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Schlaflosigkeit: Diagnostik und Therapie
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Jahrgang 2003 Ausgewählte Artikel
Schlaflosigkeit
Diagnostik und Therapie ![]() |
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von Prof. Dr. Dipl..-Psych. Dieter Riemann
Schlafstörungen im Sinne einer
Insomnie (d.h. Ein- und Durchschlafstörungen) sind weit
verbreitet und bedeuten für die Betroffenen häufig
eine starke Einschränkung der Lebensqualität. In
diesem Artikel wird anhand der Leitlinie
»Nicht-erholsamer Schlaf« der DGSM ein Leitfaden
für die Diagnostik und Therapie des nicht-erholsamen
Schlafs bei Schlaflosigkeit vorgestellt.
Klagen und Beschwerden über Ein- und
Durchschlafstörungen bzw. frühmorgendliches Erwachen
und eine daraus resultierende Beeinträchtigung der
Tagesbefindlichkeit (z.B. Tagesschläfrigkeit, mangelnde
Leistungsfähigkeit) sind ein weit verbreitetes Problem.
In den letzten Jahren hat sich der
Blickwinkel bei der Betrachtung von Schlafstörungen
ver-ändert: Inzwischen steht weniger der Begriff der
Insomnie im Vordergrund, stattdessen ist der Begriff
»Nicht-erholsamer Schlaf« in den Mittelpunkt der
Aufmerksamkeit gerückt. Dieser Wechsel der Sichtweise
rührt daher, dass man erkannt hat, dass für viele
Patienten mit Schlafstörungen weniger die
Einschränkung des Nachtschlafs im Vordergrund steht,
sondern dass vor allem massive Störungen der
Tagesbefindlichkeit bzw. der Funktionsfähigkeit ihnen
Probleme bereiten.
Wie häufig sind Insomnien?
Unsere Arbeitsgruppe hat sich
hauptsächlich mit der Häufigkeit von Insomnien in
Allgemeinarztpraxen befasst. In einer ersten Studie (Mannheimer
Allgemeinarztstudie) wurden 2500 Patienten in
Allgemeinarztpraxen befragt. Dabei zeigte sich, dass ca. 20%
der Patienten über eine Insomnie und eine daraus
resultierende Beeinträchtigung der Tagesbefindlichkeit
klagten. Diese Beschwerden nahmen mit dem Alter zu und waren
bei Frauen häufiger als bei Männern. Viele Patienten
litten gleichzeitig an verschiedenen organischen und
psychiatrischen Erkrankungen. In einer weiteren Studie in
Freiburger und Göttinger Allgemeinarztpraxen konnten wir
diese Ergebnisse bestätigen, wobei auffiel, dass Patienten
mit Insomnien den Hausärzten in nur 40% der Fälle als
solche bekannt waren.
Wichtig: Schlafhygiene
Die erste Frage, die sich bei Patienten mit
der Beschwerde nicht-erholsamer Schlaf stellt, ist, ob die
Regeln der Schlafhygiene beachtet werden:
Nach dem Mittagessen keine
koffeinhaltigen Getränke (Kaffee, Schwarztee, Cola)
trinken
Alkohol weitgehend vermeiden, nicht
als Schlafmittel einsetzen
Keine Appetitzügler
Verzicht auf schwere Mahlzeiten am
Abend
Regelmäßige
körperliche Aktivität
Allmähliche Verringerung
geistiger und körperlicher Anstrengung vor dem Zubettgehen
Persönliches Einschlafritual
einführen
Angenehme Atmosphäre im
Schlafzimmer schaffen
Nachts nicht auf den Wecker oder die
Armbanduhr schauen
Wichtig ist dabei, dass der Arzt die Regeln
der Schlafhygiene mit dem Patienten bespricht, statt ihm
einfach nur ein Merkblatt auszuhändigen. Generell
notwendig, um festzustellen, ob die schlafhygienischen Regeln
befolgt werden, ist das Ausfüllen eines Schlaftagebuchs
durch den Patienten über einen Zeitraum von bis zu 14
Tagen. Das Schlaftagebuch erlaubt es, Daten über subjektiv
geschätzte Ein- und Durchschlafzeiten, nächtliche
Wachperioden, das Erholtsein am Morgen sowie die
Tagesbefindlichkeit zu erheben. Damit können oft
verallgemeinerte negative Aussagen wie etwa »Ich habe
seit Wochen kein Auge mehr zugetan« relativiert werden,
da meist doch Abfolgen von guten und schlechten Nächten
auftreten. Ebenso ist es wichtig zu erfassen, ob Patienten
tagsüber schlafen, weil dann einfache
Verhaltensänderungen schon erfolgreich sein können.
