14/06 2008

Wenn Kinder wenig schlafen

Finns Eltern hatten sich sehr auf die Geburt ihres ersten Sohnes gefreut. Sie gingen davon aus, dass sich ihr Leben erst einmal nicht sehr stark ändern würde – schließlich hatten sie überall gelesen, dass Neugeborene bis zu 18 Stunden, manchmal auch länger schlafen. Doch Finn machte ihnen einen dicken Strich durch die Rechnung, denn er war bereits als Baby der Ansicht, dass ihm zehn Stunden Schlaf am Tag reichen.Finn war ein Kind, das in seinen ersten drei Lebensmonaten sehr unruhig war, viel schrie und wenig schlief. Legte seine Mutter ihn hin, begann er heftig zu schreien. Nur wenn seine Mutter sich zu ihm legte, beruhigte er sich. Doch selbst wenn er einschlief, dauerte sein Nickerchen tagsüber selten länger als 30 Minuten. Oft wachte er vor seiner Mutter auf, die erschöpft von all der Anstrengung ebenfalls eingeschlafen war.Glücklicherweise schlief er nachts dafür recht gut. Er wachte zwar mehrfach aus Hunger auf, doch schlief er nach dem Trinken sofort wieder ein. Allerdings kam er nur selten auf mehr als neun Stunden Schlaf – morgens um fünf oder sechs Uhr war für ihn und damit auch für seine Eltern die Nacht schon wieder vorbei. Tagsüber schlief er maximal eine Stunde lang.Auch im Kleinkind- und Grundschulalter setzte sich dieses Schlafverhalten fort. Bereits mit anderthalb Jahren verzichtete Finn darauf, tagsüber zu schlafen, nachts waren es jetzt maximal zehn Stunden, die er in seinem Bett verbrachte. Als Drittklässler musste er zwar um 20.00 Uhr in seinem Zimmer verschwinden, doch er durfte noch eine Stunde lang lesen, weil seine Eltern wussten, dass er vor 21.00 Uhr kein Auge zutun würde. Morgens um 6.00 Uhr war für ihn die Nacht bereits wieder vorbei. Trotz dieser frühen Uhrzeit hatte er fast nie Probleme mit dem Aufstehen. Auch in der Schule hatte er trotz seiner geringen Schlafdauer keine Schwierigkeiten, ganz im Gegenteil: Er gehörte zu den besten Schülern. Dennoch waren seine Eltern ständig unsicher, ob ihr Sohn genug Schlaf bekäme.

Jedes Kind ist anders
Nicht wenigen Müttern und Vätern geht es so wie Finns Eltern. Sie fragen sich, ob ihr Kind wirklich genug Schlaf bekommt, wenn es später als die meisten anderen einschläft und insgesamt auch weniger schläft. Doch sind die von den Schlafforschern genannten Durchschnittsstundenzahlen für den Schlaf keine in Stein gemeißelten, allgemeingültigen Werte, sondern allenfalls Richtlinien. Abweichungen davon treten immer wieder auf, ohne dass dies krankhaft wäre oder den Betroffenen Probleme bereiten würde. Manche Kinder brauchen besonders viel, andere im Vergleich zu ihrer Altersgruppe wenig Schlaf.Der wichtigste Anhaltspunkt dafür, ob es sich bei einem Kind um einen „Kurzschläfer“ handelt: Ist das Kind trotz der geringen Schlafdauer munter, aktiv und leistungsfähig?Dann bekommt es auch eine ausreichende Menge Schlaf. Wirkt es hingegen müde, kommt es nur schwer aus dem Bett, könnte es sein, dass es sich bei dem Kind um eine „Eule“ handelt, einen Menschen, der morgens noch nicht richtig „auf Touren“ kommt, sondern erst nachmittags und abends seine „Betriebstemperatur“ erreicht und deswegen auch erst später ins Bett gehen möchte bzw. später einschläft. Bei einer kleinen Eule sollten Eltern darauf achten, dass sie trotz möglicher Einschlafprobleme zu einer bestimmten Zeit im Bett liegt, so dass sie genug Schlaf bekommt. Bei einem Kurzschläfer brauchen sie sich keine Sorgen darüber zu machen.

Ein einfacher Test zum Schlafbedürfnis
Ein kleiner Versuch kann Eltern dabei helfen, herauszufinden, wie viel Schlaf ihr Kind wirklich benötigt. Dazu müssen sie ihr Kind am Wochenende zur gewohnten Zeit ins Bett gehen lassen und am Morgen warten, bis es ausgeschlafen hat. Die Zeit zwischen dem Einschlafen und dem Aufstehen an einem Tag, an dem das Kind ausschlafen kann, stellt die günstigste Schlafdauer dar – unabhängig davon, ob es sich bei dem Kind um eine Eule oder einen Frühaufsteher, eine so genannte Lerche, handelt. 

Sim 

Ausgabe-2-2008

Foto: © Chlorophylle/Fotolia.com

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