12/06 2017

Gleich und gleich gesellt sich gern? Von wegen!

Eigentlich müssten Morgenmänner am besten mit einer Partnerin auskommen, die morgens ebenfalls schon mit den Hühnern wach ist. Und eine Frau, die beim morgendlichen Weckerklingeln nur mit Mühe aus dem Bett findet, aber dafür abends zur Hochform aufläuft – müsste die nicht mit einem Abendtypen am glücklichsten sein? Denn wenn beide um dieselbe Zeit wach und aktiv sind, können sie mehr miteinander unternehmen, vielleicht auch öfter Sex haben. Eine neue Untersuchung zeigt jedoch, dass das uralte Sprichwort „Gleich und gleich gesellt sich gern“ zumindest auf den Schlaftypus tatsächlich nicht zutrifft: Ein „Abendmann“ kann durchaus mit einer „Morgenfrau“ glücklich werden – und umgekehrt. 

Marion Zerbst 

Die junge Schlafforscherin Maike Bulian von der Universität Landau hat untersucht, ob es sich positiv auf die Partnerschaft auswirkt, wenn Lerchen mit Lerchen und Eulen mit Eulen zusammenleben. Eigentlich sollte man meinen, dass Menschen mit ähnlichem Schlafrhythmus von vornherein eher zusammenfinden als solche, die zu unterschiedlichen Tageszeiten wach und aktiv sind. Aber das stimmt nicht: Die Online-Befragung, an der fast 600 Personen teilnahmen, hat ergeben, dass Menschen ungefähr ebenso häufig Beziehungen zu einem Partner eingehen, der einem anderen Schlaftypus angehört. Von den Paaren, die Maike Bulian befragte, hatten nur 46 % den gleichen und 54 % einen unterschiedlichen Chronotyp.

Auch die Hypothese, dass Paare mit ähnlichem Schlaf-wach-Rhythmus eine harmonischere Beziehung führen, erwies sich als falsch: Eulen und Lerchen können trotz ihres unterschiedlichen Lebensrhythmus durchaus glücklich miteinander werden! In der Umfrage waren Paare mit unterschiedlichem Schlafrhythmus jedenfalls nicht unzufriedener mit ihrer Beziehung als Paare, in denen beide demselben Chronotypus angehörten. Also machen Sie sich keine Sorgen, wenn der Mann Ihrer Träume mit Ihnen am liebsten bis ein oder zwei Uhr morgens durch die Nachtclubs ziehen würde, während Ihnen spätestens um neun oder halb zehn die Augen zufallen! Sie können trotzdem glücklich miteinander werden. Ein bisschen Toleranz gehört natürlich schon dazu – aber das gilt schließlich für alle zwischenmenschlichen Beziehungen und nicht nur für die Liebe zwischen Eulenmann und Lerchenfrau.  

Letzte Nacht vom Sex mit einer anderen Frau geträumt:
Was sagt das über Ihre Beziehung aus?
Manchmal schrecken Schlafforscher auch vor Indiskretionen nicht zurück. Das gilt insbesondere für die Traumforschung: Denn natürlich spielt Sex nicht nur im Wachzustand, sondern auch in unseren Träumen eine zentrale Rolle. Die Psychologin Jasmin Faber von der Universität Bielefeld wollte es ganz genau wissen und versuchte herauszufinden, ob Paare vom Partner, von Fremden oder gar vom Fremdgehen träumen. 670 Personen im Durchschnittsalter von knapp 28 Jahren nahmen an ihrer Online-Umfrage zum Thema „Verliebtheit und Schlaf“ teil. 

Das Ergebnis wird vielleicht so manchen deprimieren, der sich wünscht, dass sein Partner nicht mal im Traum an jemand anderen denken würde: In Jasmin Fabers Umfrage träumten nämlich wesentlich mehr Personen von einem Schäferstündchen mit fremden Personen als vom Sex mit dem eigenen Partner. Und Träume sind eben doch nicht nur „Schäume“: Von wem Sie nachts träumen, sagt eine Menge über die Qualität Ihrer Partnerschaft aus. Probanden, die von Sex mit dem eigenen Lebensgefährten träumten, berichteten von einer besseren Beziehungsqualität und waren auch viel verliebter in ihren Partner bzw. ihre Partnerin als diejenigen, die im Traum fremdgingen.  

Was ich nicht weiß...
Sogar über Ihren Charakter können Ihre nächtlichen Sexträume Aufschluss geben: Perfektionisten träumen zum Beispiel eher vom Sex mit dem eigenen Lebenspartner als vom Fremdgehen. Vielleicht, weil ihr Perfektionismus und der damit verbundene hohe Anspruch an das eigene Verhalten ihnen den Seitensprung selbst dann verbietet, wenn er nur geträumt ist? Der Frage nach dem Warum ging diese Studie nicht nach, sodass man hierüber nur Vermutungen anstellen kann. Fest steht jedoch, dass man seinen Sexträumen Beachtung schenken sollte, denn sie können durchaus Hinweise darauf liefern, ob die Beziehung noch stimmt oder nicht. 

Ob man auch seinen Partner danach fragen sollte, wie es um seine Treue im Traum bestellt ist? Das muss jeder selbst entscheiden. Denn natürlich kann man nie wissen, ob er die Wahrheit sagt, wenn er beteuert: „Liebling, ich habe noch nie von einer anderen Frau geträumt als von dir!“ Oder er wählt eine ähnlich diplomatische Formulierung wie einst unser Innenminister de Maizière auf die Frage nach den Gründen für ein abgesagtes Fußball-Länderspiel: „Ein Teil meiner Antwort könnte dich verunsichern...“ Manchmal ist es vielleicht tatsächlich besser, nicht alle Fragen zu stellen, die einem in den Sinn kommen, und sein Glück lieber in der Ungewissheit zu suchen, denn: „Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß.“

Das Schlafmagazin 2-2017
Foto: © shutterstock/AlexKaplun

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