Wichtige schlafhygienische Prinzipien sind
der Verzicht auf Alkohol bei Schlafstörungen sowie der
Vorschlag, nachts nicht auf den Wecker zu sehen. Den Patienten
kann auch empfohlen werden, sich über Schlaf und
Schlafstörungen in populärwissenschaftlichen
Ratgebern zu informieren.
Leben im Einklang mit der »inneren
Uhr«
In einem nächsten Schritt ist zu
prüfen, ob der nicht-erholsame Schlaf durch eine mangelnde
Anpassung des aktuellen Schlaf-wach-Rhythmus des Patienten an
die innere Uhr verursacht ist. Dies ist z.B. der Fall beim
Jetlag, aber auch bei Schichtarbeitern oder bei Blinden. Beim
Jetlag verschwinden die Probleme in der Regel von selbst,
sobald die Betroffenen ihre innere Uhr an die neue Ortszeit
angepasst haben. Medikamentös kann beim Jetlag Melatonin
eingesetzt werden.
Einnahme schlafstörender Substanzen
Ein nächster Schritt der Diagnostik
zielt darauf ab, zu prüfen, ob der nicht-erholsame Schlaf
auf die Einnahme schlafstörender Substanzen
zurückzuführen ist. Dazu gehören fast alle
legalen und illegalen Genussmittel und Drogen sowie auch viele
ärztlich verordnete Medikamente, die als Haupt- oder
Nebenwirkung den Schlaf stören können. Ein
entsprechender Konsum kann über das Führen des
Schlaftagebuchs und die dort aufgeführten Fragen zur
Einnahme von Koffein, Alkohol, Medikamenten und Drogen
geklärt werden. Bei illegalen Drogen ist von einer
Einnahme abzuraten, gegebenenfalls ist eine Entzugs- oder
Entwöhnungsbehandlung notwendig. Dies gilt natürlich
auch für legale Drogen, wie Alkohol. Es ist auch davon
abzuraten, nach 14 Uhr Koffein zu konsumieren.
Komplizierter ist die Situation bei
ärztlich verordneten Medikamenten, wie z.B. Betablockern,
die auch als Nebenwirkung Schlafstörungen hervorrufen
können. Sollte ein zeitlich enger Zusammenhang des
Auftretens von Schlafstörungen mit dem Beginn einer
Medikamenteneinnahme gekoppelt sein, so erhärtet dies den
Verdacht, dass die Insomnie durch diese Substanz hervorgerufen
wurde. Im günstigsten Fall kann der Patient dann auf eine
andere Substanzklasse mit vergleichbarer Wirkung umgestellt
werden.
Organische, psychiatrische oder
primäre Insomnie?
In einem nächsten Schritt stellt sich
die Frage, ob eine Schlafstörung organisch bzw.
psychiatrisch bedingt ist oder ob es sich um eine primäre
Insomnie handelt. Als organische Ursachen kommen zahlreiche
Erkrankungen in Frage:
Herz- und Lungenerkrankungen
Chronische Nierenerkrankungen,
Magen-Darm-Leiden
Erkrankungen des Stoffwechsels und
Hormonsystems
Chronischer Schmerz
Bösartige Tumoren, chronische
Infektionen
Epilepsien
Parkinson-Erkrankung
Polyneuropathien (Nervenerkrankungen
mit Missempfindungen der Haut)
RLS (»Restless Legs«)
In der Regel steht bei einer organisch
bedingten Insomnie die Behandlung der Grunderkrankung im
Vordergrund. In vielen Fällen, besonders bei
bösartigen Erkrankungen, wird eine ausreichende Behandlung
jedoch nicht mehr möglich sein, sodass dann an eine
medikamentöse bzw. zusätzliche psychotherapeutische
Behandlung der Schlafstörung gedacht werden muss.
Bei organisch bedingten
Schlafstörungen muss insbesondere das
Restless-Legs-Syndrom erwähnt werden. Hier schildern die
Patienten unangenehme, quälende, oft schwer zu
beschreibende Missempfindungen in den Beinen (manchmal auch in
den Armen), die meist erst in Ruhe sowie nachts auftreten, mit
einem Bewegungsdrang assoziiert sind und das Ein- und
Durchschlafen massiv stören. Durch aktive Bewegung
können die Missempfindungen für kurze Zeit gelindert
werden. In der Regel geht das Restless-Legs-Syndrom mit einer
erhöhten Anzahl nächtlicher periodischer
Beinbewegungen (PLMS) im Schlaf einher, die wiederum den Schlaf
deutlich stören.
