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Schlaflosigkeit: Diagnostik und Therapie
von Prof. Dr. Dipl..-Psych. Dieter Riemann

Schlafstörungen im Sinne einer Insomnie (d.h. Ein- und Durchschlafstörungen) sind weit verbreitet und bedeuten für die Betroffenen häufig eine starke Einschränkung der Lebensqualität. In diesem Artikel wird anhand der Leitlinie »Nicht-erholsamer Schlaf« der DGSM ein Leitfaden für die Diagnostik und Therapie des nicht-erholsamen Schlafs bei Schlaflosigkeit vorgestellt.

Klagen und Beschwerden über Ein- und Durchschlafstörungen bzw. frühmorgendliches Erwachen und eine daraus resultierende Beeinträchtigung der Tagesbefindlichkeit (z.B. Tagesschläfrigkeit, mangelnde Leistungsfähigkeit) sind ein weit verbreitetes Problem.
In den letzten Jahren hat sich der Blickwinkel bei der Betrachtung von Schlafstörungen ver-ändert: Inzwischen steht weniger der Begriff der Insomnie im Vordergrund, stattdessen ist der Begriff »Nicht-erholsamer Schlaf« in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit gerückt. Dieser Wechsel der Sichtweise rührt daher, dass man erkannt hat, dass für viele Patienten mit Schlafstörungen weniger die Einschränkung des Nachtschlafs im Vordergrund steht, sondern dass vor allem massive Störungen der Tagesbefindlichkeit bzw. der Funktionsfähigkeit ihnen Probleme bereiten.

Wie häufig sind Insomnien?
Unsere Arbeitsgruppe hat sich hauptsächlich mit der Häufigkeit von Insomnien in Allgemeinarztpraxen befasst. In einer ersten Studie (Mannheimer Allgemeinarztstudie) wurden 2500 Patienten in Allgemeinarztpraxen befragt. Dabei zeigte sich, dass ca. 20% der Patienten über eine Insomnie und eine daraus resultierende Beeinträchtigung der Tagesbefindlichkeit klagten. Diese Beschwerden nahmen mit dem Alter zu und waren bei Frauen häufiger als bei Männern. Viele Patienten litten gleichzeitig an verschiedenen organischen und psychiatrischen Erkrankungen. In einer weiteren Studie in Freiburger und Göttinger Allgemeinarztpraxen konnten wir diese Ergebnisse bestätigen, wobei auffiel, dass Patienten mit Insomnien den Hausärzten in nur 40% der Fälle als solche bekannt waren.

Wichtig: Schlafhygiene
Die erste Frage, die sich bei Patienten mit der Beschwerde nicht-erholsamer Schlaf stellt, ist, ob die Regeln der Schlafhygiene beachtet werden:
• Nach dem Mittagessen keine koffeinhaltigen Getränke (Kaffee, Schwarztee, Cola) trinken
• Alkohol weitgehend vermeiden, nicht als Schlafmittel einsetzen
• Keine Appetitzügler
• Verzicht auf schwere Mahlzeiten am Abend
• Regelmäßige körperliche Aktivität
• Allmähliche Verringerung geistiger und körperlicher Anstrengung vor dem Zubettgehen
• Persönliches Einschlafritual einführen
• Angenehme Atmosphäre im Schlafzimmer schaffen
• Nachts nicht auf den Wecker oder die Armbanduhr schauen
Wichtig ist dabei, dass der Arzt die Regeln der Schlafhygiene mit dem Patienten bespricht, statt ihm einfach nur ein Merkblatt auszuhändigen. Generell notwendig, um festzustellen, ob die schlafhygienischen Regeln befolgt werden, ist das Ausfüllen eines Schlaftagebuchs durch den Patienten über einen Zeitraum von bis zu 14 Tagen. Das Schlaftagebuch erlaubt es, Daten über subjektiv geschätzte Ein- und Durchschlafzeiten, nächtliche Wachperioden, das Erholtsein am Morgen sowie die Tagesbefindlichkeit zu erheben. Damit können oft verallgemeinerte negative Aussagen wie etwa »Ich habe seit Wochen kein Auge mehr zugetan« relativiert werden, da meist doch Abfolgen von guten und schlechten Nächten auftreten. Ebenso ist es wichtig zu erfassen, ob Patienten tagsüber schlafen, weil dann einfache Verhaltensänderungen schon erfolgreich sein können.
Wichtige schlafhygienische Prinzipien sind der Verzicht auf Alkohol bei Schlafstörungen sowie der Vorschlag, nachts nicht auf den Wecker zu sehen. Den Patienten kann auch empfohlen werden, sich über Schlaf und Schlafstörungen in populärwissenschaftlichen Ratgebern zu informieren.

