||
|
Schlaftablette der Natur – Melatonin
|
Ausgewählte Artikel
Heft 3/2008
Schlaftablette der Natur
Melatonin ![]()
Unter Galenik versteht man die Rezeptur
eines Fertigarzneimittels, die es erlaubt, einen oder mehrere
pharmazeutische Wirkstoffe in einer Arzneiform, z. B. einer
Tablette, einzunehmen. Entscheidend für die Qualität
der Rezeptur ist natürlich, dass sie sicherstellt, dass
der Wirkstoff auch tatsächlich vom Organismus aufgenommen
wird und die erwünschte Wirkung entfaltet.
Der Begriff „Pharmakokinetik“
beschreibt die Gesamtheit aller Prozesse, denen ein Arzneistoff
im Körper unterliegt. Dazu gehören die Aufnahme der
Substanz (Resorption), die Verteilung im Körper
(Distribution), der biochemische Um- und Abbau
(Metabolisierung) und die Ausscheidung (Exkretion).
|
|
||||||||||||||||||
|
|
|
|||||||||||||||||||
|
|
||||||||||||||||||||
|
von Werner Waldmann
Mit dem enthusiastischen Etikett
„die Schlaftablette der Natur“ belegte der
kalifornische Arzt Dr. Ray Sahelian das Zirbeldrüsenhormon
Melatonin. Das Hormon wird hauptsächlich nachts
ausgeschüttet und steuert unseren Schlaf-wach-Rhythmus. So
lag es nahe, Melatonin als Schlafmittel zu nutzen. Vor 20
Jahren erlebte das Hormon in den USA die typische Karriere
eines Wundermittels. In den USA lief es unter der Rubrik
„Nahrungsergänzungsmittel“ und konnte daher
selbst in Supermärkten angeboten werden. Gegen AIDS und
Alzheimer sollte es wirksam sein, Krebs und Herzerkrankungen
heilen, das Immunsystem stärken. Die Amerikaner schluckten
massenhaft Melatonin. Nebenwirkungen wurden nicht berichtet.
Bei uns konnte man es bisher nur mühsam über die
Apotheke bestellen. Diese Situation hat sich schlagartig
geändert.
Noch bis vor kurzem stand keine
pharmakologisch zuverlässige Aufbereitung des
„Schlafhormons“ zur Verfügung. Die Tabletten,
die sich deutsche Melatonin-Freaks von den internationalen
Apotheken oder kühn übers Internet aus den USA
besorgten, waren Präparate mit fragwürdiger
Pharmakokinetik und willkürlicher Dosierung und –
noch nachteiliger für den Wirkmechanismus – mit
einer Galenik, die das Hormon sofort nach Einnahme der Tablette
auf einmal an den Organismus abgibt und so nur von kurzer
Wirksamkeit ist. Oral zugeführtes Melatonin hat eine sehr
kurze Halbwertszeit und wirkt nur knapp 50 Minuten lang. Die
bisher üblichen melatoninhaltigen Pillen vermochten
deshalb nicht die Wirkung des körpereigenen Hormons
nachzuahmen. Der Körper selbst produziert sein Melatonin
kontinuierlich über den Verlauf der ganzen Nacht.
Notwendig wäre eine retardierte
Tablettenform: Denn um die Funktion der körpereigenen
Melatoninausschüttung mit einem Medikament zu simulieren,
bedarf es einer Tablettenrezeptur, die die Substanz ausreichend
verzögert im Magen-Darm-Trakt freisetzt.
Man mag sich darüber wundern, dass
die Pharmaindustrie sich lange Zeit – insbesondere als
Melatonin weltweit durch die Medien wanderte – herzlich
wenig dafür interessierte, aus dem
Nahrungsergänzungsmittel ein Medikament zu machen. Die
Gründe liegen auf der Hand. Melatonin ist ein Produkt der
Natur und wurde nicht im Labor „erfunden“. Folglich
lässt sich die Substanz auch nicht patentieren. Melatonin
wird in Deutschland als Arzneimittel eingestuft und darf
deshalb nur als Präparat in den Handel kommen, das die
übliche Zulassungsprozedur hinter sich hat. Um Melatonin
als Arzneimittel von den zuständigen
Aufsichtsbehörden zugelassen zu bekommen, bedarf es
aufwendiger und teurer Studien. An einer großen Zahl von
Patienten muss in randomisierten, doppelblinden,
placebokontrollierten klinischen Studien herausgefunden werden,
wie und ob Melatonin die Schlafqualität verbessert. Ganz
wichtig sind auch Erkenntnisse über mögliche
Nebenwirkungen, Einnahmemodalitäten, Dosierung,
Haltbarkeit usw.
