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Das Schlafzimmer
seliges Schlummern oder höllische Qualen
Ausgewählte Artikel
Heft 1/2008

Das Schlafzimmer
seliges Schlummern
oder höllische Qualen

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von Werner Waldmann

Theoretisch sollte unser Schlafzimmer eine Oase des Friedens sein, des totalen Entspanntseins. Genüsslich liegt man ausgestreckt auf dem Leintuch, versinkt im REM-Schlaf, spinnt sich in süße Träume ein, der Organismus schöpft neue Kräfte. So sollte es sein. Leider verhält es sich oft ganz anders. Die Angst vorm Schlafengehen hat ihre Gründe, denn der Schlaf will sich oft partout nicht einstellen, verweigert sich einem beharrlich, und man kämpft buchstäblich um ihn. Der Schlaf ist zudem löcherig wie Schweizer Käse, und der Morgen fängt deshalb mit schmerzendem Schädel und müden Gliedern an. Wie kriegt man das nur hin, gut zu schlafen?

Ich habe einmal von einem jungen tschechischen Dichter gelesen, der mit dem Einschlafen und Durchschlafen null Probleme hatte. Wo immer er war, konnte er sich irgendwo in eine Ecke legen, auf den blanken Fußboden, wenn es denn sein musste, und er versank sofort in tiefem Schlaf. Wenn er aufwachte, fühlte er sich total ausgeruht, munter und agil. Wahrscheinlich funktioniert das in der Jugend besser als im fortgeschrittenen Alter.
Guter Schlaf hat viele Voraussetzungen. Krankhafte Veränderungen beeinträchtigen das Schlafverhalten oder zerstören es. Ganz entscheidend ist auch die Ernährung: Auf den Schlaf wirkt sich aus, was man abends oder noch kurz vor dem Einschlafen isst und trinkt. Und was man vor dem Zubettgehen tut: Wer seinen Körper sportlich strapaziert, muss sich nicht wundern, wenn sich ihm im Bett der Schlaf verweigert. Alkohol, Nikotin, Stress sind ebenfalls keine guten Einschlafhilfen. Doch eine wesentliche Voraussetzung für den guten Schlaf vergisst man leicht, und über diesen wollen wir in diesem Beitrag reden: den Ort des Schlafens, unser Schlafzimmer.

Wenn Chemie in der Luft liegt
Dass eine ganze Reihe chemischer Substanzen von Gegenständen des täglichen Lebens permanent an die Atemluft abgesondert werden, wissen wir alle. Nur machen wir uns das nicht immer bewusst. Im Schlafzimmer hält sich fast jeder die meiste Zeit an einem Stück auf. Wenn  Möbel, Stoffe, Wand- und Fußbeläge Schadstoffe enthalten und abgeben, nimmt unser Körper diese auf. Ist dies im Schlafzimmer der Fall, so setzen wir unseren Organismus diesen Stoffen jede Nacht Stunde für Stunde aus.
Nicht alles, was der Handel fürs Schlafzimmer anbietet, ist gesundheitsförderlich. Lattenroste, deren Lack Lösemittel ausdünstet, gehören zu den Schlafstörern. Matratzen können ebenso ein Problem sein. Wenig empfehlenswert sind Matratzen aus Polyurethan oder Schaumstoff, aus Latex oder Latexgemischen. Naturmaterialien wie Baumwolle, Kapok, Rosshaar oder Wolle dürfen nicht chemisch behandelt sein. Synthetische Matratzenüberzüge (Plastik, Polyester) beeinträchtigen das Schlafklima empfindlich. Für Allergiker, die gegen Hausstabmilben reagieren, gibt es milbendichte Überzüge. Doch Vorsicht: Wenn die aus Kunststoff gefertigt sind, lassen sie die Feuchtigkeit nicht durch und man schläft im eigenen Schweiß. Solche Überzüge sollten aus unbehandelten Naturmaterialien sein. Es ist auch nicht gleichgültig, aus welchem Material Bettbezüge und Laken gefertigt sind. Auch hier empfehlen sich schadstofffreie Naturmaterialien, also kein Polyester. Farbe erfreut das Auge, doch die Art der Farbstoffe ist für unser Wohlbefinden entscheidend. Die Bettwäsche muss mit pflanzlichen, schadstofffreien Farben gefärbt sein. Dasselbe gilt für Zudecken, Unterbetten, Matratzenschoner und Kopfkissen.

