Das Schlafmagazin: Ausgabe 4/2025

Das Schlafmagazin: Ausgabe 4/2025


Liebe Leserin, lieber Leser,

wir haben in dieser Ausgabe des Schlafmagazins unter anderem zwei interessante Artikel zum Thema Schlafapnoe für Sie: In einem geht es um die soziale Schlafapnoe, von der Schlafforscher erst seit Kurzem sprechen. Hinter diesem Begriff verbirgt sich die Tatsache, dass die typischen Schlafapnoe-Symptome (Schnarchen und nächtliche Atemaussetzer) am Wochenende schlimmer werden. Eigentlich ist das sogar eine Entdeckung, über die man sich freuen sollte – denn sie zeigt, durch welche Lebensstilfaktoren eine obstruktive Schlafapnoe sich verschlimmert. Und wenn man das weiß, kann man dem nächtlichen Wochenend-Spuk leicht gegensteuern.

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Im zweiten Beitrag geht es um die zentrale Schlafapnoe. Es ist viel weniger bekannt, dass es auch nächtliche Atemstillstände gibt, die nicht durch einen Verschluss der oberen Atemwege, sondern durch eine Fehlfunktion der Atemregulation im Gehirn entstehen. Diese zentralen Apnoen kommen seltener vor als die obstruktiven, und man erkennt sie auch nicht so leicht, weil solche Patienten normalerweise nicht durch lautes Schnarchen auffallen. Doch auch zentrale Atemstillstände können den Schlaf erheblich stören und das Befinden der Patienten verschlechtern. Über dieses Problem hat der Schlafmediziner Prof. Dr. Winfried Randerath ein Webinar gehalten, das wir für Sie zusammengefasst haben.

Viele Patienten mit Ein- und Durchschlafstörungen leiden gleichzeitig auch an psychischen Erkrankungen wie Depressionen oder Angststörungen. Zum Glück gibt es aber inzwischen Schlafmittel, die gegen beide Probleme helfen. Über dieses wichtige Thema berichtete der Schlafmediziner, Neurologe, Psychiater und Psychotherapeut Prof. Dr. Dr. Göran Hajak in einem Industriesymposium anlässlich der 24. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin.

Ein neuer Trend erobert die sozialen Medien: das sogenannte Sleepmaxxing. Es geht hierbei um Methoden, den Schlaf zu optimieren – und zwar nicht nur, um am Folgetag leistungsfähiger zu sein. Die vorgestellten Methoden für vermeintlich besseren Schlaf sollen sich positiv auf den ganzen Körper auswirken – auf das Körpergewicht, aufs Aussehen, einfach auf alles.

Ich wünsche Ihnen wie immer eine informative Lektüre.
 

Dr. Magda Antonic


© ma_rish/iStock

Das nächste Schlafmagazin erscheint im Februar 2026.
Inhalt

6 Soziale Schlafapnoe
Warum krankhaftes Schnarchen sich am Wochenende verschlimmert 

10 Zentrale Schlafapnoe
Wenn die Atemregulation nicht richtig funktioniert 

16 Schlafstörungen in Kombination 
mit psychischen Erkrankungen – was tun?  

20 No doctor is perfect: 
Häufige Fehler in der Behandlung des Restless Legs Syndroms  

22 Endlich der große Durchbruch?
Neue Behandlungsmethode bei Narkolepsie Typ 1   

26 Warum Schlafmangel krank macht  

31 Tagesschläfrigkeit 
Nach wie vor schwer zu diagnostizieren und zu behandeln  

 

32 Getrennte Schlafzimmer für eine glücklichere Beziehung?  

36 Wenn Gene den Schlaf stören
Wie die P4-Family-Medicine Schlafapnoe neu denkt   

39 Teilnehmende für eine Forschungsstudie 
zu Schlafstörungen der Universitätsmedizin Göttingen gesucht   

40 Ein Plädoyer für den Mittagsschlaf   

41 „Dieses Buch ist zum Einschlafen“: Ein Schlafratgeber als Arbeitsbuch  

42 So beeinflusst Herzinsuffizienz den Schlaf   

44 Sleepmaxxing – wir optimieren den Schlaf   

48 Kolumne
Über die Bedeutung der Schlafdauer   

49 Patientenseminare Pfalzklinikum  

Getrennte Schlafzimmer für eine glücklichere Beziehung?

