29/05 2012

Schlafapnoe – (k)ein Thema im Rettungsdienst?

Reinhard Wagner

Präklinisch stellen Patienten mit einer obstruktiven Schlafapnoe keine große Herausforderung dar. Die Basismaßnahmen zum Freihalten der Atemwege, oder eine im Einzelfall notwendig werdende assistierte Beatmung, sind auch auf Patienten mit einer Schlafapnoe zu übertragen. Schwierigkeiten kann jedoch eine notwendig werdende Intubation bereiten. Dies ist aber auch klar, weil die Atemwege von Schlafapnoikern manchmal schwer einsehbar sind.

Für den Patienten ist es wichtig, dass die Erkrankung vom Personal des Rettungsdienstes bemerkt wird, z. B. durch das Atemtherapiegerät auf dem Nachtschrank, und dass der Notarzt bzw. der aufnehmende Arzt im Krankenhaus über die Schlafapnoe des Patienten Informiert wird.

Gerade in Notfallsituationen vergessen die Angehörigen oft, auf das  Atemtherapiegerät des Patienten hinzuweisen, es in die Klinik mitzunehmen und den aufnehmenden Arzt über die Schlafapnoe des Patienten zu informieren. Hier ist das Personal des Rettungsdienstes gefordert, aufmerksam zu sein.

Die obstruktive Schlafapnoe ist eine schlafbezogene Atemstörung, die lebensbedrohliche Folgeerkrankungen nach sich ziehen kann. Man schätzt, dass ca. 10 % der Bevölkerung betroffen sein können.

Während des Schlafes kommt es zu einem Kollaps der oberen Atemwege, wodurch sie teilweise oder ganz blockiert werden. Die Apnoen und Hypopnoen führen zu erheblichen Behinderungen des Atmungsflusses mit einer nachfolgenden zentralnervösen Aktivierungsreaktion, einem sogenannten Arousal. Die Apnoen und Hypopnoen können bis zu 600 Mal pro Nacht auftreten, einzelne Apnoe- und Hypopnoephasen können bis zu 2 Minuten dauern. Die Patienten haben einen nicht-erholsamen Schlaf. Sie klagen häufig über Müdigkeit und fallen durch Schläfrigkeit auf. Betroffene Frauen, leiden aber mehr an Ein- und Durchschlafstörungen. 

Die Ursachen einer obstruktiven Schlafapnoe, die sich in der Regel aus dem Schnarchen entwickelt, sind äußerst komplex. Sie liegen häufig in einem vererbten instabilen und engen Rachen (Pharynx), im Nachlassen des Muskeltonus’ mit zunehmenden Lebensalter und in Fettein-lagerungen in den Rachenweichteilen bei Adipositas. Betroffen sind überwiegend Männer. Nach der Menopause steigt auch die Anzahl der betroffenen Frauen an.

Die überlegene Therapieform der obstruktiven Schlafapnoe ist die nächtliche Überdruckbeatmung mit einem Atemtherapiegerät. Der positive kontinuierliche Druck in den Atemwegen (CPAP), der während der In- und Expiration besteht, verhindert den Verschluss der Atemwege.

Neben der Tagesschläfrigkeit entwickelt sich sehr häufig ein arterieller Bluthochdruck – oft schwer mit Medikamenten einzustellen – und es kommt zu kardiovaskulären Ereignissen wie Herzinfarkt und Schlaganfall.  Gerade hier wird der Rettungsdienst oft angefordert und wird so den Schlafapnoiker bei diesen Komplikationen antreffen.

Die Therapie mit einem CPAP-Gerät ist in jeder Nacht durchzuführen und lebenslang notwendig. Unterbrechungen führen zu erneutem Auftreten der Apnoen. Bei einem Ereignis wie einem Herzinfarkt oder einem Schlaganfall sind Apnoen durch die damit verbundenen Sauerstoffentsättigungen, die über Minuten laufen können, besonders nachteilig – das kranke Herz- oder Hirngewebe kann sich nicht oder nur unvollständig regenerieren und weitere Komplikationen wie maligne Herzrhythmusstörungen können gebahnt werden.  Daher ist die CPAP-Therapie unbedingt fortzusetzen.

Leider kommt es immer wieder vor, dass die CPAP-Therapie nicht im Krankenhaus fortgeführt wird. Eine mögliche Ursache hierfür ist, dass nicht am Atemtherapiegerät des Patienten eingewiesene Pflegekräfte die Bedienung verweigern und klinikeigene geeignete Atemtherapiegeräte nicht immer zur Verfügung stehen.

Ein weiterer Grund besteht darin, dass der aufnehmende Arzt keine Kenntnis von der Schlafapnoe des Patienten hat. Einige Gründe hierfür sind:

• Patient sowie seine Angehörigen informieren den Arzt nicht.

• Aus der stationären Einweisung ist die „Begleiterkrankung“ Schlafapnoe häufig nicht zu ersehen.

• Der Patient/Notfallpatient hat keinen Gerätepass für sein Atemtherapiegerät  in seinen Ausweisunterlagen.

• Der Patient nimmt sein Atemtherapiegerät nicht mit ins Krankenhaus.

• Der Notfallpatient kommt bewusstseinsgetrübt ins Krakenhaus und kann deshalb keine Angaben machen.

• Die Rettungssanitäter/-Assistenten, haben das Atemtherapiegerät in der Wohnung zwar gesehen, aber bei der Übergabe des Patienten nicht erwähnt.

Wird der Schlafapnoepatient mit sedierenden Medikamenten oder Schmerzmitteln behandelt und schläft ein – beim Transport oder in der Notaufnahme –, kommt es zwangsläufig zu ausgeprägten obstruktiven Apnoen, auch schon deshalb, weil er in Rückenlage gebracht wird.  Dies löst dann aufgrund der messbaren Sauerstoffabfälle und Herzrhythmusstörungen eine Beatmungsmaßnahme aus, die eine Intubation oder Tracheotomie einschließt.  

