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Schnarchen – Liebestöter mit
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Jahrgang 2004 Ausgewählte Artikel
Schnarchen – Liebestöter mit
Tradition
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von Prof. Dr. med. Rainer Dierkesmann und
Werner Waldmann
Über Schnarcher werden viele Witze
erzählt. Dennoch: Schämen Sie sich nicht, wenn Sie
schnarchen! Sie sind in guter Gesellschaft. Schnarcher gab es
immer schon – zu allen Zeiten und in allen sozialen
Schichten. Einige der mächtigsten und genialsten
Persönlichkeiten der Menschheitsgeschichte schnarchten so
laut, dass die Wände wackelten.
So waren zum Beispiel Kaiser Napoleon,
Winston Churchill und der berühmte Komponist Johannes
Brahms lautstarke Schnarcher; und bereits aus der Antike gibt
es Berichte über kranke Schnarcher mit nächtlichen
Atemstillständen. Der Tyrann Dionysius aus Heraklia (4.
Jahrhundert v. Chr.) starb sogar an dieser Krankheit. Claudius
Aelianus schrieb über ihn: »Durch täglichen
Vielfraß und Trunksucht erreichte Dionysius so ein
Ausmaß an Fettsucht, dass er Mühe hatte beim
Atmen.« Er schlief ständig ein und war nur schwer
erweckbar. Seine Ärzte entwickelten lange Nadeln, die sie
ihm durch die Bauchhaut stießen, um ihn aufzuwecken. So
brutale Methoden wendet man heutzutage nicht mehr an –
obwohl so mancher geplagte Bettgenosse eines Schnarchers
vielleicht hin und wieder Lust dazu hätte.
Für den Passivschnarcher gibt es nur
drei Möglichkeiten, sich gegen die
Lärmbelästigung zu wehren: Er kann den Schnarcher
wecken, den Geräuschpegel durch Verwendung von
»Ohropax« oder getrennte Schlafzimmer verringern,
oder er kann sich an das Schnarchgeräusch gewöhnen,
so dass es ihn nicht mehr stört.
Am häufigsten kommt wahrscheinlich die
erste Methode zum Einsatz. Unzählige Frauen stoßen
nachts regelmäßig ihren Bettnachbarn an, wenn dieser
laute Schnarchgeräusche von sich gibt. Üblicherweise
dreht der Schnarcher sich dann auf die Seite und wird zumindest
vorübergehend ruhig schlafen.
Allerdings kann durch dieses
regelmäßige Stoßen oder Schlagen an derselben
Körperstelle auch Beschwerden beim Schnarcher auftreten:
Von einem 66-jährigen Mann wird berichtet, dass er wegen
Schmerzen in der rechten Wade einen Arzt aufsuchte. Keine der
Untersuchungen ergab eine Erklärung, so dass der Patient
auch nicht behandelt werden konnte. Eines Nachts wachte er
wieder mit einem scharfen Schmerz in der rechten Wade auf und
bemerkte, dass er von seiner Frau getreten wurde. Als er sie
aufforderte, nicht sein wehes Bein zu treten, erklärte die
Frau: „Du hast wieder geschnarcht; ich trete ich deswegen
immer schon.“ So fanden die Wadenschmerzen ihre
Erklärung, und sie verschwanden, als die Frau
aufhörte, ihren Mann jede Nacht zu malträtieren.
Diese Anti-Schnarch-Methode wird von
geplagten Passivschnarchern zwar gern genutzt, um ihre
während schlafloser Stunden angestauten Aggressionen
abzureagieren. Sie hat jedoch erhebliche Nachteile für die
Schlafqualität sowohl des Schnarchers als auch des
Passivschnarchers, da beide dadurch regelmäßig
geweckt werden. Die wohl wirksamste und wahrscheinlich auch
ungefährlichste Methode ist die Geräuschdämmung,
z.B. mit »Ohropax« oder durch getrennte
Schlafzimmer.
Abenteuerliche Anti-Schnarch-Vorrichtungen
Weltweit haben Erfinder und Tüftler
Apparate entwickelt, die das Schnarchen verhindern sollen. Es
gibt insgesamt über 400 patentierte Schnarchverhinderer.