Komisch, aber wahr: Kleider gehören nicht ins Schlafzimmer
Nicht alles, was Tradition ist, dient auch unserem Wohlbefinden. Beispielsweise der obligatorische Kleiderschrank im Schlafzimmer oder – noch schlimmer – die offene Kleiderstange. Kleidungsstücke sondern oft ebenfalls Schadstoffe ab. Weichspüler und stark riechende Waschmittel fördern die Gesundheit nicht. Selbst wenn die Kleider im Schrank hängen, ist man vor ihren Ausdünstungen nicht sicher. Eine schwere Sünde sind die beliebten Mottenkugeln im Kleiderschrank.

Der Mikrozoo im Bett
Hausstaubmilben lassen sich im Bett nicht

Wände, Decken, Fußböden ...
Schadstoffe können in Gardinen und Rollos lauern. Ein besonderes Thema, auf das kaum jemand achtet, sind Wände und Decken. Geschäumte Tapeten beispielsweise enthalten oft Formaldehyd. Wischfeste Kunststoffoberflächen erscheinen praktisch, revanchieren sich dafür aber mit einer beachtlichen Schadstoffabsonderung. Außerdem sind sie nicht atmungsaktiv. Der Verzicht auf Tapeten im Schlafzimmer fördert eine gute Luftzirkulation, denn freie Wände sind atmungsaktiver. Wand- und Deckenverkleidungen aus Holz mögen gemütlich aussehen, wenn das Holz aber behandelt ist (Holzschutzmittel, Lacke, Lasuren), ist diese Ausstattung kaum schlafzimmertauglich.
Der Fußbodenbelag ist eine Wissenschaft für sich. Verpönt sind Teppichböden aus Kunststoff oder mit Latexverklebung. Stark gefärbte Teppiche sind Schadstoffreservoirs. Man merkt dies oft am unangenehmen starken Geruch, den sie absondern. In vielen Ländern der Dritten Welt werden Teppiche mit Arsen oder schwermetallhaltigen Farben hergestellt, oft ist die Wolle mit Pestiziden behandelt. Das alles gehört einfach nicht ins Schlafzimmer. Korkfußböden sehen attraktiv aus, doch Kork besteht aus einer zusammengeklebten Masse. Bodenbeläge aus PVC sind, da sie die krebserregende Grundsubstanz Vinylchlorid enthalten, geradezu gemeingefährlich. Auch Holzfußböden sind leider keine Garantie für reine Luft beim Schlafen. Bodenfließen sind am unbedenklichsten, jedoch müssen auch sie festgeklebt und die Zwischenfugen mit möglicherweise schadstoffbelasteten Materialien gefüllt werden.
Wenn Sie diese Hinweisen alle lesen, mögen Sie sich fragen, was man eigentlich fürs Schlafzimmer verwenden soll. Man kann es kurz zusammenfassen: Es gehören schadstoffarme oder gar schadstofffreie Fußbodenbeläge ins Schlafzimmer: unbehandelte Dielen aus Vollholz, Teppiche
aus unbehandelten Naturmaterialien, Fliesen.

