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Herzinsuffizienz und zentrale Schlafapnoe
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Ausgewählte Artikel
Heft 1/2008
Herzinsuffizienz und zentrale Schlafapnoe
Das Logo der Serve HF-Studie verdeutlicht
den innovativen Ansatz der Studie:
Bei der Behandlung dieses Krankheitsbildes, bei dem eine Herzerkrankung (Herzinsuffizienz) mit einer schlafbezogenen Atemstörung (Cheyne-Stokes- Atmung) einhergeht, kooperieren Kardiologen und Schlafmediziner eng miteinander. Dies wird die Zukunft der Schlafmedizin sein. |
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von Marion Zerbst
Immer mehr Menschen leiden unter einer
Pumpschwäche des Herzens (Herzinsuffizienz). Oft geht
diese Erkrankung mit einer Sonderform der zentralen
Schlafapnoe, der Cheyne-Stokes-Atmung, einher. Dieses noch gar
nicht so lange bekannte Problem, an dem zur Zeit eifrig
geforscht wird, zeigt wieder einmal, wie eng Schlafmedizin und
Kardiologie miteinander verzahnt sind.
Die Herzinsuffizienz ist leider immer mehr
im Vormarsch begriffen. Die Gründe: Dank rasanter
medizinischer Fortschritte werden wir immer älter und
Risikofaktoren wie Übergewicht oder das Rauchen nehmen in
der Bevölkerung immer noch zu.
Wie kommt es zur Herzinsuffizienz?
Dank moderner Medizintechnik
überleben immer mehr Menschen einen Herzinfarkt. Die durch
ein Blutgerinnsel verstopfte Herzkranzarterie kann im
Herzkatheterlabor wieder eröffnet und aufgeweitet sowie
durch eine Art Gefäßprothese (Stent) offen gehalten
werden. Wird bei einem Herzinfarkt nicht schnell genug
eingegriffen, können während eines Herzinfarkts
allerdings größere Areale des Herzmuskelgewebes
absterben. Das Blutgerinnsel im Herzkranzgefäß
schneidet Teile des Herzmuskels von der Blutversorgung und
damit vom lebenswichtigen Sauerstoff ab. Dieses Muskelgewebe
beginnt bereits nach 30 bis 45 Minuten abzusterben und ist dann
unwiederbringlich verloren: Überlebt der Patient den
Herzinfarkt, so vernarbt das abgestorbene Gewebe und kann sich
anschließend nicht mehr wie das vorherige gesunde
Muskelgewebe zusammenziehen. Das Herz ist in seiner
Pumpfunktion gestört.
Eine andere relativ häufige –
vermeidbare – Ursache der Herzinsuffizienz ist ein nicht
rechtzeitig erkannter, unbehandelter oder nicht richtig
eingestellter Bluthochdruck. Denn dann muss das Herz jahrelang,
oft jahrzehntelang gegen einen zu hohen Druck anpumpen.
Irgendwann schafft es das nicht mehr und macht schlapp. Auch
Herzklappenfehler und Herzrhythmusstörungen können zu
einer Pumpschwäche des Herzens führen, ebenso
verschleppte Virusinfekte. Im ersten Anfangsstadium bereitet
sie keine Beschwerden, da Herz und Kreislauf das Problem noch
ausgleichen können. Erst später treten Atemnot (v. a.
bei Belastung und im Liegen), Reizhusten, eingeschränkte
Leistungsfähigkeit und Wassereinlagerungen in der Lunge,
den Knöcheln und Unterschenkeln auf.
Die Herzinsuffizienz hat eine sehr
schlechte Prognose: Mit der Zeit verschlechtert sie sich immer
mehr, bis im Endstadium nur noch eine Herztransplantation
hilft. Behandelt wird die Pumpschwäche u. a. mit
Medikamenten (entwässernden Mitteln, Betablockern etc.)
und Einschränkung der Flüssigkeits- und Salzaufnahme
sowie Behandlung der Ursachen bzw. Risikofaktoren. Ferner ist
es möglich, dem geschwächten Herzen durch einen
Schrittmacher auf die Sprünge zu helfen. Es zeichnet sich
jedoch ab, dass trotz dieser Therapiemöglichkeiten
für viele Herzinsuffizienz-Patienten noch nicht die
optimale Lösung gefunden ist, und man sucht daher nach
neuen Wegen.
