11/12 2014

Untersuchungen zeigen: Schnarchen stört den Schlaf des Bettpartners

Doch lieber getrennte Schlafzimmer?

Sicher haben Sie das auch schon öfters erlebt: Ihr Partner sägt wieder mal einen Baum nach dem anderen ab, Sie können nicht schlafen und werden allmählich immer wütender auf diesen Mann, den Sie doch eigentlich lieben. Chrrr, chrrr, chrrrrrr… Schnarchen kann Menschen den Schlaf rauben und Ehen auseinanderbringen. Wissenschaftler haben nun untersucht, wie schlimm es mit der nächtlichen Lärmbelästigung tatsächlich ist.

Marion Zerbst

 

Ein Wort des Trostes gleich vorweg: Einen Gehörschaden werden Sie durch das Schnarchen Ihres Bettpartners oder Ihrer Bettpartnerin wahrscheinlich nicht davontragen; zumindest wurde so etwas bisher noch nie beobachtet. Aber Dauerlärm kann ja auch andere Schädigungen verursachen: beispielsweise Schlafstörungen und ein erhöhtes Stressniveau, was dann wiederum Folgeerkrankungen wie Herz-Kreislauf-Leiden nach sich ziehen kann. Außerdem haben Geräusche natürlich auch eine emotionale Komponente: So wird das Geräusch eines Bohrers Sie wahrscheinlich eher genervt aus dem Bett springen lassen als fröhliches Vogelgezwitscher an einem schönen Frühlingsmorgen. Genauso ist es auch mit dem Schnarchen: Der Schnarcher selbst fühlt sich durch sein nächtliches Röcheln, Prusten oder Sägen so gut wie nie gestört, während der neben ihm liegende Partner vor Verzweiflung manchmal am liebsten die Tapete von den Wänden pulen würde. Dies konnte in einer Studie mittlerweile sogar wissenschaftlich nachgewiesen werden.

 

Kühlschrank oder Presslufthammer?

Bereits bei Schnarchgeräuschen ab 55 Dezibel wird der Nachtschlaf des Bettpartners empfindlich gestört: Er hat weniger REM-Schlaf und Tiefschlaf; somit leiden also gerade diejenigen Schlafphasen, die für die Erholung besonders wichtig sind, unter der nächtlichen Lärmbelästigung. Zum Vergleich: Leise Schnarcher bringen es auf 17 bis 26 Dezibel (dB), was in etwa dem Brummen eines Kühlschranks entspricht. Spitzenschnarcher schaffen schlimmstenfalls bis zu 90 dB – und das ist durchaus mit dem ohrenbetäubenden Lärm eines Presslufthammers vergleichbar.

Kommt dann noch der emotionale Aspekt hinzu – der Gedanke: „Er schläft und ist morgen früh fit, während ich seinetwegen kein Auge zutue“ –, so wird durchaus verständlich, dass Schnarchen eine Beziehung belasten kann. Wie stark der Bettpartner sich durch das Schnarchen des Menschen an seiner Seite gestört fühlt, hängt nicht zuletzt auch von der Qualität der Beziehung ab. Dies zeigte sich, als Wissenschaftler nächtliche Schnarchgeräusche aufzeichneten und diese dann sowohl vom Bettpartner als auch von einem unabhängigen Beobachter beurteilen ließen: Zwischen diesen beiden Bewertungen lagen oft Welten. 

„In verschiedenen Patientenkonstellationen drängt sich der Verdacht auf, dass die im Fragebogen niedergelegten Aussagen nicht so sehr das Schnarchen, sondern die Partnerbeziehung erhellen“, schreiben die Autoren der Studie. „So konnten z. B. bei einigen Patienten, die laut Partner jede Nacht und unerträglich schnarchen, keine oder nur unwesentliche Schnarchgeräusche festgestellt werden. Hier mag in einer gestörten Beziehung das Schnarchen willkommener Umstand für getrennte Schlafzimmer sein.“ (1) 

 

