23/05 2011

Ja, wie schlafen Sie denn?

Prof. Dr. Jürgen Zulley

Der eine schläft auf der Seite, der andere auf dem Rücken und Paare schlafen mal so oder so! Das muss doch etwas bedeuten! Und schon sind wir mitten im Thema und können das schöne Fragespiel beginnen: Sage mir, wie du schläfst, und ich sage dir, wer du bist. Lässt sich aufgrund der Schlafposition etwas über den Charakter oder den augenblicklichen Seelenzustand einer Person sagen? Oder enthüllt sie gar etwas über die Beziehung der beiden Schlummernden?


© ZoneCreative/istockphoto.com

Bei diesen oder ähnlichen Fragen bewegen wir uns an der Grenze zwischen Wissenschaft und Unterhaltung. Aber immerhin hat sich der angesehene britische Schlafforscher Chris Idzikowski schon einmal damit befasst und er konnte aufgrund der bevorzugten Schlafposition etwas über den Schläfer aussagen. Er unterschied zwischen sechs Typen. 

Die bevorzugte Position sei die „Fötus-Haltung“, eine entspannte Seitenlagerung mit leicht angezogenen Beinen. Diese Personen seien sensibel, anfangs schüchtern, aber dann zupackend. Seltener sei die „Klotz-Haltung“, eine Seitenlage mit beiden Armen am Körper. Diese Schläfer seien gesellig und stünden gerne im Mittelpunkt. 

Dann gibt es den „Sehnsuchtstyp“, der auf der Seite mit nach vorne gestreckten Armen schläft. Die seien grundsätzlich zaghaft, aber wenn sie sich einmal zu etwas durchgerungen haben, bleiben sie auch dabei. 

Dann gibt es noch die „Soldaten-Haltung“, Rückenlage mit seitlich angelegten Armen: sehr reservierte Menschen mit hohen Anforderungen. 

Bei der „Freifall-Position“ liegt der Schläfer auf dem Bauch und umklammert das Kissen. Gesellige, ja ungestüme Zeitgenossen, die aber auch dünnhäutig sind. 

Zuletzt noch die „Seestern-Haltung“ bei denjenigen, die auf dem Rücken liegen und das Polster umarmen: gute Zuhörer, hilfsbereit, aber lieber im Hintergrund lebend.

Was sagt uns nun die Schlafposition von Paaren über deren Beziehung? Dieses Themas haben sich die amerikanischen Wissenschaftler Goulston und Samuel Dunkell angenommen und sie fanden immerhin acht Schlafpositionen. 

• Die „Waageposition“ (Rücken an Rücken, mit Berührung) bedeutet eine intime, aber auch relativ unabhängige Beziehung. Jeder geht seinen Weg, aber sie sind trotzdem leidenschaftlich verbunden. 

• Anders sieht es bei einer ähnlichen Position, Rücken an Rücken, aber ohne Berührung aus, der „Kehrseite“. Entweder bestehen hier Spannungen zwischen den beiden, oder sie sind auf Bequemlichkeit aus, auf jeden Fall nicht auf Nähe. 

• Bei den bekannten „Löffelchen-Positionen“ gibt es zwei Möglichkeiten. Entweder liegt der Mann vorne, dann will er entweder seine Ruhe, die sie nicht akzeptiert, oder er wartet bequem ab, ob seine Partnerin die Initiative übernimmt oder nicht. Liegt die Frau vorne, signalisiert diese Sexstellung, dass es sich um eine sehr lustbetonte Beziehung, auf jeden Fall eine Liebephase handelt. 

• Dann kennen wir noch den „Liebesknoten“. Ziemlich unbequem, aber in inniger Umarmung sieht es so aus, als ob die beiden verschmelzen. Das ist was für frisch Verliebte und kann dementsprechend nicht lange anhalten, denn auf Dauer ist es einfach zu anstrengend. 

• Ähnlich sieht der „Schutzengel“ aus, nur hier ist man nicht mehr ganz so verknotet, aber es zeigt eine innige Verbundenheit an. 

• Die auf Dauer wohl unbequemste Haltung ist das „Sandwich“, bei dem das Paar aufeinander liegt. Hier wird wohl etwas krampfhaft demonstriert, dass man auf jeden Fall zusammengehört und sich auch beschützt. 

• Bei der Position der „Beinschere“ liegen die Partner auseinander, berühren sich aber entweder mit dem Knie oder Unterschenkel. Das zeigt eine unsichere Beziehung an, wo zumindest derzeit nicht geklärt ist, wie es weitergehen soll, zueinander oder auseinander. Vielleicht haben sie auch nur Angst, sich zu bedrängen, oder sie hatten gerade Krach, aber signalisieren wieder Kompromissbereitschaft oder Wunsch nach Nähe.

Wie Sie sehen, kann unsere Schlafposition viel oder gar nichts über uns oder unsere Beziehung aussagen. Der Verdacht drängt sich stark auf, dass wir uns hier tief im Land des Psychologisierens befinden. Aber unterhaltsam ist es allemal. Probieren Sie es aus und befragen Sie als Experte Ihren Bekanntenkreis. Aber halten Sie sich immer ein Hintertürchen offen, dass alles nur ein Spaß war.

Ausgabe-2-2011

Foto: © gerlinde/photocase.de

Prof. Dr. Jürgen Zulley im „Stehbett“ während der Theateraufführung „Prof. Zulley’s: Hofer und Müller zum Einschlafen“.


Ausgewählte Artikel