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Schnarchen – Liebestöter mit Tradition
von Prof. Dr. med. Rainer Dierkesmann und Werner Waldmann

Über Schnarcher werden viele Witze erzählt. Dennoch: Schämen Sie sich nicht, wenn Sie schnarchen! Sie sind in guter Gesellschaft. Schnarcher gab es immer schon – zu allen Zeiten und in allen sozialen Schichten. Einige der mächtigsten und genialsten Persönlichkeiten der Menschheitsgeschichte schnarchten so laut, dass die Wände wackelten.

So waren zum Beispiel Kaiser Napoleon, Winston Churchill und der berühmte Komponist Johannes Brahms lautstarke Schnarcher; und bereits aus der Antike gibt es Berichte über kranke Schnarcher mit nächtlichen Atemstillständen. Der Tyrann Dionysius aus Heraklia (4. Jahrhundert v. Chr.) starb sogar an dieser Krankheit. Claudius Aelianus schrieb über ihn: »Durch täglichen Vielfraß und Trunksucht erreichte Dionysius so ein Ausmaß an Fettsucht, dass er Mühe hatte beim Atmen.« Er schlief ständig ein und war nur schwer erweckbar. Seine Ärzte entwickelten lange Nadeln, die sie ihm durch die Bauchhaut stießen, um ihn aufzuwecken. So brutale Methoden wendet man heutzutage nicht mehr an – obwohl so mancher geplagte Bettgenosse eines Schnarchers vielleicht hin und wieder Lust dazu hätte.
Für den Passivschnarcher gibt es nur drei Möglichkeiten, sich gegen die Lärmbelästigung zu wehren: Er kann den Schnarcher wecken, den Geräuschpegel durch Verwendung von »Ohropax« oder getrennte Schlafzimmer verringern, oder er kann sich an das Schnarchgeräusch gewöhnen, so dass es ihn nicht mehr stört.
Am häufigsten kommt wahrscheinlich die erste Methode zum Einsatz. Unzählige Frauen stoßen nachts regelmäßig ihren Bettnachbarn an, wenn dieser laute Schnarchgeräusche von sich gibt. Üblicherweise dreht der Schnarcher sich dann auf die Seite und wird zumindest vorübergehend ruhig schlafen.
Allerdings kann durch dieses regelmäßige Stoßen oder Schlagen an derselben Körperstelle auch Beschwerden beim Schnarcher auftreten: Von einem 66-jährigen Mann wird berichtet, dass er wegen Schmerzen in der rechten Wade einen Arzt aufsuchte. Keine der Untersuchungen ergab eine Erklärung, so dass der Patient auch nicht behandelt werden konnte. Eines Nachts wachte er wieder mit einem scharfen Schmerz in der rechten Wade auf und bemerkte, dass er von seiner Frau getreten wurde. Als er sie aufforderte, nicht sein wehes Bein zu treten, erklärte die Frau: „Du hast wieder geschnarcht; ich trete ich deswegen immer schon.“ So fanden die Wadenschmerzen ihre Erklärung, und sie verschwanden, als die Frau aufhörte, ihren Mann jede Nacht zu malträtieren.
Diese Anti-Schnarch-Methode wird von geplagten Passivschnarchern zwar gern genutzt, um ihre während schlafloser Stunden angestauten Aggressionen abzureagieren. Sie hat jedoch erhebliche Nachteile für die Schlafqualität sowohl des Schnarchers als auch des Passivschnarchers, da beide dadurch regelmäßig geweckt werden. Die wohl wirksamste und wahrscheinlich auch ungefährlichste Methode ist die Geräuschdämmung, z.B. mit »Ohropax« oder durch getrennte Schlafzimmer.

