Thementag Schlaf 2012

Thementag Schlaf 2012, 5.5.2012

 

Berichte

Ein- und Durchschlafstörungen: Wenn die Nacht zur Qual wird

Eine große Studie der Gießener Familienforscherin Prof. Dr. Uta Meier hat ergeben, dass der durchschnittliche Deutsche 15 Minuten zum Einschlafen braucht. Davon können Menschen mit Insomnien (Ein- und Durchschlafstörungen) nur träumen: Sie wälzen sich abends lange hin und her, bis der ersehnte Schlaf kommt, oder werden nachts immer wieder wach. Insgesamt haben sie einen sehr leichten, fragmentierten, störbaren Schlaf.

Und solche Schlafstörungen sind leider alles andere als selten. In einer großen deutschen Studie wurden an einem Tag über 20 000 Patienten in über 500 Allgemeinarztpraxen nach dem Grund ihres Arztbesuchs befragt: An dritter Stelle standen nach Auskunft der Patienten mit über 12 % die Schlafprobleme. An vierter, fünfter und sechster Stelle wurden psychische Erkrankungen wie Depressionen oder Angststörungen genannt. Und solche Störungen, weiß Diplompsychologe Dr. Hans-Günter Weeß vom Interdisziplinären Schlafzentrum am Pfalzklinikum Klingenmünster, gehen fast immer auch mit Schlafproblemen einher. 

Wie wichtig psychosoziale Belastungsfaktoren für die Entstehung von Ein- und Durchschlafstörungen sind, zeigt übrigens auch die Studie von Prof. Uta Meier: Sie ergab, dass Schichtarbeiter und Selbständige am häufigsten unter Schlafstörungen leiden, während Beamte (mit Ausnahme von Lehrern) am besten schlafen. „Vielleicht gibt es auch deshalb so viele chronisch schlafgestörte Menschen in Deutschland, weil unsere Medizin sehr stark körperlastig und auf Apparatemedizin ausgerichtet ist: Psychosoziale Ursachen werden viel zu wenig berücksichtigt“, meint Dr. Weeß. In seinem Vortrag ging er auf Behandlungsmöglichkeiten der Insomnie ein – bei denen nicht-medikamentöse Bewältigungs-strategien naturgemäß eine wichtige Rolle spielen.