Leben im Einklang mit der »inneren Uhr«
In einem nächsten Schritt ist zu prüfen, ob der nicht-erholsame Schlaf durch eine mangelnde Anpassung des aktuellen Schlaf-wach-Rhythmus des Patienten an die innere Uhr verursacht ist. Dies ist z.B. der Fall beim Jetlag, aber auch bei Schichtarbeitern oder bei Blinden. Beim Jetlag verschwinden die Probleme in der Regel von selbst, sobald die Betroffenen ihre innere Uhr an die neue Ortszeit angepasst haben. Medikamentös kann beim Jetlag Melatonin eingesetzt werden.

Einnahme schlafstörender Substanzen
Ein nächster Schritt der Diagnostik zielt darauf ab, zu prüfen, ob der nicht-erholsame Schlaf auf die Einnahme schlafstörender Substanzen zurückzuführen ist. Dazu gehören fast alle legalen und illegalen Genussmittel und Drogen sowie auch viele ärztlich verordnete Medikamente, die als Haupt- oder Nebenwirkung den Schlaf stören können. Ein entsprechender Konsum kann über das Führen des Schlaftagebuchs und die dort aufgeführten Fragen zur Einnahme von Koffein, Alkohol, Medikamenten und Drogen geklärt werden. Bei illegalen Drogen ist von einer Einnahme abzuraten, gegebenenfalls ist eine Entzugs- oder Entwöhnungsbehandlung notwendig. Dies gilt natürlich auch für legale Drogen, wie Alkohol. Es ist auch davon abzuraten, nach 14 Uhr Koffein zu konsumieren.
Komplizierter ist die Situation bei ärztlich verordneten Medikamenten, wie z.B. Betablockern, die auch als Nebenwirkung Schlafstörungen hervorrufen können. Sollte ein zeitlich enger Zusammenhang des Auftretens von Schlafstörungen mit dem Beginn einer Medikamenteneinnahme gekoppelt sein, so erhärtet dies den Verdacht, dass die Insomnie durch diese Substanz hervorgerufen wurde. Im günstigsten Fall kann der Patient dann auf eine andere Substanzklasse mit vergleichbarer Wirkung umgestellt werden.

Organische, psychiatrische oder primäre Insomnie?
In einem nächsten Schritt stellt sich die Frage, ob eine Schlafstörung organisch bzw. psychiatrisch bedingt ist oder ob es sich um eine primäre Insomnie handelt. Als organische Ursachen kommen zahlreiche Erkrankungen in Frage:
• Herz- und Lungenerkrankungen
• Chronische Nierenerkrankungen, Magen-Darm-Leiden
• Erkrankungen des Stoffwechsels und Hormonsystems
• Chronischer Schmerz
• Bösartige Tumoren, chronische Infektionen
• Epilepsien
• Parkinson-Erkrankung
• Polyneuropathien (Nervenerkrankungen mit Missempfindungen der Haut)
• RLS (»Restless Legs«)
In der Regel steht bei einer organisch bedingten Insomnie die Behandlung der Grunderkrankung im Vordergrund. In vielen Fällen, besonders bei bösartigen Erkrankungen, wird eine ausreichende Behandlung jedoch nicht mehr möglich sein, sodass dann an eine medikamentöse bzw. zusätzliche psychotherapeutische Behandlung der Schlafstörung gedacht werden muss.
Bei organisch bedingten Schlafstörungen muss insbesondere das Restless-Legs-Syndrom erwähnt werden. Hier schildern die Patienten unangenehme, quälende, oft schwer zu beschreibende Missempfindungen in den Beinen (manchmal auch in den Armen), die meist erst in Ruhe sowie nachts auftreten, mit einem Bewegungsdrang assoziiert sind und das Ein- und Durchschlafen massiv stören. Durch aktive Bewegung können die Missempfindungen für kurze Zeit gelindert werden. In der Regel geht das Restless-Legs-Syndrom mit einer erhöhten Anzahl nächtlicher periodischer Beinbewegungen (PLMS) im Schlaf einher, die wiederum den Schlaf deutlich stören.
Ebenso spielen psychiatrische Erkrankungen eine große Rolle bei der Auslösung und Aufrechterhaltung des nicht-erholsamen Schlafs.
Insbesondere bei depressiven Störungen ist die Schlafkontinuität gestört, ebenso bei demenziellen Erkrankungen und Psychosen, aber natürlich auch bei Alkoholabhängigkeitserkrankungen. Auch bei den Insomnien bzw. bei nicht-erholsamem Schlaf im Rahmen einer psychiatrischen Erkrankung steht die Behandlung der Grunderkrankung im Vordergrund. Bei ausgeprägten Insomnien, die auf eine alleinige medikamentöse Therapie der Grunderkrankung nicht ansprechen, sind zusätzliche verhaltenstherapeutische Maßnahmen und bzw. oder schlaffördernde Medikamente angezeigt.

