14/06 2008

Viele Kinder schlafen schlecht

von Lena Brax

Die meisten Schlafstörungen bei Kindern lassen sich leicht abstellen. So beruhen z. B. viele Einschlafstörungen darauf, dass die betroffenen Kinder Angst im Dunkeln haben und aus diesem Grund nicht einschlafen können. Allerdings haben manche Schlafstörungen auch schwerwiegendere Ursachen, so kann z. B. im Einzelfall bereits bei Kindern eine Schlafapnoe vorliegen.

Das Problem mit dem Einschlafen
Einschlafen fällt vielen Kindern schwer. Verständlich: Sieht das Kinderzimmer abends im Dunkeln doch so ganz anders, nämlich viel unheimlicher aus. Und auch Geräusche wie das Blubbern der Heizung oder das Knarren von Holz klingen auf einmal viel lauter. Vielleicht verbirgt sich hinter dem Vorhang, der vom Wind aufgebauscht wird, ja doch ein gefährliches Monster?

Die Fantasie von Kindern ist groß und dementsprechend oft auch die Angst, wenn sie allein im Bett auf jedes Geräusch lauschen. Diese Angst sollten Eltern unbedingt ernst nehmen, denn das Kind möchte ja schlafen, aber es kann nicht. Angst sorgt dafür, dass der Organismus Stresshormone ausschüttet. Diese versetzen den Körper in Alarmbereitschaft und verhindern damit das Einschlafen. Deshalb sollten Eltern auf keinen Fall mit ihrem Kind schimpfen, wenn es nicht einschlafen kann, denn das verschlimmert die ganze Situation noch – es werden nämlich noch mehr Stresshormone produziert. Stattdessen ist es sinnvoller, das Kind zu trösten, mit ihm gemeinsam noch einmal das Zimmer abzusuchen und eventuell ein Nachtlicht einzustecken, das etwas Licht spendet und dem Kind ein wenig von seiner Angst nimmt.

Einschlafprobleme können aber auch andere Ursachen haben. Dazu zählen z. B. Alltagsprobleme wie der Streit mit dem besten Freund oder die für den folgenden Tag geplante Mathearbeit. Auch eine unbekannte Umgebung kann das Einschlafen erschweren. Eltern sollten daher auf alle Fälle mit ihrem Kind reden, um den Grund für die Einschlafstörung herauszufinden und das Problem lösen zu können.

Durchschlafen? Schön wär’s!
In den ersten Lebensmonaten wachen die meisten Kinder nachts mehrfach auf. Das ist ganz normal, schließlich handelt es sich bei der Anpassung an den Tag-/Nachtrhythmus um einen Reifungs- und Entwicklungsprozess, der bei manchen Kindern durchaus bis ins dritte Lebensjahr hinein dauern kann. Doch auch danach treten Durchschlafstörungen noch hin und wieder auf. So leiden die meisten Kinder zumindest ab und zu unter Albträumen, die sie aus dem Schlaf schrecken lassen und das erneute Einschlafen erschweren. Aber auch der so genannte Nachtschreck (Pavor nocturnus), Bettnässen, Schlafwandeln sowie die Schlafapnoe oder das Restless-Legs-Syndrom können das Durchschlafen beeinträchtigen.

Albträume hat jedes Kind einmal. Bereits im Kleinkindalter, so ab dem zweiten Geburtstag, treten sie auf. Viele Kinder flüchten nach dem Erwachen aus einem „schlimmen Traum“ ins Bett der Eltern. Kein Wunder, Albträume können unter Umständen große Angst auslösen. In diesem Fall sollten Eltern ihr Kind ruhig gewähren lassen und es trösten. Die Nähe der Eltern sorgt meistens dafür, dass ein Kind rasch wieder einschläft. Am folgenden Tag können die Eltern dann mit ihrem Kind über den Albtraum sprechen und überlegen, wodurch er ausgelöst wurde. War es vielleicht der etwas unheimliche Film vorm Schlafengehen? Oder der Streit beim abendlichen Zähneputzen? Vorbeugen kann man Albträumen zwar nicht völlig, Eltern tragen aber durch einen ruhigen Ausklang des Abends dazu bei, dass sie seltener auftreten. So sollten z. B. aufregende Filme vor dem Schlafengehen tabu sein. 

