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Neues Angebot zur
Gesundheitsvorsorge
Die Schlafschule |
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Jahrgang 2003 Ausgewählte Artikel
Die Schlafschule
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von Marion Zerbst
Seit 2001 bietet Professor Dr. Jürgen
Zulley, ein Pionier der modernen Schlafforschung, an
verschiedenen Kliniken in Deutschland Schlafschulen an, in
denen Teilnehmer Informationen über gesunden Schlaf
erhalten und lernen, was sie selbst dafür tun können.
Zum Teil werden diese Kurse auch schon von den Krankenkassen
bezahlt.
Im Jahr 2001 rief Professor Dr. Jürgen
Zulley, Leiter des Schlafmedizinischen Zentrums der
Psychiatrischen Universitätsklinik am Bezirksklinikum in
Regensburg, die Schlafschulen ins Leben. Ziel dieser Kurse ist
es nicht nur, bestehende Schlafstörungen zu beheben,
sondern möglichst auch schon deren Entstehung vorzubeugen.
Ein erster Schritt dazu besteht darin, den
Teilnehmern Informationen über gesunden und gestörten
Schlaf zu vermitteln. Denn viele Schlafprobleme entstehen durch
falsche Vorstellungen über den Schlaf. Andererseits
lässt sich so manche Schlafstörung bereits »im
Keim ersticken«, ehe sie chronisch wird, wenn man nur die
richtigen Maßnahmen dazu kennt und ein wenig über
»Schlafhygiene« Bescheid weiß.
Neben Selbsthilfe-Maßnahmen erfahren
die Teilnehmer natürlich auch, welche professionellen
Hilfen - rezeptpflichtige Schlafmittel, Verhaltenstherapie,
Diagnose im Schlaflabor etc. - es gibt und welche wann sinnvoll
sind. Auch Entspannungstechniken und
Stressbewältigungsstrategien werden eingeübt. Die am
Abend servierten Schlummermenüs zeigen, wie man Gerichte
zubereitet, die den Schlaf nicht beeinträchtigen.
Chronische Schlafstörungen machen
krank
Viele Menschen begehen den Fehler, sich zu
große Sorgen über ihre (vermeintlichen oder
tatsächlich bestehenden) Schlafprobleme zu machen und sich
auf diese Weise immer mehr in sie hineinzusteigern, bis sie
dann irgendwann tatsächlich ein ernstes Problem haben.
Andererseits darf man eine Schlafstörung aber auch nicht
auf die leichte Schulter nehmen, denn ein länger
bestehendes Schlafdefizit kann einen Menschen richtig krank
machen.
Was geschieht eigentlich mit uns,
während wir schlafen? In der Nacht befinden sich
sämtliche Leistungsfunktionen, die wir tagsüber
brauchen, um fit zu sein und unsere Aufgaben im täglichen
Leben zu erfüllen, auf einem absoluten Tiefpunkt. Nachts
ist unser Kreislauf labiler, wir empfinden Schmerzen intensiver
als tagsüber und machen mehr Fehler bei der Arbeit. Auch
Unfälle und Todesfälle sind nachts häufiger als
bei Tage. Die Körpertemperatur sinkt: In der zweiten
Nachthälfte sind wir am kältesten. Und unsere
Stimmung erreicht ebenfalls ihren Tiefpunkt: Nachts zwischen
drei und vier Uhr haben wir eine Depression. Deshalb ist es am
sinnvollsten, um diese Zeit zu schlafen.
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Nachts regeneriert der Organismus
All das ist aber bei weitem nicht so
negativ, wie es auf den ersten Blick vielleicht klingt. Denn
dafür werden andere Systeme, die für die Regeneration
unseres Organismus wichtig sind, jetzt
»hochgefahren«. Gesteuert wird dies durch die
Ausschüttung bestimmter Hormone, die wiederum von unserer
inneren Uhr abhängig ist.
Gegen Abend beginnt unsere
Zirbeldrüse, die sich am hinteren, oberen Abschnitt
unseres Zwischenhirns befindet, das »Schlafhormon«
Melatonin auszuschütten, das uns müde und
schläfrig macht. Fällt morgens Licht in unsere Augen,
wird die Melatoninproduktion wieder eingestellt.
Das Licht ist ein wichtiger
»Zeitgeber«, der unsere innere Uhr steuert. Wer
Schwierigkeiten hat, morgens richtig in die Gänge zu
kommen, kann seinen Schlaf-Wach-Rhythmus unterstützen,
indem er sich so rasch und so intensiv wie möglich dem
Tageslicht aussetzt. Umgekehrt sollte jemand, der unter
Schlafstörungen leidet, nach Möglichkeit nicht das
Licht anschalten, wenn er nachts aufwacht; Licht stört die
Melatoninproduktion.
Der Schlaf vor Mitternacht
Nicht nur Melatonin, sondern auch
Wachstumshormon wird am späteren Abend zunehmend
ausgeschüttet. Besonders intensiv ist die Produktion
dieses Hormons während des Tiefschlafs. Beim Jugendlichen
ist das Wachstumshormon für das Längenwachstum
verantwortlich - Jugendliche wachsen im wahrsten Sinne des
Wortes »im Schlaf«. Im Erwachsenenalter vollzieht
sich unter dem Einfluss dieses Hormons die notwendige
Zellreparatur. Auch für die Funktionsfähigkeit
unseres Immunsystems spielt es eine wichtige Rolle.
Gegen drei Uhr morgens wird dann das Hormon
Cortisol ausgeschüttet, das weiteren Tiefschlaf verhindert
und uns allmählich wieder wach und fit für den Tag
macht.