Ursachen der primären Insomnie
Die primäre Insomnie beruht nicht auf einer reinen Ausschlussdiagnostik psychiatrischer oder organischer Faktoren, sondern resultiert aus einem psychophysiologischen Bedingungsmodell. Verschiedene psychophysiologische Faktoren stehen im Wechselspiel und haben die Erkrankung ausgelöst bzw. erhalten sie aufrecht. Wichtige Faktoren, die diesen »Teufelskreis« hervorrufen und in Gang halten, sind erhöhtes emotionales, kognitives und physiologisches/motorisches Anspannungsniveau, schlafbehindernde Gedanken (z.B. Ärger über die Schlaflosigkeit und Sorgen darüber, am nächsten Tag unausgeschlafen zu sein), ungünstige Schlafgewohnheiten (z.B. lange Bettzeit, Schlafen bei Tage) und negative Konsequenzen der Insomnie wie z.B. Müdigkeit, Erschöpfung, Leistungseinbußen etc.

Medikamentöse Therapie
Für die pharmakologische Therapie der Insomnien steht eine breite Palette an Medikamenten zur Verfügung. Zu nennen sind hier z.B. die Benzodiazepine, an denen sich allerdings inzwischen viele Kritikpunkte ergeben haben. So wird z.B. die physiologische Schlafstruktur durch Benzodiazepine verändert, d.h., der Tiefschlaf wird unterdrückt und die schnellen Frequenzen im Wellenbild des Gehirns nehmen zu. Außerdem kann es beim plötzlichen Absetzen eines solchen Medikaments zu einer Rebound-Insomnie kommen, d.h., die Schlafstörungen kehren (häufig in verstärkter Form) wieder. Es besteht auch die Gefahr eines verminderten Ansprechens auf das Medikament infolge eines Gewöhnungseffekts und Abhängigkeit. Bei älteren Patienten können bedenkliche Nebenwirkungen auftreten, beispielsweise zeitlich begrenzte Gedächtnislücken nach der Einnahme, nächtliche Verwirrtheit und Stürze; außerdem kann ein Schlafapnoe-Syndrom durch Benzodiazepine verstärkt werden. Deswegen wird ausdrücklich empfohlen, Benzodiazepine nur bei klarer Indikation, nur in niedriger Dosis und nur über eine kurze Zeitdauer zu verordnen und langsam abzusetzen. Benzodiazepine sollten nicht länger als drei bis vier Wochen verordnet werden. Bei Patienten, bei denen früher schon einmal eine Abhängigkeit von Medikamenten oder Drogen aufgetreten ist, dürfen sie nicht eingesetzt werden.
Untersuchungen zur Frage der Wirksamkeit von Benzodiazepinen als Schlafmittel ergaben eine deutliche Überlegenheit von Benzodiazepinen im Vergleich zu Placebo im Hinblick auf subjektive und objektive Parameter des Schlafs. Bemerkenswert ist allerdings, dass entsprechende Studien nur über Zeiträume von maximal vier Wochen durchgeführt wurden.
Neuere Benzodiazepin-ähnliche Substanzen sind Zopiclon, Zolpidem und Zaleplon. Diese Substanzen sind keine Benzodiazepine im engeren Sinn, haben aber eine ähnliche Wirkungsweise. Bei ihnen liegt ein günstiges Nebenwirkungsprofil vor, was insbesondere für die Rebound-Insomnie beim Absetzen des Medikaments und die Entwicklung von Abhängigkeiten gilt.
Antidepressiva und Neuroleptika werden primär zur Therapie von Schlafstörungen bei psychiatrischen Patienten eingesetzt. Bei beiden Präparatgruppen treten kaum Abhängigkeits- oder Suchtprobleme auf. In den letzten Jahren werden auch die beruhigend wirkenden Antidepressiva, wie etwa Amitriptylin, Doxepin oder Trimipramin, in der Regel in viel niedrigeren Dosen (10 bis 50 mg) als in der Depressionsbehandlung, bei primären Insomnien eingesetzt. Beim Einsatz dieser Präparate ist zu bedenken, dass unerwünschte Nebenwirkungen im Hinblick auf das Herz-Kreislauf-System und Blutbildveränderungen auftreten können, die es zwingend verlangen, dass therapiebegleitend Blutbild-, Leberwert-, EKG- und unter Umständen EEG-Kontrollen durchgeführt werden. Diese Präparate sollten Patienten mit Insomnien vorbehalten bleiben, die sich anders nicht behandeln lassen.
Für Neuroleptika gilt ebenso wie für Antidepressiva, dass sie inzwischen im breiten Rahmen auch bei primären Insomnien (vor allem bei älteren Patienten) eingesetzt werden. Zu bedenken sind auch hier die möglichen Nebenwirkungen, wie etwa starke Bewegungsunruhe und unwillkürliche Zuckungen z.B. der Gesichtsmuskulatur. Insgesamt ist von einem generellen Einsatz von Neuroleptika bei primären Insomnien abzuraten.
Antihistaminika sind für Patienten frei verfügbar und werden häufig in Eigenregie eingenommen. Wissenschaftliche Erkenntnisse im Sinne überzeugender randomisierter klinischer Studien liegen hierzu bisher nicht vor, was ebenso für das Chloralhydrat gilt.