Ebenso spielen psychiatrische Erkrankungen
eine große Rolle bei der Auslösung und
Aufrechterhaltung des nicht-erholsamen Schlafs.
Insbesondere bei depressiven Störungen
ist die Schlafkontinuität gestört, ebenso bei
demenziellen Erkrankungen und Psychosen, aber natürlich
auch bei Alkoholabhängigkeitserkrankungen. Auch bei den
Insomnien bzw. bei nicht-erholsamem Schlaf im Rahmen einer
psychiatrischen Erkrankung steht die Behandlung der
Grunderkrankung im Vordergrund. Bei ausgeprägten
Insomnien, die auf eine alleinige medikamentöse Therapie
der Grunderkrankung nicht ansprechen, sind zusätzliche
verhaltenstherapeutische Maßnahmen und bzw. oder
schlaffördernde Medikamente angezeigt.
Ursachen der primären Insomnie
Die primäre Insomnie beruht nicht auf
einer reinen Ausschlussdiagnostik psychiatrischer oder
organischer Faktoren, sondern resultiert aus einem
psychophysiologischen Bedingungsmodell. Verschiedene
psychophysiologische Faktoren stehen im Wechselspiel und haben
die Erkrankung ausgelöst bzw. erhalten sie aufrecht.
Wichtige Faktoren, die diesen »Teufelskreis«
hervorrufen und in Gang halten, sind erhöhtes emotionales,
kognitives und physiologisches/motorisches Anspannungsniveau,
schlafbehindernde Gedanken (z.B. Ärger über die
Schlaflosigkeit und Sorgen darüber, am nächsten Tag
unausgeschlafen zu sein), ungünstige Schlafgewohnheiten
(z.B. lange Bettzeit, Schlafen bei Tage) und negative
Konsequenzen der Insomnie wie z.B. Müdigkeit,
Erschöpfung, Leistungseinbußen etc.
Medikamentöse Therapie
Für die pharmakologische Therapie der
Insomnien steht eine breite Palette an Medikamenten zur
Verfügung. Zu nennen sind hier z.B. die Benzodiazepine, an
denen sich allerdings inzwischen viele Kritikpunkte ergeben
haben. So wird z.B. die physiologische Schlafstruktur durch
Benzodiazepine verändert, d.h., der Tiefschlaf wird
unterdrückt und die schnellen Frequenzen im Wellenbild des
Gehirns nehmen zu. Außerdem kann es beim plötzlichen
Absetzen eines solchen Medikaments zu einer Rebound-Insomnie
kommen, d.h., die Schlafstörungen kehren (häufig in
verstärkter Form) wieder. Es besteht auch die Gefahr eines
verminderten Ansprechens auf das Medikament infolge eines
Gewöhnungseffekts und Abhängigkeit. Bei älteren
Patienten können bedenkliche Nebenwirkungen auftreten,
beispielsweise zeitlich begrenzte Gedächtnislücken
nach der Einnahme, nächtliche Verwirrtheit und
Stürze; außerdem kann ein Schlafapnoe-Syndrom durch
Benzodiazepine verstärkt werden. Deswegen wird
ausdrücklich empfohlen, Benzodiazepine nur bei klarer
Indikation, nur in niedriger Dosis und nur über eine kurze
Zeitdauer zu verordnen und langsam abzusetzen. Benzodiazepine
sollten nicht länger als drei bis vier Wochen verordnet
werden. Bei Patienten, bei denen früher schon einmal eine
Abhängigkeit von Medikamenten oder Drogen aufgetreten ist,
dürfen sie nicht eingesetzt werden.
Untersuchungen zur Frage der Wirksamkeit
von Benzodiazepinen als Schlafmittel ergaben eine deutliche
Überlegenheit von Benzodiazepinen im Vergleich zu Placebo
im Hinblick auf subjektive und objektive Parameter des Schlafs.
Bemerkenswert ist allerdings, dass entsprechende Studien nur
über Zeiträume von maximal vier Wochen
durchgeführt wurden.
