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Wahrträume – kann man im Traum tatsächlich
in die Zukunft sehen?
Ausgewählte Artikel
Heft 2/2010




Wahrträume
Kann man im Traum tatsächlich in die Zukunft sehen?
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Prof. Dr. Michael Schredl

In Umfragen berichten bis zu 50 % aller Menschen, mindestens einmal in ihrem Leben einen Wahrtraum gehabt zu haben. Solche Fälle müssen natürlich genau geprüft werden; denn oft handelt es sich dabei in Wirklichkeit gar nicht um Träume, in denen die Zukunft „vorausgesehen“ wurde. Doch auch nach sorgfältigster Prüfung bleibt immer noch ein gewisser Prozentsatz an Träumen übrig, der eine überzufällige Übereinstimmung mit dem späteren Ereignis aufweist. Wie es zu solchen Phänomenen kommen kann, ist noch nicht geklärt.

Über die Geschichte der Menschheit hinweg wurden viele Wahrträume berichtet. Ein sehr bekanntes Beispiel aus der Bibel ist der Traum des Pharaos von den sieben fetten und sieben mageren Kühen, der von Joseph als zukunftsweisend gedeutet wird, d. h. als Vorhersage einer siebenjährigen Dürreperiode. Ein weiteres historisches Beispiel ist das Attentat auf den Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand in Sarajewo, das im Traum seines Lehrers Bischof Lanyi vorhergesehen wurde.

Was sind Wahrträume?
Zunächst stellt sich die Frage nach der präzisen Definition des Begriffs Wahrtraum. Unter Wahrtraum oder präkognitivem Traum wird ein Traum verstanden, der Vorauswissen beinhaltet, das nicht aufgrund momentan zur Verfügung stehender Information erschlossen werden kann. Ob ein Traum ein Wahrtraum ist, weiß man also erst im Nachhinein, wenn das Ereignis eingetreten ist. Die Wahrträume werden zu den paranormalen Erfahrungen gerechnet und recht häufig berichtet: 17,8 % bis 50 % der Personen in teilweise repräsentativen Umfragen geben an, mindestens einmal in ihrem Leben einen Wahrtraum erlebt zu haben. Der Prozentsatz der Personen, die glauben, dass Vorauswissen in Träumen möglich ist, ist noch höher: 63 % bis 98 % der Befragten.
Gerade weil Wahrträume so häufig beschrieben werden, muss man genau hinschauen, um mögliche andere Erklärungen ausschließen zu können. Hans Bender, der bekannteste Parapsychologe und Professor an der Universität Freiburg, hat dazu einige Kriterien zusammengestellt.

Kriterien zur Untersuchung von Wahrträumen
• Traum sollte erzäh

Experimentelle Laborstudien
Eine Forschergruppe am Maimonides-Krankenhaus in New York führte zwei Untersuchungen zu Wahrträumen durch. Als Versuchsperson stellte sich Malcolm Bessent, der bereits vor Beginn der Studien über außergewöhnliche Wahrtraumerlebnisse berichtet hatte, zur Verfügung. Nach acht Schlaflabornächten mit Traumweckungen aus jeder REM-Phase wurde über komplexe Auswahlprozeduren ein Wort aus einer Liste von Traumobjekten ausgewählt. Der Versuchsleiter suchte Bilder und andere Dinge aus, die er der Versuchsperson vorführte. Um einen ausgeprägten Effekt zu erzielen, wurde darauf geachtet, dass es sich um ein multisensorisches Erlebnis handelte. Drei unabhängige Beurteiler verglichen anschließend jedes der acht Traumprotokolle mit den acht Bildern/Wörtern. Das Ergebnis lag bei fünf Treffern, was deutlich besser war als eine zufällige Einschätzung. Das zweite Experiment, das zusätzlich eine Kontrollnacht mit REM-Weckungen nach dem Erlebnis verwendete, erbrachte ebenfalls fünf Treffer von acht Nächten. Besonders beeindruckend war der folgende Treffer, der von den Beurteilern mit 98,3 % Übereinstimmung eingeschätzt wurde.