Herz und Schlaf: eng miteinander verzahnt
Zum Glück öffnen sich die
Kardiologen immer mehr der Erkenntnis, dass schlafbezogene
Atmungsstörungen und Herzerkrankungen eng miteinander
zusammenhängen. Bereits seit längerem ist durch
große Studien erwiesen, dass eine unbehandelte
obstruktive Schlafapnoe (OSA) die Entstehung von Bluthochdruck
und Arteriosklerose begünstigt und somit das Herzinfarkt-
und Schlaganfallrisiko erhöht. Seit einiger Zeit
weiß man auch, dass die OSA die Entwicklung von
Herzrhythmusstörungen und einer Herzinsuffizienz
begünstigt: Denn das Herz muss gegen den bei den
nächtlichen Atemstillständen entstehenden enormen
Unterdruck im Brustraum anpumpen und wird dadurch ständig
belastet. Zusätzlich kommt es jede Nacht zu
Sauerstoffmangelzuständen, vielen Stress- und
Aufwachreaktionen sowie zu gestörtem Schlaf. Durch eine
adäquate CPAP-Therapie kann man all diesen
Herz-Kreislauf-Problemen vorbeugen und sie oft auch wieder
bessern, sollte die Schlafapnoe bereits zu Schäden am
Herz-Kreislauf-System geführt haben.
Eine Herzinsuffizienz geht häufig mit
einer spezifischen Form der zentralen Schlafapnoe einher: der
Cheyne-Stokes-Atmung, benannt nach ihren beiden Entdeckern, den
Ärzten John Cheyne und William Stokes. Dabei handelt es
sich um ein periodisches An- und Abschwellen der Atemtiefe und
Atemfrequenz (Häufigkeit der Atemzüge). Die
Atemzüge werden nach und nach immer flacher, bis es
schließlich zu einer Atempause (Apnoe) kommt. Dann setzt
die Atmung wieder ein, und Atemfrequenz und Atemtiefe nehmen
allmählich zu, bis eine kurze Weckreaktion (Arousal)
eintritt. Anschließend geht das Ganze wieder von vorne
los.
Ursache dieses Problems ist eine
Regulationsstörung des Atemzentrums im Gehirn, die nicht
nur bei Herzinsuffizienz, sondern auch nach einem Schlaganfall
häufig auftreten kann. Im Gegensatz zum typischen
obstruktiven Schlafapnoiker „sägen“
Cheyne-Stokes-Patienten nachts keine Bäume ab; deshalb
wird dieses krankhafte Atemmuster nicht so leicht entdeckt.
Auch ihre Tagesmüdigkeit ist weniger ausgeprägt als
bei OSA und fällt weniger auf, weil
Herzinsuffizienz-Patienten ohnehin in ihrer
Leistungsfähigkeit eingeschränkt sind und ihren
Mittagsschlaf brauchen. Im Rahmen einer Polygrafie (ambulante
Atmungsaufzeichnung) kann man die Cheyne-Stokes-Atmung jedoch
entdecken.
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Das typische spindelförmige, an- und
abschwellende Atemmuster bei einer Cheyne-Stokes-Atmung. Der
Unterschied zwischen obstruktiven und zentralen Apnoen: Bei der
Cheyne-Stokes-Atmung kommen die Atemstillstände nicht
durch blockierte obere Atemwege zustande, sondern durch eine
„Fehlsteuerung“ des Atemzentrums im Gehirn. Der
Patient unternimmt während der Apnoen keinerlei
Atemanstrengungen und schnarcht auch nicht in der für
OSA-Patienten typischen Art und Weise. Aber der Schlaf wird
durch die zentralen Apnoen genauso fragmentiert, und auch
Stresshormonspiegel und Blutdruck steigen dadurch in der Nacht
an. Das belastet das ohnehin schon geschädigte Herz
zusätzlich – der Gesundheitszustand des Patienten
verschlechtert sich.
Schlechte Lebensqualität,
kürzere Lebenserwartung
Herzinsuffiziente Patienten, die an diesem
Atemmuster leiden, haben nicht nur eine schlechtere
Lebensqualität, sondern auch eine kürzere
Lebenserwartung als Menschen mit Herzinsuffizienz ohne
Cheyne-Stokes-Atmung. Neue Untersuchungen deuten aber darauf
hin, dass eine adäquate Behandlung dieser Atemstörung
auch die Überlebenszeit der Patienten verlängern
kann.
Eine große kanadische Studie, die
CANPAP-Studie, hat gezeigt, dass eine CPAP-Therapie keine
geeignete Behandlung für diese Form der zentralen
Schlafapnoe ist. Besser geeignet ist eine relativ neu
entwickelte Beatmungstherapie, die adaptive Servoventilation,
die sich genau an den an- und abschwellenden Atemrhythmus des
Patienten anpasst und ihm in jeder Situation die passende
Atmungsunterstützung gibt. Mittlerweile sind mehrere
Beatmungsgeräte zur Behandlung der Cheyne-Stokes-Atmung
auf dem Markt. Die Firma ResMed hat mit ihrem Gerät, Auto
Set CS 2, bereits gute Ergebnisse erzielt, sodass sie jetzt
eine groß angelegte Studie mit dem Auto Set CS 2
durchführt: Die SERVE HF-Studie (das Kürzel HF steht
für heart failure = Herzinsuffizienz) will anhand von 1260
herzinsuffizienten Patienten mit Cheyne-Stokes-Atmung u.a.
