Thementag Schlaf 2012

Thementag Schlaf 2012, 5.5.2012

 

Berichte

Neues zum Thema Restless Legs und Narkolepsie

Lilo Habersack, Vorstandsvorsitzende der Deutschen Restless Legs Vereinigung, und der Neurologe Cornelius Bachmann berichteten über neue Erkenntnisse zum Thema Restless-Legs-Syndrom (RLS). Die von dieser Erkrankung Betroffenen leiden unter Missempfindungen und unnatürlichem Bewegungsdrang (meist in den Beinen), die ausgerechnet abends und nachts auftreten. Wenn man aufsteht und herumläuft, bessern sich die Beschwerden – aber nachts will man ja schlafen. Und genau da liegt das Problem: Ein RLS stört den Schlaf massiv. Tagsüber ist man übermüdet, erschöpft, kaum noch leistungsfähig und durch den schlechten Schlaf oft auch reizbar oder sogar depressiv. Viele Patienten meiden soziale Kontakte und ziehen sich immer mehr zurück – denn sie können nicht ruhig im Kino, im Theater oder beim Abendessen mit Freunden am Tisch sitzen, weil sie ihre Beine bewegen müssen. Nicht alle Mitmenschen haben dafür Verständnis. Oft ist auch die Beziehung zum Partner gestört.

Lilo Habersack, die selbst von RLS betroffen ist, gab Empfehlungen für den Umgang damit. Man muss sich, so sagt sie, mit dieser chronischen Krankheit einrichten und um eine positive Lebensphilosophie bemühen: Denn negative Gedanken verursachen Stress und können das Krankheitsbild verschlimmern. „Sagen Sie sich nicht jeden Tag: Was soll aus mir werden – in drei Jahren wird es mir vielleicht noch schlechter gehen, und in zehn Jahren bin ich ein Wrack. Denken sie lieber positiv: Die Forschung macht immer weitere Fortschritte; in drei Jahren hat man vielleicht die Ursachen für das RLS gefunden, oder es gibt ein neues Medikament, und dann geht es mir besser.“

Tatsächlich tut sich in der Erforschung neuer Behandlungsmöglichkeiten für das RLS eine ganze Menge: Immer mehr verdichtet sich die Erkenntnis, dass bei Restless-Legs-Patienten eine Übererregbarkeit des Rückenmarks vorliegt, durch die Reize stärker empfunden werden. So kommt es zu den Missempfindungen und dem quälenden Bewegungsdrang. Cornelius Bachmann berichtete über ein neues Verfahren, mit dem man nicht nur RLS-Beschwerden, sondern auch chronische Rückenschmerzen lindern kann: die transkranielle direkte Gleichstromstimulation (TDCS). Dabei wird über zwei am Kopf befestigte Elektroden ein Gleichstrom appliziert, der die Erregbarkeit des Rückenmarks mindert. In einer Studie ließen sich damit sehr gute Ergebnisse erzielen: Viele RLS-Patienten sprachen auf die Behandlung an. 

Auch auf dem Gebiet der Narkolepsie gibt es neue Erkenntnisse, über die Prof. Sylvia Kotterba von der Ammerland-Klinik (Westerstede) berichtete. Mittlerweile weiß man, dass bei Narkolepsie-Patienten ein Mangel an Hypocretin 1 (Orexin) vorliegt: Dieser Botenstoff ist bei ihnen entweder in zu geringer Menge vorhanden oder fehlt sogar völlig. Inzwischen werden erste Versuche unternommen, den Patienten diese Substanz als Spray über die Nasenschleimhaut zu applizieren; und es zeigte sich, dass diese Behandlung tatsächlich eine positive Wirkung auf die Narkolepsie-Symptome hatte. „Da passiert zurzeit sehr viel, aber momentan leider noch ausschließlich auf der Tierforschungsebene; und es wird sicherlich noch eine Weile dauern, bis man diese Erkenntnisse auf den Menschen übertragen kann“, meint Prof. Kotterba.