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Geheimnisvolles Phänomen Schlaf
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Prof. Dr. Dr. Jürgen Zulley,
Universität Regensburg
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Der Schlaf überbrückt nicht einfach nur die Nacht, sondern ist eine eigenständige Aktivität, die unserem Wachzustand an Intensität und Komplexität kaum nachsteht. Von Ruhe kann da keine Rede sein, auch wenn es äußerlich vielleicht so wirkt.
In diese spannende Thematik führte Professor Jürgen Zulley ein, einer der ganz großen Stars in der Schlafmedizin, der sich schon seit über 30 Jahren mit dem Gebiet beschäftigt und es versteht, seine Erkenntnisse über erholsamen Schlaf auch Laien auf verständliche, unterhaltsame Weise nahezubringen. ãDer komplexe SchlafÒ - so lautete sein Thema; und tatsächlich ist jenes Drittel unseres Lebens, das wir schlafend verbringen, noch längst nicht ausreichend erforscht. Es gibt uns nach wie vor jede Menge Rätsel auf.
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Dass Schlafen für unsere physische und psychische Gesundheit lebensnotwendig ist, wissen wir schon seit geraumer Zeit. Schlafentzug hält keiner lange durch. Es gibt jedoch auch Menschen, denen gezieltes Nichtschlafen gut tut: nämlich Patienten mit Depressionen. Bei ihnen wird (kurzfristiger) Schlafentzug sogar als Therapie eingesetzt, weil sie dadurch aus ihrer Depression herauskommen - aber eben leider nur so lange, bis sie wieder normal schlafen.
Viele Menschen glauben, dass wir nachts schlafen und tagsüber wach sind, weil es abends dunkel wird. Das stimmt aber nur teilweise. ãWenn das der einzige Grund wäre, müssten wir im Winter ja schon abends um fünf schlafen gehen und würden am nächsten Morgen erst um acht wieder aufstehenÒ, gibt Professor Zulley zu bedenken. In Wirklichkeit hängt unser Schlaf gar nicht so sehr mit dem Hell-dunkel-Wechsel zusammen, sondern es gibt biologische Rhythmen, die als festes genetisches Programm in uns angelegt sind. Diese Biorhythmen bewirken, dass wir nachts weniger leistungsfähig und schmerzempfindlicher sind und dass unsere Stimmung in den Nachtstunden eher gedrückt ist. Aber leider wird diese Erkenntnis nicht nur im klinischen Alltag, sondern auch in der Politik immer noch viel zu wenig berücksichtigt. So wirkt beispielsweise ein und dieselbe Menge eines lokalen Betäubungsmittels zu verschiedenen Zeiten völlig unterschiedlich: ãEine Dosis, die am frühen Morgen nicht mal für zehn Minuten ausreicht, würde am Nachmittag über eine halbe Stunde lang wirkenÒ, so Professor Zulley. ãDas ist ein enormer Unterschied.Ò Die vom Gesetzgeber diktierte Umstellung von Winter- auf Sommerzeit (und umgekehrt) ist vom Standpunkt unserer inneren Uhr aus gesehen völlig unsinnig, ja sogar gefährlich - denn sie fördert das Unfallrisiko. Und auch die Fahrzeitenregelung bei Berufskraftfahrern ist unzulänglich, denn sie legt nur fest, wie lange man fahren darf, aber nicht wann! Die Tageszeit wird dabei überhaupt nicht berücksichtigt. ãEs ist eben nicht egal, ob ein Fernfahrer morgens oder abends losfährt. Wenn er abends um acht Uhr startet, fährt er in eine gefährliche Zeitzone mit extrem hohem Einschlafrisiko hinein.Ò
Falsche Erwartungen schaden dem Schlaf
Und natürlich gibt es auch in der allgemeinen Bevölkerung viele falsche Vorstellungen vom Schlaf, die leider oft dazu beitragen, diesen Zustand, der doch eigentlich der Regeneration und Erholung dienen soll, zu beeinträchtigen. So glauben viele Leute beispielsweise, wirklich gesund und erholsam sei der Schlaf nur dann, wenn man die ganze Nacht durchschlafe. Dabei geht das gar nicht: ãKein Mensch schläft nachts durchÒ, erklärt Professor Zulley. Neuen Studien zufolge sind vier Aufwachreaktionen pro Stunde völlig normal. Wir werden im Durchschnitt also mindestens 28-mal pro Nacht wach - nur merken wir meist nichts davon, weil diese Aufwachphasen zu kurz sind und wir uns daher am nächsten Morgen nicht mehr an sie erinnern.
Doch auch wer nachts ab und zu einmal länger wachliegt, sollte sich nicht darüber aufregen, denn: ãEntspannung ist der Königsweg in den SchlafÒ, so Professor Zulley, der schlafgestörten Menschen in seinen Schlafschulkursen wieder zu besserer nächtlichen Erholung verhilft. Sich selbst unter Druck zu setzen, schadet da nur. Hinzu kommt, dass unser Schlaf in Wirklichkeit oft ganz anders ist, als wir ihn wahrnehmen: Gerade Menschen mit Schlafstörungen neigen dazu, Leichtschlafphasen als Wachzeiten zu empfinden. ãDie behaupten dann, wenn wir sie im Schlaflabor wecken, steif und fest, gar nicht geschlafen zu habenÒ, so Professor Zulley. Solche falschen Erwartungshaltungen und ängstlichen Fixierungen auf den Schlaf muss man abbauen, um mit einer Schlafstörung besser klarzukommen.
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