untersuchen, ob Patienten, die mit Auto Set CS 2 behandelt
werden, seltener aufgrund einer Verschlechterung ihrer
Herzinsuffizienz versterben oder ins Krankenhaus eingeliefert
werden müssen. Das Innovative an dieser Studie:
Schlafmediziner und Kardiologen, die bisher häufig unter
Berührungsängsten litten, werden dabei eng
zusammenarbeiten – denn anders geht es bei diesem
Krankheitsbild nicht. Erste Ergebnisse dieser Studie, die
Anfang dieses Jahres mit zwei großen Kick-off-Meetings in
Berlin und München startete, werden voraussichtlich im
Jahr 2012 vorliegen und könnten die Therapie der
Herzinsuffizienz maßgeblich verändern. Wir werden in
der nächsten Ausgabe des Schlafmagazins (Mai 2008)
ausführlich über das Problem von Herzinsuffizienz und
Cheyne-Stokes-Atmung und natürlich auch über die
geplante Studie berichten.
Komplexe Schlafapnoe und
Cheyne-Stokes-Atmung – zweierlei Schuh
Seit einiger Zeit sorgt neben der
Cheyne-Stokes-Atmung auch noch ein anderes Problem bei vielen
Schlafapnoe-Patienten für Verunsicherung: die so genannte
komplexe Schlafapnoe. Wir berichteten in der Ausgabe 1/2007 in
einem Artikel von Prof. Helmut Teschler über diese
Sonderform der Schlafapnoe, bei der Patienten, die unbehandelt
an einer obstruktiven Schlafapnoe leiden, unter einer
CPAP-Therapie zentrale Apnoen entwickeln.
Viele OSA-Patienten, die mit CPAP
therapiert werden und vom Phänomen der komplexen
Schlafapnoe gehört haben, bekommen jetzt Angst, weil sie
meinen, dass dieses Problem – womöglich unbemerkt
– auch bei ihnen auftreten könnte. Solche
Ängste sind jedoch fast immer unbegründet. Denn
erfahrungsgemäß entwickeln nur weniger als 5% aller
mit CPAP behandelten OSA-Patienten diese Atmungsstörung.
Zusätzlich verschwindet das Problem häufig bei etwa
der Hälfte der Patienten einige Wochen nach Einleitung der
CPAP-Therapie von allein wieder. Außerdem zeigen sich
diese zentralen Apnoen normalerweise bereits in der
Therapieeinleitungsnacht, sodass das Schlaflabor-Team
Gegenmaßnahmen ergreifen kann, indem es die betreffenden
Patienten engmaschig beobachtet und gegebenenfalls auf eine
andere Form der nächtlichen Beatmung umstellt. Prof.
Teschler beschäftigt sich zur Zeit intensiv mit diesem
Problem und Möglichkeiten seiner Behandlung; wir werden
über den neuesten Stand seiner Forschungsarbeit berichten.
Noch eine zweite Sorge, die manche
Schlafapnoe-Patienten quält, ist unbegründet:
nämlich dass die zentralen Atemstillstände, die bei
einer komplexen Schlafapnoe auftreten, mit der
Cheyne-Stokes-Atmung herzinsuffizienter Patienten identisch
sein könnten – oder dass gar die Gefahr besteht,
durch CPAP könne man eine Herzinsuffizienz entwickeln.
Genau das Gegenteil ist der Fall: Durch den Therapiedruck
beseitigt das CPAP-Gerät den Unterdruck, der ja sonst
durch die Atemstillstände im Brustkorb entstehen
würde. Das Herz muss sich nicht mehr gegen diesen
Unterdruck zusammenziehen, wird also durch die CPAP-Beatmung
entlastet und nicht belastet.
Ferner haben die zentralen Apnoen bei der
komplexen Schlafapnoe nichts mit dem an- und abschwellenden
Atemmuster bei der Cheyne-Stokes-Atmung in Verbindung mit einer
Herzinsuffizienz zu tun. Bisher gibt es keinerlei Hinweise
darauf, dass die zentralen Apnoen bei einer komplexen
Schlafapnoe „gefährlich“ sind. Man weiß
gar nicht, ob sie überhaupt behandelt werden müssen
– und wenn ja, wie. Auch hierzu gibt es momentan noch
keine gesicherten wissenschaftlichen Ergebnisse, aber es wird
intensiv darüber geforscht, u. a. im Rahmen der Studie von
Prof. Teschler. Wir sehen also spannenden Zeiten entgegen und
werden Sie über alle neuen Erkenntnisse auf dem Laufenden
halten.
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