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Schlaf im Museum
Die faszinierende Ausstellung
„Schlaf & Traum“
im Deutschen Hygiene-Museum zu Dresden |
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Jahrgang 2007 Ausgewählte Artikel
Schlaf im Museum
Ausstellung „Schlaf &
Traum“ im Deutschen Hygiene-Museum zu Dresden
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von Dr. Roxanne Dossak
Der Traum interessierte die Menschheit
schon immer: Man rätselte, was die oft so skurrilen
Traumbilder denn meinen, unter anderem auch für das reale
Leben. Den Zustand, der die inselartigen Traumepisoden
ermöglicht, den Schlaf dagegen, ignorierte man, denn man
nahm an, dass im Schlaf das Gehirn seine Aktivitäten
radikal vermindert. Der Schlaf war lange Zeit unbekanntes
Terrain. Was im Schlaf passiert, wozu ihn der Organismus
braucht und nutzt, hat die Schlafforschung inzwischen jedoch
beleuchtet. Insofern sind wir heute für den Schlaf, der
immerhin ein Drittel unseres Lebens ausmacht, durchaus
sensibilisiert. Und dieses bizarre Thema präsentiert das
Deutsche Hygiene-Museum in Dresden in einer magischen Schau.
Das Deutsche Hygiene-Museum in Dresden
geht das Thema Schlaf & Traum von einer
gegenständlichen Seite her an und schafft mit einer
raffiniert gestalteten Ausstellungsdramaturgie aus einem Puzzle
von über 300 Objekten eine faszinierende Reise in die Welt
des Schlafs und seiner Träume. Dass wir mit unserem Schlaf
tatsächlich nichts verschlafen, sondern unsere
Tageserlebnisse vielschichtig aufarbeiten, lässt der Gang
durch die Ausstellung eindrucksvoll erleben.
Die Ausstellung ist gewissermaßen
eine magisch installierte Bilanz der umfassenden Thematik. Es
geht um disparate Themen, die sich in der künstlichen
Dämmerung der Räumlichkeiten aneinanderfügen.
Biomedizinische und neurologische Vorgänge werden
illustriert, eben was da in den schlafenden Körpern
abläuft. Wissenschaftliche Erkenntnisse auf der einen
Seite, gesellschaftlich-kulturelle Betrachtungsweisen des
Schlafs auf der anderen. Da läuft altes
Wochenschaumaterial auf Bildschirmen, das den ersten
Schlafforscher Nathaniel Kleitman bei seinen Experimenten
zeigt. Da steht eines der ersten Geräte, mit dem die
Gehirnströme registriert wurden. Und da sieht man die
Aufzeichnung des weltweit ersten EEGs von Hans Berger. Da
erlebt man den Drang der Forscher, in das Dunkel des Schlafs
ein wenig Licht zu bringen. Zu verstehen, was den Scheintod,
was hypnoide Zustände oder eine Ohnmacht ausmacht. Die
Traumwelten sind gleichermaßen interessant für
Literaten und Künstler und die Wissenschaft. Lassen sich
Träume deuten? Lassen sie sich beeinflussen?
Da illustriert eine Vitrine mit bunten
Schachteln und Röhrchen den Urwunsch der Menschen, den
Schlaf herbeizwingen zu können, sozusagen die Geschichte
des Schlafmittels. Die Ausstellungsmacher haben diesen
Themenblock unter der Überschrift „Flüchtiger
Schlaf“ subsumiert. Welche Rolle spielen
Schlafstörungen? Was hindert den Körper, in den
erholsamen Schlaf zu sinken? Was treibt so viele Menschen nach
kurzer Zeit aus dem Schlaf und zwingt sie, die Nacht zu
durchwachen und um neuen Schlaf zu kämpfen?
Da geht es um die Schlafgewohnheiten
verschiedener Kulturen, das „inemuri“ der Japaner,
das Schlafen und dennoch Anwesendsein, das Europa als
Powernapping übernommen hat. Da wird das Problem der
Schichtarbeit ganz unmittelbar durch große Fotos
vermittelt, die eine Krankenschwester oder einen Polizeibeamten
im nächtlichen Dienst beobachten. Da wird sehr anschaulich
mit der Erfindung der Glühlampe in den 1880er Jahren der
dramatische Rückgang der Schlafenszeit illustriert und
damit ein immer größer werdendes Problem unserer
Zeit angesprochen, der eklatante Verlust des Schlafs.
Die Ausstellung präsentiert Objekte
internationaler Leihgeber, Filme und Dokumente aus der Welt der
Wissenschaft, kultur- und kunstgeschichtliche Exponate, dazu
kommen Werke bedeutender zeitgenössischer Künstler
wie Katharina Fritsch, Rodney Graham, Ron Mueck oder Krzysztof
Wodiczko. Es ist schon bemerkenswert, wie der Berliner Kurator
Dr. Michael Dorrmann mit seinem Team die Nachtseite unserer
Existenz zu einem beinahe dämonischen Museumsspektakel
inszeniert hat. Ich bin mir sicher, dass kaum ein Besucher mit
Riesenschritten durch die Räume eilt, er wird sich in
diesem oder jenem Exponat verfangen und seine eigene
Schlafbefindlichkeit in das Geschaute projizieren.
Ich kann Ihnen nur empfehlen: Leisten Sie
sich die Reise nach Dresden und versinken Sie für ein paar
Stunden im Dämmerlicht von „Schlaf &
Traum“. Und nach einer kleinen Erfrischung im
Museumscafé steht Ihnen eine noch beeindruckendere Schau
bevor: Dresden, seine zahlreichen architektonischen
Schätze, die Frauenkirche, und überhaupt: das
charmant-elegante Ambiente dieser stolzen Stadt.
Zwei Gründe also, die Reise bis
spätestens 3. Oktober anzutreten, denn dann ist Schluss
mit „Schlaf & Traum“ und die Ausstellung
wandert weiter nach London.
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