Hochspannung im Schlafzimmer: Elektrosmog
Dass wir tagtäglich von einer Unmenge elektrischer und elektromagnetischer Strahlen umgeben sind, ist heute eine Selbstverständlichkeit. Manche denken vor allem an das Handy, vergessen aber, dass dies nur einen Bruchteil der heutigen Strahlenbelastung ausmacht. Dem Elektrosmog zu entgehen, ist so gut wie unmöglich. Dann müsste man weit draußen in der Einöde leben. Doch wenigstens sollten wir versuchen, das Schlafzimmer zu einem Hort der Strahlenarmut zu machen. Das ist nicht ganz einfach, denn dann müssen wir uns von einer Reihe von Gewohnheiten trennen.
Ins Schlafzimmer gehören so wenig elektrische Geräte wie nur möglich, insbesondere keine, die über einen Transformator verfügen. Halogenlampen arbeiten beispielsweise mit Niedrigvoltlampen, brauchen aber einen Transformator, der die Haushaltsspannung reduziert. Magnetfelder sind besonders problematisch. Halogenlampen haben nichts im Schlafzimmer zu suchen. Radiowecker und Stereoanlagen müssen batteriebetrieben sein und dürfen nicht ans Netz angeschlossen werden. Fernsehgeräte erzeugen neben elektromagnetischen Wellen auch Mikrowellen und Röntgenstrahlen. Selbst ein ausgeschaltetes Gerät hält noch lange die Spannung an der Oberfläche des Bildschirms.  Zudem ist es fürs Einschlafen psychologisch wenig förderlich, im Bett fernzusehen. Werfen Sie den Fernseher, auch den Flachbildschirm aus Ihrem Schlafzimmer. Computer und Drucker gehören ebenfalls nicht in diesen Raum. Computer sondern dieselben Schadstoffe ab wie TV-Monitore. Den gleichen Ärger verursachen Telefone. Handys strahlen auch im Ruhezustand Wellen aus, ebenso das Festnetztelefon, das heute meist schnurlos betrieben wird. Auch da ist ein psychologisches Moment anzumerken: Schlimm ist es schon, wenn man tagsüber an das Telefon gefesselt und jederzeit erreichbar ist, noch unerträglicher wird das, wenn das Handy selbst auf dem Nachttisch klingelt. Oder zu klingeln droht!
Manch einer schwört auf seine elektrische Heizdecke, verkennt aber, dass ihn diese Gerätschaft rundum mit elektrischen Strahlen behandelt. Zudem liegen die Decken hautnah am Körper und ihre Strahlung wirkt somit intensiv auf sämtliche Organe. Diverse Studien zeigten, dass Heizdecken zu Frühgeburten führten, in Zusammenhang mit Leukämieerkrankungen gebracht wurden. Zudem ist es ein unangenehmer Gedanke, mit einer eingeschalteten Heizdecke einzuschlafen. Jedes elektrische Gerät kann einen Kurzschluss verursachen, der die Decke in Brand setzt. Angenehmer und ungefährlich sind schlichte Wärmeflaschen mit heißem Wasser.
Problematisch sind Wasserbetten, die zwangsläufig elektrisch beheizt werden müssen. Ein Thermostat regelt die ganze Nacht über die Heizung des Wassers. Selbst wenn die Heizung ausgeschaltet ist, führen die Leitungen Strom und erzeugen so elektrische Felder. Unter diesem Aspekt sind Wasserbetten keine gute Wahl fürs Schlafzimmer.
Grundsätzlich sollten am Kopfende des Bettes keine elektrischen Leitungen führen.
Am Schluss noch eine hoffentlich überflüssige Bemerkung: Rauchen ist zumindest im Schlafzimmer absolutes Tabu.

Beschränken Sie sich auf das Eigentliche
Die Menschen sind erfinderisch und diverse Spezialunternehmen bieten Spezialbetten an, die mit aufwändiger Technik elektromagnetische Felder verhindern sollen. Solchen Angeboten ist immer eines gemeinsam, Sie kosten sehr viel Geld. Natürlich warten diese Firmen mit Gutachten wohlklingender Labors auf: Was daran Wahres ist, ist eine andere Frage. Ich meine jedenfalls, ein Schlafzimmer lässt sich auch ohne solche mehr ins Esoterische driftende Hilfsmittel gesund einrichten, wenn man etwas puristisch vorgeht, Naturmaterialien einsetzt und auf Staubfänger jeglicher Art verzichtet. Bücher sind schön, gehören aber nicht massenhaft ins Schlafzimmer. In ihnen setzt sich Staub fest. Elektrische Geräte braucht man zum Schlafen nur wenige. Der gute alte mechanische Wecker, welche nostalgische Wohltat, von mir aus auch der batteriebetriebene Reisewecker.
Viel wichtiger ist es, die richtige Unterlage für die Matratze, eine gute individuell gewählte Matratze und entsprechende angenehme Bettwäsche zu haben. Matratzenauflagen müssen Schweiß rasch aufnehmen und an die Umgebungsluft weiterleiten. Sie müssen die Wirbelsäule ordentlich stützen und die Schultern bequem lagern. Das ist ein anderes Thema, doch ebenso wichtig für den Rücken. Rückenschmerzen machen viele Schlafversuche zur Qual.

