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Obstruktive Schlafapnoe und Bluthochdruck
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Jahrgang 2006 Ausgewählte Artikel
Obstruktive Schlafapnoe
und Bluthochdruck ![]() |
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von Prof. Dr. med. Bernd Sanner und Dr.
med. M. Haske
Inzwischen sind die Mediziner sich
darüber einig, dass Schlafapnoe einen Bluthochdruck
verursachen oder verschlechtern kann. Oft lässt sich bei
solchen Patienten der Bluthochdruck bereits durch eine
CPAP-Therapie senken oder sogar normalisieren; in anderen
Fällen sind zur Einstellung des Blutdrucks zusätzlich
Medikamente erforderlich.
Es sind im Wesentlichen drei Faktoren, die
die Bedeutung der obstruktiven Schlafapnoe ausmachen:
Die obstruktive Schlafapnoe ist häufig:
Untersuchungen der letzten Jahre konnten zeigen, dass
mindestens 2% der Frauen und 4% der Männer im Alter
zwischen 30 und 60 Jahren eine behandlungsbedürftige
Schlafapnoe haben.
Patienten mit einer obstruktiven
Schlafapnoe sind durch die Erkrankung häufig in ihrer
Leistungsfähigkeit eingeschränkt, oder sie
können eine ausgeprägte Müdigkeit am Tage haben.
Besteht eine obstruktive Schlafapnoe, so
liegen oft zeitgleich andere Herz-Kreislauf-Erkrankungen vor.
Es konnte aufgezeigt werden, dass die obstruktive Schlafapnoe
insbesondere während der Nacht ausgeprägte
Veränderungen des Herz-Kreislauf-Systems hervorruft.
Mittlerweile gilt aber auch als gesichert, dass die obstruktive
Schlafapnoe durch die Störungen in der Nacht zu
Herz-Kreislauf-Erkrankungen während des Tages beitragen
kann.
Den besten Wissensstand gibt es hierbei zum
Zusammenhang zwischen obstruktiver Schlafapnoe und arterieller
Hypertonie, und es besteht mittlerweile Einigkeit darüber,
dass die obstruktive Schlafapnoe einen Bluthochdruck
auslösen kann. Dieses Wissen hat dazu geführt, dass
im Jahre 2003 das „National Institute of Health“ in
den USA und die „Deutsche Hochdruckliga“ in ihren
Richtlinien für Deutschland die Schlafapnoe als einen
Faktor benannt haben, der entweder Ursache eines Bluthochdrucks
sein oder aber die Behandlung des Bluthochdrucks deutlich
erschweren kann.
Schlafapnoe und Kreislaufregulation
während der Nacht
Bei Patienten mit einer obstruktiven
Schlafapnoe kommt es nachts wiederholt (in schweren Fällen
bis zu 600-mal) zum Auftreten von Atempausen
(„Apnoen“) oder zu Verringerungen des Atemflusses
(„Hypopnoen“). Daraus resultiert ein Abfall der
Sauerstoffkonzentration im Blut. Beendet werden diese
Atempausen durch eine zentralnervöse Weckreaktion (ein so
genanntes „Arousal“), wodurch der Schlaf in seiner
Qualität teilweise dramatisch beeinflusst wird.
Parallel zu den Atempausen findet sich
nahezu regelhaft ein Anstieg des Blutdruckes. Dieser ist umso
ausgeprägter, je länger die Atempausen, je schwerer
die durch die Atempausen ausgelöste
Sauerstoffentsättigungen und je länger die
zentralnervösen Weckreaktionen sind. Bei Patienten mit
einer bereits bestehenden Bluthochdruckerkrankung beträgt
der Blutdruckanstieg im Mittel zwischen 8 und 15 mm Hg
systolisch und 5 bis 10 mm Hg diastolisch. Ursächlich
hierfür sind mehrere Faktoren, zum einen die Erhöhung
der Stresshormone (Sympathikotonus) und zum anderen der Anstieg
der Konzentration des so genannten Endothelins – eines
Faktors, der für die Engstellung der Gefäße
verantwortlich ist – durch die niedrigen
Sauerstoffkonzentrationen.
Während beim Gesunden normalerweise
der Blutdruck nachts um 10–15% absinkt (siehe Abb. 1),
können die oben skizzierten Faktoren dazu führen,
dass gerade Patienten mit schwerer obstruktiver Schlafapnoe ein
fehlendes Absinken oder sogar einen Anstieg des Blutdrucks
während der Nacht aufweisen (siehe Abb. 2). Das
Ausmaß dieser Veränderung hängt dabei von der
Schwere der obstruktiven Schlafapnoe ab.
Obstruktive Schlafapnoe und Bluthochdruck
am Tage
Mehrere gut durchgeführte
Untersuchungen der letzten Jahre konnten zeigen, dass ein
unabhängiger Zusammenhang besteht zwischen dem
Vorhandensein einer obstruktiven Schlafapnoe und der
Entwicklung einer arteriellen Hypertonie. Zusätzlich
besteht ein Zusammenhang zwischen der Schwere der
Atmungsstörung und der Ausprägung des Bluthochdrucks.
