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Was gibt es Neues in der Therapie des RLS?
von Dr. med. Heike Benes

Das Restless-Legs-Syndrom gehört mit einer Prävalenz von 2–5%, im höheren Lebensalter bis 10%, zu den häufigsten neurologischen Erkrankungen und wird trotz dieser Häufigkeit oft übersehen oder erst spät diagnostiziert. Betroffene Patienten klagen über unangenehme bis quälende Missempfindungen der Beine, die als Ziehen, Reißen, Kribbeln, Stechen, Spannen bis hin zu Schmerzen beschrieben werden und mit einem zwanghaften Bewegungsdrang der Beine einhergehen. Diese Beschwerden treten ausschließlich in Ruhesituationen, ganz besonders heftig abends und nachts beim Sitzen oder Liegen auf und können durch Bewegung gelindert oder beseitigt werden. Wegen der typischen Zunahme der Beschwerden in Ruhe und abends klagen die meisten der betroffenen Patienten über hartnäckige Schlafstörungen und eine damit verbundene Tagesmüdigkeit, nicht selten bis zur völligen Erschöpfung.
Durch eine gründliche Anamnese der Beschwerden können die Hauptkriterien des RLS schnell aufgedeckt werden, und es kann – bei entsprechendem Leidensdruck und Ausprägung der Symptomatik – eine gezielte Behandlung eingeleitet werden. Bei Zweifeln an der Diagnose oder ungenügendem Erfolg einer eingeleiteten Therapie kann die Diagnose durch eine Polysomnographie im Schlaflabor überprüft werden. Obwohl es derzeit noch keine umfangreichen Daten dazu gibt, sind schätzungsweise 2–5% der betroffenen Patienten dringend behandlungsbedürftig.

Welche Möglichkeiten der Behandlung des RLS gibt es derzeit?
In den letzten Jahren wurden zahlreiche Therapiestudien mit L-Dopa (z. B. Madopar®, Nacom®), Dopaminagonisten (z.B. Parkotil®, Cabaseril®, Sifrol®, Requip®), Opiaten, Benzodiazepinen und Antikonvulsiva (z.B. Carbamazepin, Neurontin) beim RLS durchgeführt.
Die häufigsten und längsten Erfahrungen bei der Behandlung des RLS gibt es für L-Dopa, welches derzeit als Restex® Standard und Retard das bisher einzige zugelassene Medikament für die Behandlung des RLS ist. Es zeigte sich, dass bei über 90% der behandelten RLS-Patienten eine prompte und umfassende Wirkung sowohl auf die RLS-Symptome als auch auf die Schlafqualität zu erzielen war. Allerdings kommt es nicht selten im Verlauf der Behandlung unter L-Dopa zu einer Zunahme der Symptomatik, einer Vorverlagerung der Beschwerden in den Tag sowie einer Ausdehnung auf andere Körperteile, besonders die Arme. Diese so genannte „Augmentation“ zwingt Arzt und Patient häufig zu immer höheren Dosierungen und schließlich zum Umstellen auf lang wirksame Dopaminagonisten.

