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Katalog der Schlafstörungen
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Ausgewählte Artikel
Heft 4/2008
Wenn die Nacht
zur Qual wird
Katalog der Schlafstörungen
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Schlafmedizin im interdisziplinären
Netzwerk
Die Reform der Reform
Elektronischer Beifahrer warnt vor bedrohlichem Sekundenschlaf
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von Werner Waldmann
Wenn man zu Bett geht, sollte man sich
eigentlich hinlegen, einschlafen und durchschlafen und dann am
anderen Morgen wie neu geboren in den Tag treten. Schön
wär’s, doch leider hat kaum jemand solches
Glück. Auch wenn es Menschen gibt, die sich damit
brüsten, dass sie lehrbuchartig schlafen – es sind
die Ausnahmen. Doch wann ist ein gestörter Schlaf wirklich
eine Schlafstörung? Die Schlafmedizin kennt über
achtzig Schlafstörungen, welche die Wissenschaftler
systematisch geordnet haben. Diese beängstigende Armada
des lädierten Schlafs wollen wir Ihnen hier
vorführen.
Wenn man einmal schlecht schläft,
muss man keinesfalls an eine Schlafstörung denken. Kein
Mensch schläft immer gleich gut. Das kann die
unterschiedlichsten Gründe haben. Einmal wird man seine
Gedanken nicht los, die um ein dickes Problem kreisen, das
einen zur Zeit plagt. Oder äußere Einflüsse
stören: Die Nachbarn lärmen bei einer Gartenparty
draußen oder ein Gewitterregen geht nieder. Die
sommerliche Hitze fördert auch nicht gerade den Schlaf,
und eine Erkältungskrankheit im Anmarsch mag den Schlaf
auch fern halten.
Gestörter Schlaf macht sich durch
ganz bestimmte Symptome bemerkbar. Wenn man Schwierigkeiten hat
einzuschlafen oder wenn man nachts ständig aufwacht und
sich schwer tut, wieder in den Schlaf zu kommen, und dies
sozusagen eine feste Einrichtung ist, dann kann dies viele
Ursachen haben. Ganz vordergründig können akute
körperliche Erkrankungen dahinter stecken, ebenso
psychische Probleme: Gut 90 % aller Depressionen gehen immerhin
mit gestörtem Schlafverhalten einher.
In solchen Fällen sind die
Schlafstörungen eigentlich gar keine, jedenfalls keine
wirklichen Schlafstörungen; sie sind sozusagen die
unangenehme Begleitmusik der Grunderkrankung. Gestörter
Schlaf als eigenständige Schlafstörung, so sehen es
die Schlafmediziner, liegt erst dann vor, wenn die
Beeinträchtigung des Schlafes die Hauptbeschwerde
darstellt und möglicherweise diese Schlafstörung
andere physische oder psychische Störungen auslöst
oder gar verschlimmert.
Die häufigsten Schlafstörungen
sind die Schlaflosigkeit (Insomnie) und die Schläfrigkeit
am Tage (Hypersomnie). Dies sind eigenständige
Erkrankungen, wenn folgende Voraussetzungen vorliegen: Die
Schlaflosigkeit muss mindestens dreimal pro Woche oder jede
Nacht auftreten. Oder der Zustand der Schläfrigkeit am
Tage muss über mindestens einen Monat lang
regelmäßig gegeben sein und entweder einen
spürbaren Leidensdruck verursachen oder sogar die soziale
oder berufliche Leistungsfähigkeit beeinträchtigen.
Den Arzt interessiert, wie häufig am Tag und über
welchen Zeitraum hinweg die Symptome sich bemerkbar machen.
Dies ist der Fall, wenn der Betroffene sich tagsüber lange
Zeit ständig müde, abgeschlagen und so richtig kaputt
fühlt. Neben Häufigkeit und Dauer der Beschwerden ist
die gestörte Tagesbefindlichkeit ein wichtiges
diagnostisches Schlüsselkriterium.
Internationale Klassifikation
Die Wissenschaft versucht, Erkrankungen
nach deren Eigenheiten zu systematisieren. Dies geschieht nicht
ohne Grund, denn eine solche systematische Einordnung erlaubt
eine schnelle und exakte Diagnose, die wiederum Voraussetzung
für eine wirkungsvolle Behandlung ist.