Neuere Benzodiazepin-ähnliche
Substanzen sind Zopiclon, Zolpidem und Zaleplon. Diese
Substanzen sind keine Benzodiazepine im engeren Sinn, haben
aber eine ähnliche Wirkungsweise. Bei ihnen liegt ein
günstiges Nebenwirkungsprofil vor, was insbesondere
für die Rebound-Insomnie beim Absetzen des Medikaments und
die Entwicklung von Abhängigkeiten gilt.
Antidepressiva und Neuroleptika werden
primär zur Therapie von Schlafstörungen bei
psychiatrischen Patienten eingesetzt. Bei beiden
Präparatgruppen treten kaum Abhängigkeits- oder
Suchtprobleme auf. In den letzten Jahren werden auch die
beruhigend wirkenden Antidepressiva, wie etwa Amitriptylin,
Doxepin oder Trimipramin, in der Regel in viel niedrigeren
Dosen (10 bis 50 mg) als in der Depressionsbehandlung, bei
primären Insomnien eingesetzt. Beim Einsatz dieser
Präparate ist zu bedenken, dass unerwünschte
Nebenwirkungen im Hinblick auf das Herz-Kreislauf-System und
Blutbildveränderungen auftreten können, die es
zwingend verlangen, dass therapiebegleitend Blutbild-,
Leberwert-, EKG- und unter Umständen EEG-Kontrollen
durchgeführt werden. Diese Präparate sollten
Patienten mit Insomnien vorbehalten bleiben, die sich anders
nicht behandeln lassen.
Für Neuroleptika gilt ebenso wie
für Antidepressiva, dass sie inzwischen im breiten Rahmen
auch bei primären Insomnien (vor allem bei älteren
Patienten) eingesetzt werden. Zu bedenken sind auch hier die
möglichen Nebenwirkungen, wie etwa starke Bewegungsunruhe
und unwillkürliche Zuckungen z.B. der Gesichtsmuskulatur.
Insgesamt ist von einem generellen Einsatz von Neuroleptika bei
primären Insomnien abzuraten.
Antihistaminika sind für Patienten
frei verfügbar und werden häufig in Eigenregie
eingenommen. Wissenschaftliche Erkenntnisse im Sinne
überzeugender randomisierter klinischer Studien liegen
hierzu bisher nicht vor, was ebenso für das Chloralhydrat
gilt.
Pflanzliche Präparate und
natürliche Schlafsubstanzen
Die pflanzlichen Präparate, vor allen
Dingen baldrianhaltige Substanzen, haben in Deutschland auch in
der ärztlichen Verordnung eine große Tradition.
Wissenschaftliche Beweise der Wirksamkeit stehen für die
meisten der zugelassenen pflanzlichen Präparate bisher
noch aus. Es gibt jedoch Hinweise dafür, dass
Baldrianpräparate, zumindest in hoch dosierter Form, auch
im Schlaflabor einer Placebobehandlung zumindest leicht
überlegen sind und Schlafeffizienz und -kontinuität
leicht bessern.
Ein intensives Betätigungsfeld der
experimentellen Schlafforschung ist die Suche nach
natür-lichen Schlafsubstanzen. Das betrifft z.B. das
L-Tryptophan, das inzwischen wieder im Handel ist, sowie das
Melatonin. Für das Melatonin konnte inzwischen belegt
werden, dass es beim Jetlag wirksam ist.
Kognitiv-verhaltenstherapeutische
Strategien
Es existiert eine Reihe von potenziell
wirksamen nicht-medikamentösen Therapieansätzen bei
Insomnien.
Entspannungsmethoden spielen eine
große Rolle in der Insomniebehandlung; um sie zu
erlernen, können die Patienten an eine Abendakademie oder
Volkshochschule überwiesen werden oder an ärztliche
bzw. nicht-ärztliche Psychotherapeuten, die diese
Verfahren praktizieren.
Die Regeln der Schlafhygiene wurden bereits
besprochen – auch sie sind ein sehr wichtiger Bestandteil
der Behandlung.
Bei der Stimuluskontrolle werden Patienten
instruiert, das Bett bzw. die Ruhestatt ausschließlich
zum Schlafen (Ausnahme: sexuelle Aktivitäten) zu benutzen.
Wenn sie nicht einschlafen können, sollen sie nach einer
bestimmten Zeit (z.B. 15 Minuten) wieder aufstehen und einer
entspannenden Tätigkeit nachgehen. Ebenso soll morgens
konsequent aufgestanden werden (auch am Wochenende) und
tagsüber auf Schlaf verzichtet werden.
