04/08 2011

Parkinson-Erkrankung und schlafbezogene Atmungsstörungen

Über die Hälfte aller Patienten mit Parkinson-Erkrankung (PD) klagen über ausgeprägte Tagesschläfrigkeit. So fanden Ondo et al. (1) bei 50 % mit dem Epworth-Schläfrigkeitsfragebogen einen ESS-Score >10.

Für die Tagesschläfrigkeit kommen verschiedene Ursachen in Frage: der Schweregrad als solcher, Nachlassen der DopaminWirkung, Dopamin-Dosierung und u. a. auch schlafbezogene Atmungsstörungen. 

Als Erstes stellt sich die Frage, ob bei PD gehäuft nächtliche Atmungsstörungen auftreten. 

Von Trotti et al. (2) wurden 55 Patienten mit PD unter der üblichen Dopamin-Dosis polysomnografisch während drei Nächten untersucht. Als wichtigstes Ergebnis stellen die Autoren heraus, dass sich der AHI im Vergleich zur Normalbevölkerung nicht unterschied. Bei der Kontrollgruppe handelt es sich um Personen der Sleep Heart Health Study, die einem repräsentativen Querschnitt der Normalbevölkerung entsprechen. 

Dies heißt jedoch nicht, dass bei entsprechender Symptomatik nicht an die Erkrankung gedacht werden sollte. Bei einer Studie an 30 Patienten mit PD lag die Epworth- Schläfrigkeitsskala (ESS) bei 57 % der Patienten >10. Diejenigen mit excessiver Tages-Schläfrigkeit (EDS) erhielten höhere Dopaminagonisten/Levodopa  und wiesen einen höheren Apnoe-Hypopnoe-Index (AHI) auf. 30 % aller Patienten litten an nächtlichen Atmungsstörungen mit einem AHI >10. Bei ihnen war im Vergleich zur Gruppe ohne erhöhten AHI die Einschlaflatenz verkürzt, der ESS-Score zeigte aber keinen Unterschied. Schlafbezogene Atmungsstörungen (SBAS) tragen demnach zur EDS bei, ohne die Hauptursache darzustellen. 

Fazit: Sowohl die Erkrankung als auch die Medikamente führen zu einer erheblichen Einschränkung der Tagesbefindlichkeit bei PD. Kommt eine SBAS hinzu, die ja eine höhere Prävalenz in dieser Altersgruppe besitzt, verschlechtert sich die Symptomatik zusätzlich. Es empfiehlt sich deshalb, bei klinischem Verdacht auf SBAS eine Polysomnografie durchführen zu lassen, da durch Überdruckatmung (CPAP) eine Verbesserung zu erwarten ist. Allerdings ist auf die Akzeptanz in dieser Patientengruppe besonders zu achten.

Ausgabe-3-2011

Foto: © kallejipp/photocase.de

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Prof. Dr. med. Karl-Heinz Rühle
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Literatur:

[1] Ondo WG, Dat Vuong K, Khan H, Atassi F, Kwak C, Jankovic J. Daytime sleepiness and other sleep disorders in Parkinson's disease. Neurology. 2001 Oct 23;57(8):1392-6.

[2] Trotti LM, Bliwise DL. No increased risk of obstructive sleep apnea in Parkinson's disease. Mov Disord. 2010 Oct 15;25(13):2246-9.

[3] Poryazova R, Benninger D, Waldvogel D, Bassetti CL. Excessive daytime sleepiness in Parkinson's disease: characteristics and determinants. Eur Neurol. 2010;63(3):129-35.


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