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Wenn Kinder schnarchen
Probleme für Leistung und Konzentration
von Marion Zerbst

Für seine bahnbrechende Studie zu dem Thema »Schnarchen bei Schulkindern« wurde Dr. Michael Urschitz anlässlich der diesjährigen Tagung der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM) der von der Firma Weinmann gestiftete Nachwuchsförderpreis Schlafforschung 2003 verliehen.

Dass Kleinkinder, die gewohnheitsmäßig schnarchen, häufiger unter Hyperaktivität und Tagesmüdigkeit leiden und sich aggressiv verhalten, war schon seit längerem bekannt. Professor Dr. Christian Poets, Dr. Michael Urschitz und Mitarbeiter von der Universitäts-Kinderklinik Tübingen und der Medizinischen Hochschule Hannover stellten sich nun die Frage, ob das auch bei Schulkindern so ist und ob möglicherweise ein Zusammenhang zwischen Schnarchen und schlechten schulischen Leistungen besteht.
Im Jahr 2001 wurden dazu 1144 Drittklässler aus 27 Grundschulen in Hannover untersucht. Die Eltern erteilten anhand von Fragebogen Auskunft darüber, ob ihre Kinder schnarchten und ob sie Verhaltensauffälligkeiten wie Hyperaktivität, Konzentrationsmangel, Tagesschläfrigkeit und Einschlafneigung in der Schule und vor dem Fernseher zeigten. Als habituell (gewohnheitsmäßig) schnarchend wurden Kinder definiert, bei denen die Eltern die Frage nach dem Schnarchen mit »häufig« oder »immer« beantworteten. Als Kontrollgruppe (das heißt zum Vergleich) dienten Kinder, die niemals schnarchten.

Schlechtere Noten für schnarchende Kinder
Dabei zeigte sich, dass habituell schnarchende Kinder schlechtere Leistungen in der Schule erbrachten. Das Risiko für schlechte Schulleistungen stieg proportional zur Häufigkeit des Schnarchens an. So erhielten beispielsweise nur 16% der Schüler, die niemals schnarchten, schlechte Noten in Mathematik; bei den häufig schnarchenden Kindern waren es 28%; bei den ständig schnarchenden Schülern hatte sogar jeder zweite im letzten Zeugnis eine 4, 5 oder 6 in Mathematik gehabt.

Bei vielen Kindern verschwand das Schnarchen von selbst wieder
Im Jahr 2002 wurden die Eltern von 80 Kindern, die bei der Erstbefragung habituell geschnarcht hatten, erneut befragt. Von diesen 80 Kindern hatten 41 nach einem Jahr aufgehört zu schnarchen, 39 schnarchten weiterhin.
Die zweite Befragung ergab, dass die Kinder, die nicht mehr schnarchten, auch nicht mehr unter Hyperaktivität und Konzentrationsstörungen litten. Auch hinsichtlich der Tagesschläfrigkeit (Einschlafen vor dem Fernseher und in der Schule) war eine rückläufige Tendenz zu verzeichnen. Die Kinder, die immer noch schnarchten, litten dagegen nicht nur nach wie vor an Hyperaktivität und Konzentrationsmangel, sondern hatten auch viel mehr emotionale Probleme und Schwierigkeiten mit Klassenkameraden als ihre nicht schnarchenden Mitschüler. Schnarchen wirkt sich also offensichtlich auch auf das soziale Verhalten von Kindern aus.

Schuld ist wahrscheinlich der gestörte Schlaf
Um herauszufinden, warum das Schnarchen zu solchen Problemen führt, wurden bei den Kindern eine Nacht lang Pulsfrequenz und Sauerstoffgehalt des Blutes aufgezeichnet. Dabei zeigte sich, dass die schlechten Schulleistungen der schnarchenden Kinder offenbar nicht – wie Poets und Urschitz anfangs vermutet hatten – auf Sauerstoffmangel aufgrund der gestörten Atmung zurückzuführen waren: Denn auch schnarchende Kinder mit normalen nächtlichen Sauerstoffwerten zeigten schlechtere Leistungen in der Schule. Urschitz und seine Kollegen vermuten vielmehr, dass durch das Schnarchen der Schlaf der Kinder gestört wird und dass die Probleme dadurch entstehen. Dafür spricht auch, dass das Schnarchen mit häufigen Veränderungen der Pulsfrequenz einherging.

Dr. Michael Urschitz hat in Wien studiert, dort seine Ausbildung zum Kinderfacharzt begonnen und ging im Jahr 2000 nach Hannover an die Medizinische Hochschule, Abteilung Pädiatrische Pneumologie und Neonatologie. Dort führte er seine Studie zum Thema »schnarchende Kinder« durch. Seit dem Jahr 2002 ist er in der Abteilung Neonatologie am Universitätsklinikum Tübingen tätig.

Die Ergebnisse dieser von Professor Christian Poets und Dr. Michael Urschitz geleiteten Untersuchung wurden im »American Journal of Respiratory and Critical Care Medicine« (2003, 168:464–468) veröffentlicht.