Die Internationale Klassifikation von
Schlafstörungen (International Classification of Sleep
Disorders = ICSD) basiert auf der Definition der
„Amerikanischen Gesellschaft für
Schlafstörungen“ (American Sleep Disorders
Association) aus dem Jahre 1990. Sie umfasst 88
Krankheitsbilder. Vor der Behandlung ist eine genaue Diagnose
erforderlich. Diese wird im Schlaflabor gestellt. Unter den
rein körperlich bedingten Schlafstörungen
überwiegen bei weitem die schlafbezogenen
Atmungsstörungen.
I. Dyssomnien
Dyssomnie ist der Überbegriff
für Schlafstörungen im Allgemeinen. Der Schlaf ist
beeinträchtigt in Bezug auf Dauer, Qualität oder
Abfolge der Schlafstadien. Möglich sind
Einschlafstörungen, Durchschlafstörungen und
Tagesmüdigkeit, also vermehrte Schläfrigkeit.
Schlafdefizite infolge von Ein- und Durchschlafstörungen
werden zusammenfassend als Insomnien bezeichnet; eine
gesteigerte Tagesschläfrigkeit wird Hypersomnie genannt.
Intrinsische Schlafstörungen
(intrinsisch = von innen her wirkend)
werden durch Faktoren verursacht, die im Organismus zu
suchen sind. Erkrankungen dieser Gruppe sind z. B. das
obstruktive und zentrale Schlafapnoe-Syndrom, das
Restless-Legs-Syndrom (Syndrom der unruhigen Beine ), das
Pickwick-Syndrom (alveoläres Hypoventilationssysndrom) mit
Einschränkung des Atemantriebes bei extremem
Übergewicht, die Narkolepsie (zwanghafte
Einschlafanfälle am Tag), die Hypersomnie (krankhafte
Schlafvermehrung) sowie die periodische Bewegung der Glieder
(nächtliche Unruhe und Aufwachen infolge von periodischen
stereotypen Bewegungsabläufen).
Extrinsische Schlafstörungen
(extrinsisch = von außen her
wirkend) werden durch äußere Faktoren verursacht,
die auf den Organismus einwirken. Zu dieser Gruppe zählen
umweltbedingte Schlafstörungen (z. B. infolge von
Lärm, Klimaschwankungen, Mondphasenwechsel),
höhenbedingte Schlafstörungen, psychisch verursachte
Schlafstörungen (z. B. bei Stress, Konflikten,
Ängsten), Schlafprobleme infolge von
Nahrungsmittelallergien, nächtlichem Essen und Trinken
sowie Schlafstörungen bei Alkohol-, Medikamenten- und
Drogenkonsum.
Störungen des zirkadianen
Schlaf-wach-Rhythmus
(tag-, nacht- bzw. zeitabhängig)
haben eine gemeinsame chronobiologische Grundlage und bilden
daher eine eigenständige Gruppe innerhalb der Dyssomnien.
Dazu zählen Schlafstörungen bei Zeitzonenwechsel,
Schichtarbeit, vorverlagertem bzw. verzögertem
Schlafphasen-Syndrom (extreme Verlagerungen des Einschlafens in
den frühen Abend oder die späte Nacht), sonstige
zeitliche Abweichungen des Schlaf-wach-Rhythmus vom
24-Stunden-Rhythmus (ist z. B. bei Blinden möglich).
II. Parasomnien
Unter den Parasomnien fasst man
schlafbezogene Anomalien zusammen, die zu Abweichungen des
normalen Schlafablaufes führen, jedoch keine Ein- und
Durchschlafstörungen oder vermehrte
Tagesschläfrigkeit verursachen.
Aufwachstörungen
(Arouselstörungen) führen zu teilweisem Erwachen aus
dem Schlaf, das nicht durch äußere Einflüsse
bedingt ist. Hierzu zählen Somnambulismus (Schlafwandeln),
Schlaftrunkenheit (Verwirrtheit beim Aufwachen), Pavor
nocturnus (Angstreaktionen im Tiefschlaf).
Bei
Schlaf-wach-Übergangsstörungen kommt es während
des Überganges von einem Schlafstadium zum nächsten
zu vorübergehenden Störungen wie rhythmischen
Bewegungsmustern, stammeln von Worten oder Lauten,
Muskelzuckungen, Wadenkrämpfen.
