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Erste Studie über den Schlafalltag
der Deutschen
20 % aller Deutschen schlafen schlecht |
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Jahrgang 2003 Ausgewählte Artikel
Wie gut die Deutschen schlafen
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von Marion Zerbst
Die erste Studie über das
Schlafverhalten der Deutschen wurde vom Matratzen- und
Kissenhersteller Tempur in Auftrag gegeben und auf der Basis
einer Umfrage bei 1000 Bundesbürgern im Jahr 2002 von der
Familienforscherin Professor Dr. Uta Meier von der
Universität Gießen durchgeführt. Die Studie
gibt Aufschluss über die häufigsten Ursachen von
Schlafstörungen und zeigt damit auch mögliche Wege zu
ihrer Bekämpfung auf.
Die im Jahr 2002 duchgeführte
bundesweit erste Schlaf-Studie hat gezeigt, dass die Deutschen
sehr gewissenhaft darauf achten, genügend Schlaf zu
bekommen: Durchschnittlich acht Stunden und 22 Minuten
schläft der deutsche Bundesbürger pro Tag – das
ist immerhin über ein Drittel seines Lebens. Nur zwei
Prozent aller Befragten gaben an, wochentags weniger als
fünf Stunden zu schlafen.
»Nachteulen« sind bei uns eher
die Ausnahme
Auch beim Zubettgehen sind die meisten
Deutschen diszipliniert: In der Woche geht man in Deutschland
in der Regel schon um 22.30, freitags und samstags zwischen
22.38 und 22.45 Uhr schlafen.
»Nachteulen« sind seltener, als
so mancher vielleicht glaubt: Nur 13 Prozent aller Deutschen
gehen üblicherweise erst nach Mitternacht ins Bett.
Am Wochenende verwandeln wir uns in eine
Nation von Langschläfern: Über 30 Prozent aller
Bundesbürger bleiben am Samstag und Sonntag ganze neun
Stunden lang in den Federn. Vor allem die unter
34-Jährigen genießen es, am Wochenende so richtig
auszuschlafen.
»Ich kann abends einfach nicht
abschalten...«
Allerdings gibt es bei uns auch viele
Menschen, die unter Schlafstörungen leiden. Immerhin rund
20 Prozent sind es, die abends nicht einschlafen können
oder nachts immer wieder wachliegen – Schlafmediziner
bezeichnen diese Probleme als Einschlaf- bzw.
Durchschlafstörungen.
Für den gestörten Nachtschlaf
gibt es nach Einschätzung der Betroffenen sehr
unterschiedliche Gründe: 47,7 Prozent aller Befragten
fällt es schwer, abends abzuschalten. Viele werden auch
durch körperliche Beschwerden um den Schlaf gebracht. An
dritter Stelle der »Schlafkiller« steht Lärm
(beispielsweise durch Nachbarn oder Straßenverkehr).
Frauen fällt das Abschalten offenbar
schwerer als Männern: 54,6 Prozent aller weiblichen
Befragten gaben dieses Problem als Grund für ihre
Schlafstörungen an, demgegenüber waren es nur 33,7
Prozent der befragten Männer. Menschen in der Altersgruppe
zwischen 35 und 55 Jahren haben besonders große
Abschalt-Probleme: Ganze 64,9 Prozent dieser Altersklasse
schaffen es nicht oder nur schwer, sich abends zu entspannen.
Die wichtigsten »Schlafkiller«:
Stress, Existenzangst, Geldsorgen
In dieser Altersgruppe spielen Stress im
Beruf, Geldsorgen und familiäre Probleme vermutlich eine
besonders große Rolle, meint Familienforscherin Professor
Dr. Uta Meier von der Universität Gießen, die die
Studie durchführte. Bei manchen sind es Arbeitslosigkeit
und Zukunftsängste, bei anderen berufliche
Überlastung, Zeitknappheit und Reizüberflutung, die
sie nachts wachhalten. Am schwersten fällt es Eltern mit
Schulkindern im Alter von 6 bis 14 Jahren, abzuschalten –
fast 80 Prozent dieser Gruppe von Befragten rauben
Familienstress und Erziehungsprobleme den Schlaf.