Die Ursachen, die zur Entwicklung einer
anhaltenden Blutdruckerhöhung am Tage bei Patienten mit
obstruktiver Schlafapnoe beitragen, sind noch nicht
endgültig geklärt. Ein wesentlicher Mechanismus ist
wahrscheinlich der bei diesen Patienten auch tagsüber
erhöhte Sympathikotonus. Außerdem ist die
Gefäßfunktion gestört, und genetische Faktoren
und das Alter können ebenfalls eine Rolle spielen.
Konsequenzen für die Behandlung
Liegt ein Bluthochdruck bei einem Patienten
vor, der eine obstruktive Schlafapnoe hat, so sollte
zunächst diese Schlafapnoe konsequent behandelt werden.
Mittel der Wahl bei der Behandlung der schweren und
symptomatischen obstruktiven Schlafapnoe ist die
Atmungstherapie mit nasalem kontinuierlichem Atemwegsdruck
(nCPAP). Dadurch kann erreicht werden, dass sich die Atmung
während des Schlafes normalisiert und Atempausen,
Verminderungen des Atemflusses, Sauerstoffentsättigungen
sowie zentralnervöse Weckreaktionen nicht mehr auftreten.
In Einzelfällen können bei Schlafapnoe-Patienten auch
kieferorthopädische, kieferchirurgische,
HNO-ärztliche Maßnahmen oder mechanische intraorale
Hilfen (so genannter zahnärztlicher Schnarchschutz) zum
Einsatz kommen.
Die Behandlung der obstruktiven Schlafapnoe
kann bei einer Vielzahl der Patienten zu einer Senkung, zum
Teil auch zu einer vollständigen Normalisierung von vor
der Therapie erhöhten Blutdruckwerten führen.
Bluthochdruck-Medikamente bei Patienten
mit obstruktiver Schlafapnoe
Gerade bei länger bestehender
Bluthochdruckerkrankung oder hohen Blutdruckwerten kann es
sein, dass die alleinige Therapie der obstruktiven Schlafapnoe
nicht ausreicht, um den Blutdruck zu normalisieren.
Bei einer medikamentösen Behandlung
ist darauf zu achten, dass nur solche Bluthochdruck-Medikamente
eingesetzt werden, die sich nicht ungünstig auf den Schlaf
oder die obstruktive Schlafapnoe auswirken. Als besonders
günstig in der Behandlung des hohen Blutdrucks bei
Patienten mit obstruktiver Schlafapnoe haben sich folgende
Medikamentengruppen dargestellt: lang-wirksame ACE-Hemmer, aber
auch gefäßerweiternde Medikamente (Vasodilatatoren),
Kalziumantagonisten, Angiotensin-Rezeptorenblocker und auch
Beta-Rezeptorenblocker.
Die so genannten zentralen
„Antisympathikotonika“ führen zu den
stärksten Veränderungen der Schlafstruktur.
Außerdem bewirken sie eine Einschränkung der
Wachfunktion mit Entwicklung von Müdigkeit. Nach
Möglichkeit sollte diese Medikamentengruppe daher gemieden
werden.
Entwässerungs-Tabletten (so genannte
„Diuretika“) haben in der Regel keine negativen
Auswirkungen auf den Schlaf selber, wenn sie am Morgen
eingenommen werden.
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Abb. 1: Profil einer
Langzeit-Blutdruckmessung bei einem nicht an einer Schlafapnoe
erkrankten Patienten. Deutlich erkennbar ist das so genannte
Dipping, das Absinken des nächtlichen Blutdrucks –
hier um im Mittel 15%.
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Abb. 2: Profil einer
Langzeit-Blutdruckmessung bei einem Patienten mit obstruktiver
Schlafapnoe und nächtlich erhöhten Blutdruckwerten.
Deutlich erkennbar ist das so genannte
„Non-Dipping“ bei normalen Blutdruckwerten am Tage.
Zusammenfassung und Schlussfolgerungen
Die obstruktive Schlafapnoe gilt heute als
eigenständiger Risikofaktor für die Entwicklung oder
Verschlechterung eines hohen Blutdruckes. Daher sollte bei
allen Patienten mit obstruktiver Schlafapnoe der Blutdruck auch
im Verlauf kontrolliert werden. Umgekehrt sollten alle
Patienten, bei denen ein schwer einstellbarer Bluthochdruck
besteht oder bei denen die Langzeit-Blutdruckmessung kein
Absinken des nächtlichen Blutdrucks aufzeigt, gezielt nach
dem Vorhandensein einer möglichen obstruktiven Schlafapnoe
untersucht werden. Nur durch das konsequente Angehen beider
Erkrankungen können Lebensqualität und
Lebenserwartung dieser sicherlich als gefährdet
einzustufenden Patientengruppe verbessert werden.
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