Immer mehr Menschen ziehen sich abends in getrennte Schlafzimmer zurück, weil sie das Gefühl haben, dann besser und ungestörter schlafen zu können. „Sleep Divorce“ – wörtlich übersetzt: „Schlaf-Scheidung“ – heißt dieser Trend, zu dem die für das Thema Schlaf zuständige amerikanische Fachgesellschaft vor kurzem eine Umfrage durchgeführt hat. Kann die Schlaf-Scheidung den Nachtschlaf verbessern und im einen oder anderen Fall vielleicht sogar eine „richtige“ Scheidung verhindern? Wann sind getrennte Schlafzimmer sinnvoll und wann nicht? Über diese Fragen machen Schlafforscher und Schlafmediziner sich schon seit längerem Gedanken.

Marion Zerbst

Laut Ergebnissen einer Online-Umfrage der American Academy of Sleep Medicine (AASM)¹ nutzen über ein Drittel aller Amerikaner ab und zu oder sogar ständig getrennte Schlafzimmer.
Und in Deutschland sieht es auch nicht viel anders aus: Die Krankenversicherung Pronova BKK hat im Herbst des Jahres 2024 rund 2000 Personen ab einem Alter von 18 Jahren online zu ihren Schlafgewohnheiten befragt.² Diese Umfrage zeigte, dass auch die Deutschen von gemeinsamen Schlafzimmern nicht viel zu halten scheinen: 28 % der im Rahmen dieser Studie befragten Paare hatten getrennte Schlafzimmer, 22 % gaben an, nachts häufig in ein anderes Zimmer zu flüchten, weil sie sich durch die nächtliche Zweisamkeit gestört fühlen, und jeder dritte Befragte war der festen Überzeugung: „Ohne Partner bzw. Partnerin würde ich besser schlafen.“

In trauter Zweisamkeit schlafen: Was spricht dagegen?
Zusammen einschlafen, sich vorher vielleicht noch etwas erzählen und miteinander kuscheln – das kann doch nicht so verkehrt sein? Fühlt man sich denn nicht geborgener, wenn man in den Armen des Partners einschläft? Und kann die abendliche und nächtliche Zweisamkeit den Schlaf nicht vielleicht sogar erholsamer machen?
Dafür spricht tatsächlich einiges. Nicht zuletzt, weil bei körperlicher Nähe das „Kuschelhormon“ Oxytocin ausgeschüttet wird, das entspannend wirkt, die Produktion des Stresshormons Cortisol eindämmt, positive Gefühle wie Liebe und Vertrauen weckt und die Bindung zwischen zwei Menschen stärkt. (Allerdings steigt der Oxytocinspiegel auch, wenn wir mit unserem Hund schmusen – und zwar sowohl beim Menschen als auch beim Vierbeiner. Trotzdem sind die Ansichten darüber, ob man zusammen mit seinem Hund in einem Bett schlafen sollte, doch eher geteilt.)
Freilich gibt es auch viele Argumente, die gegen das gemeinsame Schlafen sprechen. Eines der wichtigsten Probleme: das Schnarchen des Partners. Dieses ungemütliche Geräusch kann in Extremfällen eine Lautstärke von 90 Dezibel erreichen – und bei der nicht schnarchenden Partnerin manchmal Mordgedanken wecken. Denn sie wird durch das „Sägen“ ihres Mannes nicht nur gnadenlos wachgehalten, sondern quält sich zusätzlich vielleicht auch noch mit Gedanken über die Ungerechtigkeit des Lebens: „Der schläft wie ein Murmeltier, und ich liege stundenlang wach …!“ Schnarchen als schlafstörender Faktor ist übrigens keineswegs selten: Bei fast jedem zweiten Paar schnarcht einer der beiden Partner.