Beamte schlafen am besten
Im Vergleich der Berufsgruppen tritt das
Problem des Nicht-Abschalten-Könnens bei
Selbstständigen besonders häufig auf: 68,9 Prozent
aller selbstständig Tätigen sind davon betroffen. Die
Selbstständigen können außerdem fünfmal so
häufig wie der Durchschnitt der Befragten wegen Geldsorgen
nicht ein- oder durchschlafen – die Freiheit und
Unabhängigkeit, die man als Selbstständiger bis zu
einem gewissen Grad genießt, hat eben auch ihre Kehrseite
und ihren Preis.
Ganz offensichtlich besteht auch ein
Zusammenhang zwischen Einkommenshöhe, beruflichem Stress
und Schlafstörungen: Je höher das Einkommen ist, umso
mehr Befragte geben an, wegen beruflicher Probleme und
Überforderung am Arbeitsplatz schlecht zu schlafen.
Aber auch Menschen mit niedrigem sozialem
Status wie beispielsweise Arbeiter sind sehr häufig von
Schlafstörungen betroffen. »Menschen mit niedriger
Bildung und niedrigem Einkommen leiden deutlich häufiger
an Ein- und Durchschlafproblemen als solche mit höherer
Bildung und höherem Einkommen«, stellt Professor Dr.
Uta Meier fest. Bei dieser sozialen Klasse wirken
wahrscheinlich in erster Linie Geldsorgen und
Existenzängste als nächtliche Stressfaktoren.
Beamten schlafen mit Abstand am besten und
haben auch keine Probleme damit, abends abzuschalten: Offenbar
sind ein festes Einkommen, ein unkündbares
Arbeitsverhältnis, geregelte Arbeitszeiten und eine
relativ gesicherte Altersversorgung eben doch die idealen
Voraussetzungen für einen ungestörten Schlaf.
Ältere Menschen haben häufiger
Schlafprobleme
Am häufigsten klagen die über
55-Jährigen über Schlafprobleme: Während in der
Altersgruppe der unter 34-Jährigen lediglich jeder Zehnte
über Einschlaf- oder Durchschlafprobleme berichtet, ist es
bei den älteren Menschen über 55 Jahren fast jeder
Dritte. Als häufigster Grund dafür werden
körperliche Beschwerden angegeben.
Die Befragung ergab, dass diejenigen
älteren Menschen, die über schlafstörende
körperliche Beschwerden klagen, meist auch einen ziemlich
ungesunden Lebensstil haben: Sie ernähren sich zu fett und
kalorienreich und bewegen sich zu wenig. Laut Professor Dr.
Meier sind dies Risikofaktoren für die Entstehung einer
Schlafstörung: »Gesunder und guter Schlaf hängt
eng mit sportlicher Betätigung und gesunder Ernährung
zusammen.«
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Frauen haben mehr Stress als Männer
Bei den befragten Frauen klagten 24,1
Prozent (also fast ein Viertel) über Einschlafprobleme,
während es bei den männlichen Befragten nur 13
Prozent waren.
Eine mögliche Erklärung
hierfür ist die unterschiedliche Rolle der Geschlechter in
unserer Gesellschaft: Während die Frau auch heute noch 95
Prozent der Hausarbeit verrichtet und sich sehr stark für
die Familie zuständig fühlt, konzentriert der Mann
sich mehr oder weniger hundertprozentig auf seinen Beruf.
»Das Befreitsein von vielen Aufgaben in Familie und
Haushalt wirkt für den Mann scheinbar entspannend und
lässt ihn die Nachtruhe genießen«, meint
Professor Dr. Meier.
