16/02 2018

COPD und Schlafapnoe: ein unheilvolles Gespann

Die Abkürzung COPD kommt aus dem Englischen und bedeutet „chronisch-obstruktive Lungenerkrankung“. Bei dieser Krankheit sind die Bronchien chronisch verengt und entzündet und werden zunehmend zerstört. Im weiteren Verlauf werden auch die Lungenbläschen in Mitleidenschaft gezogen. Es handelt sich dabei also um eine sehr schwere Erkrankung, die in der Regel kontinuierlich fortschreitet, sodass die Patienten immer schlechter Luft bekommen. Anfangs tritt diese Luftnot nur bei starken Belastungen, später auch schon bei leichteren Anstrengungen und letztlich sogar in Ruhe auf. Hinzu kommen Husten und Auswurf. Besonders schlecht ist die Prognose dieser Patienten, wenn auch noch eine obstruktive Schlafapnoe vorliegt. Werner Waldmann sprach mit dem Lungenfacharzt Dr. med. Georg Nilius, der als Chefarzt der Pneumologie an der Helios Klinik in Hagen-Ambrock tätig ist, über Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten.

 

Wodurch entsteht eine COPD?

Dr. Nilius: In den westlichen Ländern kommen normalerweise zwei Ursachen zusammen: 

Genetik und frühe Kindheit: ES gibt eine angeborene Disposition für diese Erkrankung. Es scheint aber auch eine frühkindliche Veranlagung dafür zu geben, z. B. wenn die Kinder schon im Mutterleib oder im frühen Säuglingsalter mit Zigarettenrauch in Kontakt kommen, weil die Eltern rauchen. 

Rauchen: Die wesentliche Ursache ist das inhalative Zigarettenrauchen des Patienten selbst. Offenbar reagieren die Lungen von Frauen empfindlicher auf das Rauchen als Männer. Momentan geht man davon aus, dass von vier Rauchern einer an COPD erkrankt.  


Spielt unsere zunehmende Umweltverschmutzung (beispielsweise durch Autoabgase) dabei auch eine Rolle?

Dr. Nilius: Wenn man bereits an einer COPD leidet, kann es durch die Umweltbelastung, die das Autofahren mit sich bringt, möglicherweise zu einer Verschlechterung dieses Krankheitsbilds kommen. Auch Exazerbationen können dadurch ausgelöst werden. Ob die Belastung durch Autoabgase bei jemandem, dessen Lungen völlig unempfindlich sind und der nie geraucht hat, ausreichen würde, um so eine Erkrankung zu verursachen, weiß man nicht. Gerade wenn verschiedene Faktoren zusammenkommen (also jemand raucht und seine Lungen zusätzlich auch noch am Arbeitsplatz durch Stäube oder andere Schadstoffe belastet werden), erhöht sich die Wahrscheinlichkeit für eine COPD. 


Wie unterscheiden sich COPD und Asthma voneinander?

Dr. Nilius: Die Atemnot des Asthmatikers ist oftmals von der Jahreszeit abhängig: Es gibt Zeiten, da geht es ihm schlecht, z. B. während der Pollensaison. Doch bei den meisten Asthmatikern bildet sich die Atemnot zwischenzeitlich wieder zurück. Beim COPD-Patienten dagegen bleibt die Luftnot relativ konstant. 
 

Wie verläuft eine COPD?

Dr. Nilius: Oft verschlechtert sich die Lungenfunktion der Patienten schon mit Mitte 20. Doch am Anfang läuft diese Verschlechterung ganz langsam und nahezu unmerklich ab: Vielleicht merkt der Patient beim Sport, dass er es allmählich ein bisschen langsamer angehen lassen muss, weil seine Lungen nicht mehr mitmachen; dann kann er irgendwann nicht mehr bis zum vierten Stock die Treppe hochsteigen, sondern nimmt lieber den Fahrstuhl. Die Belastungsluftnot nimmt immer mehr zu, und der Patient passt sich an diesen Zustand an, indem er solche Situationen einfach vermeidet. Erst wenn schon ein großer Teil der Lunge zerstört ist, wird sein Problem so offensichtlich, dass er zum Arzt geht. Deshalb wird die COPD oft erst relativ spät diagnostiziert und behandelt.
 