Außer Schnarchen gibt es aber auch noch andere Schlafprobleme, die den Bettpartner wachhalten können. Problematisch kann es z. B. werden, wenn einer von beiden an einer Ein- oder Durchschlafstörung (Insomnie) leidet. Denn wer nachts schlecht schläft, ist normalerweise auch unruhiger, dreht sich öfter von einer Seite auf die andere und steht vielleicht auch häufiger auf. Noch schwieriger wird die Situation, wenn bei einem der beiden Partner ein Restless Legs Syndrom vorliegt: Denn solche Menschen werden gemeinerweise ausgerechnet nachts von unruhigen, zappeligen Beinen gequält und finden nur Linderung, indem sie aufstehen, herumlaufen und ihre Beine massieren oder kalt abduschen. Außerdem vollführen sie im Schlaf zu allem Überfluss oft auch noch unwillkürliche, rhythmische, strampelnde oder stoßende Beinbewegungen. Kein Wunder also, dass das Schlafen neben einem dieser bedauernswerten Menschen nicht gerade ein sanftes Ruhekissen ist … Und diese „Krankheit der unruhigen Beine“ ist leider alles andere als selten. 
Vielleicht hat aber auch einer der beiden Partner eine schwache Blase oder Prostataprobleme und muss daher öfters die Toilette aufsuchen, was natürlich ebenfalls nicht ganz geräuschlos vor sich geht.
Andere Probleme, die in einer Bettpartnerschaft auftreten können, ergeben sich aus unterschiedlichen Schlafgewohnheiten der beiden Partner: Der eine mag es lieber warm, der andere kalt; der eine liest abends vor dem Einschlafen gerne noch ein Stündchen, während der andere lieber gleich in tiefen Schlummer sinkt und das Licht der Nachttischlampe des Partners als störend empfindet. Oder vielleicht ist der Ehemann eine „Nachteule“, während die Frau eine „Lerche“ ist und erbarmungslos aus ihrem Schönheitsschlaf gerissen wird, wenn er nachts um drei endlich unter die gemeinsame Bettdecke kriecht. Oder der eine muss morgens früh aufstehen, und das Schellen des Weckers reißt nicht nur ihn, sondern auch die Partnerin aus dem Schlaf, und, und, und …
Somit ist der Schlaf zu zweit zwangsläufig störanfälliger: Man schläft leichter und unruhiger, selbst wenn einem das vielleicht nicht immer bewusst ist. „Auch wenn der Begriff ‚Schlaf-Scheidung‘ hart klingt, bedeutet er im Grunde nichts anderes, als dass die Menschen ihrem Schlaf eine hohe Priorität einräumen und bei Bedarf dann eben in ein Extra-Zimmer umsiedeln“, erklärt Dr. Seema Khosla, Lungenfachärztin und Sprecherin der AASM. „Aber wenn hinter dem Bedürfnis nach getrennten Schlafzimmern das laute Schnarchen eines Bettpartners steckt, sollte man diesen doch dazu motivieren, sich an einen Arzt zu wenden, denn dahinter könnte auch eine obstruktive Schlafapnoe stecken. Das gilt nicht nur für Männer, sondern auch für Frauen, die schnarchen.“ Denn krankhaftes Schnarchen mit Atemaussetzern ist keine bloße Lärmbelästigung mehr, sondern ein echtes Problem.

Getrennt schlafen für eine glückliche Ehe?
Auf die Dauer kann der durch die „traute Zweisamkeit“ gestörte Schlaf sich sehr negativ auf das Tagesbefinden – und damit auch auf die Beziehung – der beiden Partner auswirken.
„Man weiß, dass schlechter Schlaf die Stimmung verschlechtert; daher kommt es durch Schlafmangel häufiger zu Streit mit dem Partner“, erklärt Dr. Khosla. Denn die Emotionsregulation funktioniert besser, wenn man nachts ausreichend Schlaf bekommt; Schlafmangel führt nicht selten zu Reizbarkeit, schlechter Laune oder gar Aggressivität.