Nachtschreck, Bettnässen und Schlafwandeln
Erschreckend, aber harmlos ist der Nachtschreck (Pavor nocturnus), der meistens bei Kindern zwischen vier und zwölf Jahren auftritt. Etwa eine bis drei Stunden nach dem Einschlafen schrecken die betroffenen Kinder mit einem lauten Schrei hoch, wirken sehr, sehr ängstlich und erregt, sind aber nicht ansprechbar und lassen sich auch nicht beruhigen. Eltern fühlen sich in dieser Situation meistens überfordert und wissen nicht, was sie tun sollen. Viel können sie nicht tun, denn das Kind ist nicht wirklich wach und wird sich auch gegen Berührungen wehren. Nach einiger Zeit, in der Regel wenigen Minuten, ist der Nachtschreck vorüber. Er hat im Allgemeinen keine ernsthafte Ursache, dennoch sollten Eltern durch eine ärztliche Untersuchung ausschließen lassen, dass eine bestimme Form der Epilepsie vorliegt, die sich ähnlich äußert. Zu den Ursachen des Nachtschrecks zählen unbewältigte Stresssituationen, zu denen auch positive Erlebnisse wie die Geburtstagsfeier am Nachmittag gehören können. Normalerweise verschwindet der Nachtschreck mit zunehmendem Alter.

Schlafwandeln ist bei Kindern ebenfalls nicht ungewöhnlich. Das Schlafwandeln kann vom Aufsetzen im Bett bis zu scheinbar sinnvollen Handlungen wie dem Anziehen von Kleidung reichen, dennoch geschieht dies alles während des Schlafs. Charakteristisch ist auch, dass sich das Kind am folgenden Morgen nicht mehr an die nächtlichen „Erlebnisse“ erinnert. Zu den Ursachen zählt die Medizin die Unreife des zentralen Nervensystems, mit zunehmendem Alter verschwindet das Schlafwandeln daher meistens von selbst. Auch nicht verarbeitete Belastungen können Schlafwandeln hervorrufen. Wecken sollten Eltern ihr schlafwandelndes Kind übrigens nicht. Sie führen es am besten zurück ins Bett. Falls ein Kind regelmäßig im Schlaf herumwandert, ist es sinnvoll, Türen und Fenster abzuschließen.

Bettnässen kommt bei vielen Kindern unter sechs Jahren zumindest hin und wieder vor, obwohl sie ansonsten bereits sicher trocken sind. Viele Kinder wachen nachts dann auch auf, weil ihnen aufgrund der Nässe zu kalt wird. Zwar ist das Neubeziehen des Betts und das Waschen der Bettwäsche, Kissen und Decken für die Eltern aufwändig, doch sollten sie kein großes Aufheben um das Malheur machen, denn dadurch verunsichern sie ihr Kind. Falls das Bettnässen häufiger auftritt, kann es sinnvoll sein, dem Kind nachts noch eine Zeit lang eine Windel zu gestatten, bis diese morgens meistens trocken ist. Oder aber man weckt sein Kind gegen etwa 23.00 Uhr noch einmal kurz und geleitet es zur Toilette. Eltern sollten sich klar machen, dass das gelegentliche Bettnässen bis zum Alter von sieben, acht Jahren durchaus nicht selten ist. Etwa 10% aller Kinder sind davon betroffen. 

In manchen Fällen können Medikamente oder eine spezielle Art der Verhaltenstherapie mit Hilfe einer Klingelhose, die das Kind aufweckt, wenn es mit dem Einnässen beginnt, einen Nutzen bringen.