REM-Schlaf assoziierte Parasomnien sind
Störungen, die nur während der REM-Schlafphasen
auftreten. Dazu zählen Alpträume,
Schlaflähmungen (vorübergehende
Bewegungsunfähigkeit von Kopf, Rumpf, Armen und Beinen, v.
a. beim Einschlafen oder Erwachen), geschwächte oder
schmerzhafte nächtliche Erektionen, Asystolien
(vorübergehende Herzstillstände von mehr als 2,5
Sekunden Dauer bei fehlender organischer Herzerkrankung),
Schenk-Syndrom (Verhaltensstörungen im REM-Schlaf,
vorübergehend gesteigerter Muskeltonus mit traumbedingten,
oft aggressiven Verhaltensweisen).
Andere Parasomnien, die sich den zuvor
erwähnten Störungen nicht zuordnen lassen, sind
Bruxismus (nächtliches Zähneknirschen), meist im
Non-REM-Schlaf auftretend, Verschlucken von Speichel mit
Hustenanfällen und Erstickungsgefühl, Epilepsien im
Non-REM-Schlaf, primäres Schnarchen (einfaches Schnarchen
ohne Atmungsstörung oder sonstige Komplikationen).
III. Medizinisch-psychiatrisch bedingte
Schlafstörungen
Zu dieser Gruppe werden
Schlafstörungen gezählt, die infolge anderweitiger
Erkrankungen als Begleitsymptom auftreten. Dazu gehören
beispielsweise:
Schlafstörungen bei psychiatrischen
und psychosomatischen Erkrankungen (z. B. Depressionen,
Angststörungen, Phobien, Panik-
attacken, Zwangsstörungen, Hirnabbauprozesse mit Demenz, Morbus Parkinson),
Schlafstörungen bei internistischen
Erkrankungen (z. B. Schilddrüsenfunktionsstörungen,
Diabetes mellitus, Niereninsuffizienz,
Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Lungenkrankheiten,
Magen-Darm-Leiden mit nächtlicher Symptomatik),
Schlafstörungen bei chronischen
– auch nächtlichen – Schmerzen (z. B. bei
Krebsleiden, orthopädischen und rheumatischen
Erkrankungen).
IV. Vorgeschlagene Schlafstörungen
In dieser Gruppe werden
Funktionsstörungen versammelt, über die es in der
Fachliteratur Einzelberichte gibt, deren Krankheitswert jedoch
noch weitgehend unklar ist. Als Beispiele seien
Langschläfer und Kurzschläfer genannt.
Neufassung der Hauptkategorien
Die Hauptkategorien der Internationalen
Klassifikation der Schlafstörungen wurden 2005 von der
Amerikanischen Gesellschaft für Schlafstörungen in
der zweiten Auflage der ICSD (ICSD-2) veröffentlicht.
Aufgeteilt wurde in acht Hauptgruppen:
Insomnien: Sie unterteilen sich in Primäre Insomnien
(psychophysiologisiche Insomnie), Insomnien infolge
äußerer Einflüsse (z. B. Hitze, Kälte,
Lärm , Gebrauch von Genussmitteln oder Pharmaka),
sekundäre oder symptomatische Insomnien (bei
körperlichen oder psychiatrischen Erkrankungen)
Schlafbezogene
Atmungsstörungen: Obstruktive
Schlafapnoesyndrome (OSAS), Zentrale Schlafapnoesyndrome
(ZSAS), Zentral-alveoläre Hypoventilationssyndrome
(Pickwick-Syndrom)
Hypersomnien ohne Bezug zu
schlafbezogenen Atmungsstörungen: Primäre Hypersomnien mit genetischer Disposition
(z. B. Narkolepsie), verhaltensbedingte Hypersomnien (z. B.
durch mangelnde Schlafhygiene), symptomatische Hypersomnien
(bei psychiatrischer oder körperlicher Vorerkrankung)
Störungen des zirkadianen
Rhythmus: Störungen des
Schlaf-wach-Rhythmus (etwa durch Zeitzonenwechsel, Jet-Lag,
Schichtarbeit, Hospitalisierung)
Parasomnien: Störungen, die jeweils an charakteristischen
Stellen des Schlafablaufs auftreten, ohne die Erholungsfunktion
des Schlafs zu beeinträchtigen, z. B. Schlafwandeln
Schlafbezogene
Bewegungsstörungen: Restless-Legs-Syndrom
(RLS), Periodische Bewegungen der Gliedmaßen im Schlaf
(PLMS)
Isolierte Symptome und Varianten
Andere Schlafstörungen, die sehr selten auftreten und sich nicht
zuordnen lassen.
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