Wir müssen dabei
berücksichtigen, dass Melatonin in Deutschland noch nie
zugelassen war, auch nicht als Nahrungsergänzungsmittel.
Das Unternehmen, das dieses Zulassungsverfahren auf sich nimmt,
spielt jedoch für andere Unternehmen der Pharmabranche
quasi eine Vorreiterrolle. Ist Melatonin einmal zugelassen, so
ist es für Mitbewerber leicht, die Substanz ebenso zu
vermarkten, und zwar ohne neues Zulassungsverfahren, ohne
große Investitionen. Dennoch hat sich die britische
Pharmafirma RAD Neurim Pharmaceuticals EEC Limited getraut,
Melatonin als Medikament „salonfähig“ zu
machen. Seit kurzem ist Circadinh 2 mg in Form einer
Retardtablette (d. h. mit verzögerter
Wirkstofffreisetzung) auf dem Markt.
![]()
Für eine enge Indikation zugelassen
Circadinh ist zugelassen als Monotherapie
für die kurzzeitige Behandlung der primären, durch
schlechte Schlafqualität gekennzeichneten Insomnie bei
Patienten ab 55 Jahren. Diese Altersgruppe war für das
Studiendesign deshalb interessant, weil sich der
Melatoninspiegel im Alter ab 55 Jahren verringert und daher
konsequenterweise vermehrt Schlafstörungen auftreten. Die
Studie bewies an über 1300 Patienten, dass man mit
retardiertem Melatonin die Schlafarchitektur reparieren kann.
Circadinh ist der erste Vertreter einer
neuen Generation von „Schlafmitteln“, die anders
wirken als die bekannten Benzodiazepine und
Benzodiazepin-Rezeptoragonisten, die so genannten Z-Substanzen
wie Zolpidem, Zaleplon oder Zopiclon. Diese Medikamente
verlängern zwar die Schlafdauer, beeinträchtigen aber
leider die natürliche Schlafarchitektur. Der Tiefschlaf
wird vermindert, ebenso der REM-Schlaf. Die Folgen sind ein
Hangover am nächsten Morgen, eine Beeinträchtigung
der Konzentrations- und Leistungsfähigkeit. Setzt man die
Mittel zu abrupt ab, kann es sogar zu Entzugserscheinungen
kommen. Benzodiazepine lassen nach zwei bis vier Wochen in
ihrer Wirkung nach, was bedeutet, dass die Dosis dann
erhöht werden muss. Für ältere Menschen sind die
Nebenwirkungen, etwa die muskelentspannende Wirkung, eine
große Gefahr: Stehen sie nachts auf, sind sie unsicher
auf den Beinen und laufen Gefahr, zu stürzen. Insofern ist
Circadinh ein Lichtschimmer für Menschen mit gravierenden
Schlafstörungen.
![]()
Ein erholsamer Nachtschlaf ist die
physiologische Voraussetzung für die Rundumerholung des
Organismus. Der Schlaf eines gesunden Erwachsenen folgt einem
ganz bestimmten, zeitlich geordneten zyklischen Wechsel, in dem
die verschiedenen Schlafstadien aufeinanderfolgen wie
Treppenstufen. Nach dem Einschlafen gelangt man über die
Leichtschlafstadien 1 und 2 in den Tiefschlaf (Stadium 3 und
4), der für die körperliche und geistige Regeneration
– und somit für einen erholsamen Schlaf –
besonders wichtig ist. Dann wird der Schlaf wieder leichter;
und nach etwas mehr als einer Stunde beginnt die erste
REM-Schlaf-Episode. Der REM-Schlaf, in dem wir besonders
intensiv träumen und die Augen rasch hin und her bewegen,
ist wichtig für die Festigung von Gedächtnisinhalten
und die psychische Verarbeitung von Erlebnissen, also
gewissermaßen für unsere „emotionale
Erholung“. Jede Nacht durchläuft der Schläfer
fünf bis sieben solche Schlafzyklen, die jeweils 90 bis
110 Minuten dauern können. Die „Schlaftreppe“
in den ersten drei Nachtstunden ist hier abgebildet. Der Schlaf
verändert sich jedoch im Lauf der Nacht: Die
Tiefschlafphasen werden zum Ende der Nacht hin kürzer, der
REM-Schlaf dagegen ausgedehnter.
