22/11 2012

Ein Leben mit der Natur

Föhr, eine Insel in der Nordsee. Weite Wiesen, weiter Himmel, umgeben vom Meer. Eine Insel im Wattenmeer. Kein Sylter Glamour. Kleine Dörfer, oft nur ein paar Häuser, reetgedeckt, malerisch, natürlich. Der Musiker Hauke Nissen wurde auf Föhr geboren. Er hat die Insel in seinem Leben nur kurz verlassen und ist inzwischen eins mit der Natur. Er bewegt sich in ihr. Er hat sie verinnerlicht. Den Wind. Das Meer. Das Spiel der Wolken. Die Schreie der Seevögel. All das fließt in seine Musik ein, die Menschen zu innerer Ruhe, Harmonie – und sicherlich auch zu einem guten, tiefen, wohligen, erholsamen Schlaf verhilft.

Werner Waldmann 

Für seine Musik braucht  Hauke Nissen keine Noten. Die Melodien wachsen in ihm. Seine Instrumente: Gitarre, Flöte, Tasteninstrumente, Glockenspiel, Vibrafon, Klavier. Er setzt sich einfach an den Strand, und die Natur spielt ihm die Melodien zu. Die nimmt er dann in seinem kleinen Studio auf. Zwölf CDs sind so im Lauf der Jahre entstanden. Sie haben ihren Weg zu vielen Menschen gefunden, ganz leise, unspektakulär, ohne Plattenlabel, ohne professionelles Marketing. Zu Menschen, denen diese Musik mit den Tönen der Inselwelt ein Stückchen Frieden, Ruhe, Abstand vom Alltäglichen schenkt. 

Ich habe Hauke Nissen besucht. Habe ihm zugehört. Selbst aus den Worten dieses Mannes spricht eine angenehme innere Ruhe. Das berührt. Das schafft in uns eine Sehnsucht. Zu einer solchen Sanftheit zu finden. Zu diesem inneren Frieden, der eine ganz eigentümliche Kraft und Zuversicht schenkt.

 

Ein Leben für die Musik

 

„Ich bin auf der Insel Föhr geboren, in Oldsum“, erzählt Hauke Nissen. „Meine Eltern sind sehr musikalisch. Ich glaube, den größten Teil meiner Musikalität habe ich von ihnen. Mein Vater hat schon früher, wenn ich als kleines Kind schlafen ging, neben meinem Kinderzimmer Geige oder Klarinette gespielt, und ich bin quasi mit diesen Melodien eingeschlafen. Meine Mutter war Organistin, und ich durfte für sie immer die Noten zur Kirche tragen. Ich habe viele Gottesdienste lang neben ihr auf der Orgelbank gesessen und ihrer Musik gelauscht. Und an den Adventstagen und zu Weihnachten haben wir zusammen Flöte gespielt. Ich denke, dass damals schon ein wichtiger Grundstein für meine heutige Arbeit gelegt wurde.“ 

Auch später hat Hauke Nissen viel musiziert, ganz frei improvisiert, draußen in der Natur, allein oder mit Freunden zusammen in der Flower-Power-Zeit. „Das war für mich eine ganz wichtige, kreative Zeit, in der wir natürlich viel draußen in der Natur waren.“

Auch heute noch musiziert er gerne am Strand: „Ich setze mich einfach ans Wasser und spiele Flöte. Die Klänge der Natur haben mich bei meiner Musik schon immer begleitet: das Meeresrauschen, der sanfte Sommerwind, das Gezwitscher der Vögel von den Salzwiesen oder der Vögel in der Marsch und in den Gärten. Das war schon immer mehr oder weniger bewusst ein Teil meines Lebens und auch meiner Musik. Das inspiriert mich.“

Hauke Nissen nennt seine Musik „Naturentspannungsmusik“, weil er sie nicht komponiert, sondern in seinem Studio im Garten intuitiv mit den Klängen der Natur, der Insel, des Strandes und des Meeres verwebt. „Ich habe ein Raumklangmikrofon; mit dem habe ich diese ganzen Naturklänge im Lauf der Jahre aufgezeichnet. So habe ich mir ein kleines Klangarchiv geschaffen, und je nach Stimmung des Liedes lasse ich das ganz sanft und subtil in meine Musik einfließen.“ 

 

Flower-Power und Meeresstrand

 

Die Flower-Power-Zeit der Sechzigerjahre, in der die damalige Jugend die Liebe zur Natur wiederentdeckte und ihren Traum von einem humaneren, friedlicheren, harmonischeren Leben zu verwirklichen versuchte, hat ihn stark geprägt.

