46007.jpg
schlafmag_klein.jpg
Erste Studie über den Schlafalltag der Deutschen
20 % aller Deutschen schlafen schlecht
von Marion Zerbst

Die erste Studie über das Schlafverhalten der Deutschen wurde vom Matratzen- und Kissenhersteller Tempur in Auftrag gegeben und auf der Basis einer Umfrage bei 1000 Bundesbürgern im Jahr 2002 von der Familienforscherin Professor Dr. Uta Meier von der Universität Gießen durchgeführt. Die Studie gibt Aufschluss über die häufigsten Ursachen von Schlafstörungen und zeigt damit auch mögliche Wege zu ihrer Bekämpfung auf.

Die im Jahr 2002 duchgeführte bundesweit erste Schlaf-Studie hat gezeigt, dass die Deutschen sehr gewissenhaft darauf achten, genügend Schlaf zu bekommen: Durchschnittlich acht Stunden und 22 Minuten schläft der deutsche Bundesbürger pro Tag – das ist immerhin über ein Drittel seines Lebens. Nur zwei Prozent aller Befragten gaben an, wochentags weniger als fünf Stunden zu schlafen.

»Nachteulen« sind bei uns eher die Ausnahme
Auch beim Zubettgehen sind die meisten Deutschen diszipliniert: In der Woche geht man in Deutschland in der Regel schon um 22.30, freitags und samstags zwischen 22.38 und 22.45 Uhr schlafen.
»Nachteulen« sind seltener, als so mancher vielleicht glaubt: Nur 13 Prozent aller Deutschen gehen üblicherweise erst nach Mitternacht ins Bett.
Am Wochenende verwandeln wir uns in eine Nation von Langschläfern: Über 30 Prozent aller Bundesbürger bleiben am Samstag und Sonntag ganze neun Stunden lang in den Federn. Vor allem die unter 34-Jährigen genießen es, am Wochenende so richtig auszuschlafen.

»Ich kann abends einfach nicht abschalten...«
Allerdings gibt es bei uns auch viele Menschen, die unter Schlafstörungen leiden. Immerhin rund 20 Prozent sind es, die abends nicht einschlafen können oder nachts immer wieder wachliegen – Schlafmediziner bezeichnen diese Probleme als Einschlaf- bzw. Durchschlafstörungen.
Für den gestörten Nachtschlaf gibt es nach Einschätzung der Betroffenen sehr unterschiedliche Gründe: 47,7 Prozent aller Befragten fällt es schwer, abends abzuschalten. Viele werden auch durch körperliche Beschwerden um den Schlaf gebracht. An dritter Stelle der »Schlafkiller« steht Lärm (beispielsweise durch Nachbarn oder Straßenverkehr).
Frauen fällt das Abschalten offenbar schwerer als Männern: 54,6 Prozent aller weiblichen Befragten gaben dieses Problem als Grund für ihre Schlafstörungen an, demgegenüber waren es nur 33,7 Prozent der befragten Männer. Menschen in der Altersgruppe zwischen 35 und 55 Jahren haben besonders große Abschalt-Probleme: Ganze 64,9 Prozent dieser Altersklasse schaffen es nicht oder nur schwer, sich abends zu entspannen.

Die wichtigsten »Schlafkiller«: Stress, Existenzangst, Geldsorgen
In dieser Altersgruppe spielen Stress im Beruf, Geldsorgen und familiäre Probleme vermutlich eine besonders große Rolle, meint Familienforscherin Professor Dr. Uta Meier von der Universität Gießen, die die Studie durchführte. Bei manchen sind es Arbeitslosigkeit und Zukunftsängste, bei anderen berufliche Überlastung, Zeitknappheit und Reizüberflutung, die sie nachts wachhalten. Am schwersten fällt es Eltern mit Schulkindern im Alter von 6 bis 14 Jahren, abzuschalten – fast 80 Prozent dieser Gruppe von Befragten rauben Familienstress und Erziehungsprobleme den Schlaf.

Beamte schlafen am besten
Im Vergleich der Berufsgruppen tritt das Problem des Nicht-Abschalten-Könnens bei Selbstständigen besonders häufig auf: 68,9 Prozent aller selbstständig Tätigen sind davon betroffen. Die Selbstständigen können außerdem fünfmal so häufig wie der Durchschnitt der Befragten wegen Geldsorgen nicht ein- oder durchschlafen – die Freiheit und Unabhängigkeit, die man als Selbstständiger bis zu einem gewissen Grad genießt, hat eben auch ihre Kehrseite und ihren Preis.
Ganz offensichtlich besteht auch ein Zusammenhang zwischen Einkommenshöhe, beruflichem Stress und Schlafstörungen: Je höher das Einkommen ist, umso mehr Befragte geben an, wegen beruflicher Probleme und Überforderung am Arbeitsplatz schlecht zu schlafen.
Aber auch Menschen mit niedrigem sozialem Status wie beispielsweise Arbeiter sind sehr häufig von Schlafstörungen betroffen. »Menschen mit niedriger Bildung und niedrigem Einkommen leiden deutlich häufiger an Ein- und Durchschlafproblemen als solche mit höherer Bildung und höherem Einkommen«, stellt Professor Dr. Uta Meier fest. Bei dieser sozialen Klasse wirken wahrscheinlich in erster Linie Geldsorgen und Existenzängste als nächtliche Stressfaktoren.
Beamten schlafen mit Abstand am besten und haben auch keine Probleme damit, abends abzuschalten: Offenbar sind ein festes Einkommen, ein unkündbares Arbeitsverhältnis, geregelte Arbeitszeiten und eine relativ gesicherte Altersversorgung eben doch die idealen Voraussetzungen für einen ungestörten Schlaf.