Ein erholsamer Schlaf muss sich an diesem
Muster orientieren, das heißt, REM-Schlaf und Tiefschlaf
sollten einen ausreichenden Anteil am Gesamtschlaf aufweisen.
Bei Menschen mit Schlafstörungen nimmt der Leichtschlaf
überproportional zu, und die gesamte Schlafarchitektur ist
fragmentiert. Dies hat zur Folge, dass der Schlaf nicht die
nötige körperliche und geistige Regeneration schenkt.
Dementsprechend fühlen sich die Betroffenen beim Aufstehen
und auch tagsüber zerschlagen, müde und
unkonzentriert. Mittelfristig kann regelmäßig
schlechter Schlaf außerdem zu Magen- und
Verdauungsbeschwerden, zu chronischer Leistungsschwäche,
Herz-Kreislauf-Problemen und Stoffwechselerkrankungen wie
Diabetes, ja sogar zu Depressionen führen.
Ein „Natürliches“
Schlafmittel
Circadinh versetzt den Organismus nicht in
Schlaf wie herkömmliche Schlafmittel. Es wirkt vielmehr
indirekt auf das Schlafverhalten und braucht daher Zeit, um zu
wirken. Circadinh muss bereits am frühen Abend eingenommen
werden. Dafür reicht seine Wirkung über die ganze
Nacht. Circadinh reguliert den zirkadianen Rhythmus (d.h. den
Schlaf-wach-Rhythmus), indem es das nächtliche
Sekretionsprofil – die kontinuierliche Ausschüttung
– von körpereigenem Melatonin nachahmt.
Das ist ein sehr komplexer Prozess. Jede
Körperzelle ist auf den zirkadianen 24-Stunden-Rhythmus
programmiert. Diese Millionen Zellen müssen jedoch zentral
synchronisiert und außerdem an den realen Tagesablauf
angeglichen werden. Dies bewerkstelligt unsere innere Uhr.
Dabei handelt es sich um 10 000 Neuronen, die im Nucleus
suprachiasmaticus (SCN) angesiedelt sind, der sich wiederum im
Hypothalamus befindet. Der Hypothalamus – ein relativ
kleines, jedoch äußerst bedeutsames
Zwischenhirnareal – ist das wichtigste Steuerzentrum des
vegetativen Nervensystems. Diese innere Uhr, eine Art interner
Schrittmacher, generiert ohne äußere Einflüsse
einen zirkadianen Rhythmus, der etwa 24,5 Stunden beträgt.
Dieser interne Rhythmus muss nun auf den natürlichen
Tag-Nacht-Rhythmus abgestimmt werden. Diese regulierende
Aufgabe fällt dem Neurohormon Melatonin zu. Melatonin wird
bei Dunkelheit im Gehirn in der Epiphyse, der Zirbeldrüse,
gebildet. Fällt gegen Morgen Licht auf die Netzhaut
unserer Augen, so wird die Melatoninproduktion eingestellt.
Melatonin reguliert über Rezeptoren in der inneren Uhr
Schlaf und Wachsein. Der endogene Melatoninspiegel steigt bis
etwa zur Mitte der Nacht stetig an und fällt gegen Morgen
wieder ab.
Das retardierte Melatonin in Circadinh
simuliert genau diesen Effekt des körpereigenen
Melatonins, wenn es im fortgeschrittenen Lebensalter nicht mehr
in der notwendigen Menge ausgeschüttet wird. Auf diese
Weise substituiert das Medikament die körpereigene
natürliche Regulation des Schlaf-wach-Rhythmus.
Das „künstliche“
Melatonin wirkt also nicht als Schlafmittel wie etwa die
Benzodiazepine, sondern induziert langsam den natürlichen
Prozess des Einschlafens und unterstützt den
natürlichen Ablauf der einzelnen Schlafstadien.
![]()
Die physiologische Melatoninabsonderung
hat ihren Höhepunkt in der Mitte der Nacht. Mit dem
Älterwerden sinkt die Melatoninabsonderung (indirekte
Messung der Melatoninabsonderung über Erfassung der
Ausscheidung des Metaboliten 6-Sulfatoxymelatonin im Urin).