Silber für besseres Schlafen
Ein österreichisches Unternehmen bietet Betten und Kissen an, in die Silberfäden eingewoben sind. Silber wird in Wundauflagen für Verbrennungen der Haut erfolgreich eingesetzt. Und offenbar sorgen Silberinserts, die Bakterien töten, ebenfalls für einen guten Schlaf. Es werden auch Bettenauflagen angeboten (TerraPro International AG), die elektromagnetische Störungseinflüsse fernzuhalten versprechen. Bettunterlagen aus speziellem Holz sollen Bakterien fernhalten und ätherische Düfte abstrahlen, die schlaffördernd wirken.

Die richtige Temperatur
Über die passende Raumtemperatur im Schlafzimmer gibt es viele Meinungen. Zu warm darf es nicht sein, denn der Körper reguliert seine Temperatur beim Schlafen nach unten. Die Temperatur sollte zwischen 14 und 18 °C betragen. Manche mögen es kalt und lassen selbst bei eisigem Wetter das Fenster auf. Andere lieben es wärmer und frieren sofort, wenn es zu kühl ist. Zugluft freilich ist in jedem Fall ungünstig: Man läuft Gefahr, sich beim Schlaf zu unterkühlen und sich so zu erkälten. Ein überheiztes Schlafzimmer lässt einen andererseits schwitzen, was ebenso wenig von Vorteil ist. Kalte Luft ist trocken und wirkt sich ungünstig auf die Atemwege aus, deshalb sollte man im Winter ein feuchtes Tuch auf den Heizkörper legen. (Verzichten Sie übrigens auf elektrische Raumbefeuchter, denn die sind nur wieder eine weitere Quelle von Elektrosmog.)
Der moderne Mensch schläft nackt. Das mag die erotische Situation stimulieren, ist aber wenig schlaffördernd. Beim Schlafen schwitzt der Körper und Schlafbekleidung saugt den Schweiß auf. Das ist günstig. Wenn man sich während des Schlafs aufdeckt, läuft man Gefahr, sich zu erkälten.

Sie müssen sich wohl fühlen
Das Schlafzimmer hat eindeutig eine einzige Funktion: Es ist zum Schlafen da. Die gesamte Einrichtung sollte dazu dienen, dass Sie sich beim Schlafen in jeder Hinsicht wohl fühlen. Das Schlafzimmer ist kein Büro, wenngleich Studenten in ihrem Logis alles in einem Raum erledigen müssen. Vor allem sollte das Schlafzimmer kein Abstellplatz sein. Viele Schlafzimmer sind ein optisches Gräuel: Wäschekörbe in der Ecke, Kartons, das Bügelbrett, leere Koffer. Wahrscheinlich glauben viele, da man das Schlafzimmer ja nur nachts zum Schlafen nutze, dass es sinnlos sei, darin zu investieren. Kein Mensch empfängt im Schlafzimmer seine Gäste. Nur wenn im Schlafzimmer alles so arrangiert ist, dass Sie sich wohl fühlen, hilft das auch dem guten Schlaf.
Ihr Schlafzimmer soll Ihnen gefallen – Ihnen allein. Stellen Sie es nicht voll. Sie brauchen zum Schlafen Raum und Luft. Verzichten Sie auf Pflanzen, zumindest solche, die blühen. Verzichten Sie auf alles, was Sie stört. Die Wände müssen nicht weiß sein. Wählen Sie zarte, beruhigende Töne. Nichts soll Ihr Gemüt irritieren. Auch Bilder, die Sie mögen, dürfen die Wände schmücken. Sanftes Licht fördert die Phase vor dem Einschlafen. Achten Sie auch darauf, dass der Raum völlig abzudunkeln ist. Manche mögen es nicht vollkommen dunkel im Zimmer und ziehen den Rollo nicht ganz zu, damit noch etwas Licht durchschimmert. Oder Sie lassen eine kleine Nachtbeleuchtung an.

Anregungen auf Messen
Wenn Sie durch eine Möbelmesse oder eine der neuerdings immer häufiger auftauchenden Schlafmessen wandern, werden Sie überrascht sein, was da alles so für den guten Schlaf angeboten wird. Vieles kann schon helfen, sonderlich wenn man auch daran glaubt. Dabei will ich mich keinesfalls über den so genannten Placeboeffekt lustig machen, denn guter Schlaf beginnt im Kopf, und felsenfester Glauben daran, das dies und jenes dabei hilfreich ist (bei meiner Großmutter war es das Glas warme Milch mit Himbeermarmelade), versetzt nicht nur Berge, sondern einen auch in festen Schlaf.