Schlafen wie die Skandinavier
Viele Paare, die nicht immer getrennt schlafen möchten, suchen abends nur dann unterschiedliche Schlafstätten auf, wenn sie wissen, dass einer von ihnen schnarchen wird. Denn das lässt sich ganz gut voraussagen: Alkoholkonsum und Übermüdung begünstigen das nächtliche „Sägen“ zum Beispiel – dann also ab ins Gästezimmer, damit am nächsten Morgen der Haus-segen nicht schief hängt! Manche Schnarcher behelfen sich aber auch damit, dass sie auf der Seite schlafen und abends auf Alkohol verzichten. Auch Protrusionsschienen, die den Unterkiefer nach vorne verlagern, können eine Lösung sein.
Andere weichen auf die „skandinavische Methode“ aus (die so heißt, weil offenbar viele Menschen aus Schweden, Norwegen und Dänemark diesen Schlafstil bevorzugen): Dabei schläft man zwar in einem Doppelbett, aber mit getrennten Bettdecken. So bekommt man von den Bewegungen und von nächtlichem oder frühmorgendlichem Aufstehen des Partners nicht so viel mit; gegen sein Schnarchen braucht man dann aber trotzdem Ohropax. Diese Methode hat auch den Vorteil, dass die Partner sich im Schlaf nicht gegenseitig die Decke wegziehen und dass getrennte Bettdecken unterschiedlichen Bedürfnissen gerecht werden können: „Verfrorene“ Menschen nutzen dann eben eine wärmere Bettdecke, während jemand, der viel schwitzt, auf eine leichtere, atmungsaktive Decke ausweichen und sich nachts auch teilweise aufdecken kann, ohne dass der Bettpartner dann jedes Mal fluchend aufwacht, weil er friert. Andere Paare gehen noch einen Schritt weiter und bestücken das gemeinsame Ehebett mit zwei verschiedenen Matratzen, denn auch da gibt es sehr unterschiedliche Präferenzen: Der eine mag es lieber hart, der andere weich, usw. 

Im Übrigen müssen selbst vollkommen getrennte Schlafzimmer nicht unbedingt ein Feind der Liebe sein: Es kann den Sex sogar spannender machen und die Liebe frisch halten, wenn man sich nur für gelegentliche „Schäferstündchen“ besucht und die unattraktiveren Nachtseiten des Partners bzw. der Partnerin (z. B. Schnarchen, Lockenwickler und gelegentliche Darmwinde) nicht mitbekommt.

 


 

Frauen sind „kuschelbedürftiger“ als Männer? Von wegen!
Vor allem die Herren der Schöpfung schlafen gerne von ihren Partnerinnen getrennt. In der Umfrage der AASM berichtete fast die Hälfte aller Männer 
(45 %), ab und zu oder immer in einem anderen Zimmer zu schlafen, während es bei den Frauen nur 25 % waren.
Andererseits gaben in einer anderen großen Umfrage³ mehr Männer als Frauen an, dass sie besser schlafen, wenn ihre Partnerin im Bett neben ihnen liegt, und dass Kuscheln sie glücklich macht, weil sie sich der Partnerin dann emotional nahe fühlen. Ganz einheitlich sind die Umfrageergebnisse also offenbar nicht. Andererseits kann es aber natürlich auch sein, dass die Männer in der AASM-Umfrage das gemeinsame Schlafzimmer aus Rücksicht auf ihre Ehefrauen räumen – weil Männer nun mal besonders oft schnarchen und Frauen einen besonders leichten, störanfälligen Schlaf haben.
 

