04/12 2015

Erholsamer schlafen auf selbst gebasteltem Lattenrost: Die Stiftung Warentest weiß es besser

Werner Waldmann

Die innovativen Recken der Stiftung Warentest, voran Projektleiter Hans-Peter Brix, machen uns Deutschen vor, wie man sein Kreuz im Schlaf schont. Sie üben Verzicht – Verzicht auf eine handelsübliche Unterfederung, also jenes Ding, auf dem die Matratze liegt. Einst war das der Lattenrost, der die mörderischen Stahlfedern ablöste, auf denen die Matratzen noch vor ein paar Jahrzehnten lagen. (Der Lattenrost ist übrigens eine Erfindung der Firma Lattoflex.) Nun sind seit den glücklichen Lattenrost-Zeiten Jahrzehnte ins Land gegangen, und die Bettenhersteller haben sich natürlich Gedanken darüber gemacht, wie man noch bequemer, noch individueller und erholsamer liegen kann. Denn eins ist klar: So wie man nachts liegt, so erholsam ist auch der Schlaf. Es müssen nicht immer schlafbezogene Atemstörungen à la Schlafapnoe sein, die die Schlafarchitektur ruinieren. Auch eine martialische Liegestatt kann die Nacht zur Hölle machen.

Der Unterbau des Bettes – die sogenannte Unterfederung– und die darauf liegende Matratze sind Herzstücke der nächtlichen Liegestatt. Die Industrie bietet heute verschiedene Unterfederungen an: beispielsweise mit Flügelfederung, Zirbelholztellerchen oder Federholzleisten. Die Unterfederung soll den Körper im oberen Lendenwirbelsäulenbereich (dort, wo die Wirbelsäule konkav nach innen gewölbt ist) stützen, Schulter und Hüfte dagegen müssen einsinken. Unterfederung und Matratze sollten perfekt aufeinander abgestimmt sein.

Unterfederungen haben ihren Preis, und sie sehen nach Hightech aus. Die Stiftung Warentest hat die prominentesten Unterfederungen getestet und ist zu einem sensationellen Urteil gekommen: Allesamt taugen sie nichts. Die Lösung ist ein Lattenrost, den jedermann für etwa 35 Euro selbst zusammenzimmern kann: Man braucht nur einen Rahmen aus Holzleisten mit Holzdübeln zu verbinden und dazwischen die Latten zu verschrauben. Die Bauanleitung kann sich jeder unter www.test.de/lattenrost-bauen herunterladen. Die Stiftungsmacher ziehen ihr Fazit: „Die Unterfederungen im Test sind nicht empfehlenswert. Keine bringt mehr als eine Spanplatte, teils verschlechtern sie die Liegeeigenschaften der Matratzen sogar, vor allem für Schläfer in Rückenlage. Wer kein verstellbares Kopf- oder Fußteil braucht, sollte einen einfachen, möglichst starren Rost wählen – zum Beispiel ein nach der Anleitung unten gebautes Modell.“

Wir haben verfolgt, wie sich die Hersteller der Unterfederungen Gedanken darüber machen, auf welche Weise man die Liegeeigenschaften, das Zusammenspiel zwischen Unterfederung und Matratze noch weiter verbessern könnte. Da gibt es die verschiedensten Techniken, mit Teller- oder punktartigen Elementen – diese ausgeklügelten Liegetechnologien kann man nicht einfach alle pauschal abwerten. Wenn man sich auf ein solches Bett legt, merkt man den Unterschied. Wir haben darüber mit einem großen Hersteller gesprochen, haben uns seine Technik und den Weg, der dazu führte, erläutern lassen. Das ist keine Scharlatanerie. Was die Stiftung Warentest da schreibt – wohl wissend, dass sie bei ihren Lesern einen Kompetenzbonus hat –, ist hanebüchen. Man kann die verschiedenen Unterfederungen gegeneinander abwägen und nuanciert beurteilen, aber doch nicht alles einhellig abwerten und den armen Lesern empfehlen: Zimmert euch eure Matratzenunterlagen für 35 Euro selbst zusammen!

Die getesteten Unterfederungen erhielten allesamt das Qualitätsurteil „Ausreichend“ – eine bittere Vier. Geschrieben haben es die Tester nicht, doch es ist sonnenklar, dass sie den Lattenrost Marke Warentest-Eigenbau wohl mit einer vorbildlichen Eins auszeichnen würden. Also, Leute, auf in den Baumarkt und Finger weg von den Schaumschlägern in den Bettenfachgeschäften!

Herr Brix, haben Sie den Verstand verloren?

Das Schlafmagazin 4-2015
Foto: © Fotolia/Soloviova Liudmyla