So kehrt wieder Ruhe ins Schlafzimmer ein

Falls Sie es nicht übers Herz bringen, Ihren Bettpartner in ein anderes Zimmer zu verbannen, oder Ihnen das Getrenntschlafen schlichtweg zu unromantisch ist: Es gibt auch Behandlungsmöglichkeiten für das nächtliche Sägen. Zunächst sollte sicherheitshalber abgeklärt werden, ob Ihr Partner nicht womöglich an einer obstruktiven Schlafapnoe leidet – die muss unbedingt behandelt werden. Handelt es sich „nur“ um Schnarchen, so besteht kein Therapiebedarf; es gibt aber durchaus Mittel und Wege, die nächtliche Geräuschkulisse einzudämmen. Welche wirksam sind und welche nicht, das wurde ebenfalls in einem vor kurzem in der Zeitschrift Somnologie veröffentlichten Übersichtsartikel untersucht. (2)

Bei überwichtigen Schnarchern hilft es oft schon, ein bisschen abzuspecken: Untersuchungen zeigen, dass viele Menschen nach einer Gewichtsreduktion weniger oder gar nicht mehr schnarchen. Denn dadurch schwinden auch die Fettpölsterchen im Rachenbereich, die die Atemwege einengen und den Luftstrom behindern. Ferner kann man die Muskulatur der oberen Atemwege durch Didgeridoo-Spielen trainieren; dadurch nimmt der Spannungszustand der Muskulatur (Muskeltonus) zu, sodass die Atemwege nachts offen bleiben. 

Mittlerweile wurde sogar ein therapeutisches Didgeridoo entwickelt, das speziell auf die Bedürfnisse von Schnarchern und Schlafapnoe-Patienten zugeschnitten ist (nähere Infos unter www.asate.ch). Studien zeigen, dass das tatsächlich hilft –allerdings muss man dazu schon regelmäßig auf dem Instrument spielen. 

Es gibt auch verschiedene Nasendilatatoren zur Behandlung des Schnarchens: Sie werden abends vor dem Schlafengehen in die Nase eingeführt, erweitern die Nasenflügel und verringern so die Mundatmung. Durch die verbesserte Nasenatmung reduzieren sich die Schwingungen im Rachen und somit auch die Schnarchgeräusche. Etliche Untersuchungen haben gezeigt, dass diese Dilatatoren gegen Schnarchen helfen können. 

Viele Menschen schnarchen vor allem in Rückenlage. Denn dadurch rutscht die Zunge nach hinten und verengt die Atemwege. Für Rückenschnarcher kann eine Rückenlageverhinderungsweste (auch als RLV-Weste oder „Anti-Schnarch-Ruck­sack“ bezeichnet) empfehlenswert sein: Sie verhindert, dass man sich im Schlaf auf den Rücken dreht. Allerdings kann eine vermehrte nächtliche Seitenlage vor allem für Menschen mit Schulterproblemen (beispielsweise Muskelverspannungen im Schulter-Nacken-Bereich) nachteilig sein, da sie als unbequem oder schmerzhaft empfunden wird und dann womöglich auch die Schlafqualität leidet.

Unterkieferprotrusionsschienen verlagern den Unterkiefer ein Stück weit nach vorn und verhindern so, dass die Zunge nach hinten sinkt und die im Schlaf erschlaffte Rachenmuskulatur kollabiert. Auch damit können Sie Ihr Schlafzimmer wieder zur „schnarchfreien Zone“ machen. Solche Schienen sollten allerdings von einem hierauf spezialisierten Zahnmediziner angepasst werden. Adressen von schlafmedizinisch tätigen Zahnärzten in Ihrer Wohngegend finden Sie unter www.dgzs.de/mitgliedspraxen.

Einige der hier vorgestellten Therapien – Unterkieferprotrusionsschienen, Didgeridoo und (in leichteren Fällen) die Rückenlageverhinderungsweste – verhindern nicht nur das Schnarchen, sondern werden auch zur Behandlung einer obstruktiven Schlafapnoe eingesetzt.

 

 

Literatur

1) T. Kühnel, S. Glas et al.: „Psychosoziale 

Belastung durch Schnarchen“. Somnologie 2014. 18: 80–86

2) C. Priegnitz, W. J. Randerath: „Konservative Therapie beim Schnarchen“. Somnologie 2014. 18: 96–100

Das Schlafmagazin 4-2014
Foto: © Khoon Lay Gan/123rf.com

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