 „Das ist für mich bis heute nicht vorbei. Gewisse äußere Umstände haben sich zwar verändert, man hat jetzt Familie und mehr Verantwortung; aber viele Aspekte, die uns damals bewegt haben, sind für mich auch heute noch wichtig, vor allem die Liebe zur Natur; und wenn ich in der Natur bin, nehme ich sie sehr bewusst und sehr glücklich wahr. Den Horizont, das Meer, den Strand ... Der Naturstrand hier auf der Insel mit seinen Muscheln und Steinen, mit der Salzwiesenflora und den Vögeln hat für mich eine ganz besondere Atmosphäre, und die habe ich sehr stark verinnerlicht, schon von Kindheit an, denn wir haben als Kinder schon auf diesen Salzwiesen mit dem Strandblick gezeltet. Diesen Frieden, der dort herrscht, und diese Weite liebe ich ganz, ganz tief, und diese Stimmungen sind es, die ich auch in meiner Musik zum Ausdruck bringe. Mein Anliegen ist es, diese Atmosphäre in meiner Musik einzufangen und weiterzugeben.“

 

Lebensmittelpunkt Insel

 

Inzwischen ist Hauke Nissen 59 Jahre alt und hat die Insel Föhr in seinem Leben immer nur für kurze Zeit verlassen: zum Beispiel, um auf dem Festland Kunst, Politik und Erziehungswissenschaften zu studieren, weil er später einmal Kunstlehrer werden wollte. Aber irgendwie war das nicht das Richtige für ihn. Er brach das Studium ab. Als Nächstes machte er eine Tischlerlehre mit dem Ziel, anschließend Innenarchitektur zu studieren und sich auf diese Weise künstlerisch auszudrücken. „Diese Ausbildung habe ich zu Ende gemacht, aber ich spürte: Das ist es immer noch nicht. Seit 1976 bin ich selbstständig und habe hier auf der Insel verschiedene Projekte aufgebaut, zum Beispiel ein Kulturzentrum namens Störtebeker mit einer Kleinbühne für Lesungen, Theater- und Musikaufführungen und einer Teestube für vegetarische Ernährung. Dieses Kulturzentrum gibt es heute noch.“ 

Später gründete er mit seiner Frau ein Ferien- und Seminarhaus für Gemeinschaftsaktivitäten, Kunst, Kreativität, Meditation und Yoga. „Wir hatten einen großen Musik- und Yogaraum, einen Meditationsraum und ein sehr schönes Kaminzimmer, in dem wir uns trafen, zusammen aßen, gute Filme anschauten, uns unterhielten. In dem Musikraum gab ich viele Konzerte als Geschenk für unsere Gäste.“

Und bei einem dieser spontanen Konzerte entstand die Idee, Musik-CDs zu produzieren. „Irgendwann fragten die Gäste mich, ob ich so ein Konzert denn nicht mal mitschneiden würde, damit sie die Musik mit nach Hause nehmen können. Das habe ich dann gemacht und diese Musik in dem Lädchen, das wir damals betrieben, ganz leise spielen lassen. Und die Leute, die zu uns kamen, waren noch nicht einmal im Laden und fragten schon, was das für eine Musik sei und ob man sie vielleicht bei uns bekommen könnte. Eigentlich hatte ich nie vorgehabt, CDs zu produzieren oder in dieser Richtung überhaupt kommerziell tätig zu werden; ich habe einfach nur musiziert und Freude daran gehabt. Aber aufgrund dieser Nachfrage, die immer wieder kam, habe ich das Konzert dann einfach mal auf Kassette aufgenommen und die Kassetten kopiert und in meinem Laden verkauft. Vorher durften die Leute sich eine Postkarte mit einem schönen Landschaftsmotiv von der Insel aussuchen; die habe ich dann auf Kassettenformat ausgeschnitten und die Titel alle von Hand aufgeschrieben. So fing alles an. Das ist jetzt achtzehneinhalb Jahre her.“

Irgendwann wurde Hauke Nissen dann auch einmal nach CDs gefragt; das war der Beginn seiner heutigen musikalischen Laufbahn. „Damals habe ich gleich eine ganze Palette CDs bestellt. Ich weiß noch, wie meine Mutter diese große Palette sah und sagte: ‘Mein Junge, die wirst du in deinem ganzen Leben nicht los.’“     

 

Heilsame Klänge

 

Aber er ist sie losgeworden, und es hat auch nicht ein Leben lang gedauert. Inzwischen verkauft Hauke Nissen seine CDs im eigenen Laden, übers Internet und über Bestellungen auf dem Postweg. 