Ältere Menschen haben häufiger Schlafprobleme
Am häufigsten klagen die über 55-Jährigen über Schlafprobleme: Während in der Altersgruppe der unter 34-Jährigen lediglich jeder Zehnte über Einschlaf- oder Durchschlafprobleme berichtet, ist es bei den älteren Menschen über 55 Jahren fast jeder Dritte. Als häufigster Grund dafür werden körperliche Beschwerden angegeben.
Die Befragung ergab, dass diejenigen älteren Menschen, die über schlafstörende körperliche Beschwerden klagen, meist auch einen ziemlich ungesunden Lebensstil haben: Sie ernähren sich zu fett und kalorienreich und bewegen sich zu wenig. Laut Professor Dr. Meier sind dies Risikofaktoren für die Entstehung einer Schlafstörung: »Gesunder und guter Schlaf hängt eng mit sportlicher Betätigung und gesunder Ernährung zusammen.«

Schlafumgebung und Einschlafrituale – für viele Menschen sehr w

Frauen haben mehr Stress als Männer
Bei den befragten Frauen klagten 24,1 Prozent (also fast ein Viertel) über Einschlafprobleme, während es bei den männlichen Befragten nur 13 Prozent waren.
Eine mögliche Erklärung hierfür ist die unterschiedliche Rolle der Geschlechter in unserer Gesellschaft: Während die Frau auch heute noch 95 Prozent der Hausarbeit verrichtet und sich sehr stark für die Familie zuständig fühlt, konzentriert der Mann sich mehr oder weniger hundertprozentig auf seinen Beruf. »Das Befreitsein von vielen Aufgaben in Familie und Haushalt wirkt für den Mann scheinbar entspannend und lässt ihn die Nachtruhe genießen«, meint Professor Dr. Meier.
Wer nun aber denkt, dass Nur-Hausfrauen besser schlafen als berufstätige Frauen, die nebenher auch noch die Anforderungen von Haushalt und Kindern bewältigen müssen, der irrt: Hausfrauen leiden viel häufiger unter Einschlaf- und Durchschlafproblemen als berufstätige Mütter. Wahrscheinlich hängt dies mit dem geringen Prestige zusammen, das das Nur-Hausfrauendasein heutzutage in unserer Gesellschaft genießt; möglicherweise kommen aber auch noch andere Problemfaktoren (finanzielle Abhängigkeit vom Ehemann, mangelndes Selbstwertgefühl) hinzu.
Viele Hausfrauen leiden sehr unter ihrer mangelnden gesellschaftlichen Akzeptanz oder können sich mit der Rolle der Nur-Hausfrau nur schwer identifizieren, weiß Professor Dr. Uta Meier – möglicherweise ein Grund dafür, warum berufstätige Mütter besser schlafen, obwohl sie weitaus mehr unterschiedliche Anforderungen »unter einen Hut bringen müssen«: Sie sind finanziell unabhängiger und haben oft auch ein höheres Selbstwertgefühl als die Nur-Hausfrau.

Morgenstund hat Gold im Mund - oder doch nicht?
Das uralte Sprichwort von der goldenen Morgenstunde gilt für die meisten Deutschen leider nicht: Viele stehen zwar gezwungenermaßen morgens zeitig auf, weil berufliche oder familiäre Verpflichtungen sie dazu zwingen – aber fit und ausgeschlafen fühlen sie sich deshalb noch lange nicht.
Über die Hälfte aller Bundesbürger (55,1 Prozent) ist morgens noch relativ unausgeschlafen und energielos. Auch in dieser Hinsicht geht es den Männern offenbar ein bisschen besser als den Frauen: Während sich rund die Hälfte aller Männer (51 Prozent) morgens fit fühlt, sind es bei den Frauen lediglich 39,6 Prozent. Rund ein Viertel aller Befragten braucht morgens erst einmal einen Kaffee oder Tee, um richtig »in die Gänge zu kommen«.
Fazit der Studie: Offenbar hat jede Altersgruppe ihre ganz speziellen Gründe für Einschlaf- und Durchschlafprobleme – dementsprechend individuell verschieden sind die Lösungsansätze, die gesucht werden müssen. Während den Jüngeren in erster Linie familiärer, beruflicher oder finanzieller Stress den Schlaf raubt, sind es bei den Älteren eher körperliche Beschwerden. Auch soziale Faktoren spielen eine wichtige Rolle: Die Ergebnisse der Studie sprechen eindeutig für den schlaffördernden Einfluss einer gesicherten sozialen Position. Schlafstörend wirkt wiederum die Überlastung, die mit einer guten beruflichen Stellung und einem hohen Einkommen häufig verbunden ist.
Erschreckend ist die Selbstverständlichkeit, mit der viele Menschen ihre abendlichen Sorgen mit einem »Schlummertrunk« hinunterspülen – denn Alkohol verbessert keineswegs den Schlaf, sondern erleichtert durch seine entspannende Wirkung lediglich das Einschlafen. Dafür wird man aber dann nachts häufiger wach, bekommt weniger Tiefschlaf und fühlt sich am nächsten Morgen entsprechend unausgeruht. Das gilt bereits für kleinere Mengen Alkohol im Blut – als »Schlafmittel« ist Alkohol also denkbar ungeeignet.
Unbedenklich ist dagegen die Einnahme pflanzlicher Einschlafhilfen (z. B. Baldrian-, Hopfen- oder Melissepräparate), die bei leichten bis mittelschweren Einschlafstörungen durchaus hilfreich sein können. Verschreibungspflichtige Schlafmittel dürfen dagegen niemals in »Eigenregie«, sondern nur unter ärztlicher Aufsicht eingenommen werden, und zwar auch nicht als Dauermedikation, sondern lediglich für einen begrenzten Zeitraum.