Phänomen Schlaf – Eine Reise durch die Geschichte des Schlafs und der Schlafmedizin

 

Es geht um Eulen und um Lerchen, um Künstler und Engel, auch Selbstmorde sind ein Thema, ebenso wie Hängematten der Eingeborenen und Luxusbetten in Flugzeugen. Anlässlich der diesjährigen Tagung der Schlafmediziner in Bremen hat das Schlafmagazin – in Zusammenarbeit mit dem Bundesverband Schlafapnoe und Schlafstörungen e. V. (BSD) und unterstützt von der Firma ResMed – die ebenso interessante wie spannende Geschichte des Schlafs und der Schlafmedizin zusammengetragen. Auf 32 Postern werden alle Aspekte dieser Thematik in Bild und Text erzählt.

 

Schlaf in der Kunst
Lange bevor es Somnologen, Psychologen oder Psychoanalytiker gegeben hat, beschäftigten sich Philosophen, Schriftsteller und natürlich auch bildende Künstler mit dem Mysterium Schlaf. Unzählige Künstler waren über die Jahrhunderte vom Schlaf, von Schlafstörungen, vom Traum fasziniert, sodass sie diese Inhalte in ihren Werken verarbeiteten. In der Kunst der Griechen und Römer kehrt der schlafende Amor aus der Mythologie immer wieder und symbolisiert die Sinnesruhe. Später wird in der christlichen Kunst Christus als schlafendes Kind in den Armen seiner Mutter zum zentralen Thema. In der christlichen Kunst war der Traum ein beliebtes Symbol für die Verbindung mit Gott. Vom Mittelalter bis zum 18. Jahrhundert diente der Traum für die Künstler als idealer Zustand, um das Unbeschreibbare, Überirdische oder das in Gedanken Existierende darzustellen.

 

Schlaf und Lebensalter
Der Schlafzyklus ist im Verlauf des Lebens bestimmten Entwicklungen unterworfen. Das Neugeborene, das noch keinen Kontakt zur äußeren Umwelt hat, wird in seinem Schlafverhalten von inneren Zyklen bestimmt. Je mehr ein Organismus reift, desto stärker werden die inneren Zyklen mit äußeren Zeitgebern verknüpft. So verändert sich auch im Verlauf des Lebens das Schlafverhalten. Ein Einjähriger schläft zwei- bis dreimal innerhalb von 24 Stunden, das Kindergartenkind hält nur noch einen Mittagsschlaf, das zehnjährige Kind braucht den Mittagsschlaf nicht mehr. Erwachsene können aufgrund des äußeren Termindrucks meistens keinen Mittagsschlaf mehr halten. Im Alter kehrt sich dieser Rhythmus oft um: Man lehnt sich wieder an den Schlafrhythmus eines kleineren Kindes an, und die Neigung zum Mittagsschlaf wird größer. 

 

Schlaf der Tiere
Man weiß mittlerweile, dass alle Wirbeltiere und alle wirbellosen Tiere schlafen. Insbesondere das Schlafverhalten von Säugetieren ähnelt stark dem der Menschen. Die Säugetiere nehmen typische Schlafhaltungen ein und zeigen die charakteristischen Schlafstadien, die man auch beim Menschen beobachtet. Und es gibt wie bei den Menschen Langschläfer und Kurzschläfer. Man hat versucht, die Schlafeigenschaften verschiedener Tierarten zu vergleichen und sie mit anderen Eigenschaften und Lebensgewohnheiten in Zusammenhang zu bringen. Bei solchen Untersuchungen ergaben sich interessante Erkenntnisse. Zum Beispiel, dass kleine Tiere, die einen intensiven Stoffwechsel haben und die in der Regel nicht lange leben, länger schlafen als große Tiere mit niedrigem Stoffwechsel und einer langen Lebensdauer. 

 

Schlafstelle und Bett
Die Neandertaler lagen auf dicken Tierfellen auf dem Boden. In Altbabylonien war das Bett ein niedriges Gestell, auf dem Spreu und Stroh als Matratzen aufgeschichtet waren. Die Ägypter machten ihre Betten zu Kunstwerken, mit Gold- und Silberplattierung, aus edlen Hölzern gebaut. Die ägyptischen Herrscherfamilien gaben sich auch nicht mehr mit einem harten Lager zufrieden. Die Holzrahmen der Betten waren über Kreuz mit Gurten überspannt: eine sehr komfortable, weich gepolsterte Liegestatt. In den folgenden Jahrhunderten wurden die Schmuckelemente des Bettes wichtiger als seine eigentliche Funktion. So wurden das Kopfende, der Baldachin und die Seitenbretter zum Teil sehr aufwendig gestaltet. Man verwendete gerne kostbare Stoffe und exotische Hölzer für die Betten, um Aufsehen zu erregen. Heute ist das Aussehen eines Bettes natürlich immer noch wichtig, doch seine Funktion – ein Möbelstück, auf dem man optimal liegen und sich ausruhen kann – hat die Hauptrolle übernommen.  

 

Schnarchen
Im Jahr 1893 erschien im satirischen Magazin „Münchner Bilderbogen“ eine Karikatur, die auf das Problem des Schnarchens hinwies. Damit rückte das Schnarchen aus der Ecke der Tabuisierung erstmals in die Öffentlichkeit; Gespräche über die lästige nächtliche Ruhestörung wurden „gesellschaftsfähig“. Seitdem haben weltweit Erfinder und Tüftler Apparate entwickelt, die das Schnarchen verhindern sollen. Es gibt über 400 patentierte Schnarchverhinderer. Leider sind die meisten dieser Erfindungen nicht durch systematische Studien auf ihren Wert und Nutzen geprüft worden. Einige wirken auf den Betrachter heute seltsam, da sie auf falschen Vorstellungen über die Ursachen des Schnarchens beruhen; andere muten fast wie Folter­instrumente an.

 

Geschichte der Schlafmittel
Schlafmittel im eigentlichen Sinn gibt es erst seit 1900. Aber Schlafprobleme begleiten den Menschen bereits seit Urzeiten. Um den Schlaf zu fördern, ließen sich die Menschen jede Menge einfallen. Man entdeckte frühzeitig die schlaffördernden Eigenschaften bestimmter Pflanzen. Man griff zum Alkohol, der aber nur einen wirren Schlaf schenkte und wegen seiner Nachwehen nie als ideales Schlafmittel galt. Die Ärzte verschrieben Mixturen aus Opium, Haschisch und Nacht­schattengewächsen. In den Klöstern experimentierte man ausgiebig mit den Schlafdrogen aus dem Klostergarten, und da boten sich viele Pflanzen an, die auch heute noch als harmlose, doch durchaus wirksame Schlafhelfer reüssieren. Die Geschichte der Schlaftablette ist jung, nur etwas über hundert Jahre alt.

 

Träume
In der Antike sah man in Träumen eine göttliche oder dämonische Quelle, die den Menschen eine Botschaft übermitteln oder sie in Versuchung geführt haben soll. Diese volkstümliche Auffassung bildet auch die Grundlage der Oneiromantie und wurde von alttestamentarischen Traumdeutern praktiziert. Seit dem Zeitalter der Aufklärung wird der Charakter des Traums als Überbringer von Botschaften philosophisch bezweifelt. Die meisten Traumforscher gehen heute davon aus, dass Träume vorwiegend das Innenleben einer Person reflektieren und von den Gedächtnisinhalten und emotionalen Erlebnissen des Tages bestimmt werden. Außerdem weiß man inzwischen, dass der Mensch immer träumt, also in allen Schlafphasen. Das Gehirn schläft nie, es ist immer aktiv.

 

 

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