 



Quellen:
1) Over a third of Americans opt for a “sleep divorce”. Pressemeldung der AASM vom 10. Juli 2023. aasm.org/over-a-third-americans-opt-sleep-divorce/
2) Jede*r 3. Deutsche würde ohne Partner*in besser schlafen. Leverkusen, 29.01.2025. www.pronovabkk.de/unternehmen/presse/pressemitteilungen/pressemitteilungen-2025/besserer-schlaf-ohne-partnerin-oder-partner.html
3) The Better Sleep Council: Sleep and Partners Research 2023. bettersleep.org/research/sleep-and-partners-research-2023/
 

Wenn Gene den Schlaf stören


Wie die P4-Family-Medicine Schlafapnoe neu denkt

Obstruktive Schlafapnoe (OSA) betrifft in Deutschland Millionen Menschen. Viele Betroffene wissen, dass Übergewicht, Lebensstil und anatomische Faktoren eine Rolle spielen – aber nur wenige ahnen, dass auch ihre Gene entscheidend mitwirken.

Prof. Dr. med. Hans-Jürgen Thiesen

Entsprechende DNA-Varianten, sogenannte Single-Nucleotide-Polymorphismen (SNPs), weisen auf individuelle Unterschiede hin, die unseren Stoffwechsel, unseren Gesundheitszustand und auch unsere Schlafregulation beeinflussen. SNPs sind Veränderungen eines einzelnen Basenpaars (A, C, G, T) in der DNA-Sequenz eines Menschen, die in mindestens 1% der Individuen einer Population vorkommen. Mittels sogenannter Direct-to-Consumer-Gentests (DTC) konnten sich Privatpersonen erstmalig bei 23andme (Gründung 2006) ihr persönliches SNP-Genommuster analysieren lassen. 
Dieses Wissen blieb jedoch in der Gesundheitsversorgung weitgehend ungenutzt – vor allem, weil es kaum Expertinnen und Experten gibt, die diese Rohdaten medizinisch interpretieren können. Genau hier setzt IndyMed an.

Die Expertise der IndyMed, eine Ausgründung (2004) des Instituts für Immunologie der Universitätsmedizin Rostock, beruht auf den wissenschaftlichen Forschungsergebnissen, die letztlich zum Konzept „P4-Family-Medicine“ geführt haben. Meine Expertise habe ich, Prof. Thiesen, im Rahmen meiner wissenschaftlichen zell- und molekularbiologischen Tätigkeiten an der Universität Hamburg (1980– 1985), am EMBL Heidelberg (1985–1987), am Basel Institut für Immunologie (1987–1995) und als Direktor des Instituts für Immunologie (Universitätsmedizin Rostock: 1995–2022), bzw. seit 2004 als Geschäftsführer von IndyMed erworben und ausgebaut.
Ursprünglich von Leroy Hood als „P4-Medicine“ 2004 definiert, wird dieses Konzept von der IndyMed um die familiäre Ebene als „P4-Family-Medicine“ erweitert. Ziel ist es, genetische Muster innerhalb von Familien zu verstehen, um Erkrankungen wie OSA frühzeitig zu erkennen und gezielt gegenzusteuern.

Das Konzept der P4-Family-Medicine beruht darauf, dass es erkenntnistheoretisch bisher nicht möglich ist, vorherzusagen, welchen Einfluss 11 Millionen unterschiedliche SNPs auf unser menschliches Sein haben. Wichtig ist für Sie, zu wissen, dass es sich bei den SNPs um Genomvarianten handelt, die in Populationen/Ethnien vorkommen. In DTC-Tests werden je nach Anbieter bis zu 1 Million SNPs gemessen. Individuelle Mutationen, die in Organen vorkommen, sind keine SNPs und werden genauso wie persönliche SNPs, die in Familien vorkommen, in den DTC-Tests nicht erfasst. Allerdings stehen wir hier vor einer Evolution: Seit kurzem können Privatpersonen bei TellmeGen ihr Genom komplett sequenzieren lassen. 

