09/08 2012

Kurzfristige Diäten bringen nicht viel

Wir fragten Dr. Tanja Legenbauer, was man nach den Erkenntnissen der EBOTS-Studie tun muss, um sein Gewicht dauerhaft zu halten.

An einer erneuten Gewichtszunahme ist häufig der Jo-Jo-Effekt schuld: Durch die Gewichtsreduktionsdiät hat sich der Energiebedarf des Körpers verringert. Isst man dann im Anschluss an eine Diät wieder „normal“, so nimmt man erneut zu – oft sogar noch mehr, als man durch die Diät abgenommen hatte. Wie kann man diesen Effekt überlisten?

Wichtig ist eine langfristige Umstellung des Essverhaltens. Der Jo-Jo-Effekt tritt insbesondere dann auf, wenn die Kalorienzahl sehr stark reduziert und nach einem kurzen Zeitraum dann wieder ganz normal gegessen wird. Aus diesem Grund sind die heutigen Diäten auch multimodal und langfristig angelegt. 

Dies bedeutet, dass neben der Ernährungsumstellung und -änderung auch das bisherige Essverhalten beleuchtet und ein gesundes Bewegungsverhalten aufgebaut sowie der Umgang mit Stress und anderen ungünstigen Verhaltensweisen betrachtet wird. 

Der Jo-Jo-Effekt kann also nur „überlistet“ werden, wenn es nicht um eine kurzfristige Diät geht, sondern tatsächlich um eine generelle „Lebensstiländerung“, welche sowohl die Ernährung als auch das Bewegungsverhalten umfasst. Ferner sollte jeder wissen, welche „Fallen“ dazu führen, dass sich bei ihm wieder ein ungünstiges Ernährungs- und/oder Bewegungsverhalten einschleicht.  

Sie empfehlen eine tägliche Gewichtskontrolle, um rechtzeitig gegensteuern zu können, wenn der Zeiger der Waage wieder nach oben schnellt. Ab welcher Gewichtszunahme soll man denn etwas unternehmen, und welche Maßnahmen sind sinnvoll?

So einfach ist das nicht zu sagen – prinzipiell kann das Gewicht ja bis zu zwei oder drei Kilo nach oben oder unten schwanken. Wichtig ist, dass ein stetiger Trend nach oben erkannt wird und man so möglicherweise sich erneut einschleichende Ernährungsfehler oder fehlende Bewegung erkennt und etwas dagegen tun kann. Zwei Kilo sind schneller abzunehmen als fünf Kilo. 

Prinzipiell geht es aber eher darum, dafür sensibilisiert zu werden, wenn sich wieder alte Gewohnheiten einschleichen. 

Wie schafft man es, den mannigfaltigen äußeren Reizen zu widerstehen und sich stattdessen an inneren Hungersignalen zu orientieren?

Bevor gegessen wird, sollten Betroffene zunächst einmal überprüfen, ob sie tatsächlich hungrig sind oder ob es eher Appetit oder etwas anderes ist, das zum „Zugreifen“ verleitet. Ein Beispiel: Ich gehe vom U-Bahnhof nach Hause und komme an einer Bäckerei vorbei. Es riecht unglaublich lecker, und ich kaufe mir ein Stückchen, obwohl ich gleich zu Hause bin und mir dort ein gesundes Abendbrot zubereiten könnte. Hier geht es also darum, nicht in die Bäckerei zu gehen, sondern zu überlegen, was in mir den Impuls ausgelöst hat, das Stückchen zu kaufen. Statt diesem Impuls nachzugeben, sollte man sich dann bessere Alternativen überlegen (zu Hause essen, denn das ist ausgewogener) oder sich bewusst machen, warum gerade jetzt das Verlangen nach Essen entstanden ist: Vielleicht hat man den ganzen Tag nichts Richtiges gegessen und ist daher jetzt ausgehungert. Das ist möglicherweise eine „alte“ Verhaltensweise, die sich wegen Stress im Job wieder eingeschlichen hat. Die Konsequenz daraus wäre, in Zukunft wieder regelmäßiger und ausreichend zu essen.

Ausgabe-3-2012

Das Schlafmagazin 3-2012
Foto: © Olaru Radian-Alexandru/ScanStockPhoto

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Die EBOTS-Studie wurde in der ersten Förderperiode des Kompetenznetzes Adipositas im Rahmen des Verbundes MAIN (Weight Loss Maintenance) gefördert. Die Projektleitung der Studie haben Frau Dr. Tanja Legenbauer und Herr Prof. Dr. Stephan Herpertz (Abteilung für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, LWL-Krankenhaus, Ruhr Universität Bochum) inne.

Das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderte Kompetenznetz Adipositas (www.kompetenznetz-adipositas.de) verbindet bundesweit Experten im Bereich des behandlungsbedürftigen Übergewichts (Adipositas). Diese Experten entwickeln und überprüfen neue Therapien und Präventionsstrategien. Das Kompetenznetz Adipositas stellt fundierte und verständliche Informationen für Ärzte, Verbände, Medien und Betroffene bereit. Damit sorgt es für eine Vernetzung und Stärkung der Adipositasforschung in Deutschland und für eine bessere Versorgung der Betroffenen. 

Prof. Dr. Stephan Herpertz
Dr. Tanja Legenbauer

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