Wer nun aber denkt, dass Nur-Hausfrauen
besser schlafen als berufstätige Frauen, die nebenher auch
noch die Anforderungen von Haushalt und Kindern bewältigen
müssen, der irrt: Hausfrauen leiden viel häufiger
unter Einschlaf- und Durchschlafproblemen als berufstätige
Mütter. Wahrscheinlich hängt dies mit dem geringen
Prestige zusammen, das das Nur-Hausfrauendasein heutzutage in
unserer Gesellschaft genießt; möglicherweise kommen
aber auch noch andere Problemfaktoren (finanzielle
Abhängigkeit vom Ehemann, mangelndes
Selbstwertgefühl) hinzu.
Viele Hausfrauen leiden sehr unter ihrer
mangelnden gesellschaftlichen Akzeptanz oder können sich
mit der Rolle der Nur-Hausfrau nur schwer identifizieren,
weiß Professor Dr. Uta Meier – möglicherweise
ein Grund dafür, warum berufstätige Mütter
besser schlafen, obwohl sie weitaus mehr unterschiedliche
Anforderungen »unter einen Hut bringen müssen«:
Sie sind finanziell unabhängiger und haben oft auch ein
höheres Selbstwertgefühl als die Nur-Hausfrau.
Morgenstund hat Gold im Mund - oder doch
nicht?
Das uralte Sprichwort von der goldenen
Morgenstunde gilt für die meisten Deutschen leider nicht:
Viele stehen zwar gezwungenermaßen morgens zeitig auf,
weil berufliche oder familiäre Verpflichtungen sie dazu
zwingen – aber fit und ausgeschlafen fühlen sie sich
deshalb noch lange nicht.
Über die Hälfte aller
Bundesbürger (55,1 Prozent) ist morgens noch relativ
unausgeschlafen und energielos. Auch in dieser Hinsicht geht es
den Männern offenbar ein bisschen besser als den Frauen:
Während sich rund die Hälfte aller Männer (51
Prozent) morgens fit fühlt, sind es bei den Frauen
lediglich 39,6 Prozent. Rund ein Viertel aller Befragten
braucht morgens erst einmal einen Kaffee oder Tee, um richtig
»in die Gänge zu kommen«.
Fazit der Studie: Offenbar hat jede
Altersgruppe ihre ganz speziellen Gründe für
Einschlaf- und Durchschlafprobleme – dementsprechend
individuell verschieden sind die Lösungsansätze, die
gesucht werden müssen. Während den Jüngeren in
erster Linie familiärer, beruflicher oder finanzieller
Stress den Schlaf raubt, sind es bei den Älteren eher
körperliche Beschwerden. Auch soziale Faktoren spielen
eine wichtige Rolle: Die Ergebnisse der Studie sprechen
eindeutig für den schlaffördernden Einfluss einer
gesicherten sozialen Position. Schlafstörend wirkt
wiederum die Überlastung, die mit einer guten beruflichen
Stellung und einem hohen Einkommen häufig verbunden ist.
Erschreckend ist die
Selbstverständlichkeit, mit der viele Menschen ihre
abendlichen Sorgen mit einem »Schlummertrunk«
hinunterspülen – denn Alkohol verbessert keineswegs
den Schlaf, sondern erleichtert durch seine entspannende
Wirkung lediglich das Einschlafen. Dafür wird man aber
dann nachts häufiger wach, bekommt weniger Tiefschlaf und
fühlt sich am nächsten Morgen entsprechend
unausgeruht. Das gilt bereits für kleinere Mengen Alkohol
im Blut – als »Schlafmittel« ist Alkohol also
denkbar ungeeignet.
Unbedenklich ist dagegen die Einnahme
pflanzlicher Einschlafhilfen (z. B. Baldrian-, Hopfen- oder
Melissepräparate), die bei leichten bis mittelschweren
Einschlafstörungen durchaus hilfreich sein können.
Verschreibungspflichtige Schlafmittel dürfen dagegen
niemals in »Eigenregie«, sondern nur unter
ärztlicher Aufsicht eingenommen werden, und zwar auch
nicht als Dauermedikation, sondern lediglich für einen
begrenzten Zeitraum.
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