Leider sind die meisten dieser Erfindungen nicht durch
systematische Studien auf ihren Wert und Nutzen geprüft
worden. Einige kommen uns heute seltsam vor, da sie auf
falschen Vorstellungen über die Ursachen des Schnarchens
beruhen; andere muten fast wie Folterinstrumente an.
In der Regel schlafen wir in der Nacht
unruhig und wechseln häufig unsere Position: Wir schlafen
auf der Seite, auf dem Rücken und teilweise auch auf dem
Bauch. Besonders die Rückenlage begünstigt das
Schnarchen, da aufgrund der Schwerkraft der Zungengrund
zurückfällt und den Rachenraum einengt. Bereits 1872
ließ sich ein amerikanischer Erfinder einen Verhinderer
der Rückenlage patentieren: ein Polster in Dreiecksform,
das mit Gurten an Rücken und Schultern befestigt wurde.
Ein Erfinder aus Tuttlingen meldete 1980 ein
Anti-Schnarch-Schlafhemd mit einem per Luftschlauch
aufblasbaren Körper am Rückenteil zum Patent an.
Wenn bei Ihnen beobachtet wurde, dass Sie
ausschließlich in Rücklage schnarchen, basteln Sie
sich ruhig Ihren eigenen Schnarchverhinderer. Zum Beispiel kann
ein Tennisball, eingenäht ins Rückenteil Ihres
Schlafanzugs, die Rückenlage verhindern helfen. Es gibt
auch so genannte »Anti-Schnarch-Rucksäcke« zu
kaufen. Aber seien Sie nicht enttäuscht, wenn dadurch Ihr
Problem nicht gelöst wird! Denn chronische und
übergewichtige Schnarcher schnarchen häufig in allen
Schlafpositionen.
Andere Folterinstrumente
Wenn wir im Schlaf durch den Mund atmen,
knickt der zurückgefallene Zungengrund den Rachenschlauch
ein und begünstigt das Schnarchen. Deshalb haben viele
Erfinder Kinnstützen und Kopfbandagen entwickelt, die
verhindern sollen, dass der Unterkiefer sich im Schlaf
öffnet. Das älteste deutsche Patent dieser Art
meldete 1889 ein Erfinder aus Straßburg an. Es besteht
aus einem Luftkissen, das um den Hals gebunden wird und das
Herabfallen der Kinnlade verhindert.
Auch Zahnschienen und Mundschließer
sollten die Mundatmung verhindern. Bereits 1892 ließ sich
ein Herr Francke aus Cottbus einen Mundschließer
patentieren. Seine Erfindung bestand aus einem Gummirohr und
zwei großen Gummiflaschen. Das Gummirohr wurde auf die
Zungenspitze gelegt. An dem Rohr befanden sich zwei Gummiringe,
von denen einer hinter die Zähne und einer auf die Lippen
des geschlossenen Bundes gelegt wurde. Durch das offene
Gummirohr konnte der Schläfer weiter durch den Mund atmen.
Heute wissen wir, dass diese Apparaturen
nicht ganz ungefährlich waren: Bei behinderter
Nasenatmung, an der viele Schnarcher leiden, und bei
Infektionen mit Schnupfen wird dadurch die Atmung
beeinträchtigt, und es kann ein bedrohlicher
Sauerstoffmangel entstehen.
Schnarchstopper
Die so genannten Schnarchstopper beruhen
auf dem Prinzip, dass das Schnarchgeräusch mit einem
Mikrofon erfasst wird, das dann einen Störmechanismus in
Gang setzt. Dieser Störmechanismus besteht aus Reizen, die
den Schnarcher wecken und so das Schnarchen beenden sollen.
Mit solchen Geräten wurden bereits in
Schlaflaboren Untersuchungen an Schnarchern durchgeführt,
und man hat festgestellt, dass die Lautstärke des
Schnarchens dadurch abnahm. Auch die Schlafqualität
verbesserte sich bei diesen Patienten erheblich. Man
erklärt sich die Wirkung dieser Behandlung damit, dass
durch das wiederholte Wecken des Schnarchers mit der Zeit
vermutlich ein Reflex entsteht, der zu einer vermehrten
Aktivierung und Stabilisierung der Muskulatur von Rachen und
Zunge führt.
Prof. Dr. med. Rainer Dierkesmann ist
Ärztlicher Direktor
der Lungenfachklinik Schillerhöhe in Gerlingen. |
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