Restless-Legs-Syndrom, Schlafapnoe und Narkolepsie
Schon Kinder können unter dem Restless-Legs-Syndrom (RLS), den „Zappelbeinen“, wie sie es oft nennen, leiden. Beim RLS handelt es sich um Missempfindungen in den Beinen, die ausschließlich im Ruhezustand auftreten. Die Beine kribbeln, ziehen und bereiten Schmerzen. Linderung verschafft einzig Bewegung – die Kinder stehen kurz nach dem Zubettgehen wieder auf, weil sie einfach nicht liegen bleiben können. Dadurch ist natürlich das Ein-, aber auch das Durchschlafen erheblich gestört.

Die Ursache ist, so vermutet man, eine Störung des Dopamin-Stoffwechsels im Gehirn. Aber auch Eisenmangel kann unter Umständen ein RLS hervorrufen. Bei Verdacht auf RLS sollten Eltern mit ihrem Kind unbedingt den Arzt aufsuchen, denn der erheblich gestörte Nachtschlaf führt zu Konzentrationsstörungen, Müdigkeit und sogar körperlichen Problemen. Und nur der Arzt kann eine adäquate Behandlung des RLS in die Wege leiten.

Bei der Schlafapnoe handelt es sich um Atemaussetzer während des Schlafs, die jeweils zu einer kurzen, vom Kind nicht wissentlich bemerkten Aufwachreaktion führen. Die Folge des ständig unterbrochenen Nachtschlafs sind die gleichen wie beim RLS. Eine Behandlung ist daher unbedingt notwendig.

Festgestellt wird die Schlafapnoe in der Regel in einem Kinderschlaflabor. Übergewicht und vergrößerte Mandeln gehören bei Kindern zu den wahrscheinlichsten Ursachen. Schnarcht ein Kind häufig, kann das unter Umständen ein Indiz für Schlafapnoe sein.

Die Behandlung ist bei Kindern abhängig von der Ursache, z. B. kann eine Mandeloperation in manchen Fällen Abhilfe schaffen.

Narkolepsie ist eine Krankheit, die mit übermäßiger Tagesschläfrigkeit einhergeht. Bei manchen betroffenen Kindern treten auch Kataplexien (plötzlicher Verlust der Muskelspannung) auf, sodass sie in den unmöglichsten Situationen hinfallen. Auch Halluzinationen vor dem Einschlafen sind häufig, beim Aufwachen können sich manche Narkoleptiker nicht sofort bewegen.

Behandelt wird die Narkolepsie durch Medikamente, die die Tagesschläfrigkeit reduzieren.

Zu wenig Schlaf fördert Übergewicht bei Kindern
Wenn Kinder zu wenig schlafen, werden sie eher dick. Das mag sich merkwürdig anhören, schließlich verbraucht man während des Schlafs nur wenig Energie, doch Wissenschaftler der John Hopkins School of Public Health in Boston, die verschiedene Studien über den Zusammenhang von Schlafdauer und Gewicht auswerteten und deren Ergebnisse miteinander verglichen, kamen zu diesem Ergebnis. So lag das Risiko für späteres Übergewicht für die Kinder, die am kürzesten schliefen, um 92% höher als für Kinder, die jede Nacht zwischen neun und elf Stunden Schlaf bekamen. Die genaue Ursache hierfür kennt man noch nicht, die Wissenschaftler gehen jedoch davon aus, dass Änderungen im Hormonstoffwechsel, die durch zu wenig Schlaf ausgelöst wurden, an der Entstehung des Übergewichts beteiligt sind.

Dieses Ergebnis lässt sich wohl auch auf Erwachsene übertragen, wie Untersuchungen nahelegen. Eine Studie der Universität Cleveland, an der sich immerhin fast 70 000 Frauen beteiligten, zeigte, dass die Teilnehmerinnen, die nachts nur fünf oder weniger Stunden schliefen, innerhalb des Studienzeitraums rund 1,5 kg mehr zugenommen hatten, als die Frauen, die sieben Stunden oder länger schlafend im Bett verbrachten.