Unsere Mediziner und Kliniker verfügen aber nicht über die Infrastruktur, um individuelle Genome von Patienten mit multifaktoriellen polygenen Erkrankungen in ihre alltägliche Patientenberatung einzubinden. 
IndyMed übernimmt hier möglicherweise eine Vorreiterfunktion, indem die IndyMed in ausgewählten Fällen die Notwendigkeit des Patientenlotsendienstes zur Unterstützung der Krankheitsprävention übernimmt.
Die IndyMed sieht es als gesamtgesellschaftliche Notwendigkeit an, dass solche Lotsenfunktionen der Allgemeinheit zur Verfügung gestellt werden, damit der informierte Bürger partizipatorisch zunehmend Verantwortung für seinen Gesundheitsstatus übernehmen kann. Die OSA gilt hier als Pilotprojekt, um die Sinnhaftigkeit und Notwendigkeit von solchen Lotsenfunktionen wissenschaftlich dokumentieren zu können.
In Zusammenarbeit mit OSA-Selbsthilfegruppen und Schlaflaboren will die IndyMed Betroffenen helfen, ihre DTC-Genomdaten in eine medizinisch nutzbare Form zu überführen (siehe Abbildung 1). 
Die IndyMed nutzt zur besseren Erfassung der DTC-Daten folgende Vorklassifikationen: Indy 1, Indy 2, Indy 3 und Indy 4, die von den OSA-Betroffenen selbst vergeben werden (siehe Box 1).
Die IndyMed (siehe Box 2) betrachtet die OSA als Spektrum unterschiedlicher, genetisch geprägter Untergruppen. Diese SNP-basierte Subklassifikation soll es künftig den OSA-Betroffenen in Abstimmung mit ihren behandelnden Ärzten ermöglichen, Therapieformen – von CPAP-Atemmasken über Ernährungsinterventionen bis hin zu medikamentösen Ansätzen – gezielter unter Einbindung individueller genetischer Disposition zu kategorisieren. 

Diese Wechselwirkungen zwischen Genetik und Umwelt bilden die Grundlage der sogenannten P4-Family-Medicine. 

Selbst jeder Zwilling hat ein individualisiertes Immunsystem und unterscheidet sich durch epigenetische Veränderungen, die über unseren Lebensstil, wie Ernährung, Stress oder Umweltbedingungen, unser körperliches und geistiges Wohl mitbestimmen. Eine epigenetische Veränderung ist beispielsweise die methylierte DNA, welche in DTC-Testungen nicht erfasst wird. Auf DNA-Ebene finden wir in unseren IndyMed DTC-Auswertungen eineiiger Zwillinge 211 bzw. 74 unterschiedliche SNPs in über 681 000 gesamtdetektierten SNPs. In 3 von 211 bzw. 2 von 74 Fällen könnte es sich um signifikante Unterschiede in den Genomen eineiiger Zwillinge handeln.
Der Schwerpunkt des P4-Family-Medicine Konzeptes ist auf den Begriff „partizipatorisch“ (man nimmt aktiv teil) zu legen. Unsere Umfragen in 1999 wie auch unsere Corona-Umfrage zeigen, dass Mitbürger, die ihr Genom über DTC-Testungen kennengelernt haben, ein anderes Verhältnis zum eigenen Körper entwickeln. Wir haben festgestellt, dass Patienten, die ihr Genom kennen, auch medikamentöse Therapien verantwortlicher befolgen. Die Therapietreue nimmt zu.

Die Medien und auch wir als Bürger erwarten, dass unsere Genomdaten bestmöglich geschützt werden, dass die Daten nicht an Dritte weitergeben werden, bzw. die Genomdaten als das Eigentum des Genom-Inhabers verbleiben. Die IndyMed bietet hier Orientierung: Alle Auswertungen erfolgen datenschutzkonform nach DSGVO. DTC-Analyse-Ergebnisse werden von der IndyMed nicht medizinisch-diagnostisch, sondern informativ und präventiv interpretiert und können mit Zustimmung des OSA-Betroffenen den behandelnden Ärztinnen und Ärzten zur Verbesserung der OSA-Subklassifikation und zur möglichen Optimierung der OSA-Therapie zur Verfügung gestellt werden.