Abenteuerliche Anti-Schnarch-Vorrichtungen
Weltweit haben Erfinder und Tüftler Apparate entwickelt, die das Schnarchen verhindern sollen. Es gibt insgesamt über 400 patentierte Schnarchverhinderer. Leider sind die meisten dieser Erfindungen nicht durch systematische Studien auf ihren Wert und Nutzen geprüft worden. Einige kommen uns heute seltsam vor, da sie auf falschen Vorstellungen über die Ursachen des Schnarchens beruhen; andere muten fast wie Folterinstrumente an.
In der Regel schlafen wir in der Nacht unruhig und wechseln häufig unsere Position: Wir schlafen auf der Seite, auf dem Rücken und teilweise auch auf dem Bauch. Besonders die Rückenlage begünstigt das Schnarchen, da aufgrund der Schwerkraft der Zungengrund zurückfällt und den Rachenraum einengt. Bereits 1872 ließ sich ein amerikanischer Erfinder einen Verhinderer der Rückenlage patentieren: ein Polster in Dreiecksform, das mit Gurten an Rücken und Schultern befestigt wurde. Ein Erfinder aus Tuttlingen meldete 1980 ein Anti-Schnarch-Schlafhemd mit einem per Luftschlauch aufblasbaren Körper am Rückenteil zum Patent an.
Wenn bei Ihnen beobachtet wurde, dass Sie ausschließlich in Rücklage schnarchen, basteln Sie sich ruhig Ihren eigenen Schnarchverhinderer. Zum Beispiel kann ein Tennisball, eingenäht ins Rückenteil Ihres Schlafanzugs, die Rückenlage verhindern helfen. Es gibt auch so genannte »Anti-Schnarch-Rucksäcke« zu kaufen. Aber seien Sie nicht enttäuscht, wenn dadurch Ihr Problem nicht gelöst wird! Denn chronische und übergewichtige Schnarcher schnarchen häufig in allen Schlafpositionen.

Andere Folterinstrumente
Wenn wir im Schlaf durch den Mund atmen, knickt der zurückgefallene Zungengrund den Rachenschlauch ein und begünstigt das Schnarchen. Deshalb haben viele Erfinder Kinnstützen und Kopfbandagen entwickelt, die verhindern sollen, dass der Unterkiefer sich im Schlaf öffnet. Das älteste deutsche Patent dieser Art meldete 1889 ein Erfinder aus Straßburg an. Es besteht aus einem Luftkissen, das um den Hals gebunden wird und das Herabfallen der Kinnlade verhindert.
Auch Zahnschienen und Mundschließer sollten die Mundatmung verhindern. Bereits 1892 ließ sich ein Herr Francke aus Cottbus einen Mundschließer patentieren. Seine Erfindung bestand aus einem Gummirohr und zwei großen Gummiflaschen. Das Gummirohr wurde auf die Zungenspitze gelegt. An dem Rohr befanden sich zwei Gummiringe, von denen einer hinter die Zähne und einer auf die Lippen des geschlossenen Bundes gelegt wurde. Durch das offene Gummirohr konnte der Schläfer weiter durch den Mund atmen.
Heute wissen wir, dass diese Apparaturen nicht ganz ungefährlich waren: Bei behinderter Nasenatmung, an der viele Schnarcher leiden, und bei Infektionen mit Schnupfen wird dadurch die Atmung beeinträchtigt, und es kann ein bedrohlicher Sauerstoffmangel entstehen.

Schnarchstopper
Die so genannten Schnarchstopper beruhen auf dem Prinzip, dass das Schnarchgeräusch mit einem Mikrofon erfasst wird, das dann einen Störmechanismus in Gang setzt. Dieser Störmechanismus besteht aus Reizen, die den Schnarcher wecken und so das Schnarchen beenden sollen.
Mit solchen Geräten wurden bereits in Schlaflaboren Untersuchungen an Schnarchern durchgeführt, und man hat festgestellt, dass die Lautstärke des Schnarchens dadurch abnahm. Auch die Schlafqualität verbesserte sich bei diesen Patienten erheblich. Man erklärt sich die Wirkung dieser Behandlung damit, dass durch das wiederholte Wecken des Schnarchers mit der Zeit vermutlich ein Reflex entsteht, der zu einer vermehrten Aktivierung und Stabilisierung der Muskulatur von Rachen und Zunge führt.

Prof. Dr. med. Rainer Dierkesmann ist Ärztlicher Direktor
der Lungenfachklinik Schillerhöhe in Gerlingen.