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Schlaf im Alter
Ergebnisse wissenschaftlicher Studien
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Jahrgang 2006 Ausgewählte Artikel
Schlaf im Alter
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von Marion Zerbst
An dieser Stelle möchten wir Ihnen
einige wichtige Ergebnisse wissenschaftlicher Studien aus den
letzten Jahren zum Thema „Schlaf und Schlafstörungen
im Alter“ vorstellen.
Die Resultate etlicher Studien deuten
darauf hin, dass ältere Menschen mit Schlafstörungen
und zu kurzem Schlaf eine geringere Lebenserwartung haben.
Allerdings haben die meisten dieser Studien den Nachteil, dass
sie bei ihren Untersuchungen davon ausgingen, wie ältere
Menschen ihren Schlaf subjektiv einschätzen: Das
heißt, sie befragten die Probanden einfach nach ihrer
Schlafdauer und -qualität und dem Vorliegen von
Schlafstörungen, ohne ihren Schaf jedoch objektiv zu
messen. Nun ist aber bekannt, dass Menschen sich bei der
Beurteilung ihres Schlafs häufig verschätzen: Vor
allem Leute, die unter Schlafproblemen leiden, schätzen
ihre Schlafdauer oft viel kürzer ein, als sie
tatsächlich ist.
Deshalb hat eine im Jahr 2003 in den USA
durchgeführte Studie nun die Schlafdauer und
-qualität von 185 Probanden zwischen 60 und 80 Jahren per
EEG gemessen und untersucht, welche dieser Senioren nach
durchschnittlich 12,8 Jahren noch am Leben waren.
Dabei ergab sich, dass Schlafstörungen
bei älteren Menschen tatsächlich das Leben zu
verkürzen scheinen: Diejenigen Probanden, die abends
länger als eine halbe Stunde zum Einschlafen brauchten,
hatten ein mehr als doppelt so hohes Sterblichkeitsrisiko. Bei
Menschen, deren Schlafeffizienz unter 80% lag (die
Schlafeffizienz ist der Quotient aus Gesamtbettzeit und
Schlafdauer), war das Sterblichkeitsrisiko um das 1,93-fache
erhöht, bei Menschen, die außergewöhnlich viel
oder außergewöhnlich wenig REM-Schlaf hatten, um das
1,71-fache. Und diese drei Risikofaktoren addieren sich: Das
heißt, je mehr davon man hat, umso drastischer
erhöht sich das Risiko eines vorzeitigen Todes.
Fazit der Autoren der Studie: Zwar
weiß man noch nicht genau, warum ein schlechter Schlaf
das Sterblichkeitsrisiko erhöht; auf jeden Fall aber ist
es wichtig, Schlafprobleme bei älteren Menschen ernst zu
nehmen und adäquat zu behandeln – oder noch besser:
ihnen von vornherein vorzubeugen.
Quelle: Mary Amanda Dew, Carolyn C. Hoch
et al.: Healthy Older Adults’ Sleep Predicts All-Cause
Mortality at 4 to 19 Years of Follow-up. In: Psychosomatic
Medicine 65 (2003): S. 63-73
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Was ältere Menschen nachts wach
hält
Im Alter verschiebt sich der
Schlaf-wach-Rhythmus nach vorn. „Normal“ ist es,
abends gegen zehn oder elf Uhr müde zu werden, dann
ungefähr acht Stunden zu schlafen und um sechs oder sieben
Uhr morgens wieder aufzuwachen. Nachts sinkt unsere
Kerntemperatur ab (was uns müde macht), während sie
morgens wieder ansteigt und uns wach und fit für den
kommenden Tag werden lässt.
Natürlich gibt es auch Abweichungen
von dieser Norm – die so genannten „Eulen“,
die morgens unausgeschlafen und ungenießbar sind und erst
zu vorgerückter Stunde so richtig in Fahrt kommen, und die
„Lerchen“, die morgens gern zeitig aufstehen und
mit denen dafür abends um neun oder zehn Uhr meist schon
nichts mehr anzufangen ist.
Im Alter entwickeln wir uns alle ein wenig
in Richtung „Lerche“ – das heißt, wir
werden abends eher müde und sind morgens eher wach. Viele
ältere Menschen versuchen sich dann trotz Müdigkeit
abends wach zu halten, weil sie schließlich nicht
„mit den Hühnern“ schlafen gehen und auch noch
etwas vom Fernsehprogramm haben wollen – mit dem
Ergebnis, dass sie zu wenig Schlaf bekommen, denn wenn ihre
Kerntemperatur dann am nächsten Tag bereits in den
frühen Morgenstunden ansteigt, liegen sie trotz ihrer
relativ kurzen Schlafdauer hellwach im Bett und können
nicht mehr schlafen.