![]()
Schnell freigesetztes Melatonin wird rasch
abgebaut, Circadin® als Retardformulierung kann die
für den erholsamen Schlaf notwendige ausreichende
nächtliche Abdeckung mit Melatonin sichern.
![]()
Circadin® bewahrt die physiologische
Schlafarchitektur im Gegensatz zu einem Schlafmittel
(Zopiclon), d. h. es gibt keinen Abfall der EEG-Leistungsdichte
bei niedrigen Frequenzen, der auf eine abnehmende
langsamwellige Aktivität im Sinne eines nachlassenden
Tiefschlafs hinweisen würde.
![]()
Circadin® verbessert deutlich die
Schlafqualität im Vergleich zu Placebo – gemessen
mit dem QOS (Quality Of Sleep) des LSEQ (Leeds Sleep Evaluation
Questionnaire).
![]()
Circadin® verbessert ebenfalls
deutlich die morgendliche Wachheit im Vergleich zu Placebo,
gemessen mit dem BFW (Behaviour Following Wakening) des LSEQ
(Leeds Sleep Evaluation Questionnaire).
Andere Einsatzmöglichkeiten
Circadinh ist nur zur Therapie von
Schlafstörungen bei Menschen über 55 Jahren
zugelassen. Natürlich ist noch eine Reihe anderer
Einsatzmöglichkeiten denkbar, die weniger mit Krankheit zu
tun haben, sondern durch unseren widernatürlichen
Lebensstil zustande kommen. Jetlag – mit Circadinh kein
Problem mehr? Unsere innere Uhr, unser Schlaf-wach-Rhythmus,
gerät bei Interkontinentalreisen im Flugzeug völlig
durcheinander. Der Körper schüttet sein Melatonin zur
falschen Zeit aus. Oft dauert es Tage, bis wir uns wieder an
die neue Zeit gewöhnt haben. Bei Geschäftsreisen ist
das schon sehr lästig, weil man gleich nach der Landung
geistig fit sein muss und nicht viel Zeit hat, um den
versäumten Schlaf nachzuholen. Vielflieger haben sich
schon immer mit Melatonin geholfen, um ihre innere Uhr zu
überlisten und sich schnell an die neuen
Zeitverhältnisse im anderen Kontinent zu gewöhnen.
Mit dem retardierten Melatonin muss dies noch besser gelingen
als bisher mit den nur kurzzeitig wirksamen Pillen. Doch diese
Anwendung ist off-label, also nicht von der Zulassung des
Medikaments gedeckt.
Denkbar ist auch, Circadinh als
Lifestyle-Medikament zu missbrauchen. Unsere Gesellschaft ist
ohnehin nicht sonderlich am Schlaf interessiert und möchte
ihn am liebsten nach Gutdünken manipulieren. Wachhaltende
Medikamente können helfen, die Nacht zum Tag und den Tag
zur Nacht zu machen – ganz nach Terminplan. Und wenn man
sich dann wieder mal ein gutes Quantum Schlaf gönnen will,
greift man einfach zur nächsten Tablette. Vigil hält
wach, Circadinh verhilft zu einem erholsamen Schlaf.
Ernsthafter zu diskutieren ist der Einsatz
von Melatonin bei Schichtarbeitern. Bei häufigem
Schichtwechsel ist man einer Art chronischem Jetlag ausgesetzt:
Immer wenn man sich an den neuen Zeitplan gewöhnt hat, ist
man gezwungen, seine innere Uhr umzustellen. Die
gesundheitlichen Probleme, die daraus mit der Zeit entstehen
können, sind eklatant. Jedoch passt sich die
Zirbeldrüse an den veränderten Lebensrhythmus an und
produziert auch tagsüber Melatonin, wenn man
pflichtgemäß schlafen muss. Dies könnte man
damit unterstützen, indem man zu retardiertem Melatonin
greift, sobald man den Arbeitsplatz morgens verlässt,
sodass das Hormon seine Wirkung entfalten kann, wenn man zu
Hause angekommen ist und ins Bett schlüpft.
|
|
|||||||||||||||||||
|
|
||||||||||||||||||||
|
|
||||||||||||||||||||
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
| ||||||