Pflanzliche Präparate und natürliche Schlafsubstanzen
Die pflanzlichen Präparate, vor allen Dingen baldrianhaltige Substanzen, haben in Deutschland auch in der ärztlichen Verordnung eine große Tradition. Wissenschaftliche Beweise der Wirksamkeit stehen für die meisten der zugelassenen pflanzlichen Präparate bisher noch aus. Es gibt jedoch Hinweise dafür, dass Baldrianpräparate, zumindest in hoch dosierter Form, auch im Schlaflabor einer Placebobehandlung zumindest leicht überlegen sind und Schlafeffizienz und -kontinuität leicht bessern.
Ein intensives Betätigungsfeld der experimentellen Schlafforschung ist die Suche nach natür-lichen Schlafsubstanzen. Das betrifft z.B. das L-Tryptophan, das inzwischen wieder im Handel ist, sowie das Melatonin. Für das Melatonin konnte inzwischen belegt werden, dass es beim Jetlag wirksam ist.

Kognitiv-verhaltenstherapeutische Strategien
Es existiert eine Reihe von potenziell wirksamen nicht-medikamentösen Therapieansätzen bei Insomnien.
Entspannungsmethoden spielen eine große Rolle in der Insomniebehandlung; um sie zu erlernen, können die Patienten an eine Abendakademie oder Volkshochschule überwiesen werden oder an ärztliche bzw. nicht-ärztliche Psychotherapeuten, die diese Verfahren praktizieren.
Die Regeln der Schlafhygiene wurden bereits besprochen – auch sie sind ein sehr wichtiger Bestandteil der Behandlung.
Bei der Stimuluskontrolle werden Patienten instruiert, das Bett bzw. die Ruhestatt ausschließlich zum Schlafen (Ausnahme: sexuelle Aktivitäten) zu benutzen. Wenn sie nicht einschlafen können, sollen sie nach einer bestimmten Zeit (z.B. 15 Minuten) wieder aufstehen und einer entspannenden Tätigkeit nachgehen. Ebenso soll morgens konsequent aufgestanden werden (auch am Wochenende) und tagsüber auf Schlaf verzichtet werden.
Bei konsequenter Einhaltung dieser Regeln ist dieses Verfahren sehr effektiv. Anzumerken ist allerdings, dass insbesondere ältere Patienten mit der Einhaltung dieser Regeln Schwierigkeiten haben und der Arzt hier gemeinsam mit dem Patienten modifizierte, auf seine speziellen Gewohnheiten und Bedürfnisse zugeschnittene Regeln finden sollte.
Bei der Schlafrestriktion wird noch rigoroser vorgegangen als bei der Stimuluskontrolle: Die Bettzeit wird auf die vom Patienten subjektiv empfundene Schlafzeit in den letzten Wochen reduziert; wenn er z.B. angibt, immer nur fünf Stunden pro Nacht geschlafen zu haben, darf er auch nur fünf Stunden im Bett bleiben. Dadurch entsteht ein erhöhter Schlafdruck und damit abends erhöhte Müdigkeit und ein besseres Ein- und Durchschlafen. Wochenweise wird bei gutem Effekt die Schlafzeit dann wieder um jeweils 30 Minuten ausgedehnt.