Viele Senioren machen auch den Fehler, am
zeitigen Abend vor dem Fernseher einzunicken und, wenn sie dann
um zehn oder elf Uhr schlafen gehen, im Bett wach zu liegen
– weil sie eben schon „vorgeschlafen“ haben
und der Schlafdruck jetzt nicht mehr so groß ist. Oder
sie halten mittags ein ausgiebiges Nickerchen und wundern sich
dann, wenn sie abends erst spät einschlafen können
und nachts insgesamt weniger schlafen. Viele fürchten
dann, zu wenig Schlaf zu bekommen – zu Unrecht, denn die
tagsüber gehaltenen Schläfchen müssen
selbstverständlich in die Gesamtschlafzeit mit
eingerechnet werden. Wer mittags regelmäßig und
ausgiebig schläft, braucht nachts entsprechend weniger
Schlaf.
Lichttherapie hilft
Gegen die altersbedingte Vorverlagerung des
Schlaf-wach-Rhythmus kann eine Lichttherapie helfen: Dazu
sollte man sich am zeitigen Abend (am besten von sieben bis
neun Uhr) hellem Licht aussetzen. Denn dann „denkt“
die innere Uhr, dass es noch Tag ist, und man wird abends
dementsprechend später müde und kann morgens
länger schlafen.
Da die Sonne um diese Zeit meist schon
untergegangen ist oder nicht mehr so hell scheint, kann eine
Lichttherapie mit speziellen Lampen helfen. (Denn die normale
Zimmerbeleuchtung ist für diesen Zweck normalerweise nicht
hell genug.) Therapieleuchten haben eine größere
Lichtstärke als „normale“ Lampen und
darüber hinaus den Vorteil, dass man auch eine
Winterdepression damit gut in den Griff bekommt. Man setzt sich
einfach mit geöffneten Augen vor die Leuchte, kann dabei
anderen Aktivitäten (z.B. Lesen oder Fernsehen) nachgehen,
sollte aber zwischendurch immer wieder ins Licht schauen.
Wer sich keine Therapieleuchte verordnen
lassen möchte, der sollte zumindest am Spätnachmittag
oder zeitigen Abend, solange die Sonne noch hell genug scheint,
für ein bis zwei Stunden ins Freie gehen. Helles Licht
hilft auch dementen und Alzheimer-kranken Patienten, ihren
durcheinander geratenen Schlaf-wach-Rhythmus und ihre
Schlafprobleme besser in den Griff zu bekommen, und entlastet
auf diese Weise die pflegenden Angehörigen.
Wenn Erkrankungen den Schlaf stören
Die meisten Schlafstörungen bei
älteren Menschen sind auf physische oder psychische
Erkrankungen oder auf die Einnahme schlafstörender
Medikamente zurückzuführen. So können zum
Beispiel Angina pectoris, Herzinsuffizienz, Asthma, COPD,
häufiges nächtliches Harnlassen (z.B. aufgrund einer
Prostatavergrößerung beim Mann) und natürlich
alle Erkrankungen, die mit Schmerzen verbunden sind, den Schlaf
empfindlich stören. Auch Stoffwechselerkrankungen und
Diabetes können aufgrund der veränderten
Hormonsituation zu Schlafstörungen führen. Das
Restless-Legs-Syndrom, bei dem unruhige Beine mit immer wieder
auftretenden unwillkürlichen Zuckungen die Nacht zum
Alptraum machen, ist bei älteren Menschen häufiger
als bei jüngeren und verschlimmert sich zudem mit
zunehmendem Alter.
Zu den häufigsten psychischen
Erkrankungen, die bei älteren Menschen
Schlafstörungen verursachen, gehören Depressionen und
Angststörungen. In all diesen Fällen muss –
soweit möglich – zuallererst einmal die
Grunderkrankung behandelt werden.
Alkohol – kein geeigneter
Schlummertrunk
Nicht zu vernachlässigen ist auch ein
zu hoher Alkoholkonsum als mögliche Ursache
nächtlicher Schlafstörungen: Wer abends gern ein
bisschen „zu tief ins Glas schaut“ –
vielleicht, weil er sich einsam fühlt, sich langweilt oder
weil er am nächsten Morgen sowieso keine besonderen
Verpflichtungen hat, die ihn zum Aufstehen zwingen –,
riskiert eine Schlafstörung. Denn Alkohol lässt uns
zwar abends besser einschlafen, kann aber (ähnlich wie
eine Depression) zu frühmorgendlichem Erwachen
führen. Außerdem stört er die
Schlafarchitektur. Vom regelmäßigen
„Schlummertrunk“ zur Bekämpfung von
Schlafproblemen ist daher abzuraten.
Quelle: Sonia Ancoli-Israel: Sleep
disorders in older adults: A primary care guide to assessing 4
common sleep problems in geriatric patients. In: Geriatrics,
Jan. 2004, Bd. 59, Nr. 1, S. 37-40.