Bei konsequenter Einhaltung dieser Regeln
ist dieses Verfahren sehr effektiv. Anzumerken ist allerdings,
dass insbesondere ältere Patienten mit der Einhaltung
dieser Regeln Schwierigkeiten haben und der Arzt hier gemeinsam
mit dem Patienten modifizierte, auf seine speziellen
Gewohnheiten und Bedürfnisse zugeschnittene Regeln finden
sollte.
Bei der Schlafrestriktion wird noch
rigoroser vorgegangen als bei der Stimuluskontrolle: Die
Bettzeit wird auf die vom Patienten subjektiv empfundene
Schlafzeit in den letzten Wochen reduziert; wenn er z.B.
angibt, immer nur fünf Stunden pro Nacht geschlafen zu
haben, darf er auch nur fünf Stunden im Bett bleiben.
Dadurch entsteht ein erhöhter Schlafdruck und damit abends
erhöhte Müdigkeit und ein besseres Ein- und
Durchschlafen. Wochenweise wird bei gutem Effekt die Schlafzeit
dann wieder um jeweils 30 Minuten ausgedehnt.
Generell empfiehlt sich bei
schlafgestörten Patienten eine Verkürzung der
Bettzeit, die indi-viduell abzustimmen ist. Tagschlaf sollte
unterbleiben, und der Patient sollte nur bei Müdigkeit zu
Bett gehen.
Zudem gibt es eine Vielzahl von kognitiven
Techniken, die darauf abzielen, die Einstellung des Patienten
zum Schlaf zu verändern. Dazu zählen beispielsweise
Problemlösetechniken, Gedankenstopp und die
Umstrukturierung des dysfunktionalen Schlafdialogs.
Die Technik des Gedankenstopps dient dazu,
Grübeleien zu unterbrechen. Wichtig dabei ist, beim
Auftreten lästiger unangenehmer Grübeleien sich
selbst »laut Stopp zu sagen«, sich dann z.B.
vorzustellen, die Gedanken oder Grübeleien in einen
Schrank zu sperren und anschließend die Aufmerksamkeit
auf eine angenehme Vorstellung (Ruhebild) zu lenken.
Unter Umstrukturierung des dysfunktionalen
Schlafdialogs versteht man, gegen immer wieder auftretende
katastrophisierende Befürchtungen wie »Jetzt schlafe
ich schon eine Stunde nicht, das wird morgen ganz
furchtbar«, »Ich werde die ganze Nacht wieder kein
Auge zutun, morgen schaffe ich wieder nichts« eventuell
realistischere Gedanken zu setzen. Dies kann beispielsweise
sein: »Ich habe doch schon öfter erlebt, schlecht
geschlafen zu haben, mein Arbeitspensum tagsüber habe ich
jedoch trotzdem immer bewältigt«, »Acht
Stunden Schlaf pro Nacht sind nicht unbedingt notwendig, ich
habe schon oft gemerkt, dass es mit weniger geht«,
»Wenn ich schon wach liege, versuche ich mich jetzt zu
entspannen, das ist zumindest besser als zu
grübeln.«
Als besonders wirksam hat sich die
Kombination verschiedener Verfahren in Kurzzeitprogrammen zur
Gruppenbehandlung schlafgestörter Patienten erwiesen.
Interessant an der Verhaltenstherapie ist, dass sie länger
wirksam ist als die medikamentöse Therapie. Meta-Analysen
entsprechender Studien konnten belegen, dass noch 8 Monate nach
Therapieende gute Effekte nachweisbar waren.
Polysomnografische Diagnostik
Die Untersuchung im Schlaflabor kommt bei
der Diagnostik von Insomnien eher selten zum Einsatz. Wir
halten eine entsprechende polysomnografische Untersuchung nur
dann für angezeigt, wenn mindestens zwei
medikamentöse Therapien ohne Erfolg durchgeführt
wurden und ein Patient zudem auf eine fachmännisch
durchgeführte kognitive Verhaltenstherapie nicht
angesprochen hat.
