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Schlafstörungen bei Lungenerkrankungen
von Professor Dr. med. Karl-Heinz Rühle

Bei Lungenerkrankungen kann es infolge erheblicher Veränderungen der Ventilation im Schlaf zu ausgeprägten Schlafstörungen kommen. Unter anderem leiden Patienten mit
• Asthma bronchiale,
• chronischer Verengung der Atemwege (obstruktiver Lungenerkrankung, COPD),
• Lungenerkrankungen mit Veränderungen des Lungengerüstes (Lungenfibrose)
• und Verringerung des Lungenvolumens durch Verkrümmung der Wirbelsäule (Kyphoskoliose)
an schlechtem Schlaf.

Im Schlaf wird die Atmung reduziert
Da sich die Muskulatur im Schlaf entspannt, verengt sich auch der Durchmesser der oberen Luftwege. Eine weitere ungünstige Folge des Schlafes für die Atmung ist die liegende Position, da der Bauch im Liegen das Zwerchfell nach oben drückt. Besonders charakteristisch ist die unregelmäßige Atmung im Traumschlaf (REM-Schlaf).
Der Schlaf verändert die Atmung bei Gesunden dennoch nur geringfügig, Kreislaufstörungen werden nicht ausgelöst. Bei Lungenerkrankungen dagegen führt Schlaf bei aktueller Lungenfunktionseinschränkung zu krankhaften Atemstörungen mit Weckreaktionen, die Blutdruckanstieg, Pulsanstieg usw. auslösen, sodass die Patienten infolge der Schlafunterbrechungen erheblich tagesmüde sind.

Schlafstörungen bei Asthma bronchiale
Während des Schlafes beobachtet man bei Asthmatikern als Folge der vermehrten Kontraktionsbereitschaft der Bronchien eine Zunahme der Asthmabeschwerden mit Störung der Atmung. Auch die Reinigungsfunktion des Bronchialsystems wird deutlich beeinträchtigt, und das Bronchialsekret verstopft die Bronchien.
Die Veränderungen während des Schlafes durch das Asthma bronchiale führen zu einer erheblichen Minderung der Schlafdauer, die bei etwa 75 % eines Gesunden liegt und um etwa ein bis zwei Stunden vermindert ist. Viele Patienten erwachen nachts durch Atemnot und liegen lange Zeit wach.
Da Tiefschlaf die Weckreaktion verlängert, sind Patienten mit instabilem Asthma bronchiale besonders gefährdet. Durch Schlafmangel infolge länger dauernder Asthmaattacken erschöpft sich die Atemmuskulatur. Eine Erhöhung der Kohlensäurespannung im Blut weist auf eine drohende Erschöpfung des Zwerchfells hin. In diesem Fall sollten die Patienten auf einer Intensivstation überwacht werden. Die Bedeutung des Schlafs für Asthmapatienten wird u. a. dadurch deutlich, dass in der Nacht mehr Todesfälle auftreten als am Tag.
Zusammengefasst führen die Atemstörungen bei Asthma bronchiale zu einem immer wieder unterbrochenen Schlaf; viele Patienten klagen über Tagesschläfrigkeit. Konzentration und geistige Leistungsfähigkeit am Tag sind reduziert, die Lebensqualität verschlechtert sich. Es ist deshalb erforderlich, dass Patienten mit Asthma bronchiale dem Arzt über beginnende Schlafstörungen mit nächtlichem Erwachen berichten, da diese Beschwerden erste wichtige Hinweise für eine Verschlechterung des Asthmas sein können.

Therapie nächtlicher Asthmaanfälle
Bei der Therapie nächtlicher Asthmaanfälle kommen vor allem die lang wirksamen Beta-2-Mimetika, die die Verkrampfung der Bronchien lösen, zum Einsatz. Seit langem wird auch Theophyllin für die Behandlung der nächtlichen Atemwegsverengung benutzt. Allerdings regt Theophyllin die Wachheit an, was zu einer verminderten Schlafqualität führt. Die Therapie des nächtlichen Asthma bronchiale sollte deshalb hauptsächlich mit lang wirksamen Beta-2-Mimetika erfolgen. Theophyllin stellt eine Therapiealternative bei geringem Ansprechen auf lang wirksame Beta-2-Mimetika dar. Ein Patient mit Asthma bronchiale ist nur dann gut behandelt, wenn die nächtlichen durch Asthmaanfälle bedingten Weckphasen zum Verschwinden gebracht werden.

Chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD)
Bei der COPD verliert die Lunge ihre Elastizität, sodass sie zunehmend überdehnt wird. Sie ist weiterhin durch eine geringere Oberfläche und Durchblutungsverminderung gekennzeichnet. Ursache ist eine chronische Entzündung der Bronchien, die zu Schleimhautschwellung, vermehrter Sekretproduktion und mäßiger tageszeitabhängiger Verengung der Atemwege führt. All diese Störungen können sich im Schlaf und durch den Schlaf verschlechtern. Aus der verminderten Ventilation besonders im REM-Schlaf resultieren länger anhaltende Perioden mit Sauerstoffmangel, die mehr als 20 Minuten dauern können.
Als Konsequenz des Sauerstoffmangels steigt der Druck im Lungenkreislauf während der Nacht deutlich an. Als Folge der vermehrten Rechtsherzbelastung und des zunehmenden Sauerstoffmangels können im Schlaf gehäuft Herzrhythmusstörungen beobachtet werden, deren Bedeutung allerdings noch unklar ist. Die Anzahl an Todesfällen ist in der Nacht verglichen mit dem Tage deutlich erhöht.
Als Folge der Störung der Ventilation durch den Schlaf kommt es auch zu erheblichen Störungen des Schlafprofils. In der Regel schlafen Patienten mit schwergradiger COPD nur etwa vier Stunden (Soll: sechs bis sieben Stunden). Auch die Häufigkeit der Schlafstadienwechsel ist im Vergleich zum Gesunden um das Dreifache erhöht. Wenn zusätzlich zur COPD auch noch ein Schlafapnoesyndrom besteht, fällt die Sauerstoffsättigung im Rahmen der Apnoen/Hypopnoen noch tiefer ab. Bei Tagesschläfrigkeit von COPD-Patienten sollte an die Möglichkeit der Kombination mit einem obstruktiven Schlafapnoe-Syndrom (OSAS) gedacht werden. Im Zweifelsfall sollte eine nächtliche Messung der Sauerstoffsättigung im Blut (Pulsoxymetrie) durchgeführt werden, um den Verdacht zu bestätigen.

Therapie nächtlicher Schlafstörungen bei COPD
Generell gilt es, durch Medikamente die Ventilation und damit den Sauerstoffgehalt im Blut zu verbessern. Hierzu empfiehlt es sich, Anticholinergika und lang wirksame Beta-2-Agonisten zu verwenden. Sauerstofftherapie spielt eine zusätzliche wichtige Rolle, sofern relevanter Sauerstoffmangel vorliegt. Eine Langzeitsauerstofftherapie mit einer Nasenbrille, besonders während des Schlafes, führt in Kombination mit der tagsüber durchgeführten O2-Therapie zu einer erheblichen Abnahme der Belastung der rechten Herzkammer und zu einer Zunahme der Lebenserwartung.
Eine neue Behandlungsmöglichkeit ist die nächtliche Beatmung, insbesondere bei ausgeprägter Schwäche der Atemmuskulatur des Patienten. Die Gesamtschlafzeit kann damit deutlich angehoben werden.

Nächtliche Schlafstörungen bei Lungenfibrose
Schlaf verursacht auch bei Patienten mit Lungenfibrose eine vermehrte Schwäche der Atemmuskulatur insbesondere im REM-Schlaf. Da das Lungenvolumen durch die Erkrankung häufig deutlich vermindert ist, fällt die Sauerstoffsättigung in dieser kritischen Schlafphase besonders tief ab. Als Folge dieser Atemstörung ist die Schlafqualität der Patienten oftmals eingeschränkt. Die Zeit, in der der Patient schläft, liegt bei etwa zwei Dritteln der normalen Schlafdauer; die Schlafstadienwechsel sind im Vergleich zu Gesunden doppelt so häufig. Durch den Sauerstoffmangel ist die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit vermindert. Nicht selten findet man zusätzlich Schnarchen sowie obstruktive Hypopnoen.
Schlafstörungen infolge einer Lungenfibrose können mit Sauerstoff behandelt werden. Bei Kombination selbst mit leichtem OSAS sollte versucht werden, die Störung durch eine CPAP-Therapie – eventuell in Kombination mit Sauerstoff – zu behandeln.

Kyphoskoliose (Verkrümmung der Wirbelsäule)
Bei Patienten mit einer Kyphoskoliose sieht man im Schlaf die ausgeprägtesten Sauerstoffmangelsituationen. Da die reduzierte Muskelspannung der Brustwandmuskulatur zu einer erheblichen Abnahme des Lungenvolumens führt und die Atemregulation gestört ist, entsteht schwerstgradiger Sauerstoffmangel (Hypoxie). Eine weitere Verschlechterung des Gasaustausches resultiert, wenn zusätzlich noch Apnoen oder Hypopnoen durch Verengungen der oberen Atemwege hinzukommen.
Durch die Kohlensäure-Anreicherung im Blut und den Sauerstoffmangel bedingt wachen die Patienten häufig auf. Der Schlaf wird zusätzlich durch erhebliche Schmerzen beim Vorliegen einer schweren Thoraxdeformierung gestört.
Die heute allgemein akzeptierte Behandlung der Kyphoskoliose erfolgt mit Überdruckbeatmung (IPPV). Mit diesem Beatmungsverfahren kann die Sauerstoffsättigung deutlich angehoben werden. Durch die Entlastung der Muskulatur steigt die Kraft der Atemmuskulatur an. Als Folge der muskulären Erholung normalisiert sich in vielen Fällen die Atmung, und die körperliche Leistungsfähigkeit wird deutlich verbessert.
Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass Patienten mit Lungenerkrankungen beginnende oder vermehrt auftretende Schlafstörungen ernst nehmen sollten, da durch eine richtige Behandlung der Schlaf deutlich verbessert und damit auch die Leistungsfähigkeit in Beruf und Freizeit gesteigert werden kann.

Professor Dr. med. Karl-Heinz Rühle,
Klinik für Pneumologie, Allergologie und Schlafmedizin, Klinik Ambrock,
58091 Hagen,
Universität Witten/Herdecke