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Diabetes – so können Sie vorbeugen
von Marion Zerbst

Ungefähr 84% aller Menschen mit Schlafapnoe leiden an einer zentralen Adipositas (Stammfettsucht); 65% haben Bluthochdruck und weitere 65% zu hohe Blutfettwerte. Und bei vielen Schlafapnoikern findet sich auch ein Diabetes oder eine Störung des Zuckerstoffwechsels. Die Diabetologin Prof. Dr. med. Monika Kellerer vom Marienhospital Stuttgart berichtete auf dem Kongress des Schlafmagazins über diese Problematik.

Es gibt zwei Hauptformen des Diabetes mellitus. Der Typ-1-Diabetes (früher auch Jugenddiabetes genannt) tritt meist schon in jungen Jahren (vor dem 40.Lebensjahr) auf und ist relativ selten: Nur rund 5% aller Diabetiker sind davon betroffen. Bei dieser erblich bedingten Diabetes-Form bildet der Organismus Antikörper gegen die B-Zellen der Bauchspeicheldrüse und zerstört diese, sodass sie kein Insulin mehr produzieren können. Dieses Hormon ist für die Regulation des Blutzuckerspiegels lebenswichtig: Unter dem Einfluss des Insulins wird nach Aufnahme kohlenhydratreicher Nahrung Zucker (Glukose) in die Leber- und Muskelzellen aufgenommen und in Form von Glykogen gespeichert. Außerdem wird die Glukose in diesen Zellen abgebaut und in Energie umgewandelt. Sonst würde unser Blutzuckerspiegel nach jeder Mahlzeit unkontrolliert in die Höhe schießen.
Der Typ-2-Diabetes (früher auch Altersdiabetes genannt) beginnt meist erst nach dem 40. Lebensjahr und ist sehr häufig; mindestens 80% aller Diabetiker leiden an diesem Diabetes-Typ. Ursache dafür ist eine schlechte Insulinwirkung; das heißt, die
B-Zellen der Bauchspeicheldrüse können zwar noch Insulin bilden, aber die Zellen des Körpers reagieren nicht mehr so empfindlich auf dieses Hormon: 90 bis 100% der Typ-2-Diabetiker sind im Anfangsstadium ihrer Erkrankung insulinresistent. Liegt eine Insulinresistenz vor, braucht man mehr Insulin, um eine ausreichende Senkung des Blutzuckers zu erreichen. Diese Insulinresistenz führt zusammen mit einer gestörten Funktion der Bauchspeicheldrüse mit der Zeit zur Entstehung des Diabetes mellitus Typ 2.

Bauchfett ist ungesund
Eine wichtige Ursache dieser Insulinresistenz, die man sehr häufig auch beim obstruktiven Schlafapnoe-Syndrom findet, ist Übergewicht, und hier vor allem die zentrale Fettleibigkeit. Es spielt nämlich eine wichtige Rolle, in welchen Regionen des Körpers sich das Fett befindet.
„Schädlich ist vor allem das Fett im Bauchraum“, erklärte Prof. Kellerer in ihrem Vortrag. „Diese zentrale Fettleibigkeit geht mit Insulinresistenz einher und erhöht das Risiko für Diabetes mellitus, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und auch für ein obstruktives Schlafapnoe-Syndrom enorm.“
Zentrale Fettleibigkeit ist einer der wichtigsten Faktoren beim so genannten metabolischen Syndrom, an dem 80 bis 85% aller Schlafapnoiker leiden. Die Fettzellen im Bauchraum haben nämlich, wie man inzwischen weiß, einen anderen Stoffwechsel als die Fettzellen unter der Haut: Sie produzieren Hormone und andere Substanzen, die sich negativ auf Fettstoffwechsel, Blutdruck und Blutgerinnung auswirken. Außerdem sondern sie Substanzen ab, die Entzündungsprozesse in den Blutgefäßen und die Entstehung von Arteriosklerose begünstigen.
Eine äußerst ungünstige Rolle spielt auch das Fett in der Leber: „Aufgrund von Erkenntnissen der letzten Jahre wissen wir, dass vermehrtes Leberfett mit einer schlechteren Insulinwirkung einhergeht“, erklärt Prof. Kellerer. Denn die Leber gibt bei Diabetikern – vor allem nachts – zu viel Zucker (Glukose) ins Blut ab. „Wenn man dieses Leberfett (beispielsweise mit Ernährung und Sport) abbaut, wird man wieder insulinsensitiver, das heißt, die Insulinwirkung verbessert sich.“

Metabolisches Syndrom: 
ein Symptomkomplex aus Bluthochdruck, F

Insulinresistenz – was tun?
Auch ansonsten kann man einer Insulinresistenz am besten durch eine Umstellung der Lebensweise entgegenwirken und damit der Entstehung eines Diabetes vorbeugen: z.B. durch gesunde, fettarme Ernährung und Ausdauersport wie Radfahren, Joggen, Wandern oder Spazierengehen in zügigem Tempo (ca. 20 Minuten täglich).
Bei Übergewicht ist Abnehmen natürlich oberstes Gebot: „Empfohlen wird zunächst eine Gewichtsabnahme von 5%, das bedeutet 4 kg bei einem 80 kg schweren Menschen.“ Grundsätzlich ist eine langsame Gewichtsabnahme anzustreben, damit man das erreichte Gewicht auch langfristig halten kann und nicht dem berüchtigten Jo-Jo-Effekt zum Opfer fällt: „Etwa 1 kg pro Monat – jedes Kilo zählt!“ Diese Maßnahmen verbessern nicht nur die Insulinsensitivität, sondern helfen gleichzeitig auch, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und einer obstruktiven Schlafapnoe vorzubeugen.
Nur wenn man die Insulinresistenz durch solche Maßnahmen nicht in den Griff bekommt, sind Medikamente angesagt.
Wer gleichzeitig an einem obstruktiven Schlafapnoe-Syndrom leidet, kann seine Insulinresistenz wahrscheinlich auch durch eine CPAP-Therapie bessern. Hierzu gibt es neue Untersuchungen und erste Daten; mehr darüber können Sie in dem Artikel „Diabetes, Schlafapnoe und Restless Legs“ lesen. Fazit von Prof. Kellerer: „Bei Diabetikern sollte darauf geachtet werden, ob nicht auch ein obstruktives Schlafapnoe-Syndrom vorliegt. Umgekehrt sollte man bei Patienten mit OSAS nach dem gleichzeitigen Vorliegen eines Diabetes forschen.“ Leider ignorieren nicht nur viele Kardiologen, sondern auch die meisten Diabetologen die sich immer deutlicher abzeichnenden Zusammenhänge zwischen Schlafapnoe, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes mellitus nach wie vor. Durch eine frühzeitige Diagnostik könnte man Betroffenen mit gezielten Behandlungsmaßnahmen helfen und dadurch so manche Folgeerkrankung – sowohl des Diabetes als auch der Schlafapnoe – verhindern.