Generell empfiehlt sich bei schlafgestörten Patienten eine Verkürzung der Bettzeit, die indi-viduell abzustimmen ist. Tagschlaf sollte unterbleiben, und der Patient sollte nur bei Müdigkeit zu Bett gehen.
Zudem gibt es eine Vielzahl von kognitiven Techniken, die darauf abzielen, die Einstellung des Patienten zum Schlaf zu verändern. Dazu zählen beispielsweise Problemlösetechniken, Gedankenstopp und die Umstrukturierung des dysfunktionalen Schlafdialogs.
Die Technik des Gedankenstopps dient dazu, Grübeleien zu unterbrechen. Wichtig dabei ist, beim Auftreten lästiger unangenehmer Grübeleien sich selbst »laut Stopp zu sagen«, sich dann z.B. vorzustellen, die Gedanken oder Grübeleien in einen Schrank zu sperren und anschließend die Aufmerksamkeit auf eine angenehme Vorstellung (Ruhebild) zu lenken.
Unter Umstrukturierung des dysfunktionalen Schlafdialogs versteht man, gegen immer wieder auftretende katastrophisierende Befürchtungen wie »Jetzt schlafe ich schon eine Stunde nicht, das wird morgen ganz furchtbar«, »Ich werde die ganze Nacht wieder kein Auge zutun, morgen schaffe ich wieder nichts« eventuell realistischere Gedanken zu setzen. Dies kann beispielsweise sein: »Ich habe doch schon öfter erlebt, schlecht geschlafen zu haben, mein Arbeitspensum tagsüber habe ich jedoch trotzdem immer bewältigt«, »Acht Stunden Schlaf pro Nacht sind nicht unbedingt notwendig, ich habe schon oft gemerkt, dass es mit weniger geht«, »Wenn ich schon wach liege, versuche ich mich jetzt zu entspannen, das ist zumindest besser als zu grübeln.«
Als besonders wirksam hat sich die Kombination verschiedener Verfahren in Kurzzeitprogrammen zur Gruppenbehandlung schlafgestörter Patienten erwiesen. Interessant an der Verhaltenstherapie ist, dass sie länger wirksam ist als die medikamentöse Therapie. Meta-Analysen entsprechender Studien konnten belegen, dass noch 8 Monate nach Therapieende gute Effekte nachweisbar waren.

Polysomnografische Diagnostik
Die Untersuchung im Schlaflabor kommt bei der Diagnostik von Insomnien eher selten zum Einsatz. Wir halten eine entsprechende polysomnografische Untersuchung nur dann für angezeigt, wenn mindestens zwei medikamentöse Therapien ohne Erfolg durchgeführt wurden und ein Patient zudem auf eine fachmännisch durchgeführte kognitive Verhaltenstherapie nicht angesprochen hat.