Die IndyMed geht davon aus, dass in absehbarer Zeit die IndyMed-Analysen dazu beitragen können, dass die OSA-Betroffenen einen OSA-Score erhalten, der dann in die persönliche Therapie-Planung einbezogen werden kann. Hierzu übernimmt die IndyMed in Absprache mit dem OSA-Betroffenen auch die Datenübermittlung an den behandelnden Arzt. Wichtig ist zu wissen, dass die DTC-Analysen in Absprache mit den OSA-Betroffenen gegebenenfalls um weitere Analysen erweitert werden können, um jedem OSA-Betroffenen seine bestmögliche individualisierte OSA-Therapie anbieten zu können. IndyMed übernimmt somit die Funktion eines Gesundheitslotsen, der es dem Betroffenen bzw. Patienten ermöglicht, seine Genom-Daten zur Optimierung seiner Therapie nutzbar zu machen. 

Während weltweit große Forschungsprojekte (UK Biobank, FinnGen, 1000-Genomes-Project) die genetischen Grundlagen komplexer Erkrankungen untersuchen, überführt die P4-Family-Medicine dieses Wissen am Beispiel der OSA in die hausärztliche Versorgung. Gerade OSA-Selbsthilfegruppen und Schlaflabore könnten eine Schlüsselrolle übernehmen: OSA-Betroffene können in Kommunikation mit ihren Selbsthilfegruppen Ängste vor genetischen Untersuchungen abbauen und Wege aufzeigen, wie persönliche DTC-Genomdaten zum Nutzen von Mitgliedern einzelner Selbsthilfegruppen mittels sogenannter Gesundheitslotsen genutzt werden können
Noch steht die genetische Subklassifikation der Schlafapnoe am Anfang, doch die Richtung ist klar: Wer die genetische Vielfalt versteht, kann Therapien gezielter, effektiver und nachhaltiger gestalten.
Langfristig könnten KI-gestützte Modelle aus Millionen SNP-Kombinationen jene Risikoprofile erkennen, die heute noch im Dunkeln liegen – und so den Weg zu einer wirklich individualisierten Schlafmedizin ebnen.

 


Kontakt und Teilnahme
Interessierte OSA-Betroffene oder Selbst-hilfegruppen können sich bei der IndyMed GmbH melden, um ihre DTC-Daten 
vertraulich analysieren und besprechen zu lassen.
Prof. Thiesen und sein Team begleiten den Prozess wissenschaftlich, ethisch und mit der Erfahrung jahrzehntelanger molekularmedizinischer Forschung.

IndyMed GmbH – Gesellschaft für 
individualisierte Medizin
E-Mail: info@indymed.de
www.indymed.de
Industriestr. 15
18069 Rostock




Legende zu Abb. 1:

Von der P4-Family-Medicine zu einem besseren Schlaf
Die IndyMed-Grafik veranschaulicht die Grundidee der P4-Family-Medicine. Im Zentrum steht der Gesundheits-Lotse (IndyMed), der als verbindendes Element zwischen OSA-Betroffenen, Arztpraxen/Schlaflaboren und dem Technologie- und Wissenschaftstransfer fungiert. Die IndyMed führt genetische Erkenntnisse und individuelle Lebensfaktoren zusammen, um eine partizipative und personalisierte Schlafmedizin in der DACh-Region zu fördern.




Legende zu Abb. 2:

Ergebnisse der Umfrage „P4-Family-Medicine – Gene der Ahnen“ (April 2019).
Die Befragung zeigt, dass 70,4 % der Teilnehmenden wissen möchten, welche Gene sie geerbt haben. Auch unter jenen, die ihre genetischen Informationen nicht persönlich erfahren wollen, wären 86,3 % bereit, ihr Genom oder ihre Krankheitsdaten ihren Nachkommen zur Verfügung zu stellen. Über die Hälfte der Befragten (54,7 %) befürwortet zudem, dass behandelnde Ärztinnen und Ärzte Zugang zu den Genomdaten erhalten sollten – selbst dann, wenn sie selbst nicht informiert werden möchten.
Diese Ergebnisse unterstreichen das wachsende Bewusstsein in der Bevölkerung für genetische Verantwortung, familiäre Weitergabe von Gesundheitsinformationen und partizipative Entscheidungsprozesse im Sinne der P4-Family-Medicine.