Dritter Traum aus dem Morgeninterview: „Bob Morris (ein Freund des Träumers, Tierexperte) macht Studien zum Verhalten von Tieren, speziell von Vögeln ... Er führt verschiedene Forschungsprojekte und Studien mit Vögeln durch und nimmt mich mit zu seinem ,Allerheiligsten‘, wo alle Vögel gehalten werden. Ich erinnere mich, verschiedenartige Tauben gesehen zu haben ...“ (eigene Übersetzung, etwas gekürzt)

Das nachfolgende Wachereignis bestand aus einer Diashow von Vogelbildern, da das Wort Vögel ausgewählt wurde. So zeigten diese Experimente mit einer begabten Versuchsperson einen nachweisbaren Effekt.

Kann man Zensuren vorausträumen?
Mit 14 Jahren schrieb ich an d

Einflussfaktoren
Es liegt auf der Hand, dass die Auftretenshäufigkeit von Wahrträumen im Allgemeinen positiv mit der Traumerinnerungshäufigkeit korreliert ist. Jemand, der kaum Träume erinnert, wird auch keine Wahrträume berichten können. Ebenfalls plausibel ist der starke Zusammenhang zwischen positiver Einstellung zu parapsychologischen Phänomenen und dem Auftreten von Wahrträumen. Auch bestimmte Persönlichkeitszüge scheinen für Wahrträume günstig zu sein. Personen mit „dünnen Grenzen“ berichten häufiger Wahrträume; sie sind kreativ, sensibel, werden aber auch öfter von Alpträumen geplagt. Auch in Zeiten emotionaler Belastung treten Wahrträume häufiger auf. Und wie bei telepathischen Träumen scheint die emotionale Bindung zu der betreffenden Person oder dem jeweiligen Ereignis von Bedeutung zu sein.

Subjektive Bedeutung von Wahrträumen
Dass Menschen Wahrträume erleben und berichten, steht außer Frage. Wie das Auftreten der Wahrträume erklärt werden kann, muss heute weitestgehend offen bleiben. Doch diese Frage ist für die Person, die einen Wahrtraum erlebt, erst einmal gar nicht relevant. Viel wichtiger ist die Frage: Wie gehe ich damit um? Es kommt vor, dass Menschen unter ihren Wahrträumen leiden, z. B. wenn in den Träumen der Tod einer nahestehenden Person vorausgesehen wurde. Mir berichtete eine Frau, dass sie regelrecht Angst vor ihren Träumen entwickelt hat, weil sie befürchtet, dass dann etwas Schreckliches passiert. Hier hilft die Einstellung, dass Wahrträume im Sinne einer Vorbereitung auf das bevorstehende Ereignis, z. B. den Tod einer nahestehenden Person, hilfreich sein können. Die Auseinandersetzung mit den im Traum erlebten Gefühlen erleichtert die Verarbeitung der späteren Trauer.
Man muss sich vor Augen führen, dass es bisher niemandem gelungen ist, aufgrund von Träumen Ereignisse vorherzusagen. Von zwei amerikanischen Forschern wurde nach der Entführung des Lindbergh-Babys (März 1932) ein Aufruf gestartet, um präkognitive Erfahrungen bezüglich des Verbleibs des Kindes zu sammeln. In der Zeit der Ungewissheit gingen über 1300 Berichte ein. Das Baby wurde später tot aufgefunden; nur sieben Träume sahen das Kind als tot, und vier von diesen Träumen zeigten in einigen (allerdings eher unspezifischen) Details Übereinstimmungen, sodass die Autoren an einer Vorhersagemöglichkeit durch Träume zweifelten. Am parapsychologischen Institut in Freiburg ist mit einer Einzelperson systematisch untersucht worden, ob Vorhersagen durch Träume gemacht werden können. Auch das hat nicht funktioniert. Außerdem wird ein Traum erst dann zum Wahrtraum, wenn das Ereignis eingetreten ist. Schuldgefühle, dass der Traum das Ereignis ausgelöst hat oder man etwas dagegen hätte tun können, sind unbegründet.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Wahrträume ein sehr interessantes Phänomen darstellen und bei diesem Thema noch viele Fragen offen sind.

Prof. Dr. Michael Schredl ist weltweit einer der führenden Trau