28/11 2013

Spannende Vorträge, brisante Podiumsdiskussionen:

Der Thementag Schlaf

Werner Waldmann

Die Bedeutung des Schlafs für Gesundheit und Wohlbefinden ist längst wissenschaftlich erwiesen. Rund ein Drittel unseres Lebens verschlafen wir. Doch damit wollen viele Menschen sich heute nicht mehr abfinden. Schlaf halten sie für vergeudete Lebenszeit. Der Beruf frisst einen immer mehr auf; die modernen Kommunikationsmittel fordern einen förmlich dazu heraus, rund um die Uhr verfügbar zu sein. Und damit man nach einem anstrengenden Arbeitstag noch fit für die Freizeit ist, gibt es moderne Muntermacher, Red Bull & Co.
Wir haben uns tatsächlich zu einer schlaflosen Gesellschaft entwickelt. Und zusätzlich zu diesem chronischen Schlafdefizit, dem der moderne Mensch sich kaum entziehen kann, „knabbern“ auch noch verschiedene Erkrankungen an unserem Schlaf, verkürzen ihn, machen ihn fragmentarisch und unerholsam. Krankhaftes Schnarchen reißt viele immer wieder aus dem Schlaf, lässt Blutdruck und Herzfrequenz in die Höhe schießen. Restless Legs und nächtliche Beinbewegungen machen die Nacht zur Qual. Stress und Burn­out führen dazu, dass wir abends gar nicht erst einschlafen oder nachts immer wieder wach werden, zu grübeln anfangen und keine Ruhe finden.

Schlafstörungen von A bis Z
Um diese und andere Probleme ging es beim Thementag Schlaf 2013. Von Schlafapnoe über unruhige Beine bis hin zur Insomnie und Narkolepsie war die ganze breite Palette der Schlafstörungen und schlafbezogenen Erkrankungen in spannenden Vorträgen vertreten. Dr. Susanne Schwarting informierte darüber, für welche Schlafapnoe-Patienten eine Behandlung mit Unterkieferprotrusionsschienen besonders gut geeignet ist. Lilo Habersack berichtete über Innovationen in der Behandlung des Restless Legs Syndroms. Professor Helmut Teschler von der Ruhrlandklinik in Essen sprach über das Thema chronisch-obstruktive Lungenerkrankung (COPD) und Schlafapnoe: Denn diese beiden Krankheiten treten häufig zusammen auf, verschlimmern sich gegenseitig und verkürzen die Lebenserwartung. In einem spannenden interaktiven Vortrag erklärte Professor Teschler die zwei Krankheitsbilder, sprach über Symptome, Diagnostik und Therapie und schaffte es anhand von Patientenbeispielen sogar, dass die Zuhörer am Ende selber diagnostizieren konnten, ob jemand an Asthma oder an COPD leidet. Sein Sohn Dr. Sebastian Teschler, der in Essen ein Physiotherapie-Zentrum für COPD-Patienten leitet, informierte darüber, wie man diese Erkrankung durch körperliches Training und bestimmte Atemtechniken leichter in den Griff bekommt. Und Boris Thomas von der Bettenfirma Lattoflex erklärte, wie man es schafft, „wie auf Wolken“ zu schlafen.

Keine Angst vor Tabuthemen
Auch die Liebe kam nicht zu kurz: Günther Steinmetz, Gründer der Selbsthilfegruppe „Erektile Dysfunktion“, berichtete, wie man trotz Potenzproblemen ein befriedigendes Sexualleben genießen kann. Denn viele Menschen mit obstruktiver Schlafapnoe leiden unter Erektionsschwierigkeiten; und dieses Thema wird bei Ärzten leider auch heute noch vielfach totgeschwiegen.
Ein weiteres wichtiges Problem, das oft dazu führt, dass Menschen in unserer Gesellschaft sich stigmatisiert fühlen, ist Übergewicht: Viele Schlafapnoiker haben damit zu kämpfen. Aber auch Ein- oder Durchschlafprobleme und Narkolepsie (eine seltene neurologische Schlaf-wach-Störung) können dazu führen, dass man zu viele Pfunde auf die Waage bringt; und dann ist guter Rat teuer, denn was sich innerhalb von Jahren angesammelt hat, wird man so schnell nicht wieder los. In einer spannenden Talkrunde diskutierten ein Diplompsychologe, eine Ernährungswissenschaftlerin und eine Chirurgin über verschiedene Möglichkeiten der Gewichtsreduktion – von der Ernährungsberatung über psychologische Betreuung bis hin zum Skalpell.

Kostenträger: Viele sparen am falschen Ende
Bei vielen Schlafstörungen und schlafbezogenen Erkrankungen handelt es sich um chronische Krankheitsbilder; andere (beispielsweise die Insomnie) neigen zumindest dazu, chronisch zu werden, wenn man sie nicht rechtzeitig erkennt und behandelt. Und die Therapie chronischer Krankheiten kostet eine Menge Geld. Gerade solche Patienten, die ohnehin schon einem hohen Leidensdruck ausgesetzt sind, stoßen bei ihrer Krankenkasse oft auf taube Ohren, wenn es um die Kostenerstattung für notwendige Behandlungsmaßnahmen geht. Manchmal ist es ein lebenslanger Kleinkrieg gegen die Krankenversicherung, die häufig am längeren Hebel sitzt, weil viele Patienten Angst vor einem Rechtsstreit und den damit verbundenen Kosten haben.
Vor allem bestimmte Krankheitsbilder wie Schlafstörungen und Schmerzen werden von den Kostenträgern häufig nicht ernst genommen; ihnen haftet oft noch das verniedlichende Vorurteil der „Befindlichkeitsstörung“ an, auch wenn sie den Betroffenen das Leben zur Hölle machen können. Vor allem an der Diagnostik und Therapie der Volkskrankheit Schlafapnoe sparen viele Kassen zurzeit auf Teufel komm raus, obwohl längst erwiesen ist, dass man langfristig eine Menge Geld einsparen könnte, wenn man den gefährlichen Folgeschäden und -erkrankungen einer obstruktiven Schlafapnoe vorbeugt. Um diese brisanten Themen ging es in dem Vortrag „Ihr Recht als Patient“ der auf Medizinrecht spezialisierten Anwältin Mirja Trautmann und in einer spannenden, gelegentlich auch kontroversen Talkrunde über die Versorgung von Schlafapnoe-Patienten.