Kindern das Schlafen erleichtern - Tipps für einen guten Schlaf
Die meisten Kinder und Jugendlichen mögen es gar nicht, ins Bett zu gehen. Schließlich könnten sie ja etwas verpassen! Bei kleineren Kindern kommt oft noch die Angst vor dem Schlafen und dem Allein-im-Bett-Liegen hinzu. Die meisten Eltern hingegen möchten, dass ihr Kind zeitig zu Bett geht, nicht nur, weil sie dann endlich einmal Zeit für sich allein haben, sondern auch, weil ihr Kind morgens ausgeschlafen sein soll. Ein Interessenkonflikt, der sich zwar vermutlich nie ganz lösen lässt, den Eltern aber abschwächen können, indem sie ihrem Kind das Zubettgehen, Ein- und Durchschlafen erleichtern.

Einige wichtige Regeln zur Schlafhygiene gelten nicht nur für Erwachsene, sondern auch für Kinder:

1 Kurz vor dem Schlafengehen sollten Kinder keinen Sport mehr treiben oder herumtoben, denn sonst sind sie zu aufgekratzt zum Einschlafen. Auch Fernsehen und Computerspiele direkt vor dem Schlafen sind ungünstig.

2 Koffeinhaltige Getränke sind einige Stunden vor dem Einschlafen tabu!

3 Direkt vor dem Einschlafen sollte keine größere Mahlzeit eingenommen werden. Ein Schlummertrunk, z. B. eine Tasse Früchtetee oder ein Glas Milch, ist hingegen in Ordnung.

4 Im Schlafzimmer sollte eine Temperatur zwischen 16 und 18 °C herrschen. Da Kinder meistens im Kinderzimmer schlafen, sollten Eltern vor dem Schlafengehen gut durchlüften, damit es dort – vor allem im Winter – nicht zu warm ist.

5 Störende Geräusche und zu helles Licht können das Einschlafen beeinträchtigen. Im Schlafzimmer sollte es daher möglichst ruhig und dunkel sein. Wenn Kinder Angst im Dunkeln haben, hilft ihnen jedoch oft ein Nachtlicht beim Einschlafen.

6 Das Bett sollte ausschließlich zum Schlafen da sein. Wenn Kinder vor dem Einschlafen noch lesen wollen, sollten sie das an einem anderen Ort tun. Toben im Bett ist natürlich ebenfalls untersagt.

7 Kinder sollten zu regelmäßigen Zeiten ins Bett gehen und aufstehen. Das ist vor allem auch für Kleinkinder wichtig, die noch keinen durch Kindergarten oder Schule geregelten Tagesablauf haben.

8 Ein immer gleiches bzw. nur wenig abgeändertes Einschlafritual gibt dem Kind Sicherheit und erleichtert das Einschlafen. So bietet sich bei sehr kleinen Kindern z. B. das Singen eines Schlaflieds oder auch das Aufziehen der Spieluhr an, größere Kinder lieben es, wenn ihnen Mutter oder Vater eine Gutenachtgeschichte erzählen, ältere Kinder lesen vielleicht gerne vor dem Einschlafen selbst noch ein wenig.

9 Können Kinder im Vorschulalter abends nicht einschlafen oder wachen sehr früh auf, sollten Eltern darüber nachdenken, den Mittagsschlaf einzuschränken oder abzuschaffen. Vielleicht braucht das Kind nicht mehr so viel Schlaf.

10 Insbesondere kleinere Kinder, die vielleicht auch noch keinen geregelten Schlafrhythmus haben, sollten erst dann ins Bett gebracht werden, wenn sie wirklich müde sind. Denn sonst fällt das Einschlafen schwer.

11 Das Schlafen soll für das Kind angenehm sein. Deshalb sollten Eltern vor dem Zubettgehen Streit mit ihren Kindern möglichst vermeiden.

12 Eltern sollten die Ängste ihres Kindes vor dem Schlafen stets ernst nehmen.

Ausgabe-2-2008

Foto: © Chlorophylle/Fotolia.com

Ausgewählte Artikel