Besser schlafen im Alter
Oft können schon kleine
Veränderungen in der Lebensweise helfen, den Schlaf zu
verbessern. Schlafexperte Professor Dr. Dr. Jürgen Zulley
empfiehlt älteren Menschen, ihren Tag so aktiv wie
möglich zu gestalten und sich nicht „hängen zu
lassen“, nur weil sie jetzt im Ruhestand sind und keine
Aufgaben in Beruf und Familie mehr haben. Bewegung an frischer
Luft macht müde und sorgt dafür, dass man nachts
besser und tiefer schläft. (Allerdings sollte man nicht
gerade abends vor dem Schlafengehen noch einer anstrengenden
Sportart nachgehen – um diese Zeit ist ein geruhsamer
Abendspaziergang besser geeignet.) Auch die Pflege von
Kontakten zu anderen Menschen und interessanten Hobbys wirkt
sich positiv auf den Schlaf – und natürlich auch auf
die allgemeine Lebensqualität – aus. Wer immer viel
vorhat, gerät auch nicht so leicht in Versuchung,
tagsüber zu viel zu schlafen und auf diese Weise seinen
Nachtschlaf zu beeinträchtigen.
Wichtig auch: Abends nach Möglichkeit
nicht mehr so viel trinken, um den nächtlichen Harndrang
(unter dem ältere Menschen sowieso häufiger zu leiden
haben als jüngere) nicht noch zu verschlimmern. Besser ist
es, seinen Flüssigkeitsbedarf (mindestens anderthalb Liter
pro Tag) größtenteils bereits tagsüber zu
decken.
Wenn ältere Menschen morgens schon
sehr zeitig aufwachen, sollten sie nicht im Bett bleiben und
sich womöglich auch noch darüber ärgern, dass
sie nicht mehr schlafen können, sondern aufstehen und
ihren Kreislauf in Schwung bringen, indem sie möglichst
helles Licht anschalten, duschen, vielleicht etwas
Morgengymnastik machen oder sich eine Trockenbürstmassage
gönnen und ein anregendes Getränk (Tee oder Kaffee)
zu sich nehmen. Wer nachts Ein- oder Durchschlafprobleme hat,
weil er mittags zu lange schläft, der sollte sein
Nickerchen nach dem Mittagessen auf eine halbe Stunde
begrenzen. (Notfalls Wecker stellen!)
Auch wenn sie den Vorteil – oder
Nachteil – haben, relativ frei über ihre Zeit
verfügen zu können, sollten Ruheständler sich
trotzdem an einen möglichst regelmäßigen
Tagesrhythmus halten: Das heißt, morgens immer zur
gleichen Zeit aufstehen (auch wenn sie in der Nacht einmal
schlecht geschlafen haben), nachts nicht länger als acht
Stunden im Bett bleiben und bestimmte „Fixpunkte“
und Rituale in ihren Tagesablauf einbauen, die den Tag
strukturieren und als Zeitgeber dienen, um ihre innere Uhr zu
synchronisieren. Das können zum Beispiel die
möglichst regelmäßig eingenommenen Mahlzeiten
sein, der immer um die gleiche Zeit getrunkene
Nachmittagskaffee, Treffs mit Freunden, aber auch kleine
Aufgaben, die man sich auch im Rentenalter unbedingt noch
suchen sollte – beispielsweise das regelmäßige
Babysitten bei den Enkelkindern, eine ehrenamtliche
Tätigkeit oder ein Teilzeit-Job, der einen dazu zwingt,
seinen Alltag nach einem festen Rhythmus zu gestalten. Am
besten ist es, solche Aktivitäten schon vor dem Eintritt
in den Ruhestand zu planen: Überlegen Sie sich, welches
Hobby Sie neu betreiben oder reaktivieren möchten, und
suchen Sie sich möglichst auch gleich die passenden
„Mitstreiter“ dafür – denn gemeinsam
macht alles mehr Spaß. Intensivieren Sie alte Kontakte
und suchen Sie neue. Planen Sie ein körperliches
Aktivitätsprogramm, das Ihnen Spaß macht. Das beugt
nicht nur Schlafstörungen vor (es ist erwiesen, dass
aktive Rentner nicht häufiger unter Schlafstörungen
leiden als jüngere Leute), sondern hält nebenbei auch
noch geistig fit und hilft gegen Depressionen und das
quälende
„Sich-überflüssig-Fühlen“ im Alter.
Quellen: Prof. Dr. Jürgen Zulley:
Mein Buch vom guten Schlaf. München: Zabert Sandmann, 2005
(ISBN 3-89883-134-5)
Prof. Dr. Jürgen Zulley: Wach und
fit. Mehr Energie, Leistungsfähigkeit und
Ausgeglichenheit. Herder, Freiburg i.Br., 2002 (ISBN
3-451-05409-4)
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