 

 

Genanalyse OSA-Betroffener als Angebot der IndyMed
Die IndyMed hilft Ihnen, als OSA-Betroffenem, unter Nutzung Ihrer DTC-Gentest-Ergebnisse in Kooperation mit Ihren Ärzten*innen Folgendes zu erreichen: • Individuelle Risikoabschätzung: Wer genetisch empfindlicher ist, kann früh reagieren. • Gezieltere Therapie: Subtypen der OSA können unterschiedlich auf CPAP, Medikamente oder Gewichtsreduktion ansprechen. • Familienbezogene Prävention: Wenn genetische Risikomuster bekannt sind, können Angehörige profitieren. • Patient Empowerment: Wer seine genetischen Grundlagen versteht, kann aktiver über Therapie und Lebensstil entscheiden. Im Fokus der IndyMed-Analyse stehen OSA-Betroffene, Teilnehmer*innen aus OSA-Selbsthilfegruppen oder Schlaflaboren, die ihre Daten (Alter, Geschlecht, Größe, Gewicht, Apnoe-Hypopnoe-Index, CPAP-Therapie, ggf. DTC-Rohdaten nach vertraglicher Vereinbarung) bereitstellen möchten und folgende Kriterien erfüllen: • Bevorzugt Patient*innen mit schwerer OSA (AHI > 30) – Gruppe Indy 1 • OSA-Betroffene mit gesicherter Diagnose (AHI > 15) – Gruppe Indy 2 • OSA-Betroffene mit Zungenschrittmacher – Gruppe Indy 3 • OSA-Betroffene mit CPAP – Gruppe Indy 4 • Eltern OSA-Betroffener – Gruppe Indy 5 OSA-Betroffene, die bereits DTC-Gentest (TellmeGen, 23andMe, MyHeritage, Dante Labs etc.) durchgeführt haben, können Ihre Rohdaten nach vertraglicher Vereinbarung der IndyMed zusenden, die diese in Ihrem Sinne auswerten wird.

 

P4-Family-Medicine, OSA & Genetik – verstehen, was möglich ist Das P4 Family Medicine-Konzept der IndyMed beruht auf der „P4 Medicine“ von Leroy Hood (2004). Ziel ist es, familienbasiert Genominformationen für die Diagnostik und Therapie multifaktorieller polygenetischer Volkskrankheiten im Sinne der 4 „P“ nutzbar zu machen:  • Prädiktiv: Genetische und biomedizinische Marker erkennen Risiken früh. • Präventiv: Individuelle Präventions- und Lebensstilstrategien werden möglich. • Personalisiert: Therapien werden an genetische und epigenetische Unterschiede angepasst. • Partizipatorisch: Patient*innen und ihre Familien sind aktive Partner der Medizin. Obstruktive Schlafapnoe (OSA) ist eine häufige Schlafstörung, die sich auszeichnet durch Schnarchen, Atemaussetzer, Tagesschläfrigkeit verbunden mit einem erhöhten Risiko für Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen und Stoffwechselstörungen. Nicht jede OSA ist gleich.  Die Genetik hilft zunehmend, verschiedene Untergruppen der OSA mit therapeutischer Konsequenz gezielter zu unterscheiden. Jeder Bundesbürger hat die Möglichkeit, sich über Direct-to-Consumer (DTC)-Gentestungen (wie TellmeGen, 23andMe u.a.) bis zu 1 Million Single-Nucleotide-Polymorphismen (SNPs) bestimmen zu lassen.  Die IndyMed hilft, diese DTC-Rohdaten medizinisch sinnvoll zu interpretieren – unter strenger Wahrung der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO). Die Analyse erfolgt informativ, nicht diagnostisch, als Grundlage für individuelle Beratung und Prävention.