Was kann man als Patient selber gegen eine COPD tun?

Dr. Nilius: Der wichtigste Baustein der Therapie ist die Nikotinkarenz: Wenn man nicht möchte, dass die Erkrankung weiter voranschreitet, muss man mit dem Rauchen aufhören. Der zweite wichtige Baustein besteht darin, dass man trotz seiner Erkrankung nach Möglichkeit körperlich aktiv bleiben sollte. Das ganz große Problem bei der COPD ist, dass man sich aufgrund der Luftnot mit der Zeit immer weniger bewegt; dadurch verliert man Muskulatur und entwickelt mit der Zeit auch eine Osteoporose, was die Bewegungsfähigkeit noch weiter einschränkt. Diese Abwärtsspirale gilt es aufzuhalten.
 

Und welche Maßnahmen verordnet der Arzt?

Dr. Nilius: Bronchienerweiternde Sprays lindern die Luftnot und verhindern auch Exazerbationen (Phasen, in denen das Krankheitsbild sich verschlechtert). Am Verlauf der Erkrankung kann man durch diese Sprays aber letztendlich nichts ändern. Viele bronchienerweiternde Sprays werden auch nicht richtig angewendet; daher sollten die Patienten im Umgang damit geschult werden. Oft kommt es leider vor, dass der Patient aus Kostengründen einfach auf ein billigeres Spray umgestellt wird, ohne dass ihm die Handhabung erklärt wird. 

Wichtig sind darüber hinaus Impfungen – die Pneumokokken-Impfung gegen Lungenentzündung und die Grippeschutzimpfung im Herbst –da COPD-Patienten besonders anfällig für Atemwegsinfektionen sind. Bei einer akuten Exazerbation verschlimmert sich die Luftnot, und der Patient hat deutlich mehr Auswurf, der gelb-grünlich verfärbt ist. In solchen Fällen sollte man bei COPD-Patienten großzügig mit Antibiotika umgehen: Sie müssen bei jeder Atemwegsinfektion Antibiotika bekommen, weil der Infekt die Lungenfunktion sonst noch weiter verschlechtert und immer die Gefahr besteht, dass diese sich nach dem Infekt nicht wieder erholt.
 

Und was kann man sonst noch tun?

Dr. Nilius: Alles, was den Patienten auf den Beinen hält, wirkt lebensverlängernd. Rehabilitation – stationär oder ambulant – verbessert den Zustand des Patienten und die Lebensqualität und erhöht seine Lebenserwartung. Im Rahmen der Rehabilitation wird der Patient auch zu körperlicher Aktivität angehalten. Wichtig ist, dies hinterher im häuslichen Umfeld auch weiter fortzusetzen: Der Patient sollte jeden Tag, mindestens aber viermal pro Woche 30 Minuten lang körperlich aktiv sein. Hier ist Lungensport sicherlich von ganz entscheidender Bedeutung. Dieser wird zunehmend angeboten und von den Krankenkassen ja auch finanziert; aber leider gibt es längst noch nicht so viele Angebote, wie es notwendig wäre; und manchmal sind die Patienten auch nicht motiviert genug, um diese Angebote zu nutzen. Denn sie leiden ja unter Luftnot, und da ist es eine ganz natürliche Reaktion, Situationen, in denen Luftnot auftritt, zu vermeiden. 
 

Wie ist die Compliance – also die Bereitschaft zur Therapiemitwirkung – bei den Patienten?

Dr. Nilius: Es gibt COPD-Patienten, die ihre Erkrankung akzeptieren und sehr aktiv an der Therapie mitarbeiten. Andererseits gibt es aber auch Patienten, denen es schwerfällt, sich zu körperlicher Aktivität aufzuraffen, und deren Aktionsradius sich dadurch mit der Zeit immer weiter verengt, bis sie irgendwann gar nicht mehr aus ihrer Wohnung herauskommen. Dadurch kommt es natürlich mit der Zeit zu Muskelabbau und Osteoporose. Solche Patienten leiden auch oft unter Depressionen: Wer sich nicht mehr bewegt und in seiner Lebensführung eingeschränkt ist, bei dem treten sehr viel häufiger Depressionen auf.
 

