29/07 2013

Die Untersuchung im Schlaflabor

Keine Nacht wie jede andere

 

Anhaltende Schlafstörungen und deren Ursachen können am besten in der Situation diagnostiziert werden, in der sie auftreten – im Schlaf. Im Schlaflabor finden sich alle technischen Voraussetzungen für eine umfassende Untersuchung der körperlichen Vorgänge während des Schlafs. Für die meisten Menschen, die untersucht werden sollen, ist die Nacht im Schlaflabor eine aufregende Angelegenheit, die viele Fragen aufwirft. Wer sich auf die Untersuchung ein wenig vorbereitet, sieht dem Ganzen gelassener entgegen.

Simone Harland

 

Wann ist eine Schlaflaboruntersuchung notwendig?

 

Der Hauptgrund für eine Schlaflaboruntersuchung (Polysomnografie) sind Schlafstörungen, aber auch andere gesundheitliche Probleme, die während der Nacht auftreten, können den Aufenthalt im Schlaflabor notwendig machen. Da die Polysomnografie jedoch recht aufwendig ist und die Plätze in den Schlaflaboren über Monate ausgebucht sind, ordnet der Arzt sie normalerweise erst dann an, wenn alle anderen Untersuchungen (z. B. Befragungen, Langzeit-EKG, Polygrafie) unzureichende Ergebnisse erbracht haben. Angezeigt ist eine Untersuchung im Schlaflabor bei anhaltender, unerklärlicher Tagesschläfrigkeit, bei Verdacht auf Atemaussetzer im Schlaf (Schlafapnoe), auf das Restless-Legs-Syndrom oder die Krankheit Narkolepsie.

Grundsätzlich wird aber zuerst nach den Regularien der Stufendiagnostik eine Polygrafie durchgeführt; diese Untersuchung wird auf Überweisung vom Hausarzt vom niedergelassenen Facharzt, meist einem HNO-Arzt oder Pneumologen, veranlasst. 

Der Patient erhält ein Schlaf-Apnoe-Screening-Gerät für die erste Untersuchung des nächtlichen Schlafablaufes mit nach Hause. Mittels Sensoren werden nachts die Atmung, der Sauerstoffgehalt im Blut, Atemgeräusche, Körperbewegung- und Lage des Schläfers im Bett registriuert. Der Patient bringt das Gerät  am nächsten Morgen zur Auswertung in die Praxis zurück. (Es gibt heute auch unkompliziertere Screning-Geräte (ApneaLink, SOMNOcheck micro), deren Einsatz aber von der Krankenkasse leider nicht bezahlt wird, die aber ebenso den Verdacht auf eine Schlafapnoe bestätigen können.) Besteht also der Verdacht auf eine Schlafapnoe, steht die Polysomnografie im Schlaflabor an. Mancher Patient hat dabei ein ungutes Gefühl, weil er sich nicht vorstellen kann, wie man an Sensoren angeschlossen und vielfach verkabelt überhaupt ein Auge zubekommt. Diese Befürchtung ist jedoch völlig unbegründet!

 

Dauer der Untersuchung

 

Der erstmalige Aufenthalt im Schlaflabor dauert zwischen einer und drei Nächten. So können die Schlafmediziner z. B. nach der Diagnose einer Schlafapnoe in der ersten Nacht bereits in der zweiten Nacht feststellen, ob durch eine Behandlung mit einem Überdruckbeatmungsgerät die Atemaussetzer während des Schlafs in den Griff zu bekommen sind. 

 

Die Ankunft im Schlaflabor

 

Im Gegensatz zu einem geplanten Krankenhausaufenthalt erwarten Schlaflabore ihre Gäste in der Regel nicht morgens, sondern in der Regel erst am Nachmittag. Zuerst wird der zuständige Arzt die Krankengeschichte mit dem Patienten besprechen, ihn vielleicht auch einen Fragebogen nach seinem Schlafverhalten ausfüllen lassen.

Vor der Schlaflaboruntersuchung sollten Sie ab der Mittagszeit keine koffeinhaltigen Getränke wie Kaffee, Tee, Cola oder Energy-Drinks  mehr zu sich nehmen, die das Einschlafen behindern könnten. Manche Arzneimittel beeinflussen den Schlaf: Sie rufen vermehrte Schläfrigkeit hervor, behindern das Einschlafen oder verändern die Schlafstruktur. Deshalb müssen die Schlaflabormitarbeiter wissen, ob und wenn ja welche Medikamente Sie regelmäßig nehmen. Es gibt auch Mittel, die vor einer Untersuchung im Schlaflabor nicht genommen werden sollten. 

Sinnvoll ist es zudem, vor der Verkabelung zu duschen und die Haare zu waschen, denn zur Messung der Gehirnströme (EEG) werden am Kopf Elektroden befestigt, die dann besser haften. 

Im Schlaflabor empfängt Sie das Fachpersonal, erklärt Ihnen die Untersuchung und zeigt Ihnen den Raum, in dem Sie schlafen werden. Heute sind Einzelzimmer üblich.

 

Kabelsalat? Von wegen!

