23/07 2012

Die wichtigsten Operationstechniken der bariatrischen Chirurgie auf einen Blick

Magenband

Abnehmerfolg: Der Gewichtsverlust ist geringer als bei Magenbypass, Schlauchmagen und biliopankreatischer Diversion. Daher ist dieses Verfahren nur bei einem BMI bis höchstens 50 erfolgversprechend, und es kann auch nur eine dauerhafte Gewichtsreduktion um 40 % bis 60 % des bestehenden Übergewichts erzielt werden. 

Vorteile: Das Verfahren ist wenig invasiv; die Risiken sind gering. Der Eingriff lässt sich leicht wieder rückgängig machen. 

Nachteile und mögliche Komplikationen: Das Band verringert nur das Sättigungsgefühl, nicht aber das Hungergefühl; daher ist viel Selbstdisziplin und eine Änderung der Essgewohnheiten erforderlich. Durch hochkalorische Nahrungsmittel und Getränke (z. B. Süßigkeiten, Cola, Alkohol) kann das Magenband „überlistet“ und der Abnehmerfolg zunichtegemacht werden. Außerdem kann das Magenband verrutschen, was u. U. eine neue Operation erforderlich macht. Es ist wichtig, langsam zu essen und jeden Bissen gründlich zu kauen. Sonst kann es zu einer Erweiterung der Magentasche mit unangenehmen Beschwerden wie Sodbrennen, Rückfluss von Mageninhalt in die Speiseröhre (Reflux) und Erbrechen kommen. In diesem Fall ist ein erneuter Eingriff erforderlich.

 

Magenballon

Abnehmerfolg: siehe Magenband. 

Vorteile: siehe Magenband.

Nachteile und mögliche Komplikationen: Bei Patienten, die Acetylsalicylsäure (ASS), Marcumar® oder andere blutgerinnungshemmende Medikamente einnehmen, unter einer Magenschleimhautentzündung oder einem Magengeschwür leiden, darf der Ballon nicht eingesetzt werden. Außerdem muss der Magenballon nach sechs Monaten entfernt werden. Wird dann kein neuer Ballon eingesetzt, nehmen die meisten Patienten wieder zu.

Weitere Nachteile: siehe Magenband.


Magenbypass

Abnehmerfolg: Führt zu einem besseren Abnehmerfolg als die beiden links genannten Methoden und kommt daher vor allem bei Patienten mit sehr hohem BMI (über 50) zum Einsatz. 

Vorteile: Nicht nur das Sättigungsgefühl, sondern auch die Aufnahme von Nährstoffen im Dünndarm wird günstig beeinflusst.

Nachteile und mögliche Komplikationen: Die Operation ist aufwendiger und risikoreicher und nur mit großem Aufwand wieder rückgängig zu machen, da die Anatomie im Bauchraum sehr stark verändert wird. Das Essverhalten muss radikal umgestellt werden – opulente Mahlzeiten, etwa bei Einladungen zum Essen, sind nicht mehr möglich! Auch auf schwer verdauliche Nahrungsmittel (z. B. Steaks und Rohkost) muss weitgehend verzichtet werden. Nahrungsmittel mit hohem Zuckeranteil werden nicht mehr vertragen, da der rasche Einstrom von Zucker in den Dünndarm zu Übelkeit, Bauchkrämpfen, Schwindelgefühl und Durchfall führen kann. Die Aufnahme stark fetthaltiger Speisen kann unangenehme, übel riechende Fettstühle verursachen. Da der Organismus nach einem solchen Eingriff nicht mehr alle wichtigen Nährstoffe aufnehmen kann, müssen die Patienten ihr Leben lang Vitamin- und Mineralstoffpräparate einnehmen, und es sind regelmäßige Blutuntersuchungen notwendig, um dem Auftreten von Mangelerscheinungen vorzubeugen.