Im Rettungsdienst sollte dieser Sachverhalt bekannt sein; denn andere Maßnahmen, wie Seitenlagerung, Unterkiefervorverlagerung (Esmarch-Griff), weniger starke Sedierung oder dann auch eine Maskenbeatmung (statt Intubation) mit erhöhtem Ausatemdruck (PEEP) können die Schlafapnoe-bedingten Atmungs- und Kreislaufprobleme verhindern.

Mit welchen Maßnahmen kann die Versorgung von Schlafapnoepatienten verbessert werden? Was können qualifizierter Krankentransport und Rettungsdienst dazu beitragen?

• Die Schlafapnoe sollte Bestandteil der Aus- und Fortbildung sein. 

• Das Rettungsdienstpersonal muss unterschiedliche Atemtherapiegeräte gesehen haben, nur so kann er ein Atemtherapiegerät in der Wohnung des Patienten erkennen. Anmerkung des Verfassers: In meiner aktiven Zeit als Rettungsassistent einer Berufsfeuerwehr habe ich die Atemtherapiegeräte in der Wohnung des Patienten für Inhalationsgeräte gehalten. 

Selbst als gut ausgebildeter Rettungsassistent war mir zum damaligen Zeitpunkt die Erkrankung Schlafapnoe nicht bekannt.

• Der aufnehmende Arzt ist darüber zu informieren, dass in der Wohnung des Patienten ein Atemterapiegerät stand.

• Die Rettungssanitäter oder Rettungsassistenten, müssen die Angehörigen bitten, das Atemtherapiegerät des Patienten mit in die Klinik zu nehmen. 

Dies ist auch deshalb wichtig, da nicht alle Kliniken über eine ausreichende Anzahl von Atemtherapiegeräten verfügen.

• Da der Gerätepass des Atemtherapiegerätes in den persönlichen Unterlagen von bewusstlosen Notfallpatienten oft der einzige Hinweis auf die Schlafapnoe des Patienten ist, sollte im Krankenhaus darauf hingewiesen werden.

• Um unnötige Intubationen zu vermeiden, wenn es unterwegs zu obstuktiven Apnoen kommt, sollte eine spezielle Vorgehensweise beim Transport des Schlafapnoeikers im Rettungswesen erarbeitet werden. Dies gilt gleichermaßen für die aufnehmende Klinik.

Das Schlafmagazin 2-2012
Foto: © S.Bir/Fotolia

Reinhard Wagner ist Vorsitzender des Arbeitskreis Schlaf-apnoe Niedersächsischer Selbsthilfe-gruppen e. V. Rettungsassistent

 

Checkliste für den geplanten Krankenhausaufenthalt

• Fragen Sie vor der Aufnahme im Krankenhaus bei den behandelnden Ärzten nach, ob die Therapie mit einem Atemtherapiegerät im Falle Ihrer Handlungsunfähigkeit (z. B. Schlaf nach einer Narkose) durchgeführt wird.

• Versichern Sie sich immer vorher, dass das Atemtherapiegerät auch in solchen Fällen so früh wie möglich eingesetzt wird. Wenn Ihnen das nicht (schriftlich) garantiert wird, dann lehnen Sie einfach die Behandlung in dieser Einrichtung ab.  

• Bitten Sie den einweisenden Arzt, die behandlungsbedürftige Schlafapnoe neben der Einweisungsdiagnose auf der stationären Einweisung zu vermerken. 

• Nehmen Sie das Atemtherapiegerät, den Gerätepass und die Bedienungsanleitungen von Gerät, Atemluftanfeuchter und Atemmaske mit ins Krankenhaus. 

• Achten Sie auf einen technisch und hygienisch einwandfreien Zustand Ihres Atemtherapiegerätes. Im Zweifelsfalle fragen Sie Ihren Gerätelieferanten bzw. Leistungserbringer.

• Nicht zu vergessen ist die Telefonnummer und Kontaktadresse des Gerätelieferanten/Leistungserbringers (24 Stunden Service), der für Rückfragen des Pflegepersonals zur Verfügung steht. 

• Informieren Sie im Aufnahmegespräch Pflegepersonal, Stationsarzt und im Vorbereitungsgespräch vor einer Operation den Narkosearzt, dass Sie wegen einer behandlungsbedürftigen Schlafapnoe Ihr Atemtherapiegerät mitgebracht haben und dass dieses, sofern medizinisch nichts dagegen spricht, im Schlaf nach der Narkose eingesetzt werden soll.

• Fragen Sie den Narkosearzt, ob in Ihrem Fall auf die Beruhigungsspritze oder Tablette vor der Operation verzichtet werden kann.

• Legen Sie bevor ein Krankenhausaufenthalt geplant ist alle notwendigen Informationen in die Tagetasche Ihres Atemtherapiegerätes. So können Sie im Notfall nichts vergessen.

 

Wichtig für den Patienten in Notfällen

• Informieren Sie das Rettungsdienstpersonal und den aufnehmenden Arzt im Krankenhaus unbedingt über die Schlafapnoe.

• Bestehen Sie im Krankenhaus darauf, dass während Ihrer Handlungsunfähigkeit (vor und nach der OP) die Therapie mit Ihrem oder einem klinikeigenen Atemtherapiegerät bei Ihnen bzw. Ihrem Angehörigen weitergeführt wird.

• Nehmen Sie bzw. Ihre Angehörigen das Atemtherapiegerät, den Gerätepass und alle Bedienungsanleitungen (Gerät, Atemmaske, Befeuchter) mit ins Krankenhaus.

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