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Schlafstörungen bei
Lungenerkrankungen
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Jahrgang 2003 Ausgewählte Artikel
Schlafstörungen bei
Lungenerkrankungen
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von Professor Dr. med. Karl-Heinz
Rühle
Bei Lungenerkrankungen kann es infolge
erheblicher Veränderungen der Ventilation im Schlaf zu
ausgeprägten Schlafstörungen kommen. Unter anderem
leiden Patienten mit
Asthma bronchiale,
chronischer Verengung der Atemwege
(obstruktiver Lungenerkrankung, COPD),
Lungenerkrankungen mit
Veränderungen des Lungengerüstes (Lungenfibrose)
und Verringerung des Lungenvolumens
durch Verkrümmung der Wirbelsäule (Kyphoskoliose)
an schlechtem Schlaf.
Im Schlaf wird die Atmung reduziert
Da sich die Muskulatur im Schlaf entspannt,
verengt sich auch der Durchmesser der oberen Luftwege. Eine
weitere ungünstige Folge des Schlafes für die Atmung
ist die liegende Position, da der Bauch im Liegen das
Zwerchfell nach oben drückt. Besonders charakteristisch
ist die unregelmäßige Atmung im Traumschlaf
(REM-Schlaf).
Der Schlaf verändert die Atmung bei
Gesunden dennoch nur geringfügig, Kreislaufstörungen
werden nicht ausgelöst. Bei Lungenerkrankungen dagegen
führt Schlaf bei aktueller
Lungenfunktionseinschränkung zu krankhaften
Atemstörungen mit Weckreaktionen, die Blutdruckanstieg,
Pulsanstieg usw. auslösen, sodass die Patienten infolge
der Schlafunterbrechungen erheblich tagesmüde sind.
Schlafstörungen bei Asthma bronchiale
Während des Schlafes beobachtet man
bei Asthmatikern als Folge der vermehrten
Kontraktionsbereitschaft der Bronchien eine Zunahme der
Asthmabeschwerden mit Störung der Atmung. Auch die
Reinigungsfunktion des Bronchialsystems wird deutlich
beeinträchtigt, und das Bronchialsekret verstopft die
Bronchien.
Die Veränderungen während des
Schlafes durch das Asthma bronchiale führen zu einer
erheblichen Minderung der Schlafdauer, die bei etwa 75 % eines
Gesunden liegt und um etwa ein bis zwei Stunden vermindert ist.
Viele Patienten erwachen nachts durch Atemnot und liegen lange
Zeit wach.
Da Tiefschlaf die Weckreaktion
verlängert, sind Patienten mit instabilem Asthma
bronchiale besonders gefährdet. Durch Schlafmangel infolge
länger dauernder Asthmaattacken erschöpft sich die
Atemmuskulatur. Eine Erhöhung der Kohlensäurespannung
im Blut weist auf eine drohende Erschöpfung des
Zwerchfells hin. In diesem Fall sollten die Patienten auf einer
Intensivstation überwacht werden. Die Bedeutung des
Schlafs für Asthmapatienten wird u. a. dadurch deutlich,
dass in der Nacht mehr Todesfälle auftreten als am Tag.
Zusammengefasst führen die
Atemstörungen bei Asthma bronchiale zu einem immer wieder
unterbrochenen Schlaf; viele Patienten klagen über
Tagesschläfrigkeit. Konzentration und geistige
Leistungsfähigkeit am Tag sind reduziert, die
Lebensqualität verschlechtert sich. Es ist deshalb
erforderlich, dass Patienten mit Asthma bronchiale dem Arzt
über beginnende Schlafstörungen mit nächtlichem
Erwachen berichten, da diese Beschwerden erste wichtige
Hinweise für eine Verschlechterung des Asthmas sein
können.
Therapie nächtlicher
Asthmaanfälle
Bei der Therapie nächtlicher
Asthmaanfälle kommen vor allem die lang wirksamen
Beta-2-Mimetika, die die Verkrampfung der Bronchien lösen,
zum Einsatz. Seit langem wird auch Theophyllin für die
Behandlung der nächtlichen Atemwegsverengung benutzt.
Allerdings regt Theophyllin die Wachheit an, was zu einer
verminderten Schlafqualität führt. Die Therapie des
nächtlichen Asthma bronchiale sollte deshalb
hauptsächlich mit lang wirksamen Beta-2-Mimetika erfolgen.
Theophyllin stellt eine Therapiealternative bei geringem
Ansprechen auf lang wirksame Beta-2-Mimetika dar. Ein Patient
mit Asthma bronchiale ist nur dann gut behandelt, wenn die
nächtlichen durch Asthmaanfälle bedingten Weckphasen
zum Verschwinden gebracht werden.
Chronisch obstruktive Lungenerkrankung
(COPD)
Bei der COPD verliert die Lunge ihre
Elastizität, sodass sie zunehmend überdehnt wird. Sie
ist weiterhin durch eine geringere Oberfläche und
Durchblutungsverminderung gekennzeichnet. Ursache ist eine
chronische Entzündung der Bronchien, die zu
Schleimhautschwellung, vermehrter Sekretproduktion und
mäßiger tageszeitabhängiger Verengung der
Atemwege führt. All diese Störungen können sich
im Schlaf und durch den Schlaf verschlechtern. Aus der
verminderten Ventilation besonders im REM-Schlaf resultieren
länger anhaltende Perioden mit Sauerstoffmangel, die mehr
als 20 Minuten dauern können.