Bei manchen COPD-Patienten wird ja auch eine Sauerstofflangzeittherapie durchgeführt, bei der der Patient durch eine Nasenbrille mit Sauerstoff angereicherte Luft einatmet. Wann ist das erforderlich?

Dr. Nilius: Eine Sauerstofftherapie ist nur dann sinnvoll, wenn die Lunge so krank ist, dass der Sauerstoffgehalt im Blut krankhaft erniedrigt ist. Das Gefühl der Luftnot lässt sich durch die Sauerstofftherapie gar nicht so sehr beeinflussen; aber bei kritischem Sauerstoffmangel wird wahrscheinlich das Herz krank. Wir wissen: Diese Patienten sterben häufiger, wenn wir keine Langzeitsauerstofftherapie durchführen. 

Eine schwere COPD führt mit der Zeit auch zur Erschöpfung der Atemmuskulatur, weil solche Patienten beim Atmen natürlich viel mehr Kraft aufwenden müssen als gesunde Menschen. Wenn die Atemmuskulatur nicht mehr richtig funktioniert, reichert sich das Kohlendioxid, das eigentlich abgeatmet werden sollte, im Blut an. Das macht müde und beeinträchtigt ihre Belastbarkeit noch mehr. Dagegen hilft nur eines: die Atemmuskeln der Patienten durch Beatmung mit einer Nasen- oder Mund-Nasen-Maske zu entlasten. Durch eine solche nächtliche nicht-invasive Beatmung (NIV) verbessern sich nachweislich Befinden und Lebensqualität, und das Fortschreiten der Erkrankung wird verlangsamt – was bedeutet, dass auch die Lebenserwartung steigt und die Patienten seltener ins Krankenhaus müssen. 
 

Mit welchen Begleiterkrankungen müssen COPD-Patienten rechnen?

Dr. Nilius: Wir haben ja vorhin schon darüber gesprochen, dass Patienten, die eine COPD haben, überwiegend Raucher sind oder waren. Solche Menschen leiden natürlich auch oft unter anderen durch Rauchen verursachten Krankheiten: zum Beispiel Herz-Kreislauf-Erkrankungen bis hin zum Herzinfarkt oder Schlaganfall. Auch Durchblutungsstörungen in den Beinen kommen bei Rauchern häufig vor. Und durch den Bewegungsmangel kann es – wie gesagt – auch zu Muskelabbau, Osteoporose und Depressionen kommen.
 

COPD und obstruktive Schlafapnoe treten ja auch manchmal zusammen auf. Was ist dann zu tun?

Dr. Nilius: Inzwischen weiß man, dass COPD-Patienten, die zusätzlich an einer Schlafapnoe leiden, eine sehr viel schlechtere Prognose haben. Wir würden einem COPD-Patienten mit obstruktiver Schlafapnoe also auf jeden Fall dringend zu einer Schlafapnoe-Therapie raten, weil seine Prognose sich dadurch verbessert. 
 

Gibt es auch Kombinationen zwischen Asthma und COPD?

Dr. Nilius: Diese Frage wird unter den Wissenschaftlern sehr intensiv diskutiert, und zwar mit unterschiedlichen Auffassungen: Die einen sagen, es gibt Asthma und COPD; es kann aber auch sein, dass es unterschiedliche Verlaufsformen der COPD (mit einer asthmatischen Form) gibt. Wenn jemand, der schon als Kind oder Jugendlicher unter Asthma leidet, dann auch noch über längere Zeit raucht, ist die Wahrscheinlichkeit, dass er zusätzlich an einer COPD erkrankt, sehr viel höher; hier besteht sicherlich ein Zusammenhang. Für Asthmatiker gilt der Grundsatz, dass man aufs Rauchen verzichten sollte, also in ganz besonderem Maße.

Das Schlafmagazin 1-2018
Foto: © canstockphoto/Palau

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