 

Und dann geht es richtig los: Nach dem Anziehen der Nachtkleidung werden Sie für die anstehenden Untersuchungen „verkabelt.“ „Ist es überhaupt möglich, mit den ganzen Kabeln zu schlafen?“ ist eine der häufigsten Fragen an die Mitarbeiter eines Schlaflabors. Die Antwort darauf lautet: Ja. Zwar sind eine Menge Elektroden am Körper befestigt, doch bewegen können Sie sich ganz normal – zumindest solange Sie im Bett liegen. Die Kabel werden gebündelt, so dass Sie nicht an vielen „Drähten“ hängen, sondern an einzigen Kabel. Müssen Sie aufstehen, etwa, um die Toilette aufzusuchen, trennt ein Mitarbeiter des Schlaflabors das Hauptkabel von der Anschlußdose an der Wand, die alle Signale in die Überwachungszentrale leitet. Manche Schlaflabore benutzen auch die Übertragung der Signale per Funk. In diesem Fall muss beim Verlassen des Betts kein Hauptkabel mehr entfernt werden.

Ergibt sich bei der Schlaflaboruntersuchung ein Verdacht auf eine Erkrankung, die als Ursache für die Schlafstörung infrage kommt, können weitere medizinische Untersuchungen nötig sein. Dazu zählen beispielsweise Bluttests, aber auch Untersuchungen von Herz und Kreislauf bzw. anderer Organe. Das Gleiche gilt bei chronischen Krankheiten (z. B. Diabetes mellitus). 

Sind Sie Berufskraftfahrer oder müssen Sie bei Ihrer Arbeit gefährliche Maschinen bedienen, können auch Tests auf Tagesschläfrigkeit hinzukommen. 

Am anderen Morgen teilt Ihnen der Arzt dann das Ergebnis der Untersuchung mit. Falls Sie an einer Schlafapnoe leiden, erhalten Sie jetzt ein Beatmungsgerät mit einer Maske. In der zweiten Nacht werden Sie mit dieser Maske, durch die Ihnen Luft zugeführt wird, schlafen, und dabei wird festgestellt, ob sich die Symptome Ihrer Schlafstörung mit dem Beatmungsgerät beheben lassen. Dazu wird währnd der Nacht im Schlaflabor der Druck des Gerätes solange erhöht, bis Ihre Atemaussetzer ausbleiben.

 

Die Therapieeinleitung

 

Jetzt dürfen Sie nach Hause gehen. Im Gepäck haben Sie ein CPAP-Gerät mit einem Schlauch, der zur Maske führt. Es gibt CPAP-Geräte mit unterschiedlichen Beatmungsarten. Das einfache CPAP-Gerät liefert einen gleichbleibenden Beatmungsdruck. Es gibt aber auch Auto-CPAP-Geräte, die den Druck automatisch an die Bedürfnisse des Patienten anpassen. Weiter gibt es die BiPAP-Technik, die dafür sorgt, dass der Druck bei der Einatmung höher ist als bei der Ausatmung. Dieser Druckunterschied ist entweder bereits vorprogrammiert und auf die Intervalle der Atmung des jeweiligen Patienten zugeschnitten oder aber die Atmung selbst steuert den Luftdruck. 

Eine weitere Option ist ein Luftbefeuchter, der entweder bereits im Gerät integriert ist oder zusätzlich angesteckt werden kann. Dieses Zusatzgerät sorgt dafür, dass der Luftstrom befeuchtet wird, um so ein Austrocknen der Schleimhäute zu vermeiden. Einige Geräte besitzen auch einen beheizbaren Schlauch, der eine Kondenswasserbildung im Schlauch verhindert. 

Untersuchung im Schlaflabor- Polysomnografie
Sonderheft 2012: Schnarchen&Schlafapnoe
Foto: © Randi Bäckmark/istockphoto
Untersuchung im Schlaflabor- Polysomnografie

Körperfunktionen, die bei der Polysomnografie im Schlaflabor registriert werden

Was während des Schlafs passiert

Schlaf ist gleich Schlaf – das denkt zumindest Otto Normalschläfer. Die Medizin hingegen unterteilt den Schlaf in verschiedene Phasen. Die Unterscheidung ist deshalb so wichtig, weil manche Schlafstörungen vor allem in bestimmten Schlafphasen auftreten. 

Die zwei Hauptabschnitte sind der Non-REM- und der REM-Schlaf. REM ist die Abkürzung für die aus dem Englischen stammende Bezeichnung Rapid Eye Movement, auf Deutsch schnelle Augenbewegung. Der REM-Schlaf ist die Phase, in der ein Mensch hauptsächlich träumt; währenddessen ist der Körper nahezu unbeweglich. Allerdings steigt der Blutdruck an und Atmung und Puls beschleunigen sich.

Auch im Non-REM-Schlaf träumen wir, allerdings weniger bildhaft. Der Non-REM-Schlaf gliedert sich in vier Phasen: den Übergang zwischen Wachen und Schlafen, den leichten Schlaf, das erste Tiefschlafstadium und das zweite Tiefschlafstadium. Im Laufe einer Nacht wechseln sich leichte und tiefere Schlafphasen sowie REM-Schlaf regelmäßig ab; die Traumschlafabschnitte werden zum Ende der Nacht immer länger.

Auch wenn Schlafende von außen den Eindruck völliger Ruhe vermitteln, ist vor allem das Gehirn sehr aktiv. So unterscheiden sich die Gehirnwellen während der verschiedenen Schlafphasen erheblich voneinander – ein wichtiger Grund für die Messung der Gehirnströme mit Hilfe eines EEGs (Elektroenzephalogramms) im Schlaflabor. Blutdruck, Puls- und Atemfrequenz sowie die Muskelspannung variieren ebenfalls von Schlafstadium zu Schlafstadium.