Substanzgruppen zur medikamentösen
Behandlung von Insomnien:
Non-Benzodiazepine (Zopiclon, Zolpidem,
Zaleplon),
Antidepressiva (z.B. Trimipramin, Doxepin,
Amitriptylin),
Neoroleptika (z.B. Melperon, Pipamperon,
Levomepromazin),
Antihistaminika (z.B. Diphenhydramin),
Alkoholderivate (Chloralhydrat),
pflanzliche (z.B. Baldrian, Hopfen,
Melisse)
Therapiekonzepte in Freiburg
An unserer Abteilung bieten wir im Rahmen
der Ambulanz, aber auch im stationären Rahmen
Therapiekonzepte für Patienten mit Insomnie jedwelcher
Ursache an. Im Hinblick auf das Restless-Legs-Syndrom wird die
ganze Palette an medikamentösen Möglichkeiten von der
Therapie mit Magnesium bis hin zur Behandlung mit
Dopamin-Agonisten ausgeschöpft. Für Patienten mit
primären und psychiatrischen Insomnien stehen
pharmakologische und verhaltenstherapeutische
Behandlungsansätze zur Verfügung. Ein Schwerpunkt
unserer Arbeit ist die gruppentherapeutische Behandlung von
Patienten mit Insomnien mit nicht-medikamentösen
Maßnahmen. Hierbei greifen wir auf die weiter vorne
dargestellten verhaltenstherapeutischen Techniken, wie
Entspannungsmethoden, Schlafhygiene,
Schlaf-wach-Rhythmus-Strukturierung und kognitive Techniken
zurück. Diese Techniken können sowohl in der Einzel-
als auch in der Gruppentherapie sehr erfolgbringend eingesetzt
werden.
Ruhebild
Ersetzen Sie Ihre nächtlichen
Grübeleien (und die damit verbundenen negativen inneren
Bilder) einfach durch ein positives »Ruhebild«. Das
kann eine schöne Erinnerung sein – beispielsweise
eine Urlaubsszene am Strand oder ein harmonischer Abend zu
zweit. (Nur aufregende Emotionen sollte Ihr inneres Bild nach
Möglichkeit nicht wecken.) Es kann auch irgendein
Fantasiebild sein, das Sie in einen Zustand des inneren
Friedens und der Entspannung versetzt: ein blühender
Garten, grasende Kühe auf einer Wiese, eine Bootsfahrt auf
einem einsamen Bergsee – der Fantasie sind keine Grenzen
gesetzt.
Stellen Sie sich dieses Bild ganz intensiv
vor – mit allen dazugehörigen Sinneseindrücken:
Hören Sie das Rauschen der Wellen, riechen Sie den
salzigen Duft des Meeres, spüren Sie den warmen, weichen
Sand unter Ihren Fußsohlen. Je intensiver Sie sich in
dieses »Ruhebild« versenken, umso leichter wird es
Ihnen fallen, Ihre nächtlichen Grübeleien – und
die Angst vor dem Nicht-einschlafen-Können – zu
vertreiben.
Ganz wichtig: Zwingen Sie sich, nachts
nicht auf die Uhr zu schauen – notfalls drehen Sie Ihren
Wecker so, dass Sie das Zifferblatt vom Bett aus nicht sehen
können!
Grübelecke
Gewöhnen Sie sich an, am Abend vor dem
Schlafengehen in aller Ruhe Ihre Probleme oder Ihre Pläne
für den nächsten Tag niederzuschreiben – das
ist ein gutes Ritual, um den Alltag mit all seinem Stress und
seinen Sorgen zum Abschluss zu bringen. Für den Fall, dass
Sie trotzdem nachts wach werden sollten und dann anfangen,
Probleme zu wälzen, machen Sie einen bestimmten Platz in
Ihrer Wohnung zur »Grübelecke« bzw. zum
»Grübelstuhl«. Wenn nächtliche
Grübeleien Sie quälen, stehen Sie auf, begeben Sie
sich in diese »Grübelecke« (die sich nicht im
Schlafzimmer befinden darf), gehen Sie Ihren Gedanken nach,
machen Sie sich notfalls auch Notizen und gehen Sie dann, wenn
Sie das Problem »bearbeitet« und Ihre
Gedankengänge zu Ende geführt haben, wieder zu Bett.
Grübeln im Bett ist einer der schlimmsten
»Schlafkiller«, die es gibt!
Literaturempfehlung für Ärzte und
Psychotherapeuten:
Jutta Backhaus, Dieter Riemann:
Schlafstörungen. Fortschritte der Psychotherapie,
Bd. 7, Hogrefe
Verlag. Göttingen, 1999.
Literaturempfehlung für Betroffene:
Dieter Riemann: Ratgeber
Schlafstörungen.
Hogrefe Verlag,
Göttingen, 2003
Der Autor:
Prof. Dr. Dipl.-Psych. Dieter Riemann,
Abteilung für Psychiatrie und
Psychotherapie der Universitätsklinik Freiburg,
Hauptstraße 5, 79104 Freiburg,
Tel.: 0761/270-6919
Fax: 0761/270-6667
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