03/12 2007

Auch Sodbrennen raubt den Schlaf: Refluxösophagitis – keine Bagatellerkrankung

Simone Harland

Die meisten Menschen haben es irgendwann in ihrem Leben wenigstens einmal kennen gelernt: Sodbrennen, das brennende, schmerzende Gefühl hinter dem Brustbein. Ausgelöst wird es durch in die Speiseröhre aufsteigende Magensäure, die die empfindliche Schleimhaut angreift. Leider gibt es mehr und mehr Menschen in Deutschland – man schätzt 15 bis 25% der Bevölkerung –, die dauerhaft unter Sodbrennen leiden und denen es zum Teil den Schlaf raubt.

Anhaltendes Sodbrennen, das durch eine Schwäche des Muskels am Übergang zum Magen ausgelöst wird, bezeichnet man auch als Refluxkrankheit. Ist als Folge des Sodbrennens die Speiseröhrenschleimhaut geschädigt, dann spricht man von einer Refluxösophagitis, ist sie gar im unteren Teil umgewandelt, von einem Barrett-Ösophagus, der als Vorstufe von Krebs gilt. Allerdings kann ein Brennen hinterm Brustbein auch Indiz für eine koronare Herzkrankheit sein, zudem können psychische Belastungen zeitweise Sodbrennen hervorrufen, ohne dass eine Refluxkrankheit vorliegt. Im zweiten Fall muss das Sodbrennen zeitweilig jedoch ebenfalls behandelt werden.

Probleme im Liegen und beim Schlafen
Bei anderen Beschwerden ist es häufig so, dass man sie während des Liegens oder im Schlaf nicht mehr spürt bzw. dass sie weniger lästig sind. Beim Sodbrennen bzw. Reflux ist das jedoch ganz anders. Im Liegen verstärken sich die Beschwerden, weil die Magensäure besser in die Speiseröhre zurückfließen kann. Viele Refluxgeplagte wachen morgens auf und finden auf ihrem Kopfkissen Spuren dieses Rücklaufs, manchmal sogar Mageninhalt. Unter Umständen kann die Verengung der Speiseröhre durch Speisereste sogar die Entstehung von Schlafapnoe, also von krankhaften, lang anhaltenden Atemaussetzern während des Schlafs, begünstigen. Zu den weiteren Beschwerden können Übelkeit, Aufstoßen, manchmal auch Erbrechen und in einigen Fällen auch eine Rachen- oder Kehlkopfentzündung sowie Heiserkeit oder eine chronische Entzündung der Bronchien gehören. Auch Karies tritt als Folge des Refluxes hin und wieder auf.

Keine Angst vor der Magenspiegelung!
Die Diagnose, dass Sodbrennen bzw. ein Reflux vorliegt, wird oft zunächst durch die Probeverordnung von Medikamenten gestellt. Meist verschreibt der Arzt gegen die Beschwerden zunächst ein Antazidum, ein Medikament, das die Magensäure bindet. Allerdings ist die Wirkung oft nicht ausreichend, weshalb viele Ärzte ihren Patienten anschließend versuchsweise einen Protonenpumpeninhibitor (PPI), also ein die Magensäureproduktion hemmendes Medikament, mitgeben. Diese helfen stets gegen Sodbrennen und Reflux.

PPI dürfen über eine längere Zeit nur gegeben werden, wenn sich der Patient zuvor einer Speiseröhren- und Magenspiegelung unterzieht. Vor einer solchen Untersuchung fürchten sich viele. Das „Schlauchschlucken“, wie es umgangssprachlich genannt wird, ist ja auch nicht gerade angenehm. Patienten, die sich zu sehr fürchten, erhalten jedoch eine Minianästhesie, während derer die Untersuchung durchgeführt wird. Angst braucht also keiner mehr davor zu haben.

Die verschiedenen Säulen der Behandlung
Natürlich wird jeder Arzt seinem Patienten Medikamente gegen das Sodbrennen verschreiben, jedoch wird er zudem auf verschiedene Verhaltensänderungen pochen, die dazu beitragen, dass das Sodbrennen und die damit einhergehenden Beschwerden sich verringern. So sollten alle Sodbrennengeplagten nachts auf keinen Fall flach im Bett liegen, sondern das Kopfteil ihres Bettes erhöhen, z.B. indem sie den Lattenrost dort anheben oder mehrere Kissen verwenden. Auf diese Weise kann die Magensäure bzw. der Mageninhalt besser in den Magen zurückfließen und der Schlaf wird nicht länger stark gestört. Für Schlafapnoiker, deren Krankheit durch Sodbrennen verursacht wird, ist die Hochlage des Oberkörpers ein absolutes Muss!