Das heißt: Der für unsere
Erholung so wichtige Tiefschlaf endet nach drei Uhr. Unser
Kernschlaf - der Schlaf, den wir unbedingt brauchen, um gesund
zu bleiben, und in den auch unsere Tiefschlafphasen fallen -
beträgt fünf Stunden. Deshalb ist an dem bekannten
Spruch, der Schlaf vor Mitternacht sei der beste, eben doch
etwas dran: Wenn wir erst nach unserer »biologischen
Mitternacht« (drei Uhr morgens) schlafen gehen, bekommen
wir zu wenig Tiefschlaf.
Auch Zytokine (Substanzen, die das
Immunsystem steuern) werden während des Kernschlafs
ausgeschüttet. Daher regeneriert sich unser Immunsystem in
der Nacht - aber eben nur dann, wenn wir schlafen. Menschen,
die schlecht schlafen, sind wesentlich anfälliger für
Infektionserkrankungen. Und langfristig schlechter Schlaf ist
auch noch mit zahlreichen anderen gesundheitlichen Risiken und
Problemen verbunden: So hat man zum Beispiel ein höheres
Risiko, an Diabetes, Bluthochdruck oder Depressionen zu
erkranken und Übergewicht zu bekommen. Auch
Kreislaufprobleme und Magen-Darm-Störungen kommen
häufiger vor - ganz abgesehen davon, dass
Schlafstörungen natürlich auch mit einem
erhöhten Unfallrisiko verbunden sind.
Das hat einen ganz einfachen Grund. Ohne
Schlaf ist das Zusammenspiel zwischen Wachstumshormon und
Cortisol gestört: Das heißt, der Organismus
schüttet zu wenig Wachstumshormon und zu viel Cortisol
aus. Ein permanent zu hoher Cortisolspiegel im Blut aber
erzeugt Dauerstress, hemmt das Immunsystem und erhöht
Blutdruck und Blutzuckerspiegel. Chronisch Schlafgestörte
gehen zwei- bis dreimal häufiger zum Arzt als andere
Menschen und haben eine geringere Lebenserwartung.
Was ist eine Schlafstörung?
Gut schlafen kann man, wenn man abends
rasch (das heißt spätestens nach einer halben
Stunde) einschläft, gut durchschläft und nachts
normalerweise nicht längere Zeit wachliegt. Guter Schlaf
hat aber nicht nur etwas mit der Nacht zu tun, sondern man muss
bei der Beurteilung des Nachtschlafs auch das Tagesbefinden mit
berücksichtigen. Bei manchen Schlafstörungen
(beispielsweise Schlafapnoe) hat man nämlich das
Gefühl, nachts tief und fest zu schlafen, obwohl die
Schlafarchitektur in Wirklichkeit gravierend gestört ist.
Wichtig ist also auch, dass man sich tagsüber fit
fühlt.
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Wie entstehen Schlafstörungen?
Viele Schlafstörungen sind auf eine
behandlungsbedürftige Erkrankung wie beispielsweise
Restless Legs (das Phänomen der »unruhigen
Beine«) oder Schlafapnoe zurückzuführen. Oft
ist es aber auch ein bestimmtes Ereignis, das uns den Schlaf
raubt - Stress, Liebeskummer, finanzielle Sorgen oder die Angst
vor einer Prüfung. Ist das Problem gelöst bzw. das
negative Ereignis wieder aus unserem Leben verschwunden, leiden
wir häufig trotzdem immer noch weiter unter
Schlafproblemen.
Der Grund: Die Schlafstörung hat sich
»verselbstständigt« und besteht weiter, obwohl
es eigentlich gar keinen ersichtlichen Grund mehr dafür
gibt. Damit ist ein verhängnisvoller Teufelskreis in Gang
gekommen: Man hat Angst vor der nächsten Nacht und spannt
sich körperlich und seelisch bereits an, wenn man sein
Bett nur sieht.
Die Sorge um den gestörten Nachtschlaf
beschäftigt einen schon am Tag und beeinflusst vielfach
sogar das Verhalten: Man legt sich tagsüber hin, um den
versäumten Schlaf »nachzuholen«, und geht
abends zeitig zu Bett, um nur ja nicht wieder zu kurz zu
schlafen - leider aber meist mit dem Ergebnis, dass man dann
nur noch länger wach liegt und am nächsten Tag noch
mehr Angst vor der kommenden Nacht hat.
Mit »schlafhygienischen«
Maßnahmen und gezielten Entspannungsübungen wie
beispielsweise dem autogenen Training kann man zunächst
einmal versuchen, das Problem allein in den Griff zu bekommen.
Oft hilft es schon, wenn man sich einmal
ein paar einfache Informationen über den Schlaf vor Augen
führt - z. B. dass nicht die Schlafdauer, sondern die
Schlafqualität entscheidend ist.
Damit sind wir wieder beim Thema Kernschlaf:
Wir brauchen nicht unbedingt mehr als diese für unsere
Erholung wichtigen fünf Stunden. Außerdem ist die
optimale Schlafdauer individuell verschieden: Dem einen reichen
sechs Stunden, der andere fühlt sich erst nach acht
Stunden so richtig ausgeschlafen. Mit ein wenig Experimentieren
kann man herausfinden, was für einen selbst am besten ist.
Auch mit dem Zeitpunkt des Schlafengehens
sollte man ruhig ein bisschen experimentieren: Vielleicht ist
man es gewohnt, immer dann schlafen zu gehen, wenn der Zeiger
der inneren Uhr gerade auf »wach« zeigt. Oft hilft
es dann schon, eine halbe Stunde früher oder später
schlafen zu gehen.
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