Als Konsequenz des Sauerstoffmangels steigt
der Druck im Lungenkreislauf während der Nacht deutlich
an. Als Folge der vermehrten Rechtsherzbelastung und des
zunehmenden Sauerstoffmangels können im Schlaf
gehäuft Herzrhythmusstörungen beobachtet werden,
deren Bedeutung allerdings noch unklar ist. Die Anzahl an
Todesfällen ist in der Nacht verglichen mit dem Tage
deutlich erhöht.
Als Folge der Störung der Ventilation
durch den Schlaf kommt es auch zu erheblichen Störungen
des Schlafprofils. In der Regel schlafen Patienten mit
schwergradiger COPD nur etwa vier Stunden (Soll: sechs bis
sieben Stunden). Auch die Häufigkeit der
Schlafstadienwechsel ist im Vergleich zum Gesunden um das
Dreifache erhöht. Wenn zusätzlich zur COPD auch noch
ein Schlafapnoesyndrom besteht, fällt die
Sauerstoffsättigung im Rahmen der Apnoen/Hypopnoen noch
tiefer ab. Bei Tagesschläfrigkeit von COPD-Patienten
sollte an die Möglichkeit der Kombination mit einem
obstruktiven Schlafapnoe-Syndrom (OSAS) gedacht werden. Im
Zweifelsfall sollte eine nächtliche Messung der
Sauerstoffsättigung im Blut (Pulsoxymetrie)
durchgeführt werden, um den Verdacht zu bestätigen.
Therapie nächtlicher
Schlafstörungen bei COPD
Generell gilt es, durch Medikamente die
Ventilation und damit den Sauerstoffgehalt im Blut zu
verbessern. Hierzu empfiehlt es sich, Anticholinergika und lang
wirksame Beta-2-Agonisten zu verwenden. Sauerstofftherapie
spielt eine zusätzliche wichtige Rolle, sofern relevanter
Sauerstoffmangel vorliegt. Eine Langzeitsauerstofftherapie mit
einer Nasenbrille, besonders während des Schlafes,
führt in Kombination mit der tagsüber
durchgeführten O2-Therapie zu einer erheblichen Abnahme
der Belastung der rechten Herzkammer und zu einer Zunahme der
Lebenserwartung.
Eine neue Behandlungsmöglichkeit ist
die nächtliche Beatmung, insbesondere bei
ausgeprägter Schwäche der Atemmuskulatur des
Patienten. Die Gesamtschlafzeit kann damit deutlich angehoben
werden.
Nächtliche Schlafstörungen bei
Lungenfibrose
Schlaf verursacht auch bei Patienten mit
Lungenfibrose eine vermehrte Schwäche der Atemmuskulatur
insbesondere im REM-Schlaf. Da das Lungenvolumen durch die
Erkrankung häufig deutlich vermindert ist, fällt die
Sauerstoffsättigung in dieser kritischen Schlafphase
besonders tief ab. Als Folge dieser Atemstörung ist die
Schlafqualität der Patienten oftmals eingeschränkt.
Die Zeit, in der der Patient schläft, liegt bei etwa zwei
Dritteln der normalen Schlafdauer; die Schlafstadienwechsel
sind im Vergleich zu Gesunden doppelt so häufig. Durch den
Sauerstoffmangel ist die körperliche und geistige
Leistungsfähigkeit vermindert. Nicht selten findet man
zusätzlich Schnarchen sowie obstruktive Hypopnoen.
Schlafstörungen infolge einer
Lungenfibrose können mit Sauerstoff behandelt werden. Bei
Kombination selbst mit leichtem OSAS sollte versucht werden,
die Störung durch eine CPAP-Therapie – eventuell in
Kombination mit Sauerstoff – zu behandeln.
Kyphoskoliose (Verkrümmung der
Wirbelsäule)
Bei Patienten mit einer Kyphoskoliose sieht
man im Schlaf die ausgeprägtesten
Sauerstoffmangelsituationen. Da die reduzierte Muskelspannung
der Brustwandmuskulatur zu einer erheblichen Abnahme des
Lungenvolumens führt und die Atemregulation gestört
ist, entsteht schwerstgradiger Sauerstoffmangel (Hypoxie). Eine
weitere Verschlechterung des Gasaustausches resultiert, wenn
zusätzlich noch Apnoen oder Hypopnoen durch Verengungen
der oberen Atemwege hinzukommen.
Durch die Kohlensäure-Anreicherung im
Blut und den Sauerstoffmangel bedingt wachen die Patienten
häufig auf. Der Schlaf wird zusätzlich durch
erhebliche Schmerzen beim Vorliegen einer schweren
Thoraxdeformierung gestört.
Die heute allgemein akzeptierte Behandlung
der Kyphoskoliose erfolgt mit Überdruckbeatmung (IPPV).
Mit diesem Beatmungsverfahren kann die Sauerstoffsättigung
deutlich angehoben werden. Durch die Entlastung der Muskulatur
steigt die Kraft der Atemmuskulatur an. Als Folge der
muskulären Erholung normalisiert sich in vielen
Fällen die Atmung, und die körperliche
Leistungsfähigkeit wird deutlich verbessert.
Zusammenfassend kann festgestellt werden,
dass Patienten mit Lungenerkrankungen beginnende oder vermehrt
auftretende Schlafstörungen ernst nehmen sollten, da durch
eine richtige Behandlung der Schlaf deutlich verbessert und
damit auch die Leistungsfähigkeit in Beruf und Freizeit
gesteigert werden kann.
Professor Dr. med. Karl-Heinz Rühle,
Klinik für Pneumologie, Allergologie
und Schlafmedizin, Klinik Ambrock,
58091 Hagen,
Universität Witten/Herdecke
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