Neues aus der RLS-Therapie
In zahlreichen kontrollierten Studien wurden bisher verschiedene Dopaminagonisten auf ihre Wirksamkeit und Verträglichkeit beim RLS untersucht. Es wurde gezeigt, dass sich unter dieser Behandlung, meist mit Einmalgabe am Abend, die RLS-Beschwerden bei 70–90% aller Patienten besserten.
Gerade in den letzten Monaten wurde eine neue Ära in der Therapie mit Dopaminagonisten eingeleitet: die Anwendung mit Pflastern. Ein neuer Dopaminagonist, Rotigotine, wurde ausschließlich in Pflasterform zur Behandlung des Morbus Parkinson und des RLS entwickelt und wird derzeit in seiner Wirkung und Verträglichkeit bei RLS-Patienten untersucht; erste Ergebnisse und Erfahrungen beschreiben diese Behandlungsform als wirksam und gut verträglich.
Auch der altbewährte Dopaminagonist Lisurid (Dopergin®), der wegen seiner relativ kurzen Wirkungszeit in Tablettenform bisher bei RLS-Patienten mit Tagessymptomatik nur bedingt anwendbar war, wurde kürzlich in Pflasterform entwickelt und entfaltet seine Wirkung damit über Tag und Nacht. Dopaminerge Substanzen in Pflasterform eignen sich besonders für Patienten, die wegen diverser Begleiterkrankungen bereits eine Vielzahl von Medikamenten einnehmen müssen oder/und bei Tabletteneinnahme über Unverträglichkeiten und Nebenwirkungen wie Magen-Darm-Beschwerden, Übelkeit oder Erbrechen klagen. Wegen ihrer langen, gleichmäßigen Wirksamkeit dürften sie eine optimale Behandlungsalternative für schwer betroffene RLS-Patienten sein, die tagsüber und nachts unter ihren Symptomen leiden.
Die Ergebnisse zweier neuer, interessanter Studien mit bemerkenswertem Erfolg sollen hier vorgestellt werden, sie werden vermutlich in der künftigen Behandlungsstrategie des RLS eine wichtige Rolle einnehmen:In den letzten Jahren ist die Wirkung des lang wirksamen Dopaminagonisten Cabergolin (Cabaseril®) in mehreren kontrollierten (Cabergolin versus Placebo) Studien untersucht worden. Für den Nachweis eines Therapieerfolges unter Cabergolin wurden meist kleinere Patientengruppen über 4–6 Wochen untersucht. In der folgenden Studie sollte erstmals an einer großen Patientengruppe die Sicherheit, Verträglichkeit und Wirksamkeit einer Langzeitbehandlung mit Cabergolin bei RLS-Patienten überprüft werden.

Langzeit-Sicherheit und Wirksamkeit von Cabergolin in der RLS-Therapie
In diese Studie wurden 302 Patienten mit einem idiopathischen RLS (meist schwerer Ausprägung mit langer Krankengeschichte) eingeschlossen und 26 Wochen mit Cabergolin behandelt.
Nach einer Auswaschphase von mindestens zwei und maximal 28 Tagen (abhängig von der Vorbehandlung des Patienten) wurde mit einer Initialdosis von 0,5 mg Cabergolin die Behandlung begonnen und während der ersten 4 Wochen bis zur individuell optimalen Dosis des Medikaments langsam aufdosiert bis maximal 3,5 mg Cabergolin pro Tag.
Während der Studienvisiten (zu Beginn wöchentlich, im Verlauf alle 4 Wochen) wurden durch RLS-Schweregradskalen die Ausprägung der RLS-Beschwerden in der Nacht, abends und tagsüber sowie die Schlafqualität und die Auswirkungen des RLS auf Alltagsaktivitäten und Stimmung erhoben sowie unerwünschte Nebenwirkungen dokumentiert. Außerdem erfolgten zu Beginn und am Ende der Behandlung EKG- und Laborkontrollen.
Bei einer mittleren Behandlungsdauer von 181 Tagen wurde eine durchschnittliche Dosis von 1,5 mg Cabergolin pro Tag erreicht. Insgesamt 54 Patienten brachen die Behandlung vorzeitig ab, die durchschnittliche Behandlungsdauer bis zum Abbruch betrug 28 Tage. Bei 17 Patienten davon waren unerwünschte Nebenwirkungen der Behandlung einziger Abbruchgrund; sie traten vorwiegend in den ersten 4 Wochen der Behandlung auf und betrafen v. a. das gastrointestinale System (Übelkeit, Magen-Darm-Beschwerden) oder neurologisch-psychiatrische Symptome (Müdigkeit, Erschöpfung, Kopfschmerzen) und Kreislaufprobleme. Im weiteren Verlauf der Studie nahmen die medikamentenabhängigen Nebenwirkungen signifikant ab.
Bei 3% aller Studienpatienten wurde im Studienverlauf mindestens ein Kriterium der Augmentation dokumentiert, jedoch bei keinem das komplette klinische Bild einer Augmentation. Keiner dieser Patienten beendete deshalb die Behandlung.
Eine signifikante Reduktion der Ausprägung des RLS in allen untersuchten Kriterien wurde bereits nach 4 Wochen, am Ende der Aufdosierungsphase, registriert; ein Viertel aller Patienten war völlig beschwerdefrei. Dieser positive Therapieeffekt hielt durch den gesamten Behandlungszeitraum an; zum Endpunkt der Behandlung war bei circa 70% der Studienpatienten die Ausprägung ihrer RLS-Beschwerden um mehr als 50% verbessert. Dies betraf sowohl die RLS-Beschwerden abends und nachts als auch tagsüber und die subjektive Schlafqualität der Patienten.
Insgesamt 15 Patienten (5%) sprachen nicht oder nur ungenügend auf die Behandlung mit Cabergolin an.
Zusammenfassend konnte in dieser Studie die hervorragende Langzeitwirkung und Verträglichkeit des Cabergolin bei der Behandlung des RLS und assoziierter Schlafstörungen nachgewiesen werden. Unerwünschte Nebenwirkungen traten überwiegend zu Beginn der Behandlung auf. Cabergolin bietet sich damit als eine wirkungsvolle und sichere Therapieoption in der Langzeitbehandlung des RLS an.

