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Schlafapnoe erhöht das Diabetes-Risiko
von Marion Zerbst

Schlafapnoe und Diabetes haben einen gemeinsamen Risikofaktor: Übergewicht. Menschen mit Übergewicht leiden häufiger an Schlafapnoe und entwickeln auch oft einen Typ-2-Diabetes (so genannten „Altersdiabetes“). Inzwischen weiß man aber, dass eine unbehandelte obstruktive Schlafapnoe auch unabhängig vom Gewicht das Risiko erhöht, an Diabetes zu erkranken.

Die nächtlichen Atemaussetzer bedeuten Stress für Körper und Gehirn, und der Organismus reagiert darauf mit einer vermehrten Ausschüttung von Stresshormonen (Adrenalin, Kortisol). Diese Hormone haben die Aufgabe, uns in akuten Gefahrensituationen für die Flucht oder Verteidigung bereitzumachen: Sie lassen den Blutdruck in die Höhe schießen, setzen die Zuckerreserven aus der Leber frei und hemmen gleichzeitig die Insulinwirkung – denn der Körper braucht in Gefahrensituationen natürlich besonders viel Zucker (= Energie).

Nächtlicher Dauerstress
Diese Stressreaktion, die bei einer akuten Bedrohung durchaus sinnvoll und überlebensnotwendig ist, kann uns bei Dauerstress zum Verhängnis werden – denn dann sind Blutdruck und Blutzuckerspiegel permanent erhöht.
Daraus wird leicht verständlich, warum Schlafapnoiker mit ihrem allnächtlichen Stress ebenfalls ein erhöhtes Risiko haben, an Bluthochdruck und Diabetes zu erkranken. Wie man inzwischen weiß, spielen für die Entstehung des Diabetes vor allem Grad und Häufigkeit der nächtlichen Hypoxien (Sauerstoffmangel in den Geweben aufgrund der Sauerstoffentsättigung des Blutes) und die Häufigkeit der Arousals (Weckreaktionen) eine sehr wichtige Rolle.
Treffen die beiden Volkskrankheiten Schlafapnoe und Typ-2-Diabetes, die in unserem Zeitalter des Übergewichts und der Bewegungsarmut immer häufiger werden, nun aufeinander, so entsteht eine hochexplosive Mischung: Denn sowohl Schlafapnoe als auch Diabetes erhöhen das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Wenn jemand an beiden Krankheiten gleichzeitig leidet, potenziert sich dieses Risiko. Fazit: Unbehandelte Schlafapnoiker leben gefährlich.

CPAP gegen Zucker
Mittlerweile deuten mehrere wissenschaftliche Studien darauf hin, dass eine CPAP-Therapie einen bestehenden Diabetes mellitus bessern bzw. die Entstehung eines Typ-2-Diabetes verhindern oder zumindest hinauszögern kann.
Eine neuere amerikanische Studie hat beispielsweise gezeigt, dass der Blutzuckerspiegel nach den Mahlzeiten und der HbA1c-Wert (Blutzucker-Langzeitwert) sich bei 25 stark übergewichtigen Patienten, die unter mittelgradiger bis schwerer obstruktiver Schlafapnoe und Typ-2-Diabetes litten, durch CPAP senken ließ. Besonders ausgeprägt war dieser positive Effekt bei Patienten mit hoher Therapiecompliance (Nutzung des CPAP-Geräts länger als vier Stunden pro Nacht). Bei ihnen verbesserte sich außerdem der Blutzucker-Langzeitwert mit der Anzahl der CPAP-Therapietage immer mehr.
Deutsche Wissenschaftler von der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg konnten zeigen, dass sich auch bei Patienten mit obstruktiver Schlafapnoe, die (noch) nicht an einem Diabetes leiden, die Insulinsensitivität durch CPAP-Therapie schon nach ein paar Tagen bessert – eine Wirkung, die auch nach mehrmonatiger Behandlung noch anhielt und bei den schlanken Probanden ausgeprägter war als bei den übergewichtigen.

Schlafapnoe und Diabetes – eine gefährliche Kombination
J Große

Diabetiker mit Schlafapnoe rechtzeitig diagnostizieren
Diabetiker, die ihre Schlafapnoe mittels CPAP-Therapie behandeln lassen, sind besser einstellbar. Daher sollten Diabetes-Patienten mit gewissen Risikofaktoren, die auf das Vorliegen einer Schlafapnoe hindeuten, unbedingt schlafmedizinisch untersucht werden. Schnell und kostengünstig geht das mit dem Screening-Gerät ApneaLinkTM der Firma ResMed, das dem Patienten für eine Nacht zur Verfügung gestellt wird. Dabei zeichnet ein spezieller Sensor alle wichtigen Daten über die Atmung auf, und am nächsten Morgen kann der Arzt diese dann am PC in seiner Praxis innerhalb weniger Minuten auslesen und interpretieren, ohne dass dafür große schlafmediznische Fachkenntnisse notwendig wären: Eine Farbskala zeigt an, ob bei dem Patienten noch alles im „grünen Bereich“ ist oder ob er einer vertieften Diagnostik im Schlaflabor zugeführt werden sollte, weil Verdacht auf eine Schlafapnoe besteht.
Auf der Homepage der Firma ResMed (www.resmed.de) findet man unter der Rubrik „ApneaLink“ einen ApneaLinkTM-Finder mit Postleitzahlen zum Anklicken, der alle Arztpraxen im jeweiligen Postleitzahlengebiet anzeigt, die mit dem Screening-Gerät ausgestattet sind. So können Diabetiker, die den Verdacht haben, dass sie auch an einer Schlafapnoe leiden könnten, sich schnell Gewissheit verschaffen. Laut Schlafapnoe-Experte Prof. Helmut Teschler von der Ruhrlandklinik (Essen-Haidhausen) empfiehlt sich ein solches Screening vor allem bei Diabetikern mit morgendlichen Hyperglykämien, stark schwankenden Blutzuckerwerten, therapieresistentem Bluthochdruck und hohem Herz-Kreislauf-Risiko. „Alarmsignale“ sind außerdem Tagesschläfrigkeit und vom Bettpartner beobachtete nächtliche Atempausen.