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Schlafapnoe erhöht das
Diabetes-Risiko
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Jahrgang 2006 Ausgewählte Artikel
Schlafapnoe erhöht das
Diabetes-Risiko
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von Marion Zerbst
Schlafapnoe und Diabetes haben einen
gemeinsamen Risikofaktor: Übergewicht. Menschen mit
Übergewicht leiden häufiger an Schlafapnoe und
entwickeln auch oft einen Typ-2-Diabetes (so genannten
„Altersdiabetes“). Inzwischen weiß man aber,
dass eine unbehandelte obstruktive Schlafapnoe auch
unabhängig vom Gewicht das Risiko erhöht, an Diabetes
zu erkranken.
Die nächtlichen Atemaussetzer bedeuten
Stress für Körper und Gehirn, und der Organismus
reagiert darauf mit einer vermehrten Ausschüttung von
Stresshormonen (Adrenalin, Kortisol). Diese Hormone haben die
Aufgabe, uns in akuten Gefahrensituationen für die Flucht
oder Verteidigung bereitzumachen: Sie lassen den Blutdruck in
die Höhe schießen, setzen die Zuckerreserven aus der
Leber frei und hemmen gleichzeitig die Insulinwirkung –
denn der Körper braucht in Gefahrensituationen
natürlich besonders viel Zucker (= Energie).
Nächtlicher Dauerstress
Diese Stressreaktion, die bei einer akuten
Bedrohung durchaus sinnvoll und überlebensnotwendig ist,
kann uns bei Dauerstress zum Verhängnis werden –
denn dann sind Blutdruck und Blutzuckerspiegel permanent
erhöht.
Daraus wird leicht verständlich, warum
Schlafapnoiker mit ihrem allnächtlichen Stress ebenfalls
ein erhöhtes Risiko haben, an Bluthochdruck und Diabetes
zu erkranken. Wie man inzwischen weiß, spielen für
die Entstehung des Diabetes vor allem Grad und Häufigkeit
der nächtlichen Hypoxien (Sauerstoffmangel in den Geweben
aufgrund der Sauerstoffentsättigung des Blutes) und die
Häufigkeit der Arousals (Weckreaktionen) eine sehr
wichtige Rolle.
Treffen die beiden Volkskrankheiten
Schlafapnoe und Typ-2-Diabetes, die in unserem Zeitalter des
Übergewichts und der Bewegungsarmut immer häufiger
werden, nun aufeinander, so entsteht eine hochexplosive
Mischung: Denn sowohl Schlafapnoe als auch Diabetes
erhöhen das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Wenn jemand an beiden Krankheiten gleichzeitig leidet,
potenziert sich dieses Risiko. Fazit: Unbehandelte
Schlafapnoiker leben gefährlich.
CPAP gegen Zucker
Mittlerweile deuten mehrere
wissenschaftliche Studien darauf hin, dass eine CPAP-Therapie
einen bestehenden Diabetes mellitus bessern bzw. die Entstehung
eines Typ-2-Diabetes verhindern oder zumindest
hinauszögern kann.
Eine neuere amerikanische Studie hat
beispielsweise gezeigt, dass der Blutzuckerspiegel nach den
Mahlzeiten und der HbA1c-Wert (Blutzucker-Langzeitwert) sich
bei 25 stark übergewichtigen Patienten, die unter
mittelgradiger bis schwerer obstruktiver Schlafapnoe und
Typ-2-Diabetes litten, durch CPAP senken ließ. Besonders
ausgeprägt war dieser positive Effekt bei Patienten mit
hoher Therapiecompliance (Nutzung des CPAP-Geräts
länger als vier Stunden pro Nacht). Bei ihnen verbesserte
sich außerdem der Blutzucker-Langzeitwert mit der Anzahl
der CPAP-Therapietage immer mehr.
Deutsche Wissenschaftler von der
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
konnten zeigen, dass sich auch bei Patienten mit obstruktiver
Schlafapnoe, die (noch) nicht an einem Diabetes leiden, die
Insulinsensitivität durch CPAP-Therapie schon nach ein
paar Tagen bessert – eine Wirkung, die auch nach
mehrmonatiger Behandlung noch anhielt und bei den schlanken
Probanden ausgeprägter war als bei den
übergewichtigen.
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Diabetiker mit Schlafapnoe rechtzeitig
diagnostizieren
Diabetiker, die ihre Schlafapnoe mittels
CPAP-Therapie behandeln lassen, sind besser einstellbar. Daher
sollten Diabetes-Patienten mit gewissen Risikofaktoren, die auf
das Vorliegen einer Schlafapnoe hindeuten, unbedingt
schlafmedizinisch untersucht werden. Schnell und
kostengünstig geht das mit dem Screening-Gerät
ApneaLinkTM der Firma ResMed, das dem Patienten für eine
Nacht zur Verfügung gestellt wird. Dabei zeichnet ein
spezieller Sensor alle wichtigen Daten über die Atmung
auf, und am nächsten Morgen kann der Arzt diese dann am PC
in seiner Praxis innerhalb weniger Minuten auslesen und
interpretieren, ohne dass dafür große
schlafmediznische Fachkenntnisse notwendig wären: Eine
Farbskala zeigt an, ob bei dem Patienten noch alles im
„grünen Bereich“ ist oder ob er einer
vertieften Diagnostik im Schlaflabor zugeführt werden
sollte, weil Verdacht auf eine Schlafapnoe besteht.
Auf der Homepage der Firma ResMed
(www.resmed.de) findet man unter der Rubrik
„ApneaLink“ einen ApneaLinkTM-Finder mit
Postleitzahlen zum Anklicken, der alle Arztpraxen im jeweiligen
Postleitzahlengebiet anzeigt, die mit dem Screening-Gerät
ausgestattet sind. So können Diabetiker, die den Verdacht
haben, dass sie auch an einer Schlafapnoe leiden könnten,
sich schnell Gewissheit verschaffen. Laut Schlafapnoe-Experte
Prof. Helmut Teschler von der Ruhrlandklinik (Essen-Haidhausen)
empfiehlt sich ein solches Screening vor allem bei Diabetikern
mit morgendlichen Hyperglykämien, stark schwankenden
Blutzuckerwerten, therapieresistentem Bluthochdruck und hohem
Herz-Kreislauf-Risiko. „Alarmsignale“ sind
außerdem Tagesschläfrigkeit und vom Bettpartner
beobachtete nächtliche Atempausen.
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