Schlauchmagen

Abnehmerfolg: Der Schlauchmagen liegt in Bezug auf den Abnehmerfolg zwischen Magenband und Magenbypass. 

Vorteile: Die Operation ist in ihrem Ausmaß kleiner und weniger invasiv als der Magenbypass: Es wird nur der Magen verkleinert, aber nichts an der Anatomie des Bauchraums verändert. Die normale Funktionsfähigkeit des Verdauungstrakts bleibt somit erhalten, sodass keine Mangelerscheinungen und auch keine Unverträglichkeiten bei der Aufnahme fett- oder zuckerreicher Speisen zu befürchten sind. 

Nachteile und mögliche Komplikationen: Da es zu diesem Verfahren bisher nur wenige Langzeitdaten gibt, ist wenig über die Komplikationen und Langzeiteffekte bekannt. Ähnlich wie beim Magenband und Magenballon ist eine hohe Selbstdisziplin vonseiten des Patienten erforderlich, da das Verfahren durch hochkalorische Getränke und Süßigkeiten „überlistet“ werden kann. Ein weiterer Nachteil ist, dass sich der Eingriff nicht komplett rückgängig machen lässt.


Biliopankreatische Diversion (mit oder ohne Duodenal-Switch)

Abnehmerfolg: Der Abnehmerfolg ist noch höher als beim Schlauchmagen und beim Magenbypass.

Vorteile: Nicht nur das Sättigungsgefühl, auch die Aufnahme von Nährstoffen im Dünndarm werden günstig beeinflusst.

Nachteile und mögliche Komplikationen: Durch diesen Eingriff wird die Anatomie der Bauchorgane am stärksten verändert. Das Operationsrisiko und die Gefahr einer Mangelernährung sind größer als beim Magenbypass. Regelmäßige Blutuntersuchungen und die Zufuhr fehlender Nährstoffe in Form von Nahrungsergänzungsmitteln sind dringend notwendig.

Ausgabe-3-2012

Das Schlafmagazin 3-2012
Foto: © Olaru Radian-Alexandru/ScanStockPhoto

Ist die bariatrische Chirurgie damit zum Allheilmittel geworden? Gerade in den USA greifen Chirurgen zehn Mal häufiger zum Messer als in Deutschland, auch bei BMI-Werten von 30 bis 35. 


Davon rät der Münchener Ernährungswissenschaftler Volker Schusdziarra dringend ab. Er setzt an erster Stelle auf ein individuelles Programm aus Bewegung, Psychotherapie und Ernährungsberatung. Sein Prinzip der Energiedichte setzt auf Lebensmittel mit wenigen Kalorien pro Volumeneinheit. Diese sättigen, ohne übermäßig viele Kalorien zu enthalten. Dagegen bewertet Schusdziarra viele Diäten als „zu komplex, um sie im Alltag umzusetzen“. Bei Extremfällen mit BMI-Werten von über 50 steht auch für ihn die Chirurgie an erster Stelle – „das sind vielleicht vier bis fünf Patienten pro Jahr“. 

Diabetes kehrt nach Magen-OP bei jedem Fünften zurück

Literatur:

(1)  Helmut Schatz: Bariatrische Chirurgie im Vergleich zu medikamentöser Therapie bei übergewichtigen Typ-2-Diabetespatienten (Blog-Beitrag vom 2. April 2012)

(2)  Yessica Ramos et al.: Type 2 Diabetes Mellitus Re-Emergence Post Gastric Bypass Surgery (Abstract)

 

Weitere Informationen erhalten Sie durch den Ratgeber:

Prof. Dr. med. Rudolf A. Weiner:
Neue Chancen bei Adipositas Magenband,
Magenbypass und Magenschrittmacher
Erfoge, Risiken, Kosten: Das sollten Sie wissen.
Stuttgart: TRIAS Verlag in MVS 2010ISBN 978-3-8304-3885-4

Adressen zertifizierter Zentren für Adipositas- und metabolische Chirurgie