Es gibt einige Nahrungs- und Genussmittel, die Sodbrennen auslösen bzw. verstärken können. Dazu gehören Kaffee, Schokolade, scharf gewürzte sowie fettreiche Speisen. Den Verzehr bzw. Genuss dieser Lebensmittel sollte man entweder einstellen oder einschränken. Auch Übergewicht kann zu Sodbrennen beitragen, ebenso zu enge Hosen oder Röcke, die den Unterleib abschnüren. Eine Gewichtsabnahme ist daher sinnvoll, genauso das Tragen lockerer Kleidung.

Auch bestimmte Medikamente können das Sodbrennen fördern. Dazu gehören u.a. Kalziumantagonisten, das bei Asthma oft eingesetzte Theophyllin sowie Nitropräparate bei der koronaren Herzkrankheit. Diese Präparate können jedoch oft nicht einfach abgesetzt werden.

Als Medikamente der Wahl gelten beim Reflux die PPI, die Patienten zum Teil lebenslang nehmen müssen. Während sie beim Reflux ohne Veränderungen der Speiseröhre genommen werden können, wenn es notwendig ist – also wenn die Beschwerden einsetzen –, ist die Dauereinnahme bei einer Speiseröhrenentzündung unerlässlich, damit diese sich nicht verschlimmert. Auch bei Personen, die große Probleme mit Sodbrennen während des Schlafes haben, empfiehlt sich die Dauereinnahme. Die Nebenwirkungen halten sich in Grenzen. In einigen Fällen können z.B. Müdigkeit, Schwindelgefühle, Kopf- oder Bauchschmerzen auftreten.

Patienten, die nicht gewillt sind, lebenslang PPI zu schlucken, etwa weil sie noch sehr jung sind, oder Patienten mit nächtlichem Auswurf bzw. einem Barrett-Ösophagus wird oft zu einer Refluxoperation geraten, der Fundoplikatio, die unter den chirurgischen Therapien als die beste gilt.

Endoskopische Behandlungsverfahren in der Erprobung
Eine größere Anzahl anderer Therapieformen zur Behebung des Refluxes wurden oder werden noch getestet. Beispielsweise gibt es verschiedene endoskopische, ambulant durchgeführte Behandlungsmöglichkeiten, z.B. das so genannte Bard®EndoCinch™-Verfahren. Hierbei bildet der Chirurg mithilfe eines Endoskops und mittels zwei Nähten im Magen eine Gewebefalte, die das Rückfließen von Mageninhalt in die Speiseröhre verhindern soll. Diese Methode ist Studien zufolge jedoch bislang nicht sehr wirksam. Man vermutet, dass sich die Nähte zu rasch lösen. Zudem wird nicht die gesamte Magenwand erfasst.

Eine weitere Methode der endoskopischen Gewebefaltenbildung im Magen ist das so genannte Plicator™-Verfahren. Dabei wird mit einem speziellen Endoskop, dem Plicator, am Übergang zwischen der Speiseröhre und dem Magen die Magenwand zu einer Falte umgeklappt und mit Nähten befestigt, so dass die Säure im Magen bleibt. Diese Methode scheint ersten Studien zufolge effektiver zu sein und den behandelten Patienten Nutzen zu bringen. Allerdings gehen die Mediziner bisher davon aus, dass sie den herkömmlichen Eingriff nicht verdrängen wird.

Neue Behandlungstechniken 
Daneben gab es Mitte 2007 noch weitere Behandlungsverfahren, die jedoch alle nicht sehr effektiv, zum Teil sogar gefährlich waren. Letzteres gilt für die so genannte Biopolymerinjektion, bei der in den Schließmuskel zwischen Speiseröhre und Magen eine aushärtende Substanz eingespritzt wird, die den Muskel stärken soll. Dies führte in einigen Fällen jedoch zu schweren Nebenwirkungen, weshalb die dazu verwandten Substanzen vom Markt genommen wurden.

Bei der Implantationstherapie (Gatekeeper™) werden Hydrogelstäbchen in den Bereich zwischen Speiseröhre und Magen eingesetzt, die sich ausdehnen, wenn sie feucht werden. Aber auch dieses Verfahren hat sich als nicht sehr wirksam gezeigt.

Die Radiofrequenzapplikation (Stretta™), bei der ein Katheter in die Speiseröhre vorgeschoben wird, der Radiowellen aussendet, welche die Temperatur im Bereich des Übergangs der Speiseröhre zum Magen an bestimmten Stellen gezielt stark erhöhen, zeigte bislang ebenfalls nur eine geringe Wirksamkeit in der Refluxbehandlung. Entzündungsreaktionen als Folge des Verfahrens sollen eine Verdickung bewirken, die den Rückfluss von Mageninhalt aufhält. 

Ausgabe-4-2007

Ausgewählte Artikel