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Schlafmangel gefährdet besonders Frauen

Dr. Werner Kafka


Tipp für den Sonntag: Mann macht Frühstück, Frau schläft noch ein Weilchen


Ein Viertel bis ein Drittel seines Lebens verbringt der Mensch schlafend. Da lohnt es, sich auch schon mal Gedanken über die günstigen oder ungünstigen Auswirkungen der Schlafdauer zu machen. Wissenschaftler aus Großbritannien haben sich des Themas angenommen und sind dabei, erstmals auf Unterschiede zwischen Frauen und Männern gestoßen: Während häufiger Schlafmangel beim weiblichen Geschlecht offensichtlich das Risiko für einen Bluthochdruck erhöht, kann sich die Männerwelt entspannter zurücklehnen – ähnliche ungünstige Auswirkungen wurden hier nicht beobachtet.Die Schlafdauer hat sich in unserer Gesellschaft in den letzten Jahrzehnten immer weiter verkürzt: Heutzutage schlafen die Menschen in den westlichen Industrienationen pro Nacht durchschnittlich ein bis zwei Stunden weniger als noch vor 100 Jahren. Es liegt nahe, dass die veränderte Schlafdauer langfristig auch Auswirkungen auf die Gesundheit haben kann. In der Vergangenheit haben sich deshalb einige größere Untersuchungen mit der Frage nach möglichen Folgen des veränderten Schlafverhaltens beschäftigt. In einer der größten Studien zu diesem Thema wurden mehr als eine Million US-Bürger befragt und die Lebensdauer der Teilnehmer verfolgt. Das Ergebnis: Sowohl zu wenig als auch zu viel Schlaf ist mit gesundheitlichen Nachteilen verknüpft (wobei z. B. eine sehr lange Schlafdauer nicht unbedingt die Ursache für gesundheitliche Störungen ist, sondern die Folge einer bereits bestehenden Erkrankung sein kann). Die längste Lebenserwartung – das offenbaren die Zahlen recht deutlich – haben Menschen, die sich für das Schlafen zwischen sechs und acht Stunden pro Nacht „Zeit nehmen“.

 

Schlaf und Gewicht

 

Verschiedene Untersuchungen bestätigen mittlerweile, dass eine sehr kurze Schlafdauer bzw. Schlafmangel überdurchschnittlich häufig mit Übergewicht bei den Betroffenen einhergeht. Über die genauen Ursachen wird noch spekuliert. Unter anderem ist bekannt, dass Schlafentzug zu einer Absenkung des Sättigungshormons Leptin führt, während das „Hungerhormon“ Ghrelin vermehrt ausgeschüttet wird. Die Folge: Das Hungergefühl und der Appetit nach kalorienreichen Nahrungsmitteln kann bei zu wenig Schlaf ansteigen. 

 

Schlaf und Diabetes

 

Neben der Regulierung des Appetits wird vermutlich auch der Zuckerstoffwechsel durch die Schlafdauer beeinflusst. Eine Studie mit fast 1500 Männern und Frauen hatte vor wenigen Jahren gezeigt, dass zu viel und vor allem zu wenig Schlaf gehäuft mit einer Diabeteserkrankung oder einem Diabetes-Vorstadium einhergeht. Personen, die nur fünf Stunden oder weniger pro Nacht schliefen, waren 2,5-mal häufiger als „Normalschläfer“ von einem Diabetes betroffen. Bei sechs Stunden Schlaf waren es immerhin noch fast 1,7-mal so viele im Vergleich zu Personen mit einer Schlafdauer von sieben bis acht Stunden. Auch die „Langschläfer“ mit mehr als 9 Stunden Schlaf pro Nacht litten öfter unter der Zuckerstoffwechselstörung. Am günstigsten waren die Ergebnisse bei Personen, die regelmäßig sieben bis acht Stunden pro Nacht schliefen.

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Schlaf und Bluthochdruck

 

Vor kurzem haben Wissenschaftler aus Großbritannien eine weitere Untersuchung zum Thema Schlafdauer und gesundheitliche Störungen veröffentlicht. Im Mittelpunkt stand hier die Frage nach einer Bluthochdruckgefährdung und damit auch nach dem Risiko für Herzkreislauferkrankungen. Das Besondere an dieser Untersuchung: Erstmals wurden die Ergebnisse getrennt für Männer und Frauen ausgewertet.Prof. Francesco Cappuccio und seine Kollegen von der University of Warwick werteten die Daten von fast 5800 Männern und Frauen aus, die im Rahmen der bekannten Whitehall-Studie mehrere Jahre lang beobachtet wurden. Ein Bluthochdruck lag für die Wissenschaftler vor, wenn die Blutdruckwerte größer oder gleich 140/90 mmHg lagen, oder wenn bereits dauerhaft Bluthochdruck-Medikamente eingenommen wurden.Das Studienteam um Cappuccio fand folgendes heraus: Frauen, die nur fünf Stunden oder weniger pro Nacht schliefen, waren doppelt so häufig von einem Bluthochdruck betroffen oder hatten ein doppelt so hohes Risiko für zu hohe Blutdruckwerte in den Folgejahren als ihre Altersgenossinnen mit den empfohlenen sieben oder mehr Stunden Schlaf pro Nacht. Bei den Männern hingegen fand sich ein solcher Zusammenhang nicht: Veränderungen des Blutdrucks waren hier völlig unabhängig von der Schlafdauer.Unser Vorschlag für das Wochenende: Während der Mann morgens schon mal das Frühstück vorbereitet, lässt er seine Liebste einfach noch ein Stündchen schlummern …

Mehr: Obstruktive Schlafapnoe und Bluthochdruck