Studie zur Wirksamkeit und Verträglichkeit von Lisurid-Pflastern bei RLS
Lisurid ist bekannt als wirksame Therapie des Morbus Parkinson. Durch die Entwicklung einer transdermalen Applikationsform (Pflaster) wird eine kontinuierliche dopaminerge Stimulation möglich, die besonders für RLS-Patienten, die bereits tagsüber Beschwerden haben, erforderlich scheint.
In dieser Pilotstudie wurde erstmals die Wirkung und Verträglichkeit von Lisurid-Pflastern bei RLS-Patienten überprüft.
Insgesamt 10 Patienten mit schwerem, idiopathischem RLS wurden über 3 Wochen mit Lisurid-Pflastern behandelt. Die Behandlung begann mit einem Pflaster mit 3 mg Lisurid, welches alle 48 Stunden erneuert wurde. Bei einer ungenügenden Wirkung nach einer Woche konnte die Dosis auf 6 mg (2 Pflaster) erhöht werden. Die Patienten, die nach zwei Wochen Behandlungszeit eine Verbesserung ihrer Symptomatik angaben, wurden für eine Woche doppelblind (d. h. entweder mit Lisurid oder mit Placebo) weiterbehandelt. Zu Beginn und nach jeder Woche wurden die Ausprägung der RLS-Beschwerden und die Verträglichkeit registriert. Von 10 Patienten blieben 3 Patienten bei einer Dosis von 3 mg, die übrigen 7 Patienten wurden in der 2. Woche mit 6 mg (2 Pflastern) behandelt. Ein Patient wurde wegen ungenügender Wirkung nicht in die doppelblinde Phase aufgenommen.
Schon in der ersten Woche der Behandlung mit 3 mg Lisurid reduzierten sich die RLS-Beschwerden um mehr als die Hälfte; diese Wirkung konnte durch Dosiserhöhung auf 6 mg noch verstärkt werden. Auch im Schweregrad des RLS während des Tages wurden eindrucksvolle Verbesserungen gezeigt. Ebenso deutliche Verbesserungen ließen sich für die Zufriedenheit mit dem Schlaf und für die Messdaten der periodischen Beinbewegungen (PLMS/h) während der Nacht mittels Aktimetrie nachweisen.
Diese bemerkenswerten Ergebnisse der offenen Behandlungsphase wurden unterstützt durch die Resultate der doppelblinden Therapiewoche: Hier zeigte sich in allen Wirksamkeitskriterien eine signifikante Überlegenheit von Lisurid-Pflastern gegenüber Placebo. Patienten mit Lisurid-Pflastern gaben einen konstant positiven Effekt auf RLS-Beschwerden, Schlaf und Tagesbefindlichkeit an, Placebo-behandelte Patienten jedoch verschlechterten sich in dieser letzten Woche sowohl in den subjektiven Kriterien zur Ausprägung des RLS und der Schlafqualität als auch in den objektiven Messergebnissen der Aktimetrie.
Bei vier Patienten wurden während der Behandlung medikamentenabhängige Nebenwirkungen aufgenommen (Übelkeit, Erbrechen, Hautreaktionen an Klebestellen), keiner der Patienten brach deshalb die Behandlung ab.
Die Ergebnisse dieser Pilotstudie unterstützen die positiven Erwartungen einer kontinuierlichen, kontrollierbaren und gut verträglichen Behandlung mit Dopaminagonisten in Pflasterform insbesondere bei schwer betroffenen RLS-Patienten.

Studie mit transdermalem Lisurid
Das Lisurid-Pflaster wird von

Dr. med. Heike Benes
Helios-Kliniken Schwerin
Neurologische Klinik Schlaflabor
Wismarsche Str. 393–397
19049 Schwerin
Tel. 0385 520 3113
Fax 0385 520 3107