„Es gibt viele Heilberufler, die meine Musik hören und von denen ich sehr schöne Rückmeldungen bekomme, zum Beispiel Zahn- oder Frauenärzte, die mir sagen, dass diese Musik eine gute Atmosphäre in der Praxis schafft – für den Arzt selber, für seine Sprechstundenhelfer, aber natürlich ganz besonders für die Patienten, die meistens ängstlich und verspannt in die Praxis kommen; und beim Hören der Musik schmilzt ihre innere Anspannung dann ein wenig, und es tritt ein schöner Entspannungseffekt ein. Das höre ich zum Beispiel auch von Hebammen. Es ist für mich etwas ganz Beglückendes, wenn Hebammen mir berichten, dass sie die Musik bei Geburtsvorbereitungskursen, aber auch bei Geburten einsetzen. Lehrer, Erzieher und Kindergärtner arbeiten ebenfalls mit meiner Musik. Ich kenne viele Lehrer, die am Anfang ihres Unterrichts einfach ein paar Minuten lang eine meiner CDs spielen und die Kinder, die vom Wochenende oder vom ganzen Computer- und TV-Konsum noch sehr aufgeladen sind, dann richtig ‘runterfahren. Der Unterricht wird dadurch einfach bereichert und wesentlich entspannter.“ 

Was will Hauke Nissen mit seiner Musik, mit der Weitergabe seiner inneren Ruhe und seiner Erfahrungen bewirken? Verfolgt er damit eine bestimmte Mission?

„Nein; aber ich habe schon das Gefühl und das Bedürfnis, dass die Menschen die Natur durch meine Musik vielleicht noch ein bisschen mehr wertschätzen lernen. Ich bekomme ja sehr viel Feedback von den Hörern meiner Musik, die jedes Jahr wieder zu uns in den Laden kommen und mir erzählen, dass sie sich durch meine Musik total in die Atmosphäre dieser schönen Natur versetzt fühlen und innerlich zur Ruhe kommen.“ 

 

Das Paradies liegt vor der eigenen Haustür

 

Urlaub? So etwas braucht er nicht. „Wir haben es hier ja so gut. Ich fahre einfach zum Utersumer Strand, breite ein Decke aus, hole meine Kanne Kaffee und einen Keks, gucke aufs Wasser, und alles ist gut. Oder ich gehe mit den Kindern (mittlerweile sind es die Enkel) auf die Salzwiesen, packe unsere Picknickdecke und einen Salat und eine Flasche Wein ein, und dann picknicken wir, die Kinder spielen, und ich denk’ mir: Was geht es uns hier gut! Da vergisst man wirklich, Urlaub zu machen.“

Ausgabe-4-2012

Das Schlafmagazin 4-2012
Foto: © ohneski/photocase
Flash ist Pflicht!

Meeresblau aus dem Album "Poesie am Meer" (Hauke Nissen)

Infos und Bezugsadresse für CDs:

Insel des Friedens
Hauke Nissen
Haus 56
25938 Oldsum auf Föhr

Tel.: 04683 1010
E-Mail.: haukenissen(at)gmx.net
www.haukenissen.de

NÜRTINGER ZEITUNG:

„Mit seiner Hilfe schafft man es binnen Minuten abzuschalten, loszulassen und neue Wärme und Kraft in sich zu entdecken. Zum Einen stammen seine Melodien aus dem Norden, zum anderen wecken sie den Eindruck, als lebten sie schon seit Urzeiten in einem selbst. Sie sind dem Herzen vertraut, ohne dass man sie ein einziges Mal gehört hat. Es ist wohl so, dass sie die Ur-Sehnsucht des Menschen nach äußerer und innerer Harmonie ansprechen – und auch erfüllen. Seine Musik erfüllt einen mit Wohlklang und nimmt einen mit auf die Reise zur eigenen inneren Heimat.“

ADAC  REISEMAGAZIN:

„Seine Musik ist ein Klangteppich, gewebt aus Flöten- und Harfentönen, Meeresrauschen und Möwenlauten. Man empfindet beim Hören seiner Werke eine heilsame Verbundenheit mit der Natur und sich selbst.“

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