Substanzgruppen zur medikamentösen Behandlung von Insomnien:
Non-Benzodiazepine (Zopiclon, Zolpidem, Zaleplon),
Antidepressiva (z.B. Trimipramin, Doxepin, Amitriptylin),
Neoroleptika (z.B. Melperon, Pipamperon, Levomepromazin),
Antihistaminika (z.B. Diphenhydramin),
Alkoholderivate (Chloralhydrat),
pflanzliche (z.B. Baldrian, Hopfen, Melisse)

Therapiekonzepte in Freiburg
An unserer Abteilung bieten wir im Rahmen der Ambulanz, aber auch im stationären Rahmen Therapiekonzepte für Patienten mit Insomnie jedwelcher Ursache an. Im Hinblick auf das Restless-Legs-Syndrom wird die ganze Palette an medikamentösen Möglichkeiten von der Therapie mit Magnesium bis hin zur Behandlung mit Dopamin-Agonisten ausgeschöpft. Für Patienten mit primären und psychiatrischen Insomnien stehen pharmakologische und verhaltenstherapeutische Behandlungsansätze zur Verfügung. Ein Schwerpunkt unserer Arbeit ist die gruppentherapeutische Behandlung von Patienten mit Insomnien mit nicht-medikamentösen Maßnahmen. Hierbei greifen wir auf die weiter vorne dargestellten verhaltenstherapeutischen Techniken, wie Entspannungsmethoden, Schlafhygiene, Schlaf-wach-Rhythmus-Strukturierung und kognitive Techniken zurück. Diese Techniken können sowohl in der Einzel- als auch in der Gruppentherapie sehr erfolgbringend eingesetzt werden.

Ruhebild
Ersetzen Sie Ihre nächtlichen Grübeleien (und die damit verbundenen negativen inneren Bilder) einfach durch ein positives »Ruhebild«. Das kann eine schöne Erinnerung sein – beispielsweise eine Urlaubsszene am Strand oder ein harmonischer Abend zu zweit. (Nur aufregende Emotionen sollte Ihr inneres Bild nach Möglichkeit nicht wecken.) Es kann auch irgendein Fantasiebild sein, das Sie in einen Zustand des inneren Friedens und der Entspannung versetzt: ein blühender Garten, grasende Kühe auf einer Wiese, eine Bootsfahrt auf einem einsamen Bergsee – der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.
Stellen Sie sich dieses Bild ganz intensiv vor – mit allen dazugehörigen Sinneseindrücken: Hören Sie das Rauschen der Wellen, riechen Sie den salzigen Duft des Meeres, spüren Sie den warmen, weichen Sand unter Ihren Fußsohlen. Je intensiver Sie sich in dieses »Ruhebild« versenken, umso leichter wird es Ihnen fallen, Ihre nächtlichen Grübeleien – und die Angst vor dem Nicht-einschlafen-Können – zu vertreiben.
Ganz wichtig: Zwingen Sie sich, nachts nicht auf die Uhr zu schauen – notfalls drehen Sie Ihren Wecker so, dass Sie das Zifferblatt vom Bett aus nicht sehen können!

Grübelecke
Gewöhnen Sie sich an, am Abend vor dem Schlafengehen in aller Ruhe Ihre Probleme oder Ihre Pläne für den nächsten Tag niederzuschreiben – das ist ein gutes Ritual, um den Alltag mit all seinem Stress und seinen Sorgen zum Abschluss zu bringen. Für den Fall, dass Sie trotzdem nachts wach werden sollten und dann anfangen, Probleme zu wälzen, machen Sie einen bestimmten Platz in Ihrer Wohnung zur »Grübelecke« bzw. zum »Grübelstuhl«. Wenn nächtliche Grübeleien Sie quälen, stehen Sie auf, begeben Sie sich in diese »Grübelecke« (die sich nicht im Schlafzimmer befinden darf), gehen Sie Ihren Gedanken nach, machen Sie sich notfalls auch Notizen und gehen Sie dann, wenn Sie das Problem »bearbeitet« und Ihre Gedankengänge zu Ende geführt haben, wieder zu Bett. Grübeln im Bett ist einer der schlimmsten »Schlafkiller«, die es gibt!

Literaturempfehlung für Ärzte und Psychotherapeuten:
Jutta Backhaus, Dieter Riemann: Schlafstörungen. Fortschritte der Psychotherapie,
Bd. 7, Hogrefe
Verlag. Göttingen, 1999.

Literaturempfehlung für Betroffene:
Dieter Riemann: Ratgeber Schlafstörungen.
Hogrefe Verlag,
Göttingen, 2003

Der Autor:
Prof. Dr. Dipl.-Psych. Dieter Riemann,
Abteilung für Psychiatrie und Psychotherapie der Universitätsklinik Freiburg,
Hauptstraße 5, 79104 Freiburg,
Tel.: 0761/270-6919
Fax: 0761/270-6667